14.02.2023

Ö-Gründer holt 5 Mio. Dollar für Startup in Saudi-Arabien – Speedinvest beteiligt

Der Österreicher Richard Schrems ist einer der Gründer von Palm.hr, einem Startup für Human-Ressources-Software mit Sitz in Riad in Saudi-Arabien. Nun hat das Unternehmen eine 5 Mio. US-Dollar schwere Finanzierungsrunde abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Speedinvest.
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die Palm.hr-Gründer
die Palm.hr-Gründer | Foto: Palm.hr

Als Personalberater in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad stand Richard Schrems vor einer Herausforderung. Er wollte seinen Kunden eine technische Lösung bieten, um die Koordination von großen Teams zu erleichtern. Auf dem Markt wurde Schrems nicht fündig. „Die meisten HR-Programme machten zwar HR-Managern das Leben leichter, nahmen aber nur wenig Rücksicht auf die Benutzerfreundlichkeit für Mitarbeiter“, sagte Schrems kürzlich gegenüber TechCrunch. Um dem entgegen zu wirken, wurde der Österreicher schließlich selbst aktiv.

Im Jahr 2019 gründete Schrems gemeinsam mit Christoph Czichna (COO) und Dragan Nikolić (CPO) Palm.hr. Das HR-Tech-Startup mit Sitz in Riad hat nach eigenen Angaben seinen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) alle sechs Monate verdoppelt.

Nun holte das Unternehmen ein 5 Mio. US-Dollar schweres Investment. Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom Wiener Venture-Capital-Unternehmen Speedinvest und vom saudi-arabischen Investor RAED Ventures. Ebenfalls beteiligt hat sich Wamda Capital, eine VC-Gesellschaft mit Schwerpunkt auf den Nahen Osten und Nordafrika (MENA).

Speedinvest-CEO Holle: „Palm.hr das Personio des Nahen Ostens“

Im brutkasten-Gespräch erzählt Holle, dass das Investment zu einer Hypothese passt, die man bei Speedinvest seit zwei, drei Jahren verfolgt: „Und zwar, dass sich erfolgreiche Geschäftsmodelle, die in Europa schon funktionieren, und wo wir zum Teil auch schon investiert sind, sich jetzt auch in der Region Naher Osten und Nordafrika oder in anderen emerging markets etablieren. Sehr oft stehen exzellente Gründerteams dahinter, die in Europa ausgebildet sind, und jetzt diese riesigen Marktchancen ergreifen“. Palm.hr sei ein Beispiel dafür: „Es ist das Personio des Nahen Ostens“, sagt Holle.

Nach der Finanzierungsrunde plant das Unternehmen nun über Saudi-Arabien hinaus nach Ägypten und die in die Vereinigten Arabischen Emirate zu expandieren.

Vielseitig einsetzbar

Palm.hr sieht sich als Allround-Tool für den HR-Bereich. Die Gehaltsabrechnung über das Startup läuft automatisiert, Urlaube und Abwesenheiten werden genauso wie Leistungsdaten von Mitarbeiter:innen aufgezeichnet. Die Selbstbedienungsfunktion soll die interne Kommunikation zwischen den Arbeitnehmer:innen vereinfachen.

Das Startup automatisiert zudem Prozesse von On- und Off-Boarding von Mitarbeiter:innen. Palm.hr ist zudem grenzüberschreitend konfigurierbar, so dass es leicht an die lokalen Arbeitsgesetze und Arbeitnehmerbestimmungen in verschiedenen Märkten angepasst werden kann.

„Mit Palm.hr können Sie Ihre Lohn- und Gehaltsabrechnung vollständig abwickeln, Sie können die Zahlungen vornehmen, weil wir in das staatliche Lohn- und Gehaltsabrechnungssystem integriert sind, Sie können Visa beantragen, weil wir in das staatliche Visasystem integriert sind, und Sie können die Sozialversicherungsdaten Ihrer Mitarbeiter aktualisieren, weil wir in das Sozialversicherungssystem integriert sind“, erklärt Schrems.

