Dritte Welle, Oster-Lockdown: Die Stimmung ist aufgeheizt. Doch das bringt uns nicht weiter. Bei aller berechtigten Kritik sollten wir einmal tief durchatmen und wieder Lösungen suchen.
Es gibt derzeit viel zu kritisieren – das wurde auch an dieser Stelle getan. Neben Problemen, die die Corona-Situation weltweit mit sich bringt und solchen, mit denen zumindest die gesamte EU konfrontiert ist, sind auch einige offenkundig hausgemacht. Der nun verkündete Oster-Lockdown mag für viele dafür sinnbildlich stehen. Dass auf offizieller Seite niemand Anstalten macht, dem Beispiel der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zu folgen und einmal einen Fehler einzugestehen, macht die Sache nicht besser.
Die Stimmung kocht über
Ja, Kritik ist angebracht. Doch wie wir alle aus Buch X und Seminar Y wissen, bringt Kritik nur dann etwas, wenn sie „konstruktiv“, sprich lösungsorientiert ist. Andernfalls verpufft sie oder ist sogar kontraproduktiv. Längst haben aber Emotionen in den Diskussionen rund um die Coronakrise überhand gewonnen. Und nun, rechtzeitig zur dritten Welle und anlässlich der Ankündigung des Oster-Lockdowns, kocht die Stimmung regelrecht über.
Nicht mehr nur Rechts-Außen-Oppositionelle und andere Corona-Demo-Teilnehmer greifen zu Formulierungen, die den Rahmen eines gesunden demokratischen Diskurses verlassen haben. Gestern etwa schrieb der Präsident des Gewerbevereins in einer Aussendung von „miserablem Krisenmanagement“, „verzweifelten Maßnahmen“ und „erbärmlich geschwurbelten Pressekonferenzen“. (Anm.: Er bringt in dem Text auch konkrete Verbesserungsvorschläge.)
Ein Blick auf den eigenen Social Media-Feed reicht, um zu sehen, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Weltanschauungen in einen Modus übergangenen sind, in dem nur mehr „Dampf abgelassen“ wird. Und die meisten von uns sind in der aktuellen Situation zumindest ab und an versucht, selbiges zu tun.
Wir schaden uns selbst
Doch aus dem besagten Buch X und Seminar Y wissen wir, dass das zu nichts führt. Im Gegenteil: Es schadet nicht nur der Sache – der Bewältigung der Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Es schadet uns selbst.
Es ist freilich nicht nur legitim, sondern im Sinne einer Lösungsorientierung notwendig, andere Meinungen und vor allem andere Vorschläge zur Bewältigung von Problemen zu äußern. Doch das ist auch nach einem Jahr Krise auf sachliche Weise möglich.
Und wenn im demokratisch gewählten Nationalrat ein Beschluss gefasst wurde – und die Regierung hat nun einmal eine Mehrheit dort – kann man seine Energie besser dafür nutzen, das Beste daraus zu machen. Zahlreiche Unternehmen im Land beweisen, dass mit einem konstruktiven Zugang zu den neuen Herausforderungen sogar viel zu gewinnen ist. Schimpfen hingegen führt höchstens zu zustimmenden wütenden Smileys in sozialen Medien, auf jeden Fall jedoch zu noch mehr destruktiver Energie.
Im Oster-Lockdown zu Ruhe kommen
Der vierte Lockdown wird – wie die vorangegangenen – finanziell schmerzhaft für viele Menschen im Land. Die Diskussion, ob er überhaupt notwendig ist, oder angesichts der Lage in den Intensivstationen auch zu spät kommt, zu halbherzig und kurz ist, soll an anderer Stelle erörtert werden.
Wir können den Oster-Lockdown jedenfalls dazu nutzen, innerlich wieder etwas zu Ruhe zu kommen. Wir können ihn dazu nutzen, uns auf einen konstruktiven Zugang zur Krise rückzubesinnen. Denn eines scheint offensichtlich: Wenn wir die kommenden Monate, bis die Pandemie dank Durchimpfung hoffentlich wirklich im Griff ist, gut überstehen wollen, müssen wir wieder klar und zielorientiert denken. Man könnte auch sagen: Wir brauchen einen Cooldown.
