25.01.2022

Open API bei der RBI: „Wir hatten in zwei Jahren eine sehr steile Lernkurve“

Beim Open API Day 2022 der Raiffeisenbank International wurde gezeigt, was in dem Bereich in den vergangenen zwei Jahren geschafft wurde und ein Ausblick in die nahe Zukunft gewährt.
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RBI Open API Day 2022 - Open Banking
(c) RBI
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„Noch vor zwei Jahren haben wir darüber diskutiert, ob es einen Business Case für Open APIs gibt. Darüber sind wir inzwischen weit hinaus. Es ist innerhalb der RBI eine Community entstanden, die mit Co-Creation und Co-Innovation neue Produkte schafft“, sagt Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der Raiffeisenbank International (RBI) in seinem Eingangsstatement beim Open API Day 2022. Man habe in den vergangenen Jahren ein solides Fundament geschaffen, nicht nur technologisch sondern auch in Sachen Know-How. Und man sehe APIs nun als „Connectors to the world“. Alle Netzwerk-Banken der RBI seien aktiv an diesem Prozess beteiligt, betont Wolf. Und seine Nachredner geben einen sehr guten Eindruck davon, was er mit all dem meint.

Video: Der RBI Open API Day 2022

Open API: Schon jetzt „business as usual“ – noch enormes Potenzial für Skalierung

„Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren eine sehr steile Lernkurve. Ich bin stolz, dass wir nun rund 40 APIs haben, die über unseren API-Marktplatz in der ganzen Gruppe genutzt werden können. Das ist ein großer Erfolg“ sagt etwa Philipp Höfer, Expert Product Manager & Developer CM Cash Management bei der RBI, „wir sehen, wir liefern richtigen Value“. Und Tanja Imamovic, Lead Open API bei der RBI, stellt fest: „Open API ist jetzt schon ‚business as usual‘ in der RBI“. Dabei handle es sich bei Open API um eine „wirklich transformative Technologie“. „Wir haben bereits am Beginn realisiert, dass es ein riesiger Change-Prozess wird. Es ändert, wie wir unsere Produkte und Beziehungen zu unseren Kund:innen sehen“, so die Expertin.

Und Imamovic ist sicher: Open Banking werde definitiv noch stark skalieren, es sei sogar der einzige Weg für den Bankensektor, voranzukommen. Man habe erst so richtig begonnen: „Wir sind noch mitten drin – es liegt noch viel Arbeit vor uns“. Mit diesem Befund ist sie nicht alleine. „Wir sind noch immer am Anfang“, sagt auch Markus Unger. Er ist Head of Business Development & Global Partnership der im vergangenen Jahr gelaunchten Raiffeisen Digital Bank. Mit dieser will die RBI ganz ohne Filialen neue Kundengruppen und Märkte erreichen – auch außerhalb des Gebiets der zahlreichen Netzwerkbanken der Gruppe im CEE-Raum. „Ohne APIs wäre der Aufbau gar nicht möglich gewesen“, sagt Unger.

API Marketplace: Mit ein paar Klicks zum Code von 40 APIs

Die Digital Bank ist nur eines von vielen Beispielen, wie aufbauend auf der Technologie neue Services der RBI und ihrer Netzwerkbanken entstehen. Für die Developer in der Gruppe ist dabei ganz einfach, über den „API Marketplace“ an die Codes der momentan rund 40 APIs zu kommen, wie Catalina Arateanu, Product Owner RBI API Marketplace, in einer kurzen Live-Vorführung beim Open API Day 2022 zeigt. „Jeder kann sich die technische Dokumentation der jeweiligen API ansehen und sich dann mit ein paar Klicks den Code holen“, erklärt die Expertin.

Und was für API-basierte Services werden den Kund:innen nun konkret angeboten? „Wir können mit einem unserer Premium-API-Services etwa den gesamten Rechnungs-Prozess für KMU oder auch das Acounting automatisieren. Das spart Kund:innen viel Zeit und Geld“, erklärt Erik Toth, Head of Open Banking bei der slowakischen Tatra Banka. Jiri Solek, Corporate Digital Manager bei Raiffeisen Tschechien, gibt ein weiteres Beispiel: „Wir vereinfachen es für unser Kund:innen massiv, Informationen zu zurückliegenden Transaktionen und Massenzahlungen für ihre zu nutzen und verringern das Risiko, in dem wir die Gefahr menschlicher Fehler eliminieren“.

Weg vom Excel Sheet hin zu „Banking as a Platform“

Auch im Bereich Handelsfinanzierung wird Open API bei der RBI für Automatisierung genutzt. „Derzeit ist das Reporting via Excel-Sheet noch Standard“, erklärt Werner Klapka, Senior Expert Product Manager Trade Finance. Zudem laufe die Kommunikation der Netzwerkbanken mit den Kund:innen in dem Bereich derzeit noch je nach Land unterschiedlich. Mit einer neuen API-basierten Lösung gelinge es, das über die Gruppe hinweg zu vereinheitlichen und zu bündeln.

Wie bereits oben angedeutet sollen die beschriebenen Lösungen erst der Anfang sein. „Es werden weitere Produkte für weitere Usecases im Marketplace folgen“, verspricht Sudip Khan, Retail Open Banking Leader bei der RBI. „Wir schauen dabei auch auf unsere Stärken: Die Unternehmen und auch FinTechs, die mit uns zusammenarbeiten wollen, haben meist nicht die Stärke im Compliance und Regulatory-Sektor, die wir als Großbank mit all unserer Erfahrung bieten können. Da können wir etwa gute Angebote schaffen“. Für den Bereich Corporate Banking formuliert Philipp Höfer ein großes Ziel: „Banking as a Platform“.“Die Bank könnte künftig das einzige Interface gegenüber Corporate-Kunden werden. Alles wird dann unter unserem Chanel angeboten“, sagt der Experte. Aber jetzt sei man noch ganz am Anfang, räumt auch Höfer ein.

