14.03.2023

Patent-Jahresbericht: Oberösterreich Nummer 1-Bundesland bei Patentanmeldung

Weltweit haben Österreicher:innen 10.816 Patente angemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das einen Rückgang um knapp zwei Prozent dar.
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(c) APA Fotoservice Reither - Mariana Karepova, Präsidentin des Österreichischen Patentamtes.

Die letzten Jahre waren für fast alle europäischen Länder schwache Patent-Jahre. Einige Länder wie Frankreich, Schweden oder auch Dänemark haben die Trendwende jedoch geschafft und meldeten zuletzt wieder mehr Patente an. Deutschland ist, so wie Österreich, noch auf Krisenniveau.

Patent: Österreich in Europa auf Platz 3

„Österreich ist nach wie vor ein Land toller Erfinderinnen und Erfinder. Zwar haben wir bei den Patentanmeldungen leicht nachgelassen, aber wir liegen in Europa auf Platz drei, wenn es um die Ausgaben für Forschung und Entwicklung geht. Genauso erfreulich ist, dass Österreich bei Zukunftstechnologien weiter stark wächst. Hier landen wir EU-weit auf Platz acht“, macht Klimaschutzministerin Leonore Gewessler Mut.

Besonders auf den Gebieten Künstliche Intelligenz, 3D-Druck und Drohnen werde hierzulande besonders viel patentiert. Beim Österreichischen Patentamt wurden 2022 insgesamt 2.231 Erfindungen angemeldet. Das Bundesland Nummer eins ist weiterhin Oberösterreich – mit 470 Erfindungen. Platz zwei und drei belegen die Steiermark mit 436 und Wien mit 345 Erfindungen.

„AVL List“ führt Unternehmensranking an

Eine Erfinderin oder einen Erfinder trifft man am ehesten in Vorarlberg – es liegt auf Platz eins bei der Anzahl an Erfindungen pro Einwohner:in. Der größte Patentanmelder beim Österreichischen Patentamt ist „AVL List“ mit 189 angemeldeten Erfindungen, gefolgt von „Julius Blum“ mit 79, „Engel“ und „Siemens“ mit je 26 Erfindungsanmeldungen.

Spezielles Angebot für KMUs

Speziell für KMUs hat das Patentamt ein weiteres Angebot ausgearbeitet: „Wenn sie ihr Patent in Österreich anmelden, dann geben wir ihnen kostenlos eine Recherche vom Europäischen Patentamt mit auf den Weg. Damit wissen sie, was das Europäische Patentamt von ihrer Erfindung hält, noch bevor sie dort anmelden. So gewinnen sie Zeit und Sicherheit. Das ist wie eine Wettervorhersage für ihr europäisches Patent – nur stimmt‘s immer“, erklärt Patentamtspräsidentin Mariana Karepova.

Patent: Startups im Aufwind

Diese im Ministerrat beschlossene Patentrechtsnovelle wurde auch genutzt, um das bestehende Verbot von Bio-Patenten zu schärfen und Schlupflöcher zu schließen, die in den letzten Jahren immer häufiger von Konzernen der Agrar- oder Lebensmittelindustrie ausgenutzt wurden.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der heimischen Patente gehen auf das Konto von großen Unternehmen – Tendenz steigend. Unter den neuen Kund:innen beim Patentamt seien Startups am besten im Rennen. Laut dem „Startup-Monitor“ haben rund ein Viertel der österreichischen Startups eigene Patente und knapp 55 Prozent machen Markenanmeldungen. Österreichische Spin-Offs aus Universitäten oder Forschungseinrichtungen fallen dabei besonders auf. Von ihnen haben 50 Prozent ein Patent.

Future-Tech

Die Patentzahlen zeigen zudem, dass Österreicher:innen bei Zukunftstechnologien besonders viel zu Künstlicher Intelligenz, 3D-Druck und Robotik forschen und entwickeln. Bei industrieller Anwendung, der 4. industriellen Revolution, haben sich seit 2010 die Patentanmeldungen mehr als verdreifacht. Auf manchen Gebieten, zu denen auch die Technologien zur Energieeinsparung, Datenmanagement und Robotik zählen, haben sich die Patentanmeldungen aus Österreich seit 2010 versechsfacht.

„So viele Patente auf Gebieten der Industrie 4.0 stimmen mich zuversichtlich. Vor allem zeigt das: Unsere Förderstrategien tragen Früchte“ sagt Gewessler. „Diese beeindruckende Performancesteigerung in einem sehr kurzen Zeitraum verdanken wir unseren industriellen Flaggschiffprogrammen ‚Produktion der Zukunft‘, ‚IKT der Zukunft‘, aber auch den Forschungsarbeiten in den einschlägigen ‚COMET-Zentren‘ wie dem ‚Austrian Center for Digital Production‘, dem ‚Linz Center of Mechatronics‘ oder ‚Pro2Future – Products and Production Systems of the Future‘.“

Europäisches Einheitspatent am Weg

„Ab Juni wird das europäische Einheitspatent Realität. Es läutet eine neue Ära ein, auf die Europa seit 50 Jahren hinarbeitet: Die EU-Mitgliedstaaten rücken noch näher zusammen und schaffen einen gemeinsamen, einheitlichen Patentraum“, so Gewessler weiter. „Das ist wie die Einführung der Einheitswährung Euro, nur für Patente“, ergänzt Karepova.

