20.05.2026
FINANZIERUNG

Overwatch AI: Startup von österreichischem Piloten holt 1,5 Mio. Dollar in Pre-Seed-Runde

Das Technologie-Startup Overwatch AI hat sich in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 1,5 Mio. Dollar frisches Kapital von Investoren wie United Airlines Ventures und Baobab Ventures gesichert. Die Plattform bündelt verstreute Daten im Flugbetrieb, was Airlines jährliche Einsparungen in Millionenhöhe ermöglichen soll. Gegründet wurde das Unternehmen im Juli 2025 vom ehemaligen Linienpiloten Leo Kotil und dem Technologieunternehmer Nikita Kaeshko.
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Technologieunternehmer Nikita Kaeshko und ehemaliger Linienpilot Leo Kotil sind Gründer von Overwatch AI (c) Overwatch AI- Sie stehen auf einem Flughafengelände
Overwatch AI Gründer Nikita Kaeshko und Leo Kotil (v.l.) © Overwatch AI

Bei der Gewährleistung von Sicherheit, Compliance und betrieblicher Effizienz stehen Airline-Teams oft vor der Herausforderung, dass entscheidungsrelevante Daten über Dutzende von Systemen und Dokumenten verstreut sind. Pilot:innen, Flugbegleiter:innen und das Bodenpersonal müssen diese Informationsquellen vor, während und nach jedem Flug durchsuchen, um die für Entscheidungen notwendigen Fakten zusammenzutragen.

Overwatch AI setzt hier an und bündelt diese verteilten Daten auf einer einzigen Plattform. Das Einsatzspektrum umfasst dabei unter anderem die Klärung technischer Sachverhalte, das Abrufen spezifischer Anforderungen von Flughäfen und Fluggesellschaften sowie die Auswertung von Wetterdaten.

„Nach fast einem Jahrzehnt als Pilot weiß ich, wie fragmentiert viele Prozesse und Datenquellen sind, die vor und während des Fluges genutzt werden. Man durchforstet verschiedene Apps und Systeme, die meist auf veralteter Software basieren, und versucht, die Informationen zusammenzufügen, die man benötigt, um Entscheidungen zu treffen“, sagt CEO Leo Kotil. Demnach verbringe man oft mehr Zeit damit als mit dem eigentlichen Fliegen des Flugzeugs.

Mehrere Investoren beteiligt

An der Finanzierungsrunde beteiligten sich United Airlines Ventures und Baobab Ventures, außerdem Pegasus Innovation Lab und Masia. Zu den Angel-Investoren zählen der ehemalige CCO von Tenstorrent und Gründer von ai&, David Bennett, sowie der ehemalige VP von Cirium, Alex Brooker.

„Die Menschen reisen mehr denn je, und der Flugbetrieb ist für Airlines der entscheidende Faktor für Zuverlässigkeit, Kundenzufriedenheit und Umsatzwachstum. Overwatch AI hat bewiesen, dass der Einsatz von Agentic-Systemen im Flugbetrieb Einsparungen in Millionenhöhe ermöglicht“, sagte Carles Reina, Managing Partner bei Baobab Ventures über die Beteiligung.

Mit dem Investment will Overwatch AI das Team vergrößern und die operativen Fähigkeiten und Kapazitäten der Plattform erweitern. Außerdem soll der wachsenden Nachfragen von neuen Kund:innen nachgegangen werden.

Durch Overwatch AI werden bis zu vier Mio. Dollar pro Jahr gespart

Die Technologie wird bereits bei mehreren Fluggesellschaften, die monatlich über 30.000 Flüge abwickeln, eingesetzt. Nach eigenen Angaben sparen diese durch Overwatch AI durchschnittlich bis zu vier Millionen Dollar pro Jahr, und jedes Teammitglied 150 Stunden.

„In einer Branche, in der Sicherheit und Genauigkeit an erster Stelle stehen, sind wir sehr stolz darauf, wie wirkungsvoll unsere Technologie bereits ist – sowohl am Boden als auch in der Luft –, wenn es darum geht, die Sicherheit, Effizienz und Betriebsleistung in der gesamten Luftfahrt zu verbessern“, so Kotil.

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Biotech Summit Austria: Der Wille zum Champion ist da – das Kapital noch nicht

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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