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(v.l.) Peter Hajek, Monika Köppl-Turyna, Lisa-Marie Fassl und Markus Raunig © Tobias Gärtner

Wie steht es um das Interesse an der Selbstständigkeit in Österreich? Eine Online-Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft liefert dazu aktuelle Daten. Im Befragungszeitraum vom 22. Mai bis 8. Juni 2026 wurden insgesamt rund 1.500 Personen der österreichischen Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 69 Jahren befragt. Die Zahlen zeigen, wie stark das direkte Umfeld die Neigung zum Unternehmertum in Österreich prägt.

Der „Eltern-Effekt“ als zentraler Einflussfaktor

Der zentralste Befund der Untersuchung liegt in der familiären Prägung: Der Wunsch und die konkrete Absicht zu gründen gehen laut den Studiendaten maßgeblich mit der unternehmerischen Tätigkeit der eigenen Eltern einher. Insgesamt geben 20 Prozent der Befragten an, mindestens einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil zu haben. Laut Umfrage verändert diese Erfahrung die Haltung grundlegend: Während sich ohne unternehmerischen Hintergrund lediglich 27 Prozent der Befragten eine Gründung grundsätzlich vorstellen können, steigt dieser Wert bei Personen mit unternehmerischem Elternhaus auf 47 Prozent.

Noch drastischer unterscheidet sich die konkrete Planung: Bei Befragten ohne unternehmerische Eltern geben derzeit nur 7 Prozent an, innerhalb der nächsten zwölf Monate konkret eine Gründung zu planen. Hat mindestens ein Elternteil ein Unternehmen geführt oder gegründet, springt diese Gründungsabsicht auf 18 Prozent, also mehr als das Doppelte. Das Elternhaus senkt somit laut Studie die subjektiven Hürden von der bloßen Vorstellung hin zur konkreten Absicht.

Eklatanter Mangel an sichtbaren Vorbildern im Alltag

Dass die familiäre Herkunft in den Daten eine so dominante Rolle spielt, deckt sich mit einem deutlichen Mangel an sichtbaren Alternativen im öffentlichen Raum. Laut Umfrage fällt fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung (49 Prozent) spontan kein einziger Name einer Unternehmerin oder eines Unternehmers ein.

Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren geben sogar 60 Prozent an, niemanden nennen zu können. Werden überhaupt Namen genannt, handelt es sich meist um prominente Großunternehmer wie Mateschitz (13 Prozent), Haselsteiner (5 Prozent), Benko (3 Prozent), Swarovski (3 Prozent) oder Elon Musk (2 Prozent). Greifbare Vorbilder aus dem alltäglichen Leben fehlen in der Wahrnehmung vieler Befragter.

Gleichzeitig zeigt die Erhebung: Wer im unternehmerischen Umfeld aufwächst oder entsprechende Kontakte hat, würde im Falle eines Gründungsvorhabens eine nahestehende Person laut Eigenangabe mit 37 Prozent mehr als doppelt so oft aktiv bestärken wie Personen ohne dieses Umfeld (17 Prozent).

Breiter Ruf nach Wirtschaftsbildung an Schulen

Unterstützung aus dem Elternhaus ist ein wichtiger Faktor, doch soll er laut den Befragten nicht der einzige sein, der über die berufliche Zukunft entscheidet, wie sich aus weiteren Ergebnissen ablesen lässt. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Jugendliche bereits in der Schule stärker lernen sollten, wie man Unternehmen gründet oder führt. Zudem hätten sich 75 Prozent selbst mehr praktische Wirtschaftsbildung gewünscht.

Für Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft, liefern die Befragungsergebnisse deshalb einen klaren Auftrag an die Bildungspolitik. Seine zentrale These formuliert Raunig bei der heutigen Pressekonferenz als Kernversprechen der Stiftungsarbeit: „Unsere Überzeugung als Stiftung lautet: Es darf nicht davon abhängen, was für Eltern oder welches Umfeld man hat, ob man unternehmerisch tätig wird oder nicht.“

Durch praxisnahe Schulprogramme, den Aufbau eigener Medienkanäle zur Veranschaulichung des unternehmerischen Alltags und die gezielte Sichtbarmachung nahbarer Vorbilder soll dieses Herkunfts-Delta geschlossen werden.

Wachstumsorientierte Startups als echter Jobmotor

Aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt es jedoch nicht bloß auf die reine Anzahl an Gründungen an, sondern auf deren Qualität, das betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Die auch als Vorstandsmitglied der Stiftung agierende Wirtschaftsforscherin hebt hervor, dass vor allem junge, wachstumsstarke Unternehmen als entscheidender Motor für Beschäftigung und Innovation wirken und überproportional viele neue Arbeitsplätze schaffen.

Auf der Pressekonferenz spitzte Investorin und Stiftungs-Vorstandsmitglied Lisa-Marie Fassl die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Haltungswende zu: „Das einzige, was uns hilft wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben als Standort, ist Innovation. […] Es muss gesamtgesellschaftlich gesehen einfach wieder sexy sein, einen Beitrag zu leisten. Wir leben in einem Land mit einer massiven Vollkaskomentalität, wo man darauf wartet, dass irgendwer etwas für einen richtet.“

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