Nach Insolvenz mit erstem Startup: Gründerin holt 20 Investor:innen in einer Runde
Tanja Bogumil setzt mit ihrem Startup Perfeggt auf veganen Ei-Ersatz. An einer 3,6 Millionen Euro-Finanzierungsrunde beteiligten sich nun um die 20 Investor:innen.
Das 2012 von Tanja Bogumil mit Linh Nguyen gegründete Curated-Shopping-Startup Kisura konnte gute Wachstumszahlen vorweisen. Doch 2018 schlitterte es trotzdem in die Insolvenz. Grund dafür war eine geplatzte Investment-Runde – das Unternehmen war zu dem Zeitpunkt noch nicht profitabel. Dieses Kapitel endete mit der Übernahme der insolventen Gesellschaft durch den deutschen Handelsriesen Karstadt. Doch die Betriebswirtin Bogumil schlug ein neues Kapitel auf – diesmal gemeinsam mit Lebensmitteltechnologe Bernd Becker und Investor Gary Lin: Perfeggt will den besten veganen Ei-Ersatz am Markt liefern.
Dieser Markt ist zwar noch ziemlich neu, aber es gibt bereits einiges an Konkurrenz. Kürzlich etwa brachten vier Ex-Lidl-Manager mit „The VGN“ ein solches Produkt heraus, das so wie Perfeggt, ebenfalls flüssig und gekühlt verkauft wird. Schon länger gibt es das pulverförmige Produkt MyEy aus Tirol, das aber den Sprung über Bio- und Vegan-Shops hinaus noch nicht schaffte. Wie auch „The VGN“ setzt Perfeggt auf Ackerbohnenprotein als einen der Hauptbestandteile. Dazu kommen allerdings noch eine Reihe weiterer Zutaten, die das Startup nicht nennt. Es sei „ein hochkomplexes, pflanzliches Proteinsystem“, sagt die Gründerin gegenüber dem deutschen Magazin Gründerszene.
Biogena-Gründer Schmidbauer unter rund 20 Investor:innen für Perfeggt
Hochkomplex sind inzwischen auch die Beteiligungsverhältnisse des Startups. Denn Investor:innen scheinen bei Perfeggt Schlange zu stehen. Eine im Dezember kommunizierte 2,5 Millionen Euro-Finanzierungsrunde wurde nun auf 3,6 Millionen Euro erweitert. Insgesamt stiegen rund 20 Investor:innen ein. EVIG Group, Stray Dog Capital, Good Seed Ventures, E²JDJ, Tet Ventures und Shio Capital wurden bereits im Dezember als Kapitalgeber genannt. Neu hinzu kommen Gorillas-Gründer Jörg Kattner, die Just Spices-Gründer Ole Strohschnieder und Béla Seebach, die Foodspring-Gründer Philipp Schrempp und Tobias Schüle, Hubertus Bessau von MyMuesli, Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer, Investorin Verena Pausder, Dance-Gründer Eric Quidenus Wahlforss, Atomico Angel Deepali Nangia und der SpaceTech und DeepTech Fund Urania Ventures von Maru Winnacker. Mit Biogena-Gründer Albert Schmidbauer ist auch der derzeit aktivste österreichische Food-Investor dabei.
Der Marktstart ist noch nicht erfolgt, doch es soll bald soweit sein. Dann soll Perfeggt gleich zu Beginn nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz in den Verkaufsregalen landen. Das frische Geld der aktuellen Kapitalrunde investiere man in die Produktforschung und -entwicklung, in den Teamaufbau und in die Markteinführung des flüssigen Ei-Ersatzes, heißt es vom Startup.
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
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Christoph Reinwald, General Manager des Pharma-Startups Complex Pharmaceuticals |
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen.
Wenn über Innovation gesprochen wird, stehen meist Forschung, neue Technologien oder bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse im Mittelpunkt. Gerade im Life-Science-Bereich sind es häufig neue Wirkstoffe, innovative Therapieansätze oder vielversprechende Biotech-Unternehmen, die Aufmerksamkeit erzeugen. Der eigentliche Härtetest beginnt aber oft erst dann, wenn aus einer wissenschaftlichen Idee ein marktfähiges Produkt werden soll.
„Zwischen Forschung und erfolgreicher Versorgung liegt die industrielle Umsetzung – eine hochkomplexe Phase“, gibt Christoph Reinwald zu bedenken. Er ist General Manager von Complex Pharmaceuticals, einem österreichischen Pharma-Startup, das mit neuen Ansätzen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Europa beitragen will.
