21.12.2021

Onsight Ventures+: Neuer Tiroler Risikokapitalfonds für High-Tech Startups

Um den Wirtschaftsstandort Tirol zu stärken, hat die "Lebensraum Tirol Holding" die Gründung von „Onsight Ventures+“ initiiert. Hermann Hauser und BioNTech-Co-Founder sind mit dabei.
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Onsight Ventures+, Risikokapital, Riskiokapitalfonds, VC Fonds, Seed-Phase, Startups, Kapital, High Tech,
(c) Lebensraum Tirol Holding/Berger - (v.l.n.r.) Christoph Huber, Günther Platter, Jasmin Güngör und Josef Margreiter.

Onsight Ventures+ ist ein international ausgerichteter Investmentfonds mit Sitz in Innsbruck. Er wurde gemeinsam von der Standortagentur Tirol, der Hermann Hauser Investment GmbH, dem I.E.C.T – Hermann Hauser Management GmbH und der Round2 Capital gegründet. Einer der Ankerinvestoren ist die Bank für Tirol und Vorarlberg, die sich maßgeblich in der Finanzierung des Fonds engagiert. Dieser startet mit zehn Millionen Euro und soll Unternehmen in der risikoreichen Anfangsphase unterstützen. Bis 2023 soll das Fondsvolumen auf mindestens 20 Millionen Euro erweitert werden.

„Zu einem modernen Wirtschaftsstandort gehören auch Startups, denn sie schaffen attraktive Arbeitsplätze, sind Motoren des strukturellen Wandels und steigern die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes“, sagt Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. „In bahnbrechende Technologien zu investieren, bedeutet auch, die wirtschaftliche Entwicklung Tirols aktiv mitzugestalten. Das passiert mit diesem Investmentfonds für technologiebasierte Unternehmen.“

Politische Rahmenbedingungen, aber privates Kapital

Das Land könne, so Platter weiter, optimale Rahmenbedingungen schaffen, Risikokapital beisteuern müsse jedoch die Privatwirtschaft. Daher freut es den Landeshauptmann besonders, dass sich herausragende Tiroler Persönlichkeiten wie BioNTech-Mitbegründer Christoph Huber und Investor Hermann Hauser tatkräftig für diese Initiative einsetzen und selbst investieren, so sein O-Ton.

Damit sich aber technologiebasierte Startups auch erfolgreich in Tirol ansiedeln, brauche es ausreichend Risikokapital. Von Banken würden High-Tech-Unternehmungen in der Regel jedoch als zu risikobehaftet eingestuft und nur in Ausnahmefällen finanziert werden, meint Josef Margreiter, Geschäftsführer von Lebensraum Tirol.

„Ich freue mich daher, dass auf unsere Initiative privates Risikokapital innovativen Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Onsight Ventures+ baut von Tirol aus ein europaweites Netzwerk zu führenden Startups, Universitäten und Experten auf, um herausragende Managementteams bei der Umsetzung ihrer technologiebasierten Geschäftsideen zu unterstützen“, sagt er.

Onsight Ventures+ sucht Startups in Seed-Phase

Auch Co-Founder von BioNTech und Advisory Board Member von Onsight Ventures+ Huber stimmt zu und erinnert sich an die Anfänge seines Vakzin-Unternehmens. Bei der BioNTech-Gründung war es Wagniskapital, welches es ermöglicht hat, „aus exzellenter Forschung ein Produkt“ zu entwickeln, sagt er.

Und ergänzt: „Es braucht Mut, groß zu träumen und diese Träume in die Realität umzusetzen. Denn nur wer riskiert zu fallen, kann wirklich fliegen lernen. Das Land Tirol setzt mit der Initiierung des Fonds neue Impulse für High-Tech Startups in Tirol, Österreich und Europa und vereint kluge Köpfe, um gemeinsam Technologien zu schaffen, die idealerweise weltweiten Impact haben.“

Für den Fonds kommen laut Definition Startups infrage, die sich in der Seed-Phase befinden, mit dem Potenzial zu international tätigen Unternehmen heranzuwachsen.

