03.11.2025
OPENMAIND

Nach Verizon-Exit: Grazer Gründer starten mit neuem Robotik-Startup und holen Investment

Das Grazer Startup openmaind erhält für seine KI-basierte Logistiklösung ein mittleres sechsstelliges Investment von KaPa Ventures. Openmaind entwickelt eine Softwareplattform, die autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen vernetzt und ihren Verkehrsfluss in Echtzeit optimiert.
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Co-Gründer von openmaind: Michael Reip, Christoph Zehentner und Verena Kriegl | (c) Verena Kriegl

Michael Reip und Christoph Zehentner sorgten in der heimischen Startup-Landschaft bereits einmal für Aufsehen: Mit dem Verkauf ihres Unternehmens Incubed IT an den US-Konzern Verizon im Jahr 2021 schlossen sie ihr erstes großes Erfolgsprojekt ab (brutkasten berichtete). Drei Jahre später starten sie gemeinsam mit Verena Kriegl, bei Incubed IT einst für den internationalen Markenaufbau zuständig, erneut durch.

Vernetzung von Roboterflotten

Ihr neues Unternehmen openmaind, angesiedelt am Science Park Graz, entwickelt Software zur Steuerung und Vernetzung ganzer Roboterflotten in Produktionshallen. Während Incubed IT vor allem die einzelne Maschine im Blick hatte, richtet openmaind den Fokus auf den gesamten Verkehrsfluss in einer Produktionshalle.

„In modernen Fabriken sind heute nicht mehr nur ein oder zwei Roboter im Einsatz, sondern ganze Flotten – oft von unterschiedlichen Herstellern – das macht die Steuerung komplex: Jeder Roboter bringt seine eigene Logik mit. In der Praxis führt das schnell zu Staus oder Leerlauf“, erklärt Michael Reip.

Openmaind setzt genau hier an: „Unsere Lösung macht zunächst durch eine infrastrukturfreie Transport-Analyse sämtliche Bewegungen im Werk sichtbar und legt ungenutzte Effizienzpotenziale offen. Darauf aufbauend simuliert die KI Produktionsszenarien in natürlicher Sprache – mit klaren Kennzahlen, aussagekräftigen Darstellungen und konkreten Handlungsempfehlungen. Im laufenden Betrieb orchestriert das System schließlich ganze Roboterflotten über Herstellergrenzen hinweg und sorgt für einen reibungslosen Verkehrsfluss“, sagt Christoph Zehentner.

„Uber“ am Werksgelände

Das System ähnele dabei durchaus bekannten Taxidiensten, vereinfacht Reip. Nachsatz: „Nur eben nicht für die Stadt, sondern für das Werksgelände.“ Alleinstellungsmerkmal der Software ist eine KI-Schnittstelle, mit der Anwender:innen in natürlicher Sprache mit der Anlage kommunizieren können:

„Anstelle von komplexen Parametern treten künftig einfache Sprachbefehle. Produktionsfachkräfte müssen keine komplexen Steuerungsoberflächen beherrschen, sondern können unmittelbar mit dem System interagieren. Damit wird die Bedienung einer heterogenen Roboterflotte nicht nur wesentlich einfacher, sondern auch flexibler“, erklärt Verena Kriegl.

KaPa Ventures investiert mittleren sechsstelligen Betrag

Am Science Park Graz wurde im Zuge des Mentorenprogramms der Kontakt zu Frank Kappe und Gerhard Pail von KaPa Ventures hergestellt. Nun beteiligt sich der österreichische Risikokapitalgeber mit einem mittleren sechsstelligen Betrag am Unternehmen.

„Openmaind adressiert eine zentrale Herausforderung moderner Industrie: die effiziente Steuerung heterogener Roboterflotten. Der Bedarf an flexiblen Transportlösungen wächst weltweit – und wir sind überzeugt, dass diese Technologie das Potenzial hat, sich als neuer Standard in der Fabriklogistik zu etablieren“, betonen die Leadinvestoren Frank Kappe und Gerhard Pail unisono.

Mit dem Kapital soll vor allem der Vertrieb im DACH-Raum angestoßen werden. Zielkunden sind insbesondere mittelständische Industrie- und Logistikunternehmen.

„Mit dem Engagement von KaPa Ventures kommen wir in eine neue Phase: Wir beschleunigen den Markteintritt in Österreich und der DACH-Region und bringen unsere Plattform zur Marktreife“, sagt Christoph Zehentner.