Diese heimischen Startups begleiten dich im Sommer
Egal, ob aktiv oder gemütlich, der Sommer bietet für jeden etwas. Die Produkte einiger österreichischer Startups können dabei in der heißen Jahreszeit besonders nützlich sein. Brutkasten hat sie für euch zusammengefasst.
Diese heimischen Startups begleiten dich im Sommer
Egal, ob aktiv oder gemütlich, der Sommer bietet für jeden etwas. Die Produkte einiger österreichischer Startups können dabei in der heißen Jahreszeit besonders nützlich sein. Brutkasten hat sie für euch zusammengefasst.
In der heißesten Zeit des Jahres können die Produkte und Dienstleistungen von Startups Abhilfe schaffen. | (c) AdobeStock
Von Sonnenbrillen für Kinder über vegane Grillalternativen bis zu effizienteren Klimaanlagen: Österreichische Startups verbessern den Sommer mit ihren innovativen Ideen. Rechtzeitig zur sonnenreichsten Zeit des Jahres stellen wir Produkte und Dienstleistungen vor, die auch für euch hilfreich sein können.
SooNice
Die beiden Gründerinnen von SooNice Sunnies: Christina Reifeltshammer und Doris Reifeltshammer | (c) verenaschierl photography
Im Sommer darf eines nicht fehlen: die passende Sonnenbrille. Das österreichische Startup SooNice produziert sie speziell für Kinder. Kratzfeste Brillengläser und Seitenklappen sollen hochwertigen UV-Schutz bieten. Dabei setzt das Unternehmen mit biobasiertem Kunststoff auf Nachhaltigkeit. Das Konzept scheint zu funktionieren, denn das vergangene Geschäftsjahr war für das Unternehmen das bisher erfolgreichste. 2026 rechnet man mit einer weiteren Gewinnsteigerung. Konkret brachte SooNice zur Saison 2026 zwei neue Modelle und eine neue Farbvariante auf den Markt. Mit den 10- bis 16-Jährigen will das Startup eine neue Zielgruppe erschließen. Zusätzlich kam 2026 eine Sonnenbrille für sportliche Aktivitäten auf den Markt. Geografisch setze die Firma laut Geschäftsführerin Christina Reifeltshammer aktuell einen Fokus auf die BeNeLux-Länder.
Like2camp
Legales, naturnahes Campen: like2camp macht es möglich. | (c) like2camp
Für viele ist es der Urlaub schlechthin: Campen in der Wildnis. Dabei ist es oft gar nicht so einfach, einen naturnahen Stellplatz zu finden, der auch noch legal ist. Das Salzburger Startup like2camp hat sich genau dieses Problems angenommen. Sie wollen Camper:innen eine Alternative zum Wildcampen bieten, indem sie auf ihrer Plattform naturnahe Stellplätze vermitteln. Im vergangenen Dezember wurde bekannt, dass die Schweizer Buchungsplattform Nomady das Salzburger Startup im Rahmen eines Asset-Deals übernimmt. Like2camp wurde dabei vollständig in nomady.camp integriert, blieb aber als Produkt und Marke innerhalb von Nomady bestehen. Die Schweizer Buchungsplattform hatte bereits davor eine Plattform für naturnahes Campen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien betrieben. Durch den Zusammenschluss soll die Reichweite erhöht und die Community erweitert werden.
Die Pflanzerei
Gründerin Nadina Ruedl vertreibt vegane Hausmannskost in Wien. | (c) Die Pflanzerei
Für viele Österreicher:innen gehört Grillen einfach zum Sommer. Für all jene, die auf Fleisch verzichten, bietet das Startup “Die Pflanzerei” rund um Gründerin Nadina Ruedl eine geeignete Alternative. In ihrem Shop im siebten Wiener Gemeindebezirk bekommt man österreichische vegane Hausmannskost. Sie verkauft neben veganen Würsteln unter anderem auch pflanzlichen Leberkäse, Fleischknödel oder Schnitzel. Beim Wirtschaftspreis Trigos wurde die Pflanzerei 2025 in der Kategorie “regionale Wertschaffung” ausgezeichnet. Das Projekt „Regionale Wertschöpfung bei pflanzenbasierten Fleischalternativen“ wurde dabei hervorgehoben. Damit unterstützt die Pflanzerei regionale Traditionsbetriebe beim Einstieg in pflanzliche Alternativen.
