29.07.2025
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Parlai: Wie ein Wiener Startup das Erlernen von Sprachen per WhatsApp ermöglicht

Das Wiener Startup Parlai bringt KI-gestützte Sprachpraxis dorthin, wo Menschen ohnehin täglich kommunizieren – auf WhatsApp. Die beiden Gründer:innen Nina Authried und Juan Herrera haben uns erzählt, wie sie sich mit ihrem Ansatz klar von bestehenden Sprachlern-Apps abheben.
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Juan Herrera und Nina Authried von Parlai | (c) Parlai

Sprache verbindet – aber nur, wenn man sie auch spricht. Genau hier setzt das Wiener Startup Parlai an. Die Sprachlern-Lösung nutzt künstliche Intelligenz (KI) und funktioniert direkt über WhatsApp. Ohne neue App, ohne Anmeldung, ohne Hürden. „Ich hatte Französisch auf einem guten Niveau gelernt – aber zurück in Wien fehlten mir die Gelegenheiten, um zu sprechen“, erzählt Co-Founderin Nina Authried. In einem Startup-Kurs der WU Wien entschied sie sich, dieses persönliche Problem unternehmerisch zu lösen – und traf auf ihren Mitgründer Juan Herrera, der selbst als Zugezogener aus Kolumbien mit ähnlichen Herausforderungen beim Deutschlernen kämpfte.

Sprachen lernen dort, wo man ohnehin täglich chattet

Der Clou von Parlai: Die Plattform ist kein klassisches Lernprogramm wie Duolingo, Babbel oder Busuu. Statt standardisierter Übungen setzt Parlai auf Konversation – direkt im gewohnten WhatsApp-Chat. „Unser Ansatz lautet: Practice over learning. Wir wollen, dass die Nutzer:innen aktiv sprechen und schreiben, nicht bloß pauken“, erklärt Herrera. Die Sprachpartnerin ist eine smarte KI, die auf persönliche Interessen eingeht, Feedback zu Fehlern gibt und sogar Sprachakzente oder individuelle Persönlichkeitsprofile annehmen kann.

„Mit Parlai bauen User:innen eine Beziehung zur KI auf – ähnlich wie mit einem echten Tandem-Partner. Nur ohne Scheu, bewertet zu werden“, sagt Herrera. Damit soll Sprachpraxis im Alltag zur Routine werden – sei es beim Warten auf die U-Bahn oder in der Mittagspause.

Kein App-Download, keine Einstiegshürden

Ein zentraler USP ist die Plattformwahl: „WhatsApp nutzen fast alle täglich – also warum das Lernen nicht dorthin verlagern?“, so Authried. Der Onboarding-Prozess sei besonders niederschwellig: 93 Prozent der Nutzer:innen schließen ihn erfolgreich ab – ein Wert deutlich über dem Branchenschnitt.

Aktuell hat Parlai laut den Gründer:innen rund 3.600 registrierte Nutzer:innen, davon etwa 400 monatlich aktiv. Das Geschäftsmodell basiert auf einem Freemium-Modell: „Die Grundfunktionen sind kostenlos, für unbegrenzte Nutzung und zusätzliche Features gibt es ein Abo-Modell“, sagt Authried. Zusätzlich lotet das Startup derzeit auch erste B2B-Kooperationen mit Sprachinstituten und Bildungsanbietern aus.

aws First & Preseed: Rückenwind aus der Förderlandschaft

Parlai konnte sich von der Austria Wirtschaftsservice (aws) bereits zum zweiten Mal Unterstützung sichern: Das Team ist Teil des Inkubatorprogramms aws First und erhält im Anschluss Fördermittel aus dem aws Preseed-Programm für Innovative Lösungen.

„Für uns ist das eine große Chance, neue Features zu entwickeln und unser Produkt im Hinblick auf unterschiedliche Zielgruppen weiterzuentwickeln“, so Authried. Unter anderem geplant ist die Funktion ‚Parlai Personalities‘, mit der Nutzer:innen wählen können, wie ihre KI-Partnerin sein soll – inklusive Geschlecht, Herkunft, Interessen und Akzent. Auch eine Tandem-Funktion ist in Arbeit, über die User direkt miteinander kommunizieren und sich gegenseitig beim Lernen unterstützen können. Dabei soll Parlai als „dritte Instanz“ in der Konversation helfen, Fehler zu erkennen und zu erklären.

Ein weiteres Ziel im Rahmen des Preseed-Projekts: „Wir wollen zeigen, dass Parlai nicht nur für den privaten Sprachgebrauch, sondern auch zur Integration oder beruflichen Qualifizierung einen echten Impact leisten kann – etwa für Menschen mit Migrationshintergrund“, so Herrera.

Pilotprojekte mit Fokus auf Integration und Weiterbildung in Planung

Im Rahmen des Preseed-Programms strebt Parlai erste Pilotprojekte mit institutionellen Partnern an – etwa mit der Caritas oder der Austrian Business Agency (ABA). „Wir wollen frühzeitig testen, wie Parlai im Kontext von Integration und beruflicher Weiterbildung funktionieren kann“, sagt Mitgründerin Nina Authried.

Neben dem Ausbau der Funktionalität arbeitet das Team aktuell intensiv an Themen wie Zielgruppenanalyse, technischer Skalierbarkeit und der rechtlichen Vorbereitung auf den B2B-Markt. Teile des Förderbudgets sollen dafür auch in externes Tech- und Marketing-Know-how fließen. „Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres eine Finanzierungsrunde zu schließen und dann die ersten Mitarbeitenden einzustellen“, so Authried.

