15.12.2021

Open: Audio-only-App geht gegen Einsamkeit in digitalen Zeiten vor

Die digitale Kommunikation gleicht manchmal einem sozialen Wettkampf mit der Vereinsamung als Sieger. Ein internationales Gründerteam mit Sitz in Wien kämpft deshalb mit seiner App Open für mehr Empathie in einer digitalen Welt.
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Das Gründer:innen-Trio Loredana Marta, Maximilian Hecke und David Jakob (c) Open social audio
(c) Open social audio: Das Gründer:innen-Trio Loredana Marta, Maximilian Hecke und David Jakob.

E-Mail, SMS, Anruf, Voice-Message, Video-Chat, Post, Kommentar, Direktnachricht, „Like“ – die Möglichkeiten der Kommunikation sind heutzutage derart vielfältig, wie es in der Historie von Kommunikationstechnologien noch nie der Fall war. Dennoch zeigt sich mit den technologischen Mitteln eine schwere gesellschaftliche Folge, die sich schlicht als „Vereinsamung“ bezeichnen lässt. Und zur gesundheitspolitischen Bedrohung wird. Ein Umstand, dem das Gründer:innen-Trio Loredana Marta, Maximilian Hecke und David Jakob von Open social audio entgegentreten will. Mit einer App gegen Vereinsamung.

„Gerade zu Weihnachten bekommt das Thema Einsamkeit einen besonderen Stellenwert“, sagt Hecke. Und weiß, dass ein Drittel aller Haushalte im DACH-Raum Single-Haushalte sind, Tendenz steigend. In England habe man bereits 2017 den Kampf gegen die Einsamkeit zur Ministerinnensache erklärt. Auch in Deutschland bekräftige man im Koalitionsvertrag den Willen, Konzepte und Strategien gegen Einsamkeit zu entwickeln, so der Founder.

„Follower und Likes sind Währung geworden“

Auch Mitgründer Jakob verortet eine große Problematik in diesem Feld, da mittlerweile statt Respekt und Empathie „Follower“ und „Likes“ zur sozialen Währung geworden sind. „Gerade jüngere Altersgruppen leiden nachweislich unter Selbstoptimierungsdrang und sind teils stark von sozialer Isolation und Depressionen betroffen. Mit unserer App wollen wir entgegensteuern. Bei Open geht es um wertvolle Verbindungen, nicht darum, sich gegenseitig zu bewerten.“

Konkret sind es auditive Inhalte, die im Fokus stehen. Laut dem Gründer:innen-Team zeige der Siegeszug von Podcasts, dass Audio „King“ sei – und Social Audio die logische Konsequenz davon. Auch wenn der Hype um die App Clubhouse mittlerweile etwas abgeflaut ist, setzen Facebook, Twitter oder Spotify weiterhin auf das Thema. Allerdings bilden laut Hecke bei vielen Playern „Themencluster“ die Basis für soziale Interaktion, ähnlich wie bei einem klassischen Forum.

Open als Mental Health-App

„Auditive Inhalte lassen sich schlicht nicht so schnell filtern wie visuelle – findet man also nicht exakt, wonach man sucht, äußert sich dies schnell in einer unbefriedigenden User Experience“, sagt er. „Open möchte sich mit Fokus auf die Stimmung der User:innen vor allem im Bereich Mental Health positionieren.“

Auf die Frage, was die Basis für ein gutes Gespräch sei, bekam das Team um Geschäftsführerin Marta in unzähligen Unterhaltungen mit Psycholog:innen immer wieder die gleiche Antwort: „Die selbe Stimmung“, lautete sie. Auf dieser Annahme basiert deshalb auch der Matching-Algorithmus von Open. Anders gesagt: Vor dem Gespräch definiert man die eigene Stimmung und wird daraufhin mit Gleichgesinnten verbunden.

