03.04.2026
HEALTH

PHE-Buddy: Gründer baut KI-Health-App nach bedrückendem Telefonat

Ein beiläufiger Satz bei einer Therapiesitzung über den Alltag einer Familie mit einem PKU-kranken Kind brachte Unternehmer Patrick Monuth dazu, tiefer zu gehen. Dabei erfuhr er von einem Leben zwischen Küchenwaage, Nährwerttabellen und Taschenrechner – bei jeder einzelnen Mahlzeit. Eine digitale Lösung für dieses Problem fand niemand. So baute sie Monuth selbst.
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PCM Group, PHE Buddy
© PCM Group/Canva - PHE Buddy - Patrick Monuth.

Alles begann mit einer kurzen Information: Ergotherapeutin Caro erzählte ihrem Patienten, PHE-Buddy-Entwickler und Gründer der PCM Group im Salzburger Pongau, Patrick Monuth von ihrer Schwester Stefanie, Mutter eines PKU-kranken Kindes. Er erfuhr vom täglichen Ritual der Erziehenden beim Essen zubereiten für ihr Kind: nachschlagen, wiegen, rechnen. Für jede Mahlzeit. Für jedes Lebensmittel. Für immer. Eine digitale Lösung gab es in ganz Europa nicht zu finden. Monuth rief Stefanie noch am selben Tag an und hatte bald eine Lösung parat.

PKU (Phenylketonurie) ist ein angeborener Stoffwechseldefekt mit gravierenden Folgen – wenn man ihn ignoriert. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sich das angesammelte Phenylalanin im Gehirn ablagern und schwere neurologische Schäden verursachen. Mit der richtigen Behandlung lässt sich dies jedoch verhindern: Eine konsequent phenylalaninarme Ernährung, die meist durch spezielle Eiweißmischungen ergänzt wird, gilt als zentrale Behandlungsmethode.

PHE-Buddy: KI analysiert Nahrung

Rund einen Monat nach dem Gespräch mit Stefanie baute der Salzburger den PHE-Buddy (Phenylalanin) – eine kostenlose KI-App für PKU-Patienten in Europa. Hierbei fotografieren Betroffene die Verpackung eines Lebensmittels, die KI analysiert die Nährwerttabelle in Echtzeit und berechnet den Phenylalanin-Gehalt auf Basis des persönlichen Tageslimits. Dazu kommt: Blutwertdokumentation und eine Community-Funktion.

12 Prozent mit richtiger Versorgung

PKU betrifft in Europa rund 75.000 Menschen, davon etwa 700 in Österreich und 8.000 in Deutschland. Laut Studien erhalten nur zwölf Prozent eine adäquate medizinische Versorgung. Digitale Alltagsunterstützung existierte bislang nicht. Die PCM Group trägt heute Entwicklung, Design und Betrieb vollständig ehrenamtlich. Gesucht werden aktuell Sponsoren für die KI-Infrastrukturkosten, medizinische Partner sowie Investoren. Der Launch ist für Q3 2026 geplant – die Warteliste ist offen.

„Nicht akzeptabel“

„Wir haben heute die Technologie, die das Leben von Menschen mit seltenen Erkrankungen fundamental verändern kann – multimodale KI, die Bilder versteht, Zusammenhänge erkennt und in Echtzeit antwortet. Und sie wird in Bereichen eingesetzt, wo es um Werbung geht, um Unterhaltung, um Likes. Dabei gibt es Familien, die jeden Morgen mit dem Taschenrechner in der Küche stehen und ausrechnen, ob ihr Kind heute eine Scheibe Brot essen darf. Das ist nicht akzeptabel. Nicht 2026. Nicht mit den Möglichkeiten, die wir haben. PHE-Buddy ist meine Antwort darauf. Aus dem Pongau. Für ganz Europa. Und ich werde nicht aufhören, bis jede betroffene Familie diese App kostenlos in der Hand hat.“

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Das Founder-Team von hello again rund um Franz Tretter (2.v.l.) | (c) hello again
Das Founder-Team von hello again rund um Franz Tretter (2.v.l.) | (c) hello again

Mehr als 1.000 Unternehmenskunden mit insgesamt rund 18 Millionen App-User:innen – da steht hello again mit seinem Loyalty-App-Angebot aktuell. Zu den Kunden des Scaleups mit Sitz in Leonding neben Linz zählen große Ketten wie Müller, Deichmann, Klipp, L’Osteria oder Vamed Vitality World ebenso wie zahlreiche kleinere Ketten und Betriebe, wie etwa Leberkas-Pepi.