Wachstum mit Augenmaß

Noch arbeiten die beiden Gründer:innen ohne festes Team – mit Unterstützung durch Freelancer. Die nächsten Monate stehen ganz im Zeichen der Produktvalidierung – und der Frage: Wie bringt man eine KI-Sprachlernplattform mit minimaler Einstiegshürde, aber maximalem Impact nachhaltig in den Markt?

Dabei bleibt das Ziel klar: Parlai soll nicht nur ein weiteres Sprachlern-Tool sein – sondern ein echter Begleiter im Alltag, der Konversation wieder ins Zentrum des Sprachenlernens rückt. Ganz ohne App – aber mit viel Persönlichkeit.


*Disclaimer: Das Startup-Porträt entstand im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftservice (aws).


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David R. Prasser, Gründer von StartUs Insights, verkauft die Technologie seines Unternehmens an Sprouts.ai | (c) StartUs Insights

Das US-amerikanische KI-Unternehmen Sprouts.ai hat im August die Such- und Datentechnologie sowie das AI-IP des Wiener Unternehmens StartUs Insights übernommen. Das teilt StartUs Insights in einer Aussendung mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Auch Teile des Teams wechseln zu Sprouts.ai. Was mit der Gesellschaft selbst und den bestehenden Kunden der Plattform geschieht, geht aus der Aussendung nicht hervor.

Vom Startup-Netzwerk zur Datenplattform

StartUs Insights wurde 2016 von David R. Prasser in Wien gegründet. Prasser hatte zuvor mit StartUs ein Online-Netzwerk für Startups aufgebaut, das brutkasten bereits in den Anfangsjahren porträtiert hat. Aus dem Startup für die Vernetzung und Entdeckung junger Unternehmen entwickelte sich über die Jahre eine internationale Business- und Innovation-Intelligence-Plattform.

Im Zentrum stand zunehmend die eigene Technologie: Systeme, die große Mengen unstrukturierter Unternehmens- und Technologiedaten erfassen, strukturieren und durchsuchbar machen, darunter KI-basierte Informationsextraktion und Natural-Language-Search. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das weltweit umfangreichste Tool zur Suche und Identifikation von Firmen, Technologien und Markttrends. Vor allem in den vergangenen Jahren setzte das Unternehmen Large Language Models und KI-basierte Datenverarbeitung ein, um Informationen aus unstrukturierten Quellen für Recherche und Innovation Intelligence nutzbar zu machen.

Unter Prassers Führung wuchs StartUs Insights auf über 50 Mitarbeiter:innen, 20 davon arbeiteten zuletzt im Technologie- und Datenbereich. Das Unternehmen betreute mehr als 1.500 internationale Kunden mit seiner Discovery-Plattform (SaaS) und unterstützte rund 2.000 Innovations-, Scouting- und Research-Projekte. Zu den Unternehmen, mit denen StartUs Insights zusammenarbeitete, zählen unter anderem Roche, Siemens, Samsung, Shell und Mitsubishi. Ein Großteil der Erkenntnisse zu Startups, neuen Technologien und Branchentrends wurde wöchentlich auf dem eigenen Unternehmensblog veröffentlicht, der zuletzt über 200.000 Leser:innen pro Monat erreichte.

Was Sprouts.ai mit der Technologie vorhat

Sprouts.ai entwickelt eine KI-basierte Go-to-Market-Plattform für Enterprise-Kunden. Im Zentrum stehen Datenintelligenz und autonome Agents entlang des Sales-Funnels. Die Lösung lässt sich unter anderem in Salesforce und Microsoft Dynamics integrieren und arbeitet auch mit KI-Umgebungen wie Copilot und Claude. Das 2023 von Karan Chaudhry, Kapil Chaudhry und Avinash Nagla gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Palo Alto.

Mit der übernommenen Technologie und den Daten will Sprouts.ai seine AI-ready Datensätze und seine semantische Suche erweitern. „Die Technologie, die Daten und das Team von StartUs Insights passen sehr gut zu unserer Mission, AI-ready Datensätze und die weltweit führende semantische Suchmaschine für Enterprise-GTM zu entwickeln“, sagt Karan Chaudhry, Co-Founder und CEO von Sprouts.ai.

Prasser gründet Tilly & Elliot

„Dass die von uns aufgebaute Technologie jetzt bei einem AI-Unternehmen weiterentwickelt wird, ist für mich ein sehr guter Abschluss dieses Kapitels“, sagt Prasser. „Gleichzeitig interessieren mich heute mehr denn je die Fragen: was passiert, wenn immer leistungsfähigere AI-Systeme auf Unternehmen, Geschäftsmodelle und ganze Branchen treffen und wie man diese Entwicklung strategisch nutzt, statt ihr nur hinterherzulaufen.“

Der Gründer bleibt den Themen Künstliche Intelligenz, neue Technologien und Innovation treu. Aktuell unterstützt er Unternehmen und Startups bei der AI-Produktentwicklung sowie bei Fragestellungen rund um Daten, Technologie und datengetriebene Geschäftsmodelle. Seine Investment- und Advisory-Aktivitäten bündelt er in der neu gegründeten Tilly & Elliot GmbH. „Neben tatkräftiger Unterstützung für Startups und Scaleups rund um AI, Physical AI und datengetriebene Geschäftsmodelle wird Tilly & Elliot ausgewählte Startups in der Frühphase auch mit Kapital unterstützen“, heißt es in der Aussendung.

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