20.05.2026
FINANZIERUNG

Ohrstöpsel per Handyscan: Wiener Startup ohrheld erhält 150.000 Euro FFG-Förderung

Das Wiener Startup ohrheld entwickelt ein Verfahren, mit dem maßgefertigte Gehörstöpsel digital per Smartphone-Scan bestellt werden können. Unterstützt durch eine FFG-Förderung arbeitet das Team an Ohrstöpseln nach Maß, die per Handyscan und 3D-Druck, ohne Akustiker-Termin angefertigt werden.
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ohrheld Gründer (v.l.): Léon Can Aricioglu, Markus Hirzberger © ohrheld

Auf einer Bali-Reise sah Mitgründer Léon Aricioglu maßgefertigte Ohrstöpsel bei einem Freund und versuchte danach, selbst welche bei einem Hörakustiker zu erwerben. Dieser Prozess erwies sich jedoch als umständlich: Er verlangte einen physischen Abdruck vor Ort, einen zweiten Termin zur Abholung und bot wenig Preistransparenz. Obwohl die Qualität des Endprodukts überzeugte, entstand aus dieser Erfahrung der Impuls für eine digitale Alternative. Ziel von ohrheld ist es, individuell angepasste, wiederverwendbare Ohrstöpsel anzubieten.

Durchgängiger Digitalprozess statt Akustiker-Termin

Das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) mit 150.000 Euro unterstützte Entwicklungsprojekt soll einen nahtlosen Ablauf vom mobilen Handyscan bis zur Fertigung im 3D-Druck etablieren. Laut Mitgründer Markus Hirzberger ermöglicht die Förderung, den Produktionsprozess technologisch so weiterzuentwickeln, dass die Preise für Maßanfertigungen auf das Niveau von Standard-Stöpseln sinken. Zukünftig will man die Ohrstöpsel nach Maß für 49,99 Euro anbieten.

Die Produktion soll bewusst in Österreich stattfinden. Zu Beginn druckte das Team die ersten Prototypen noch mit einem gebrauchten 3D-Drucker, den die Gründer kurzerhand auf Willhaben erworben haben. Nach rund 20 Iterationen und anfänglichen Komfortproblemen steht das Startup nun kurz vor dem offiziellen Launch. „Die ersten Prototypen haben direkt nach dem Einsetzen richtig weh getan, weil wir sie schlecht nachbearbeitet haben“, erinnert sich Léon.

Validierung über LinkedIn

Das Marktinteresse wurde vorab über ein Pilotprogramm auf LinkedIn getestet. Laut Aussendung zahlten rund 100 Personen innerhalb eines Monats für einen frühen Prototyp. „Dass uns innerhalb so kurzer Zeit 100 fremde Menschen Geld überwiesen haben, war für uns ein sehr starkes Signal“, sagt Markus. „Es hat bestätigt, wie unzufrieden viele mit bestehenden Ohrstöpseln sind.“

Das Feedback der Testkunden bestätigte, laut Gründern, typische Probleme herkömmlicher Produkte, wie Druckschmerzen bei Seitenschläfern oder das Herausfallen in der Nacht. Deshalb fokussiert sich ohrheld zum Start primär auf das Thema Schlaf. Langfristig planen die Unternehmer jedoch Anwendungen für Reisen, konzentriertes Arbeiten oder Konzerte, für die mittelfristig auch Produkte mit speziellen Musik- und Eventfiltern denkbar sind.

Die Köpfe hinter dem Startup

Léon Can Aricioglu studierte Wirtschaft an der WU sowie Industriedesign an der Universität für angewandte Kunst. Er war zuvor als CFO bei Interactive Paper tätig und verantwortet bei ohrheld das Produkt, die Produktion sowie das Marketing.

Markus Hirzberger, ehemaliger Judo-Leistungssportler, schloss sein Wirtschaftsinformatik-Studium an der WU Wien ab und spezialisierte sich in Data Science an der TU Wien. Vor orheld gründete er bereits die Plattformen Immoshark sowie Grizzly.jobs – brutkasten berichtete. Er leitet die Entwicklung der Scan-App und die Customer Experience.