Skalierbare Geschäftsmodelle & Kapitalbedarfsplanung

Die Erstinvestitionssummen liegen zwischen 200.000 und zwei Millionen Euro. Aber mit der Finanzierung sei es nicht getan, denn man begleite das Unternehmenswachstum auch langfristig: „Mit Follow on-Tickets und Netzwerken unterstützen wir auf dem Weg zum Scale-up. Unsere Verantwortung als Investor ist es, nachhaltige Technologien mit Kapital und Know-how wachsen zu lassen“, sagt Jasmin Güngor, Geschäftsführerin von Onsight Ventures+.

Die Startups wähle man anhand dreier Kriterien aus: „Zum Ersten ist uns wichtig, dass es sich um international skalierbare Geschäftsmodelle, mit einem klaren USP und einer starken Technologie handelt“, sagt sie. „Dann entscheidet die Attraktivität des Marktumfelds in Bezug auf Wettbewerb, Marktpotenzial und volkswirtschaftliche und demographische Trends. Zudem muss eine plausible Kapitalbedarfsplanung bis zur nächsten Finanzierungsrunde gegeben sein.“

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Der autonome Bus der Marke Otokar | © ÖBB / Daniel Willinger
Der autonome Bus der Marke Otokar | © ÖBB / Daniel Willinger

In einigen US-amerikanischen und chinesischen Städten gehören Robotaxis bekanntlich längst zum Stadtbild. In Österreich verläuft die Verbreitung des autonomen Fahrens, wie so viele andere Dinge, langsamer. Bereits seit 2017 etwa arbeitet die Initiative SURAAA im Kärntner Pörtschach mit autonomen Kleinbussen (brutkasten berichtete). 2019 starteten die Wiener Linien einen mehrjährigen Testbetrieb autonomer Kleinbusse in der Seestadt Aspern (brutkasten berichtete), beendeten das Projekt aber nach der Testphase. Zu einem größeren Rollout kam es bislang nicht.

100 autonome Busse in zwei Jahren

Doch das soll sich jetzt ändern. Bei einem Termin am Westbahnhof, über den mehrere Medien berichteten, legten unter anderem Infrastrukturminister Peter Hanke, ÖBB-Chef Andreas Matthä und Kerem Erman vom türkischen Mobilitäts-Unternehmen Otokar einen Rollout-Plan dar, der erstmals über Testphasen bzw. stark eingegrenzte Projekte hinausgeht.

Demnach sollen bereits in zwei Jahren bis zu 100 autonom fahrende Busse von Otokar für ÖBB Postbus etwa im Vorarlberger Rheintal oder im oberösterreichischen Zentralraum unterwegs sein. In der spanischen Hauptstadt Madrid befinden sich die „e-Centro“-Busse des türkischen Anbieters, die Platz für bis zu 32 Fahrgäste bieten, bereits im regulären Einsatz.

Gesetze müssen erst angepasst werden

Begleitend soll die heimische Gesetzeslage ab September schrittweise angepasst werden, damit in zwei Jahren dann auch Fahrten ohne die aktuell noch obligatorischen Sicherheitsfahrer:innen (Anm. d. Red.: die das Konzept ad absurdum führen) rechtlich möglich sind. Dabei räumt Minister Hanke, wie die „Kronen Zeitung“ berichtet, ein: „Es wird dauern, bis die Bevölkerung diesen Fahrzeugen vertraut. Aber wir wollen zum Regelbetrieb, und nicht nur mit einem Bus, sondern mit einer Flotte.“

Vom ersten Test in Alpbach in den Rollout

Doch nun wird – wie sollte es anders sein – zuerst einmal getestet. Und der erste Test erfolgt in ländlicher, aber durchaus prominenter Umgebung: beim Europäischen Forum Alpbach. Dort wird der Testbetrieb in kleinem Ausmaß auf einer definierten Strecke stattfinden. Unter Bedingungen, die den später geplanten Einsatzbedingungen deutlich näher kommen, findet dann der nächste Testlauf statt. Nach dem Forum Alpbach zieht der Bus weiter in den Industriepark „Campus Wolfurt“ im Bezirk Bregenz in Vorarlberg. Dort wird er dann Campus und S-Bahn verbinden.

Die langfristige Vision ist auch bereits skizziert. Verläuft der oben beschriebene Rollout in den kommenden zwei Jahren nach Plan, soll eine flächendeckende Ausbreitung folgen. Letztlich will man Öffi-unterversorgte ländliche Regionen, wo, wie Hanke es ausdrückt, „keine U-Bahn mehr hinkommt, wo der Bus nicht mehr so groß sein muss“ in ganz Österreich abdecken.

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