20.12.2021

Open Data: Österreich EU-weit im Spitzenfeld

Eine neue Studie unterstreicht die positive gesellschaftliche Wirkung offener Daten: Österreich liegt beim Reifegrad von Open Data über dem EU-Schnitt.
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Open Data
(c) Stock.Adobe/Siarhei - Neuer Open Data-Report zeigt: Österreich im Spitzenfeld.

Open Data. Oder anders gesagt, nackte und zugängliche Statistiken – hierzulande scheint es manchmal, dass die Wertschätzung von Zugriffsmöglichkeiten auf Daten wie ein „Nadelstich ins Auge“ gesehen wird und ein Bruchteil lieber der Stieftante des Nachbarn aus dem vierten Stock vertraut, als Portalen, die etwa gesundheitsspezifische Informationen oder ökologische Tendenzen bereitstellen. Andere wiederum tragen offen Ressentiments zur Schau, wenn es um (auch anonymisierte) Daten geht, die zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden könnten. Und schieben Datenschutz vor. Allerdings, und das mag überraschend erscheinen, Österreich darf sich auf einem guten Weg wähnen, was Open Data betrifft.

Open Data: Österreich überdurchschnittlich

Das Ergebnis des jährlichen „Open Data Maturity Reports 2021„, der zum siebten Mal in Folge den Reifegrad von Open Data in Europa misst, zeigt, dass im europäischen Durchschnitt Verbesserungen über alle vier gemessenen Dimensionen (Policy, Impact, Portal und Qualität) hinweg stattgefunden haben. Und Österreich mit einer Bewertung von 92 Prozent Reifegrad über dem europäischen Durchschnitt (81 Prozent) liegt.

Insbesondere treffe dies in der Kategorie „Policy“ (Ö.: 96 Prozent; EU-Schnitt: 87 Prozent) zu, die unter anderem den regulatorischen Rahmen eines Landes für „Open Data“ sowie die Strategie und Grad der Implementierung beschreibt. Die Studie wurde von der Europäischen Kommission und dem Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union in Auftrag gegeben und von „Capgemini Invent“ koordiniert.

(c) (c) Capegemini Inent – Simon El Dib, Head of Capgemini Invent Austria: „Nicht auf Lorbeeren ausruhen“.

Simon El Dib, Head of Capgemini Invent in Österreich, kommentiert: „Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich Österreich in Sachen Open Data an vielen Stellen weiter verbessern. Damit konnten wir im europäischen Vergleich jenen Platz sieben im Ranking, den Österreich schon im Vorjahr belegte, halten. Die Studie zeigt, dass wir im Gegensatz zu anderen Staaten zwar beständige Fortschritte machen, uns auf diesen Lorbeeren aber nicht ausruhen sollten. Im kommenden Jahr werden weitere Anstrengungen nötig sein, um den positiven Trend fortzusetzen.“ Anmerkung: Spitzenreiter in dieser Studie ist Frankreich, das bereits seit sechs Jahren als „Trendsetter“ klassifiziert wird und mit einer Bewertung von 97,5 Prozent als das europäische Land mit der fortschrittlichsten Open-Data-Strategie gilt.

(c) data.europa.eu – Österreich auf Platz sieben des „Open Data“-Rankings.

Data.gv & Opendataportal

In Österreich gibt es im Wesentlichen zwei zentrale öffentliche Anlaufstellen für „Open Data“: Data.gv.at und Opendataportal.at.

Data.gv.at ist ein offener Datenkatalog und wurde 2012 von der „Cooperation OGD Österreich „ins Leben gerufen, deren Mitglieder sich dazu verpflichtet haben, eine offene Kultur zu schaffen, die Innovationen und das Bewusstsein für den gesellschaftlichen, sowie den wirtschaftlichen Mehrwert offener Daten im Sinne der Transparenz und Effizienz fördern soll.

User können auf Daten aus verschiedenen Kategorien zugreifen, etwa Wirtschaft und Tourismus, Sport und Freizeit, Bildung und Forschung oder Land- und Forstwirtschaft. Es finden sich aktuell über 36.000 Datensätze von rund 1.300 Organisationen wieder.