„Auf der Suche nach inspirierendem Austausch, neu in der Stadt oder das Bedürfnis nach einer Gesprächspartnerin. Unser Motto lautet ‚mindfulness through social interaction‘. Die Open-Experience ist eine sehr intime Erfahrung und gleichzeitig völlig anonym“, so die Gründerin. „Als ‚Audio only App‘ verzichten wir bewusst auf visuelle Reize und Mechanismen, deren übermäßiger Konsum unsere mentale Gesundheit nachweislich immer mehr beeinträchtigen. Gegenüber allen anderen Wesen besitzen Menschen die Fähigkeit, sprechen zu können. Warum verzichten wir eigentlich ständig darauf?“

Schutz für Frauen essentiell

Um nach einem Gespräch in Verbindung zu bleiben, haben User die Möglichkeit Partner per „Voicebook“ hinzuzufügen. „Für uns ist zentral, gerade unseren Nutzerinnen ein sicheres Umfeld zu bieten. Ein ausgeklügeltes Reporting-System sorgt zusätzlich für eine sichere und entspannte User Experience“, so Marta weiter. „Im Voicebook wird ausschließlich mittels Sprachnachrichten kommuniziert. Weiterhin gilt: keine Fotos, keine geschriebenen Updates, keine Oberflächlichkeiten.“

Grundlegend beschäftigt sich das Gründerteam mit der Frage, welchen Einfluss die Digitalisierung auf unsere Fähigkeit hat, echte emotionale Verbindungen aufzubauen. Und meint: „Es wird Zeit, das Potenzial digitaler Kommunikation abseits von Katzenvideos und Frühstücksfotos auszuschöpfen. Und herauszufinden, was sie für unsere mentale Gesundheit leisten kann. Unsere Reise ist soeben erst gestartet und wir freuen uns über alle, die unsere Mission begleiten und unterstützen wollen.“

Der Softlaunch der App fand bereits am 10. Dezember statt. Der Marktlaunch ist mit Mitte Jänner aniviesiert. Momentan wird das zahlreiche Feedback der Community verarbeitet. Die Beta-Version ist für Interessierte bereits im App-Store verfügbar.

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Personen im Büro an Laptops
(c) Annie Spratt via Unsplash

„Wer heute in den Arbeitsmarkt einsteigt, wird von Anfang an gefordert. Das ist für junge Menschen eine große Chance, aber auch eine Herausforderung“, ordnet Rudolf Krickl, CEO von PwC Österreich, die Ergebnisse einer aktuellen Studie ein. Im Rahmen des globalen „AI Jobs Barometer 2026“ hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC weltweit mehr als eine Milliarde Stellenanzeigen aus 27 Ländern auf sechs Kontinenten analysiert. Die Untersuchung soll aufzeigen, wie Künstliche Intelligenz (KI) Berufsprofile, Gehälter, Fähigkeiten und die Arbeitsproduktivität beeinflusst.

Neue Ansprüche bei Einstiegsjobs

Besonders stark zeigt sich der Wandel am Anfang der Karriereleiter. Für Einstiegspositionen erwarten Arbeitgeber in KI-geprägten Berufen zunehmend Fähigkeiten, die traditionell eher erfahrenen Fachkräften vorbehalten waren. Zu diesen gehört die Entwicklung fortgeschrittener, spezifisch menschlicher Kompetenzen wie kritisches Denken, Kooperationsfähigkeit, Veränderungsbereitschaft und Führungskompetenz.

Laut Studie machen solche traditionell seniorigen Fähigkeiten wie motivierende Führung, strategische Entscheidungsfindung oder Teambildung bereits 52 Prozent der neu geforderten Skills in KI-exponierten Einstiegsberufen aus. Bei Berufen mit geringem KI-Kontakt liegt dieser Anteil bei lediglich sieben Prozent. Die Studienautor:innen schreiben in diesem Zusammenhang von einer „Seniorisierung“ von Junior-Rollen. Während klassische Einstiegsjobs in stark betroffenen Branchen insgesamt stagnieren, verzeichnen solche „seniorisierten“ Einstiegspositionen, die mindestens zehn dieser neuen fortgeschrittenen Fähigkeiten verlangen, ein deutliches Wachstum von 35 Prozent. Dies zwingt Unternehmen und das Bildungssystem dazu, Berufseinsteiger:innen künftig anders zu fördern und zu begleiten.

