13.10.2022

Outfittery-Gründerin Julia Bösch: „Als ich Gründerin werden wollte, hat mein Onkel Schnaps bestellt“

Vom Bodensee nach München, nach Berlin und zur Startup-Idee in New York: Julia Bösch erzählt, wie Outfittery entsprang. Und erklärt, wie sie jegliche Angst vor Geschwindigkeit verlor.
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Outfittery, Julia Bösch
(c) Outfittery - Julia Bösch, Gründerin von Outfittery.

Outfittery-Gründerin Julia Bösch wuchs am Bodensee auf. Einer Region, die nicht unbedingt für ihre Startup-Szene bekannt war. Durch Glück gelangte sie an ein Praktikum beim einzigen Startup in der Umgebung. Und ihre Geschichte startete.

„Als Schülerin hatte ich das Gefühl, die Richtung des Unternehmens und die Zukunft mitbestimmen zu können“, erinnert sie sich. „Da hat für mich der Traum begonnen, irgendwann einmal zu gründen.“

Vor Outfittery: Zuerst bei einem „kleinen“ Startup lernen

Bis zu ihrer eigenen Firma sollte es aber noch ein langer Weg sein. Die gebürtige Österreicherin studierte in New York und München, und kam in Bayern mit dem CDTM (Center for Digital Technology and Management) in Kontakt.

Das Zentrum habe das Unternehmertum anfassbar gemacht, wie sie erklärt. Umringt von Menschen, die an Gründen interessiert waren, mit offenen Augen durch die Welt gelaufen sind und überall Möglichkeiten gesehen haben, wurde ihr Traum in einen wirklichen Plan transformiert.

„Für mich war damals die Überlegung, ob ich gleich gründen soll, oder zu einem Startup gehen, um etwas zu lernen. Ich bin dann auf einen kleinen Onlineshop gestoßen und wurde 2009 dort die 40. Mitarbeiterin. Das war Zalando“, erinnert sich Bösch.

Innerhalb von zwei Jahren ist der deutsche Online-Versandhändler „komplett explodiert“ und die spätere Outfittery-Chefin durfte unterschiedliche Unternehmensphasen miterleben.

Sie war verantwortlich für die Internationalisierung und hat mehrere Märkte in Europa erschlossen.

Ein Treffen bei Zalando

„Da habe ich jegliche Angst vor Geschwindigkeit verloren, bin ganz viele Risiken eingegangen und habe ein großes Selbstbewusstsein entwickelt. Und gemerkt, Wetten einzugehen lohnt sich“, erklärt Bösch ihr damaliges Mindset.

Bei Zalando kam es schließlich zu einem folgenschweren Treffen. Anna Alex trat in ihr Leben. Beide Frauen merkten bald, dass sie mit dem gleichen Ziel zum Online-Anbieter gegangen waren – lernen und später gründen.

So verbrachten sie die Nächte und Wochenenden gemeinsam, recherchierten und planten. Die eigentliche Inspiration für beide Gründerinnen kam jedoch erst in den USA.

Bei einer Reise nach New York begleitete sie ein Freund, der absolut kein Interesse am Thema Shopping zeigte, aber für die Nachtclubs des „Big Apple“ doch schick aussehen wollte.

Die Idee zu Outfittery

Jener leistete sich vor Ort eine „Personal Shopperin“, quasi eine Kaufberaterin, die eine Auswahl an Kleidung für ihre Kunden zusammenstellt – für rund 200 US-Dollar die Stunde. Der Freund kehrte freudenstrahlend und modisch gestylt zurück und gab damit seinen Begleiterinnen die Idee zu Outfittery.

„Wir haben uns gefragt, wie man diese Luxus-Erfahrung online und allen Menschen kostenlos anbieten kann“, erinnert sich Bösch. „Wir waren begeistert, weil das eine ganz andere Herangehensweise war. Wir wollten das Modell umdrehen, nicht mit einem großen Sortiment, sondern vom Kunden aus starten. Schauen, wer dieser Mensch überhaupt ist und wie wir ihm oder ihr helfen können, ein tolles Outfit zu finden, das glücklich macht.“ So entsprang Outfittery den Köpfen beider Frauen.

(c) Outfittery – Julia Bösch: „Wir waren unglaublich naiv.“

Das Umfeld von Bösch war, wie sie erzählt, äußerst hilfsbereit. Zu dieser Zeit bereits im Berliner Umfeld unterwegs, wusste sie, dass „Startup der Weg war“ – denn es gab in der Umgebung der deutschen Hauptstadt nicht viel anderes. Sie fühlte sich nicht schreckhaft, sondern sah den Weg ins Unternehmerinnentum als nächsten logischen Schritt.