Die unterschätzte Seite der Innovation
Dabei geht es um weit mehr als Produktion im klassischen Sinn: Verpackung, Serialisierung, Dokumentation, Qualitätssicherung, regulatorische Anforderungen, Lagerung und Distribution bilden gemeinsam jene Infrastruktur, die Innovation überhaupt erst für Patient:innen verfügbar macht.
Genau an diesem Punkt stehen viele europäische Life-Science-Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: „Forschungskompetenz ist vorhanden, technologische Ideen ebenfalls. Doch wenn es um flexible Produktions- und Verpackungskapazitäten geht, fehlen oft geeignete Strukturen“, weiß Reinwald aus eigener Erfahrung. Der Biotechnologe mit Spezialisierung auf Qualitäts- und Risikomanagement beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den regulatorischen und industriellen Anforderungen der Pharmabranche. In leitenden Funktionen verantwortete er Entwicklungs-, Produktions- und Qualitätsprozesse entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Als Qualified Person gemäß EU-GMP-Richtlinie kennt er die Herausforderungen, die zwischen wissenschaftlicher Innovation und industrieller Umsetzung liegen, aus erster Hand.
Während viele industrielle Systeme auf große Produktionsmengen ausgelegt wurden, verändert sich die Branche zunehmend. Spezialisierte Therapien und Produkte, kleinere Chargengrößen und klinische Studien erfordern neue Produktionslogiken. „Gefragt sind heute Produktionssysteme, die schnell skalieren können, kurze Umrüstzeiten ermöglichen und unterschiedlichste Anforderungen des Marktes wirtschaftlich abbilden“, so Reinwald.
Infrastruktur als Innovationsmotor
Genau hier setzt er mit seinem Unternehmen Complex Pharmaceuticals an. In Traiskirchen, südlich von Wien, wird derzeit ein hochmodernes Produktions- und Verpackungszentrum für die pharmazeutische Industrie aufgebaut. Ziel ist es, flexible Kapazitäten für unterschiedliche Marktanforderungen bereitzustellen – von Klein- und Kleinstchargen bis hin zu kommerziellen Produktionsvolumina. Dabei versteht sich das Unternehmen nicht nur als Produktionsdienstleister, sondern als Teil eines größeren Ökosystems.
Denn die beste wissenschaftliche Idee bleibt wirkungslos, wenn sie nicht effizient produziert, verpackt und verteilt werden kann. Wettbewerbsfähigkeit entsteht heute entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Forschung bis zur Auslieferung. Daher braucht erfolgreiche Innovation laut Reinwald die richtige Infrastruktur.
Aus diesem Grund investiert Complex Pharmaceuticals bereits vor dem Produktionsstart Anfang 2027 in den weiteren Ausbau seines Standorts. Die Gesamtfläche wurde auf 15.200 Quadratmeter erweitert und damit beinahe verdoppelt. Neben den bereits vorhandenen Produktionskapazitäten bilden zusätzliche Lagerflächen sowie Infrastruktur für zukünftige Projekte die Grundlage für umfassende pharmazeutische Services.
Die Investition folgt dabei der Überzeugung, dass Europa nicht nur Forschungsexzellenz braucht, sondern auch die Fähigkeit, Innovationen industriell umzusetzen. Gerade Österreich bietet laut Reinwald dafür ideale Voraussetzungen: Universitäten, Forschungszentren, Startups und etablierte Industrieunternehmen bilden ein starkes Netzwerk. Werden diese Kompetenzen durch moderne Produktionsstrukturen ergänzt, entsteht ein Umfeld, in dem Innovation nicht nur gedeihen, sondern auch erfolgreich skaliert werden kann.
Für den Standort Traiskirchen bedeutet das eine langfristige Perspektive: Bis 2028 entstehen mehr als 60 neue Arbeitsplätze, gleichzeitig wird in Automatisierung, Digitalisierung und eine nachhaltige Gebäudetechnik investiert.
Von Science zu Business
Die eigentliche Bedeutung solcher Projekte reicht jedoch weit über einen einzelnen Standort hinaus. Sie zeigen, dass erfolgreiche Innovation nicht nur durch Forschung entsteht; sie entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, unternehmerischer Mut und industrielle Umsetzung zusammenkommen. Oder anders gesagt: Der Weg von Science zu Business führt nicht nur durch das Labor, sondern auch durch die Fabrik.
Infobox: Complex Pharmaceuticals ist ein 2024 gegründetes Pharmaunternehmen mit Sitz in Wien und einem Produktions- und Verpackungszentrum in Traiskirchen. Mit seinem Fokus auf hochflexible Sekundärverpackung können unterschiedlichste Chargengrößen effizient und exakt hergestellt werden. So trägt das Unternehmen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Produktionsstandorts Europa bei. www.complex-pharma.com
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