Produktivität treibt Beschäftigungswachstum

Entgegen bekannter Befürchtungen, dass Künstliche Intelligenz in großem Stil Arbeitsplätze ersetzen wird, zeichnet der Bericht ein anderes Bild. Unternehmen mit hoher KI-Intensität verzeichnen nicht nur stärkere Produktivitätszuwächse, sondern bauen auch ihre Belegschaften schneller aus. Zwischen 2018 und 2025 stieg die Produktivität von Firmen mit starkem KI-Einsatz um 34 Prozent (im Vergleich zu 24 Prozent bei geringem Einsatz). Parallel dazu wuchs deren Beschäftigung um 52 Prozent, während Unternehmen mit geringer KI-Nutzung ihre Belegschaft nur um 36 Prozent vergrößerten.

PwC-Österreich-Chef Krickl zieht dazu eine historische Parallele: „Wir beobachten hier ein klassisches Muster der Wirtschaftsgeschichte. Auch die Industrialisierung hat kurzfristig Jobs verdrängt, langfristig aber deutlich mehr neue geschaffen, weil Produktivitätsgewinne Wachstum ermöglichen. Dieses Wachstum schafft wiederum neue Aufgaben und erhöht den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften“.

Zweigeteilter Arbeitsmarkt: „Professionalised“ vs. „Democratised“

Die Analysen deuten darauf hin, dass sich ein zunehmend zweigeteilter Arbeitsmarkt entwickelt. Auf der einen Seite stehen sogenannte „Professionalised Roles“ (professionalisierte Berufe), in denen KI Routineaufgaben übernimmt, wodurch menschliches Urteilsvermögen, Fachwissen und strategische Entscheidungen an Bedeutung gewinnen. Diese Berufsgruppen, zu denen etwa Personalvermittler:innen oder Jurist:innen gehören, wachsen weltweit mehr als doppelt so schnell wie „Democratised Roles“ (demokratisierte Berufe). In Letzteren standardisiert die Technologie Aufgaben so stark, dass sie auch für Nicht-Fachkräfte leichter zugänglich werden, was jedoch das Lohnwachstum dämpfen kann. Seit 2021 verzeichnen die professionalisierten Berufe eine um 42 Prozent raschere Gehaltsentwicklung als demokratisierte Positionen.

KI-Kompetenzen als Gehalts- und Einstellungsfaktor

Gleichzeitig erweisen sich spezifische KI-Kenntnisse als massiver Gehaltsfaktor. Stellen, die entsprechendes Fachwissen – wie Machine Learning oder Prompt Engineering – explizit verlangen, bieten weltweit einen durchschnittlichen Gehaltsaufschlag von 62 Prozent (nach 57 Prozent im Vorjahr). Zudem wächst die Nachfrage schnell: Binnen eines Jahres stieg die Anzahl der Stellenausschreibungen, die KI-Kompetenzen fordern, um 69 Prozent. Die Einstellung von KI-Spezialist:innen wuchs im Jahr 2025 weltweit achtmal schneller als der gesamte Arbeitsmarkt. Spitzenreiter ist die Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbranche, in der 11,4 Prozent aller Stellenausschreibungen auf KI-Spezialist:innen abzielen.

Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung, dass sie sich vermehrt auf die menschlichen Erfolgsfaktoren konzentrieren müssen. Krickl betont in diesem Zusammenhang: „KI-Kompetenzen sind gefragter denn je, Menschen, die sie souverän einsetzen können, bleiben jedoch rar. Nicht die Technologie allein macht Unternehmen erfolgreicher, sondern die Menschen, die sie sinnvoll einsetzen. KI-Tools kann heute jedes Unternehmen kaufen – kritisches Denken, Urteilsvermögen und Teamfähigkeit nicht. Wer jetzt in diese Fähigkeiten investiert, verschafft sich einen Vorsprung, der in den kommenden Jahren weiter an Wert gewinnen wird“.

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