07.10.2016

Open Austria: Das neue Konsulat in San Francisco ist eröffnet

Gastkommentar Mario Herger Jetzt ist es offiziell: Österreich hat ein Konsulat in San Francisco eröffnet. Nicht ein traditionelles Konsulat mit dem sonst üblichen Angebot, sondern eines das in Zusammenarbeit mit Außenministerium und Wirtschaftskammer die innovativste Region der Welt mit Österreich verbinden soll.
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Im Zuge der "Open Austria" Initiative wurde ein österreichisches Konsulat in San Francisco eröffnet. Frédéric Prochasson - fotolia.com
Konsul Martin Rauchbauer und Technology Officer Georg Fürlinger, die gemeinsam Open Austria leiten, kümmern sich ab sofort um österreichische Unternehmen und Startups die im Silicon Valley Fuß fassen oder Geschäftsbeziehungen anbahnen wollen. Umgekehrt wollen sie es amerikanischen Unternehmen und Startups ermöglichen, leichter mit Österreich in Geschäftsbeziehung zu treten.

Speed Dating zur Vorstellung

Um Open Austria offiziell zu eröffnen fanden Anfang Oktober zwei Veranstaltungen statt. Eine wurde von mir selbst veranstaltet, um in einer Art Speed-Dating die beiden vorzustellen, und andererseits aber auch den Österreichern im Silicon Valley ein Forum zu geben um die Bandbreite ihres Schaffens zu zeigen. Mit dabei waren:
  • Gymnasiallehrerin Julia Wendel verglich die beiden Schulsysteme
  • Architektin und Stanfordforscherin Andrea Jany stellte die Wohnsituationen gegenüber
  • Fastlane-Gründer und nunmehriger Twitter-Mitarbeiter Felix Krause
  • Chemikerin Patricia Buben die Hirse in die USA bringt
  • Sini Ninkovic, der Produktmanager beim Elektrofahrzeughersteller Atieva in Menlo Park

So konnte ein interessanter Überblick über das Schaffen und die Leidenschaften aussergewöhnlicher Österreicher gewonnen werden.

Österreich hat ab sofort ein Konsulat im Silicon Valley

Auch „richtige“ Botschafter waren dabei

Botschafter Wolfgang Waldner aus Washington DC und die Generalkonsulin Ulrike Ritzinger aus LA lauschten gemeinsam mit 70 Teilnehmern den Vorträgen und nutzten die Pausen zum Netzwerken.
Am folgenden Morgen fand ein Open Austria Frühstück statt, bei dem in einer Google-Hangout-Sitzung aus Wien Außenminister Sebastian Kurz, die amerikanische Botschafterin Alexa Wesner und WKÖ Vizepräsident Jürgen Roth die Bedeutung des neuen Konsulats hervor strichen. Open Austria soll auch ab sofort die Betreuung des bisher aus LA gemanagten Go-Silicon-Valley-Programs übernehmen. Veranstaltungen werden sich aber nicht nur auf technologisches und geschäftliches beschränken. Kulturveranstaltungen mit Österreichbezug werden ein wichtiger Bestandteil des Angebots von Open Austria sein.

Österreichische „Konditorei“ in San Francisco

Die Gäste beim Open Austria Frühstück wurden aus der 120 Kilometer von San Francisco gelegenen Konditorei (ja, die heißt so) mit österreichischen Mehlspeisen verwöhnt. Mit der Eröffnung des Konsulats fiel ein langjähriger Wunsch der hiesigen Österreicher auf offene Ohren. Zu wichtig und zu groß sind die Auswirkungen der Unternehmen und Innovationen aus dem Silicon Valley, als das Österreich nicht vor Ort eine Präsenz hat. Und die Änderungen werden nicht weniger. Die beiden Leiter von Open Austria werden die Hände voll zu tun haben.

Dr. Mario Herger ist der CEO von Enterprise Garage Consultancy und lebt seit 2001 im Silicon Valley. Der langjährige SAP-Entwicklungsleiter und Innovationsstratege berät Unternehmen, wie sie den innovativen und entrepreneurischen Spirit aus dem Silicon Valley auf ihre Organisationen übertragen können. Als Autor ist er mit dem Buch “Das Silicon Valley Mindset” erfolgreich.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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