Im Mittelstand sei man im DACH-Raum Marktführer, sagt Gründer und CEO Franz Tretter gegenüber brutkasten. In der Region liegt bislang auch der klare geografische Fokus. „Wir haben zwar Kunden in 25 Ländern, aber keine Verkaufsteams vor Ort“, erklärt Tretter. Dazu gekommen sei es hauptsächlich über Weiterempfehlung, über Kunden die in weiteren Märkten aktiv sind oder etwa im Fall Südtirols über die kulturelle Nähe.

„Mont Blanc“, noch nicht „Mount Everest“

Doch nun stehen weitere Expansionsschritte bevor. „Wir wollen die Nummer 1 in Europa werden“, so Tretter selbstbewusst. Dafür nahm hello again nun eine größere Summe Kapital auf. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Emeram steigt mit einem nicht konkret bezifferten achtstelligen Betrag ein. Es sei ein „mittlerer“ achtstelliger Betrag, präzisiert Tretter auf brutkasten-Rückfrage. Das Gründer-Team behalte dabei die Mehrheit und bleibe „im Driver-Seat“.

Dabei habe man mehrere konkrete Angebote gehabt und sich letztlich für die Münchner Gesellschaft entschieden: „Es ist der absolute best case“, so der Gründer. „Das ist schon Oberliga. Es fühlt sich an, als hätten wir den Mount Everest bestiegen“, sagt Tretter, um sich gleich selbst auszubessern: „Oder besser den Mont Blanc. Weil fertig sind wir noch lange nicht, es warten noch viele höhere Gipfel.“ Und schließlich sei ihm in den vergangenen Jahren als Unternehmer auch eines immer mehr bewusst geworden: „Der Weg ist das Ziel.“

Spanien oder Polen als nächster Markt

Und dieser Weg soll nun in weitere europäische Fokusmärkte führen. Konkret teste man aktuell bereits die Märkte Polen und Spanien, um die nächsten großen Schritte auszuloten. Tretter betont aber: „Der DACH-Raum bleibt noch unser größter Wachstumsmarkt. Es gibt noch sehr viel Potenzial.“ Schließlich kommen etwa vier der aktuell rund 18 Millionen App-User:innen aus dem Heimatmarkt Österreich. Entsprechend viel ist im mittlerweile wichtigsten Markt Deutschland noch zu holen.

Die geografische Expansion ist aber nicht die einzige aktuelle Entwicklung. So arbeite man etwa seit Kurzem mit netzwerkübergreifenden Prämien. „Es bekommt also zum Beispiel ein Leberkas-Pepi-Kunde einen Benefit bei Sky angeboten. Das ist ein riesiger Reichweiten-Vorteil“, erklärt Tretter.

Ein weiteres Thema, auf das man stark setze, sei Individualisierung durch KI. „Wir können auf Basis anonymisierter Daten zielgenaue personalisierte Angebote verschicken. Die User bekommen Benefits, die genau gerade relevant für sie sind. Das steigert den Umsatz nachweislich um acht Prozent“, sagt der Gründer. Denn diese Personalisierung sei auch eine „absolute Konsumentenerwartung“.

„Wir waren immer bodenständig“

Der Plan steht also. Das Mindset soll dabei das bewährte bleiben. „Wir waren immer bodenständig. Aber die Dampflok rollt und fährt und fährt“, sagt Tretter. Getreu dem zuvor erwähnten Motto – „der Weg ist das Ziel“ – soll es auch weitergehen. „Wird morgen alles einfacher?“, fragt Tretter in den Raum. „Nein, die nächsten Challenges kommen und wir werden gemeinsam weiter wachsen. Nicht nur das Unternehmen sondern auch die Mitarbeiter.“

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