02.05.2023

OpenAI: Warum große VC-Firmen nun 300 Millionen Dollar in das ChatGPT-Startup investieren

Große Risikokapitalgeber beteiligen sich nun am KI-Startup OpenAI. Damit erhält die ChatGPT-Entwicklerfirma nun weitere großzügige Finanzierungen für seine Entwicklung von Künstlicher Intelligenz.
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ChatGPT OpenAI, Investment, ChatGPT
Das hochdotierte Tech-Unternehmen OpenAI hat neben Microsoft nun weitere Investor:innen - diesmal aus dem VC-Bereich (c) Rolf van Root / unsplash

OpenAI, das Überflieger-Startup, das hinter ChatGPT steckt, erhält 300 Millionen US-Dollar an neuen Investments von großen VC-Unternehmen. Darunter sind Tiger Global, Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Thrive und K2 Global, laut einem Bericht auf TechCrunch. Auch Founders Fund, das VC-Unternehmen des einflussreichen Tech-Moguls Peter Thiel, soll unter den neuen OpenAI-Investor:innen sein. Der einstige Facebook-Investor und Paypal-Mitgründer Thiel ist auch Gründer der Investmentfirma Thiel Investments, bei der einst Sebastian Kurz als „Global Strategist“ fungierte.

Nicht das erste Mega-Investment in OpenAI

Durch das neue Finanzierungsvolumen von 300 Millionen Euro hat OpenAI seinen Marktwert nun auf bis zu 29 Milliarden US-Dollar erhöht. Die neuen Investments der Risikokapitalunternehmen kommen drei Monate nach der letzten großen Finanzierungsrunde. Damals investierte Microsoft ein gigantisches Volumen von kolportierten 10 Milliarden US-Dollar in OpenAI.

Investment-Tempo gedrosselt

Angesichts des durch die Decke gehenden Erfolges des OpenAI-KI-Chatbots ChatGPT kommt das rege Interesse der VC-Firmen an OpenAI nicht überraschend. In den vergangenen Monaten sollen zahlreiche Risikokapitalgeber:innen aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage das Tempo ihrer Investments merklich gedrosselt haben. Die schwierige Situation machte sich unter anderem in dem massiven Personalabbau in der internationalen Tech-Szene bemerkbar, den unter anderem Meta, Amazon oder Clubhouse im großen Stil betrieben.

OpenAI, das aktuell als erfolgreichstes Unternehmen in puncto Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) gilt, erscheint nun als eine gute Gelegenheit für VC-Firmen, ihre Investmentaktivität wieder aufzugreifen. Eine nicht näher genannte Quelle erzählt TechCrunch: „Sie [Anm.: die VC-Firmen] nutzen die Investitionen nun wohl, um zu zeigen: Seht her, wir haben einen „Goldesel“ gefunden“.

OpenAI früher unattraktiv für Investor:innen

Die Bereitschaft von VC-Unternehmen, in OpenAI zu investieren, war nicht immer so hoch wie es nun scheint. Im vergangenen Jahr waren einige große Investor:innen noch skeptisch. Laut einem Reuters-Bericht von Dezember sollen einige prominente VC-Firmen eine Beteiligung an OpenAI 2022 noch abgelehnt haben. Sie hinterfragten, ob sich OpenAI gegen die große Konkurrenz in puncto KI-Entwicklung wie beispielsweise Google durchsetzen könnte.

Auch hatte OpenAI für seine Investor:innen eine spezielle Obergrenze eingerichtet, wie viel sie mit einer Beteiligung verdienen konnten. Konkret können Investor:innen bei OpenAI nicht mehr als das Hundertfache an der investierten Summe zurückerhalten. Diese Grenze könnte aber in Zukunft herabgesetzt werden.