Seit 2014 aber nur 447 Datensätze

Mit opendataportal.at ging 2014 ein Schwesternportal zu data.gv.at online, das neben „Open Government Data“ auch Daten und Metadaten aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Forschung, Zivilgesellschaft und Non-Profit Organisationen darstellt.

Wie man allerdings an dieser Plattform bemerkt, ist in Österreich trotz der positiven Ergebnisse das „Maturity Reports“ das Thema „Open Data“ im privaten Bereich unterrepräsentiert. Dort finden sich bisher bloß 447 Datensätze von insgesamt 39 Organisationen.

„Die zahlreichen auf Open Data basierenden Dashboards und Initiativen in diesem Zusammenhang verdeutlichen den hohen Bedarf. Um mit Hilfe offener Daten noch mehr positive Effekte zu erzielen, sei es in sozialer, wirtschaftlicher oder ökologischer Hinsicht, müssen noch mehr Daten veröffentlicht und über zentrale Portale verfügbar gemacht werden“, so El Dib. „Dabei muss auch noch stärker ein hohes Qualitätsniveau der Daten gewahrt werden, um die Wiederverwendung zu erleichtern. Schließlich sollte die Interaktion zwischen Herausgebern und Nutzern ausgebaut werden, um noch präziser zu verstehen, wie die Daten genutzt werden können oder was einer Nutzung entgegensteht.“

Drei Trends von Open Data

Eine weitere Erkenntnis aus dem diesjährigen „Open-Data“-Report ist, dass sich europaweit drei Trends entwickelt haben, die sowohl den Mehrwert von Open Data verdeutlichen als auch die Notwendigkeit für die Länder in Europa, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Im Report heißt es:

1. Zahlreiche EU-Mitgliedstaaten setzen ihr Engagement für offene Daten fort: Sie haben damit begonnen, die Open-Data-Direktive (Direktive 2019/1024 des Europäischen Parlaments und des Rates) in nationales Recht umzusetzen, oder haben diese bereits vollständig umgesetzt. Die Direktive trat im Juli 2019 in Kraft und ist das Kernstück des Rechtsrahmens der Europäischen Union, der offene Daten und ihre Weiterverwendung überwacht.

2. Die COVID-19-Pandemie hat im Jahr 2021 erneut den Wert und Einfluss von Open Data gezeigt: Die diesjährige Studie unterstreicht, dass offene Daten eine große soziale Wirkung haben können. Beispielsweise ermöglichen sie es, das öffentliche Bewusstsein für Gesundheitsfragen zu schärfen, wie in der aktuellen COVID-19-Pandemie. Viele Staaten haben bestehende Initiativen und Dashboards durch aktuelle Statistiken ergänzt – etwa zu nationalen Impfraten, der Produktionskapazitäten für Impfstoffe oder Ressourcen in der Intensivpflege. Die hohe soziale Wirkung, die durch diese Bemühungen erzielt wurde, zeigt sich auch im diesjährigen Open-Data-Bericht.

3. Die Wirkung von Open Data zu verstehen und messen wird immer wichtiger: Immer mehr europäische Länder sind in der Lage, das Ausmaß der Weiterverwendung offener Daten und die damit verbundenen Wertschöpfung zu verstehen und zu erfassen. Dies steht im Einklang mit dem Ziel der Open-Data-Direktive, das volle Potenzial offener Daten auszuschöpfen. In der diesjährigen Studie ist ein deutlicher Trend zu intensiver Forschung zu verzeichnen, welche die Auswirkungen offener Daten quantifiziert und überprüft. Dies wird langfristig zu einem strukturierteren und einheitlichen Ansatz bei der Wirkungsmessung von Open Data führen, insbesondere im Hinblick auf Auswirkungen in der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft.

„Die EU und viele der Mitgliedsstaaten haben die Bedeutung von Daten zur Verbesserung politischer und administrativer Entscheidungen erkannt und entsprechende Datenstrategien entwickelt. Je mehr Verwaltungen Daten selbst nutzen, desto mehr werden sie das wirtschaftliche und gesellschaftliche Potential von offenen Daten verstehen“, erklärt El Dib abschließend. „Die COVID-19-Pandemie hat allen vor Augen geführt, wie wichtig gute und aktuelle Daten sind, um wirksame Maßnahmen einzuleiten.“

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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