„Wir waren unglaublich naiv“, erklärt Bösch. „Wussten aber mit unserer Erfahrung, dass wir genügend Leute kennen, die helfen können. Vor allem, wenn wir im ersten Jahr Dinge angehen, von denen wir keine Ahnung haben.“

Zweifler und Schnaps

Ihre Pläne, ihren guten Job bei Zalando aufzugeben, weckte auch Zweifler im Umfeld, die die Gründerinnen aber ignorierten. Die Familie indes hatte ihren eigenen Umgang mit dem Vorhaben, etwas Eigenes zu starten.

„Als ich meinen Verwandten zu Weihnachten von Outfittery erzählte, ist mein Onkel nervös geworden. ‚Was riskierst du da?‘, sagte er und hat sofort Schnaps bestellt“, erzählt Bösch lächelnd.

Das Risiko scheint sich ausgezahlt zu haben. Outfittery konnte seinen Umsatz 2021 auf über 70 Millionen Euro steigern – und das nach einem äußerst herausfordernden ersten Corona-Jahr.

„Pandemie hat Lebensrealität verändert“

„Die Pandemie hat die Lebensrealität total verändert“, sagt Bösch. „Wir konnten ‚live‘ in der Nachfrage beobachten, dass durch Home-Office und Lockdowns ‚Business-Outfits‘ nicht mehr angesagt waren. Kunden haben zu bequemen Sachen gegriffen, Sweater etwa. Oder verstärkt zu Kopfbedeckungen für Videocalls, weil die Friseurläden zu waren.“

Das Gründer:innen-Duo hat sich sehr schnell angepasst und das Sortiment umgestellt, Sportswear eingeführt. „Es war schwierig neue Kunden zu gewinnen, aber schön zu sehen, wie loyal Bestandskunden waren, die auch mehr bestellt haben, als sonst.“

Frauenmode bei Outfittery

Seit rund einem Jahr verfügt Outfittery auch über eine Frauensparte im Angebot.

„Die Idee dazu ist bereits bei der Gründung entstanden und war immer Teil unserer Vision. Die Frage war nur, wann? Als Startup ist es wichtig, sich zu fokussieren“, erklärt Bösch. „Die interne Diskussion drehte sich um die Frage, können wir es uns leisten, den Fokus nicht mehr rein auf Männer als Zielgruppe zu haben. Anfang 2021 haben wir schlussendlich gesagt, jetzt ist der Zeitpunkt. Es ändert sich so viel online.“

Bösch wusste, dass Frauen anders einkaufen, ging die „Wette ein“, die sie gewinnen wollte und riskierte ihr erfolgreiches Männermodebusiness. Das Ergebnis: Zum einjährigen Jubiläum gab es Kuchen und die Erkenntnis, dass jetzt doppelt so viele Frauen Outfittery nutzen, als noch im ersten Jahr.

Neue Märkte als Ziel

Julia Bösch hat nach diesem Erfolg geplant, in Zukunft in neue Markte zu kommen – aktuell sind es neun. Dabei hat sie vor allem UK und Italien ins Auge gefasst, sowie Osteuropa.

„Wir fragen uns auch“, sagt sie, „wie wir unseren Service künftig weiter ausbauen können. Wir haben unsere Expertise und das Knowledge von 150 Styliste:innen. Und sehen das Potential Outfittery zu verdreifachen.“

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Goldene Houskapreis-Statue, Foto: Alexander Müller

Gute Forschung entsteht in Österreich viel. Was seltener gelingt, ist der Schritt danach: dass aus einer Erkenntnis ein Produkt wird, ein Verfahren, ein Unternehmen. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Houskapreis der B&C Privatstiftung an. Ausgezeichnet werden Projekte, die wissenschaftliche Qualität mit konkreter wirtschaftlicher Wirkung verbinden. Mit einem Gesamtpreisgeld von 760.000 Euro ist er Österreichs größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung.

Nun geht der Preis in seine 22. Runde. Die Einreichphase für den Houskapreis 2027 ist im September gestartet und läuft bis einschließlich 28. Oktober 2026. Eingereicht wird ausschließlich online unter www.houskapreis.at.

Warum der Fokus auf Anwendung? Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der B&C Privatstiftung, erklärt es so: „Forschung und Innovation sind wesentliche Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Gerade in einem zunehmend technologiegetriebenen internationalen Umfeld wird es für Österreich entscheidend sein, wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in die wirtschaftliche Praxis zu überführen. Dafür braucht es wissenschaftliche Exzellenz ebenso wie unternehmerisches Denken und den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Mit dem Houskapreis zeichnen wir Projekte aus, die diese Verbindung erfolgreich herstellen und wirtschaftliche Wirkung entfalten.“

Forschungspreis in drei Kategorien

Vergeben wird der Houskapreis 2027 in den Kategorien Hochschulforschung, Außeruniversitäre Forschung sowie Forschung & Entwicklung in KMU. Teilnahmeberechtigt sind österreichische staatliche und private Universitäten inklusive Fachhochschulen, Christian Doppler Labors, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), heimische außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen. Gemeinsame Voraussetzung: Die wesentlichen Forschungsleistungen müssen in Österreich erbracht worden sein.