Fintech- und Insurtech-Angebote geplant

Die nächsten Schritte sind von Schrems bereits geplant. Ziel ist es, HR-Tech mit Fintech und Insurtech zu verschmelzen. Mitarbeiter:innen sollen so zusätzliche Möglichkeiten erhalten – etwa den Kauf von Vermögenswerten oder den Abschluss von Krankenversicherungen.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Sie machte Wien zum beliebten Standort für die EU-Niederlassungen internationaler Krypto-Unternehmen: die EU-Kryptoregulierung MiCAR. Denn die heimische Finanzmarktaufsicht FMA genießt den Ruf, bei der Erteilung der für das Krypto-Geschäft in der EU notwendigen MiCAR-Lizenz hart, aber fair zu sein.

FMA: „MiCAR auch im Enforcement angekommen“

Nach einigen Meldungen rund um die Erteilung solcher Lizenzen – und in einem Fall einer vorübergehenden Sanktionierung – in den vergangenen Monaten, erfolgte nun erstmals die Verhängung einer Strafe wegen eines MiCAR-Verstoßes durch die FMA. „Damit wird sichtbar, dass die MiCAR nicht mehr nur ein Konzessions- und Aufsichtsthema ist, sondern auch im Enforcement angekommen ist“, heißt es von der Behörde in einer Aussendung dazu.

Termin-Fehler und fehlende Telefonnummer und Mail-Adresse

Getroffen hat es ausgerechnet Österreichs Krypto-Regulatorik-Musterschüler Bitpanda. Konkret machte das Wiener Unicorn bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr einige Termin- bzw. Formfehler, wie aus der Bekanntmachung der FMA hervorgeht: Das Whitepaper hätte laut Regelwerk bis spätestens 20 Werktage vor Veröffentlichung an die FMA übermittelt werden müssen, was nicht passierte; eine Marketingmitteilung zum Whitepaper wurde unerlaubterweise bereits vor dessen Veröffentlichung verbreitet; und in einer weiteren Marketingmitteilung fehlten ein Disclaimer, eine Telefonnummer und eine Mail-Adresse.

„Unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben“

70.000 Euro Strafe wurden letztlich verhängt. Seitens Bitpanda stellt man auf brutkasten-Anfrage klar: „Alle von der FMA aufgezeigten Punkte wurden jeweils unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben. Wir haben uns für eine rasche, einvernehmliche Beendigung des Verfahrens entschieden. Die Veröffentlichung erfolgte nach dem österreichischen MiCA-Vollzugsgesetz. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.“

Zudem betont man beim Scaleup: „Kundengelder, die Sicherheit unserer Plattform oder die Integrität des Bitpanda-Ökosystems waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Aus den beanstandeten Punkten ist unseren Kundinnen und Kunden kein finanzieller Schaden entstanden.“

Analyse: Musterschüler als erster Bestrafter als falsches Signal

Das genau Bitpanda die erste Strafe auf MiCAR-Basis ausfasst, ist nachvollziehbar und könnte dennoch ein falsches Signal aussenden. Als größter heimischer Player, der in seinen Prozessen eng mit der FMA zusammenarbeitet, überrascht es nicht, dass gelegentlich Formfehler nicht nur passieren sondern auch unmittelbar bemerkt werden. Indessen sind einige große internationale Player weiterhin ohne MiCAR-Lizenz am heimischen Markt aktiv und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung. Dass der Formfehler durch die FMA verfolgt wird ist korrekt und konsequent; dass ausgerechnet Bitpanda damit zum Exempel wird, wird den großen regulatorischen Themen am Krypto-Markt aber nicht gerecht.

In der Aussendung der FMA äußert man sich zu dieser Thematik indirekt und gewohnt sachlich: „Der Umstand, dass es sich um den ersten veröffentlichten MiCAR-Fall handelt, begründet für sich genommen keine Sonderstellung des betroffenen Unternehmens oder der festgestellten Verstöße.“

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