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KI-Pionier Sepp Hochreiter ist Co-Founder und Chief Scientist von NXAI | (c) NXAI
KI-Pionier Sepp Hochreiter ist Co-Founder und Chief Scientist von NXAI | (c) NXAI

Das Linzer KI-Startup NXAI hat sein neuestes Modell TiRex-2 veröffentlicht. Die Entwicklung des sogenannten „Time Series Foundation Models“ (Zeitreihen-Basismodell) stand unter der wissenschaftlichen Leitung von KI-Pionier Sepp Hochreiter, der Mitgründer ist und als Chief Scientist des Startups fungiert.

Das Modell wurde auch als Open-Source-Software frei zugänglich gemacht. Es ist darauf spezialisiert, historische Datenreihen aus der Industrie zu analysieren, um zukünftige Entwicklungen vorherzusagen. In der Presseaussendung zum Release zeigt sich das Startup selbstbewusst: „Europa kann doch SOTA-Modelle“ (Anm. State of the Art). Laut Hochreiter teilt sich das neue Modell in den offiziellen Bestenlisten „die Spitzenplätze mit AWS“.

Mehrere Signale gleichzeitig im Blick

Die wesentliche technische Neuerung des Modells liegt in der Verarbeitung multivariater Zeitreihen. Während herkömmliche Vorhersagesysteme oft nur eine einzelne Datenreihe anhand ihrer eigenen Vergangenheit analysieren, bezieht TiRex-2 zusätzliche Einflussfaktoren – in der Fachsprache Kovariaten genannt – mit ein. Für Industrieunternehmen soll das zum entscheidenden Vorteil werden, da Maschinen und Prozesse selten nur ein isoliertes Signal erzeugen. In der Praxis bedeutet dies: Will ein Logistik- oder Energiebetrieb den künftigen Verbrauch prognostizieren, kann das Modell neben den historischen Verbrauchsdaten auch begleitende Faktoren wie das Wetter, Kalenderdaten oder Produktionspläne auswerten. Das macht die Vorhersagen präziser und aussagekräftiger.

xLSTM soll Effizienz-Boost bringen

Im Gegensatz zu bekannten KI-Systemen wie ChatGPT, die auf der speicherintensiven Transformer-Architektur basieren, nutzt TiRex-2 das von Hochreiter mitentwickelte xLSTM-Verfahren. Das soll ein zentrales Problem industrieller Live-Anwendungen lösen: Bei kontinuierlich einlaufenden Datenströmen (Streaming) explodiere bei herkömmlichen Systemen nämlich der Rechen- und Speicheraufwand, argumentiert man beim Startup. TiRex-2 hingegen verarbeitet Daten sequenziell und aktualisiert fortlaufend einen internen Zustand. Dadurch würden der Speicherbedarf und die Rechenkosten auch bei unbegrenzten Datenströmen konstant niedrig bleiben. Lukas Fischer, Head of Applied Research bei NXAI, erklärt dazu: „Mit TiRex-2 können wir kontinuierliche Datenströme in Echtzeit analysieren, ohne Einbußen bei der Modellperformance.“ Dies prädestiniert das Modell für den direkten Einsatz an Maschinen vor Ort (Edge-Anwendungen).

„Kunden müssen für unterschiedliche Maschinen nicht immer ein neues KI-Modell trainieren“

Die Leistungsfähigkeit des Modells wird durch das begleitende wissenschaftliche Paper des Forscherteams untermauert. Darin zeigen die Wissenschaftler, dass sich TiRex-2 besonders gut für das sogenannte Zero-Shot-Forecasting eignet. Das bedeutet, dass das Modell ohne vorheriges, spezielles Training präzise Vorhersagen für völlig neue Maschinentypen oder Datensätze treffen kann.

Laut dem CEO von NXAI, Albert Ortig, bringt diese Generalisierungsfähigkeit handfeste wirtschaftliche Vorteile im Betrieb: „Die Kunden müssen für unterschiedliche Maschinen nicht immer ein neues KI-Modell trainieren.“ Ein weiterer Vorzug des vergleichsweise kompakten Modells mit 82 Millionen Parametern ist, dass es auf Wunsch direkt auf den eigenen Servern der Kunden (On-Prem) betrieben werden kann, was die Datensicherheit für sensible Industrie-Prozesse erhöht.

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