Auch der Houskapreis 2027 wird im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung vergeben, am 20. April 2027 in Wien | (c) Alexander Müller

Wie weit ein Projekt sein muss, hängt von der Kategorie ab. In der Hochschulforschung reicht es, wenn die wirtschaftliche Umsetzung unmittelbar bevorsteht oder bereits erfolgt ist. In der außeruniversitären Forschung muss sie schon passiert sein. Bei KMU muss das Projekt zusätzlich abgeschlossen sein und bereits Umsätze am Markt erzielen.

Was KMU wissen müssen

Für Unternehmen gelten klare Voraussetzungen. Sie müssen der KMU-Definition von EU und FFG entsprechen, ihren Firmensitz und ihre wesentlichen Forschungsaktivitäten in Österreich haben, maximal 249 Mitarbeiter:innen beschäftigen und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro ausweisen. Außerdem müssen sie seit mindestens zwei Jahren bestehen, also vor dem 31. Dezember 2024 im Firmenbuch eingetragen worden sein, und dürfen in keinem Beteiligungsverhältnis zur B&C-Gruppe stehen.

Die Kategorie steht auch jüngeren Unternehmen offen, sofern sie die genannten Voraussetzungen erfüllen. Entscheidend ist, dass das Unternehmen seit mindestens zwei Jahren besteht und mit seiner Innovation schon Umsätze erzielt. Wie realistisch die Chancen sind, hat der Vorjahresjahrgang gezeigt: Alle drei Nominierungen in der KMU-Kategorie gingen an heimische innovative Unternehmen, den ersten Platz holte sich das Linzer Unternehmen sendance.

Bewertung und Einreichung

Die Bewertung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren durch Fachbeiräte pro Kategorie und eine international renommierte Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gewichtet wird dabei je nach Kategorie unterschiedlich: Bei der Hochschulforschung zählt die wissenschaftliche Qualität am meisten, bei KMU der wirtschaftliche Erfolg, der mit 40 Prozent in die Bewertung einfließt.

Vier Trophäen, vier Auszeichnungen: Der Houskapreis 2027 wird in drei Kategorien vergeben, dazu kommt der mit 10.000 Euro dotierte Mariella-Schurz-Preis, über den eine Oberstufenklasse entscheidet. | (c) Alexander Müller

Für die Einreichung braucht es je ein einseitiges Abstract auf Deutsch und Englisch sowie ein Dossier von maximal zehn Seiten. KMU dürfen das Dossier auf Deutsch oder Englisch verfassen, in den beiden anderen Kategorien ist Englisch vorgeschrieben. Hochschulen legen mindestens einen Letter of Intent eines Wirtschaftspartners bei, außeruniversitäre Einrichtungen mindestens einen Kooperationsnachweis. In allen Anträgen ist zudem der Beitrag zu den SDGs zu beschreiben.

Preisgeld und Termine

Pro Kategorie werden drei Projekte nominiert, und alle drei gehen mit Preisgeld nach Hause: 150.000 Euro für den ersten Platz, 70.000 Euro für den zweiten, 30.000 Euro für den dritten. Die Erstplatzierten bekommen von der B&C Privatstiftung zusätzlich die goldene Houskapreis-Statue überreicht.

Darüber hinaus vergibt die B&C Privatstiftung den mit 10.000 Euro dotierten Mariella-Schurz-Preis an eines der nominierten Projekte, das eine Oberstufenklasse auswählt. Die Preisgelder gehen an die Institutionen und kommen dort weiteren Forschungsarbeiten zugute.

Die Nominierten werden im Februar 2027 bekannt gegeben, die Verleihung findet am 20. April 2027 in Wien statt. Wer sich vorab informieren will, hat am 5. Oktober 2026 um 14 Uhr bei einer weiteren Online-Informationsveranstaltung Gelegenheit dazu, Anmeldung unter [email protected]. Im Vorjahr gingen die ersten Plätze an die TU Wien, das AIT Austrian Institute of Technology und das Unternehmen sendance. brutkasten hat über die neun Nominierungen für den Houskapreis 2026 berichtet.

Einreichung: bis 28. Oktober 2026 unter www.houskapreis.at
Kontakt: [email protected]

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