Diesen Sommer hatte Österreich mit einer Hitzewelle nach der anderen zu kämpfen. Die Temperaturen in Wiens Wohnungen stiegen teilweise jenseits der 35 Grad, in den Nächten kühlte es nicht ab. Die Klimaanlagen des Startups so.cool (vormals Social Cooling) können Abhilfe schaffen. Das Besondere: Das patentierte thermische Energiespeichersystem Terra Breeze funktioniert ohne den klassischen Abluftaustausch und muss nicht installiert werden. Die Wärme wird nicht nach außen geleitet, sondern im Gerät gespeichert und wieder abgegeben, wenn niemand im Raum ist. Das System soll laut so.cool rund 40 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Klimaanlagen. Das Konzept scheint zu überzeugen, vergangenes Jahr holte das Startup ein Pre-Seed-Investment von 400.000 Euro. Lead-Investoren waren der Schweizer Krypto-Unternehmer Robert Lauko sowie das Wiener Family Office c.e.l.l. Investment, das vor allem im Nachhaltigkeitsbereich aktiv ist. Im März eröffnete so.cool einen neuen Standort im Wiener Technologiezentrum Seestadt.
Dæly
Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly
Sommerzeit ist Ferienzeit. Viele Familien stellt sie vor organisatorische Herausforderungen. Das Grazer Startup Dæly setzt genau hier an: bei der Planung. Ein 15,6 Zoll großer Touchscreen soll die Zettelwirtschaft von Einkaufslisten, Kalendern, To-Do-Anwendungen etc. beseitigen und so die Organisation erleichtern. Kinder besäßen laut Co-Founder Florian Ritter noch kein Smartphone. Daher müssen Eltern neben digitalen auch analoge Kalender pflegen. Die Organisation werde daher auf bis zu acht verschiedenen Geräten abgewickelt, was zu mangelndem Überblick, ständigen Missverständnissen und Koordinationsstress im Alltag führe.
Egal ob Meisterschaft, Camps oder Trainingslager: Im Sommer blühen Österreichs Vereine auf. Auch bei ihnen ist die Organisation oftmals nicht leicht. Der Vereinsplaner soll Vereinsvorständen die tägliche Arbeit erleichtern. Das Online-Verwaltungstool kann von der Terminplanung über Mitgliedermanagement bis hin zu Dokumentenverwaltung eingesetzt werden. 2022 machte das Startup mit einem Auftritt bei “2 Minuten 2 Millionen” erstmals auf sich aufmerksam. Zuletzt dehnte das Unternehmen seine Aktivitäten nach Deutschland aus. Mit einer Niederlassung in Passau sollen die Betreuung vor Ort sowie lokale Partnerschaften intensiviert werden.
In keiner Jahreszeit gibt es so viele Sonnenstunden wie im Sommer. Das erhöht auch die Stromproduktion von PV-Anlagen. Das Energy-Sharing-Startup Sonnnig verwaltet Energiegemeinschaften. So können z.B. Familien ihre Wohnsitze verbinden und Strom austauschen oder Einzelpersonen ihr Strom-Guthaben einlösen. Ursprünglich konzentrierte sich das Startup auf Endverbraucher, also Privatpersonen, Unternehmen und Gemeinden. Nun soll Sonnnig aber auch mit Energieversorgern kooperieren, denn Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem.
infrared.city
Der Hitzestress in Wien wird hier visualisiert. (c) Live.infrared.city
Die Sommer werden immer heißer und Großstädte wie Wien stehen zunehmend unter Hitzestress. Die Hitze ist nicht nur unangenehm, sondern unter Umständen auch gefährlich. Das ClimateTech-Startup live.infrared.city möchte dem entgegenwirken. Es liefert eine kostenlos abrufbare Echtzeit-Hitzekarte, die das gesamte Wiener Stadtgebiet abdeckt. Dadurch sollen unkompliziert die kühlste Route, die schattigsten Straßen oder das heißeste Gebiet gefunden werden. Wien war die erste Stadt, die von live.infrared.city abgedeckt wurde. Mittlerweile sind auch London, New York und Stuttgart auf der Webseite zu finden.
Kennt ihr noch Startups, die euch den Sommer erleichtern? Dann schreibt uns unter [email protected].
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