15.07.2019

Österreis: Warum ein IT-Manager im Marchfeld Reis anbaut

Es ist eine Frage, vor der schon viele gestanden sind: Den elterlichen Hof übernehmen oder einer anderen Karriere nachgehen? Gregor Neumeyer hat sich entschlossen, beides zu machen. In der Landwirtschaft geht der Head of Digital Delivery der Uniqa mit seinem Startup Österreis aber neue Wege.
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Österreis: Gründer Gregor Neumeyer ist im Vollzeit-Beruf Head of Digital Delivery der Uniqa, daneben baut er im Marchfeld Reis an
(c) Österreis: Gründer Gregor Neumeyer

„Wenn ihr gute Bilder machen wollt, solltet ihr besser im August oder September kommen“, sagt Gregor Neumeyer im Gespräch mit dem brutkasten. Dann werden die Reis-Pflanzen auf seinen Feldern in Gerasdorf im niederösterreichischen Marchfeld ausgewachsen und die Rispen schön zu erkennen sein. Die Feldfrucht, die Neumeyer da anbaut, zeigt schon, dass er als Landwirt einen besonderen Weg geht. Und der genannte Zeithorizont zeigt, dass Neumeyers Startup Österreis an einen in der Startup-Welt ungewöhnlichen Zyklus gebunden ist. „Wir müssen in der Landwirtschaft immer ein Jahr warten. Da geht es eben mehr um organisches Wachstum, als um raketenhafte Skalierung“, sagt er.

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Vertragslandwirte für die Reisanbau-Skalierung

Dabei hat der IT-Spezialist, der im Vollzeit-Beruf als Head of Digital Delivery bei der Uniqa arbeitet, durchaus einen Plan, wie er Österreis skalieren will. Die eigenen Felder beackert sein pensionierter Vater, der als Unternehmer im Elektro-Einzelhandel auch schon Nebenerwerbslandwirt war. Doch inzwischen – 2015 hatte man mit dem Reisanbau begonnen – sind es nicht mehr nur die eigenen Felder. „Wir arbeiten mit einem Vertragslandwirte-Modell. Das heißt, andere Landwirte bekommen von uns Saatgut und Know-how und liefern den Reis im Rohzustand zu einem vereinbarten Preis. Wir übernehmen dann Reinigung, Verarbeitung, Verpackung und Vermarktung“, sagt Neumeyer.

Österreis: „Premium-Produkt“ in B2C-Direktvermarktung

Es sind die letzten zwei genannten Punkte, denen sich der Gründer hauptsächlich widmet und die Österreis eben zu einem Startup machen und es von „üblichen“ landwirtschaftlichen Betrieben unterscheiden. Derzeit läuft der Vertrieb noch primär über B2C-Direktvermarktung. 80 Prozent würden darüber abgesetzt, sagt der Gründer. „Kunden müssen von Anfang bis Ende das Gefühl haben, ein Premium-Produkt zu bekommen“. Punkten will man bei denen nicht nur mit biologischer Landwirtschaft und einer besseren CO2-Bilanz wegen kurzer Transportwege, sondern auch mit Vorteilen, die sich durch die Anbaumethode ergeben.

Reis aus Österreich: „Eine Nische mit Zukunft“

„Es gibt eine handvoll Reisbauern in Österreich und alles setzen aufgrund der Gegebenheiten wie ich auf Trockenreisanbau. Beim Nassreis-Verfahren, wie man es aus China kennt, gelangen etwa Schwermetalle wie Arsen in das Getreide. Diese Belastung haben wir gar nicht“, erklärt Neumeyer. Dafür erziele man im Trocken-Anbau auf der gleichen Fläche auch nur ein Viertel des Ertrags. „Reis aus Österreich bleibt daher eine Nische. Aber eine Nische mit Zukunft – allein schon aus gesundheitlichen Gründen“, ist der Gründer sicher.

Österreis: Reis aus Österreich im Trockenreis-Verfahren angebaut
(c) Österreis: Impression von der Ernte 2017

Erweiterung mit Waffeln, Bier und Knäckebrot

Beim reinen B2C-Vertrieb soll es auf Dauer nicht bleiben. „Irgendwann verliert österreichischer Reis auch seine Skurrilität“, sagt Neumeyer. Hier kommt der zweite Teil der Skalierungsstrategie zum Tragen. „Wir arbeiten immer stärker mit Weiterverarbeitern zusammen, die aus unserem Reis neue Produkte machen. Das sind etwa bereits Reiswaffeln, Bier und Knäckebrot. Wir sind aber zum Beispiel auch in Gesprächen mit einem großen Babynahrungs-Hersteller“, erklärt Neumeyer. Im Creative Pre-Incubator (CPI) an der FH Wiener Neustadt/Standort Wieselburg entwickelte man ein alkoholisches Lifestyle-Getränk auf Reismilchbasis.

