22.12.2016

Online-Helden: Initiativen für ein „besseres“ Internet

Akustische Cookies durch eine mobile Anwendung aufspüren, ein Babyphone im Webbrowser öffnen oder Informationen auf Richtigkeit überprüfen - alle drei Projekte könnten schon bald dazu beitragen, das Internet sicherer und nützlicher zu machen.
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(c) netidee: die Gewinner des Open Source Innovation Camps.

Das Internet aktiv mitgestalten und es zu einem besseren Ort machen – das ist das Ziel von netidee. Im Rahmen des Open Source Innovation Camps wurden drei Initiativen prämiert, die mit Opern Source als zentralen Ansatz zur Entwicklung von mehr Offenheit und Transparenz im Netz beitragen sollen. Die Top3 Teams sind sind SoniControl, Gonimo, und hoaxly. Alle Projekte werden offen entwickelt und die Ergebnisse stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Dem Tracking den Riegel vorschieben

Viele Internet-User sind permanent Überwachungstechnologien wie akustischen Cokies ausgesetzt, wissen aber gar nichts davon. Durch das Projekt SoniControl soll eine mobile Anwendung entwickelt werden, die akustische Trackinginformationen aufspürt, die Nutzer darauf aufmerksam macht und auf Wunsch blockiert. Kurz: Es soll sich eine verbesserte Kontrolle über die Privatsphäre im Alltag geboten werden. SoniControl wird von einem kleinen Team der FH Sankt Pölten entwickelt. „Ich habe das Gefühl, dass das Thema auf großes Interesse stößt“, sagt Projektleiter Matthias Zeppelzauer. „Auch weil die Leute bisher so wenig darüber wussten.“ Derzeit ist man bei SoniControl mit Recherchearbeiten beschäftigt. „Wir erleben, wie umfangreich die Technologie aber auch das Risiko ist“, sagt Zeppelzauer.

Redaktionstipps

Das Baby auf dem Schirm

Umgekehrt kann Überwachung in manchen Situationen dennoch erwünscht sein. Bei schlafenden Babys zum Beispiel. Als Instrument dazu diente Jahrzehnte lang das Babyphone. Das will das Startup Gonimo nun revolutionieren. Mit dem „good night monitor“ hat es eine Art web-basiertes Babyphon entwickelt, für dessen Benutzung die Eltern ausschließlich einen Tab im Web-Browser am Handy, Tablet oder Laptop öffnen müssen. Der Service ist kostenlos und werbefrei. Eine Alpha-Version ist bereits verfügbar.

Falschmeldungen enttarnen

Nie konnten Informationen schneller verbreitet werden als in den Zeiten von Social Media. Das hat auf den ersten Blick zwar zahlreiche Vorteile, bringt aber auch Probleme mit sich. In der Menge an Meldungen befinden sich immer häufiger falsche Informationen, die weiterverbreitet werden. „Ente“ nannte man das in Zeiten des Printjournalismus. Um nicht auf diese Falschmeldungen hereinzufallen, produzieren zahlreiche Plattformen Faktenchecks – doch diese erhalten oft nur geringe Reichweiten. Hoaxly ist ein Projekt, das diese Factchecks einer größeren Zielgruppe zugänglich machen und damit das Bewusstsein für verantwortungsvolles Teilen und Verbreiten von Inhalten schärfe möchte.Hierfür wird eine Vielzahl von Tools erstellt, u.a. ein zentraler und umfassender Factcheck-Index, eine Factcheck-Suchmaschine, eine Browser-Erweiterung zur kontextuellen Verlinkung von Richtigstellungen und Warnung vor möglichen Falschmeldungen beim Teilen und Chatbots für die gängigen Plattformen. „Wir sind nicht für Zensur“, sagten die Projektleiter. „Aber wir möchten mit Hoaxly die Medienkompetenz der User stärken.“

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Grazer Startup versa setzt auf KI-Personas, um Gespräche mit Kunden zu üben

Mit virtuellen Gesprächspartnern will versa klassische Verkaufstrainings für Unternehmen verändern. Erst im Jänner 2026 gegründet, zählt das Unternehmen bereits rund 14 zahlende Kunden und ist nach eigenen Angaben profitabel. Und das ohne externes Investment.
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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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