Science Park Graz als Brücke zu Kapital

„Unsere Aufgabe ist es, Gründerinnen und Gründern nicht nur ein Umfeld für Innovation zu bieten, sondern auch die Brücken zu Kapital, Märkten und Partnern zu schlagen. Wenn aus Mentoring ein Investment – so wie hier – wird, zeigt das, wie eng Wissenschaft, Unternehmertum und Industrie hier zusammenspielen“, betont Martin Mössler, Geschäftsführer am Science Park Graz.

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vlonru.: Franz Humer, Katrin Freihofner, Michael Hurnaus, Jeannette Gorzala, Monika Köppl-Turyna und Lukas Helminger | Collage brutkasten - (c) brutkasten / Straion / Tractive / Bild bereitgestellt / Weinwurm Fotografie / Taceo
vlonru.: Franz Humer, Katrin Freihofner, Michael Hurnaus, Jeannette Gorzala, Monika Köppl-Turyna und Lukas Helminger | Collage brutkasten - (c) brutkasten / Straion / Tractive / Bild bereitgestellt / Weinwurm Fotografie / Taceo

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Bei wem holt sich die heimische Innovationsszene ihre Inspiration? Wir haben bei einigen führenden Köpfen nachgefragt, wer sie in letzter Zeit besonders beeindruckt hat und warum.

Franz Humer, ehem. Agilox-Gründer und Co-Founder & CEO von novventos

Franz Humer | (c) brutkasten

Alex Zanardi. Er ist Anfang Mai von uns gegangen, am selben Tag wie vor 32 Jahren mein Jugend-Idol Ayrton Senna. Ich war 2001 am Lausitzring dabei, als Zanardi im Rahmen eines Indy-Car-Rennens bei einem Horror-Crash beide Beine verlor. Mit seinem unbändigen Lebenswillen blieb er Rennfahrer und wurde zu einem der erfolgreichsten paralympischen Athleten Italiens. Parallele im Startup-Leben: Nach jedem Rückschlag stärker zurückkommen – aus eigener Kraft.

Katrin Freihofner, Co-Founderin Straion

Katrin Freihofner | (c) Straion

Die Lebensgeschichte von Michèle Mouton beeindruckt mich immer wieder, weil sie als eine der wenigen Frauen im Rallye-Sport nicht nur mithielt, sondern gewann. Sie kombinierte technisches Verständnis mit kompromisslosem Wettbewerbsgedanken und wurde so zur Ausnahmeerscheinung in einer stark männerdominierten Branche. Ihre Karriere zeigt, wie Leistung bestehende Grenzen verschiebt.

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Peter Steinberger. Er hat mittlerweile mehrfach bewiesen, wie man aus Österreich heraus wirklich erfolgreich sein kann. Diese Vorbildwirkung ist ein enormer Wert für die Gesellschaft und zeigt, dass AI nicht nur in den USA und in China passiert.

Jeannette Gorzala, Founderin & CEO Act.AI.Now

Jeannette Gorzala | Bild bereitgestellt

Stephanie Meisl. Sie ist eine österreichische Medienkünstlerin und Pionierin an der Schnittstelle von Kunst und KI. Mit Projekten wie „s.myselle“, „Schiele’s Ghost“ und „D#AVANTGARDE“ prägt sie den Diskurs über digitale Identität und Humanismus. Ihre Arbeiten verbinden Technologie, Gesellschaft und Medien und stellen zentrale Fragen nach Realität, Kontrolle und Menschlichkeit im digitalen Zeitalter. Als Vice Chair des Creative Industry Council prägt sie aktiv die Zukunft der Kreativwirtschaft.

Monika Köppl-Turyna, Direktorin EcoAustria

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Peter Steinberger. Er hat mich beeindruckt – nicht, weil er zu OpenAI gegangen ist, sondern weil er gegangen ist, obwohl er wusste, was ihn erwartet: Skepsis, Neid, Beschimpfungen. Statt sich anzupassen, hat er einfach weitergemacht; mit einer fast kindlichen Begeisterung für das, was er baut. Dieser Mut, die eigene Überzeugung über das bequeme Heimspiel zu stellen, ist selten – und hoffentlich ansteckend!

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Astrid Woollard. Sie war hautnah dabei, als Ethereum seine ersten Schritte machte, und ist heute General Partner bei Smape Capital, einem der wenigen wirklich erfolgreichen Crypto-Fonds. Astrid bewegt sich wie kaum jemand sonst gleichermaßen souverän an der technologischen Frontier wie in der unternehmerischen Realität von Blockchain-Anwendungen – und obwohl sich in unserer Branche vieles oft zäh anfühlt, hat sie ihren Optimismus nicht verloren. Genau diese Mischung aus Tiefe, Erfahrung und Zuversicht inspiriert mich.

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