Mit dem Einheitspatent sei es Unternehmer:innen möglich, mit bloß einer Anmeldung, einer Gebühr und einer Übersetzung beim Europäischen Patentamt den Schutz in 17 Mitgliedsstaaten der EU zu erlangen.

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Gerhard Petzl möchte mit seinem Elektrolyt-Cocktail ein unbesetztes Segment erobern. | © Gerhard Petzl

Wenn Gerhard Petzl eine seiner Plash-Dosen aufmacht, fühlt sich das für ihn ein bisschen nach Urlaub an. Genau dieses exklusive Gefühl will der Gründer mit seinem Getränke-Startup in den Alltag seiner Kund:innen bringen. Seine alkoholfreien Mocktails sollen nach Bar schmecken und nebenbei Elektrolyte liefern. Das Konzept würde die Gen Z mit dem Begriff „Spaßgetränk“ auf den Punkt bringen. Etwas, das man sich zu besonderen Anlässen gönnt, wie ein Gläschen Wein, nur gesünder.

Der Geschmack einer Bar, die Mineralien eines Sportgetränks

Der Hybrid-Cocktail in den drei Geschmacksrichtungen Pink Guava, Lemon & Mint und Orange Ginger | © Plash

Am Anfang der Getränke-Reise stand ein Ärgernis: Sportgetränke liefern Elektrolyte, schmecken aber nicht besonders hochwertig, Softdrinks schmecken, sind aber oft voll mit Zucker oder anderen Konservierungsmitteln. Also entwickelte Petzl, laut eigenen Angaben, den ersten trinkfertigen Mocktail mit Elektrolyten in der EU.

Eine 330-Milliliter-Dose enthält laut eigenen Angaben rund 20 Kalorien, drei Gramm Zucker und bis zu zehn Prozent Fruchtsaft. Zudem sind die Getränke vegan und kommen ohne Konservierungsstoffe aus. Auf künstliche Zuckerfreiheit verzichtet das Startup bewusst: „Der Zucker fungiert als Brücke, die das Geschmacksprofil und die Fruchtnoten stabilisiert“, betont Petzl im Gespräch. Ohne die drei Gramm Zucker würde im Mittelbereich des Körpers der Geschmack absacken – selbst bei der Verwendung von Stevia.

Pro Dose enthält der Hybrid-Cocktail zudem 320 Milligramm Kalium, 120 Milligramm Kalzium, 57 Milligramm Magnesium und 14 Milligramm Natrium in einer Menge, die laut Petzl die gesetzlichen Vorgaben für die Auslobung erfüllt. Ein vergleichbares US-Produkt unterschreite sie. Die gelösten Mineralien zählen zu den teuersten Zutaten, wie der Gründer im Gespräch verrät.

Vom Pastry Chef über Nestlé zum Alleingründer

Ursprünglich kommt Petzl aus der Schokoladenwelt: Über 20 Jahre arbeitete er als Pastry Chef, Chocolatier und Berater in Europa, den USA, Asien und Australien, nach eigenen Angaben mit mehr als acht Goldmedaillen. Danach entwickelte er knapp ein Jahrzehnt lang bei Nestlé in der Schweiz Produkte, von Schokolade bis Babynahrung, und stieg im Sommer 2025 aus.

Eigenfinanzierung und schrittweiser Markteintritt

In puncto Kapitalstruktur geht Plash eigenständige Wege. Petzl ist alleiniger Gründer und verzichtete aktiv auf externes Risikokapital, um die volle Kontrolle über Rezepturen und Unternehmensstrategie zu behalten. Die Produktentwicklung erfolgte in der Schweiz, wo der Webshop im August dieses Jahres eröffnete. Ein Karton mit 24 Dosen wird online für 69,95 Schweizer Franken angeboten.

Parallel bereitet das Startup den Markteintritt in Österreich vor. Die Produktion für den EU-Raum soll künftig direkt in Österreich oder der EU erfolgen, um Logistikwege zu optimieren und Zoll- sowie Mehrwertsteuerhürden zu vermeiden. Der Marktstart im österreichischen Handel verzögert sich aktuell jedoch durch bürokratische Prozesse rund um das nationale Einwegpfandsystem, für das gesetzliche Vertretungen und Registrierungen erforderlich sind.

B2B-Personalisierung und Gastronomie

Um sich im hart umkämpften Getränkesektor durchzusetzen, verzichtet Plash vorerst bewusst auf den klassischen Lebensmitteleinzelhandel. „Der Supermarkt ist definitiv der letzte Schritt“, betont Petzl. Stattdessen setzt das Unternehmen auf zwei Säulen: die gehobene Gastronomie, Hotellerie und Event-Szene sowie ein direktes B2B-Modell.

Für Unternehmenskunden bietet Plash personalisierte Drink-Boxen an, die als Mitarbeiter- oder Kundengeschenke positioniert werden. Kleinserien ab 30 Stück können individuell bedruckt und geliefert werden. Nach dem Anlauf im DACH-Raum plant Plash eine schrittweise internationale Skalierung, unter anderem im Mittleren Osten, wo der Lifestyle-Ansatz des alkoholfreien Premiumsortiments greifen soll. Zu Verkaufszahlen äußert er sich noch nicht. Zum Jahreswechsel soll Österreich folgen, mit Vertrieb, Lager und möglichst auch Produktion vor Ort.

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