Aktuell arbeitet das Team an der Fertigstellung der App, während sich Interessierte bereits auf einer Warteliste eintragen können

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Der Hitzestress in Wien wird hier visualisiert. (c) Live.infrared.city

Man konnte ihr in den letzten Tagen österreichweit so gut wie gar nicht entfliehen: Die Rekordhitzewelle hat im ganzen Land Einzug gehalten. In der Hauptstadt wurde in der Nacht auf Montag mit 27,3 Grad die wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Die anhaltenden Temperaturen sind nicht nur unangenehm, sondern körperlich gefährlich. So hat sich die Hitze mittlerweile als tödlichste Klimagefahr in Europa etabliert.

In den meisten Städten werden Daten zur Hitze an nur wenigen Punkten im gesamten Stadtgebiet gesammelt. Live.infrared.city tritt diesem Problem entgegen.

Echtzeit-Mikroklimadatenschicht

Live.infrared.city ist eine metergenaue Echtzeit-Mikroklimadatenschicht, bei der die Interaktion von Gebäuden, Bäumen, Wind, Sonnenwinkel und Luftfeuchtigkeit in einer Karte zur Verfügung gestellt wird. Auf Basis der Daten, so die Intention des Programms, kann gehandelt werden, um die kühlste Route, die schattigste Straße oder den heißesten Block zu finden. So kann eine gefährdete Person beispielsweise den Spaziergang sicher planen.

„Hitze ist die neue Normalität“

„Hitze ist keine Anomalie mehr; sie ist die neue Normalität, die wir kartieren müssen. Indem wir die gefühlte Temperatur auf Straßenebene erfassen, schaffen wir eine Live-Schicht, die zwei Dinge leistet: Sie hilft sofort, eine kühlere Route zu finden, und sie macht sichtbar, wie jeder Baum und jede Fassade das Klima unserer Städte verändert. Wien ist heute live; wir sind bereit, zu einer globalen Echtzeit-Mikroklimadatenschicht zu skalieren“, sagt Serjoscha Düring, CTO und Mitgründer von infrared.city.

Schattenplätze am Wiener Rathausplatz. (c) Live.infrared.city

Wien als erster Einsatzort

Wien ist der erste Einsatzort; infrared.city plant, diese Datenschicht auf Städte in ganz Europa und darüber hinaus auszuweiten. Die Wiener Mikroklima-Schicht kann bereits erkundet werden. Stadtverwaltungen, Gesundheitsbehörden und Stadtplaner, die daran interessiert sind, diese Schicht für ihre Stadt einzusetzen, sind eingeladen, sich direkt an das Startup zu wenden.

Infrared.city wirbt auch dafür, die Sicherheit bei großen Outdoor-Events über die Plattform zu planen. So könnten beispielsweise für das Donauinselfest dieses Wochenende Daten abgerufen werden. Die Daten werden stündlich aktualisiert und liefern eine 72-Stunden-Vorhersage.

Klimazwilling für die bebaute Umwelt

Infrared.city ist ein in Wien ansässiges Klimatechnologie-Unternehmen, das einen digitalen Echtzeit-Klimazwilling für die bebaute Umwelt entwickelt. Für die Datensammlung werden hybride KI- und Physik-Modelle verwendet. Das Startup entstand durch eine Forschungsgruppe am Austrian Institute of Technology (AIT), die sich mit KI, Stadtentwicklung und Klimaresilienz beschäftigte. Dazu sprach Angelos Chroni, CEO und Co-Founder von infrared.city zuletzt im brutkasten-Interview.

Im Laufe des Jahres soll das Programm auf weitere Städte ausgeweitet werden. Auf der Karte kann man bislang Daten für Wien und Stuttgart sehen, Riad und London sind als nächste Städte geplant.

So funktioniert die Klima-Karte. (c) Infrared.city
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