Deutschland als Expansionsmarkt

Bei Partnern im Vertrieb des Reis selbst gehe man dagegen eher restriktiv vor: „Wir arbeiten vorwiegend mit kleinen Händlern, die den Reis ohne Verpackung verkaufen“. Von denen habe man in Österreich 15 und bereits 5 in Deutschland. Dort sieht Neumeyer eine große Chance für Österreis. „Wir haben Mitte Mai in Berlin den ‚Next Organic Startup Award‚ geholt. Das hat uns bereits einen gewissen Push gebracht und wir sehen, dass das Produkt auch dort sehr gut ankommt“.

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Die DropForce-Gründer Jakub Hamdard und Christian Mühl | (c) DropForce
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Es gibt für sie unzählige Einsatzmöglichkeiten, in den vergangenen Jahren dominieren sie aber vor allem eines: die Kriegsberichterstattung. Drohnen sind nicht nur zum Sinnbild für moderne Kriegsführung geworden, sondern auch zu einer Produktkategorie, die europäischen Scaleups mitunter Milliardeninvestments einbringt. Von dieser Kategorie ist das Wiener Startup DropForce aktuell noch weit entfernt, das Konzept, mit dem es antritt, ist aber durchaus ambitioniert und vor allem neu.

Drohne aus dem 3D-Drucker im Van oder Container

„Alle anderen Drohnen-Anbieter haben eine zentrale Fabrik und brauchen für den Bau einer Drohne meistens viel länger als nötig. Wir haben unsere Drohne so konzipiert, dass man sie von überall aus bauen kann”, sagt Jakub Hamdard. Er hat DropForce gemeinsam mit Christian Mühl gegründet. Beide bringen dabei Berufserfahrung aus dem Aerospace-Bereich mit.

Ein weiterer großer Unterschied zu anderen Anbietern: „Bei anderen Drohnen sind die Teile zusammengelötet. Daraus ergeben sich viele Fehlerquellen. Außerdem sind sie stark auf chinesische Bauteile angewiesen, die oft nicht halten, was sie versprechen”, so Hamdard. Die DropForce-Drohne kommt dagegen ohne Löten aus. Die Strukturteile und Module, etwa Kamera-Aufsätze, kommen aus dem 3D-Drucker; Platinen, Motoren und Propeller werden in Europa produziert und vom Startup als Bausatz dazugeliefert. „Man kann die Teile im 3D-Drucker aktuell in ca. 20 Minuten drucken und braucht dann zehn bis 15 Minuten, um die Drohne zusammenzubauen”, sagt der Gründer.

Und dieser Vorgang soll künftig eben nicht in einer einzelnen Fabrik, sondern in kompakten Einheiten direkt beim Kunden passieren, in einem Van oder Container, so die Vision. Denkt man an den DefenseTech-Bereich, heißt das: direkt an der Front. Die Vans bzw. Container sollen dann verkauft, die Produktion lizenziert werden. „Mit dem Van wäre man komplett mobil. Er kann direkt am Einsatzort innerhalb von Minuten Drohnen produzieren, die dann gleich losstarten können”, skizziert Hamdard.

So ein Einsatzort könnte etwa auch der Schauplatz einer Naturkatastrophe sein. In der Kundenansprache fokussiere man aber aktuell primär auf den Verteidigungsbereich. Dort will man, wenn alles nach Plan läuft, um den Jahreswechsel in die ersten Pilotprojekte starten.

Sechsstelliges Investment von BarnVentures und deutscher LNX GmbH

Bereits im Sommer holte sich DropForce für seine Expansionspläne auch ein Investment. BarnVentures rund um Filip Zganjer und die deutsche LNX GmbH stiegen mit einem sechsstelligen Betrag ein und sicherten sich jeweils 20 Prozent am Unternehmen. „Die Idee von einer dezentralen Massenproduktion im Baukasten-System hat mir so gut gefallen. Eine zentrale Produktionsstätte ist in Zeiten wie diesen gefährlich”, kommentiert Zganjer im Gespräch mit brutkasten. Das Startup unterstütze man nun nicht nur mit Geld, sondern auch durch Beratung.

Das Kapital sei bislang vor allem in die Weiterentwicklung, aber auch in Personalkosten geflossen, sagt Hamdard. Zudem sei man aktuell auch im Prozess der Patentanmeldung. Und auch an weiteren Drohnen-Modellen arbeite man bereits. Denn, so die Vision: „Kunden können sich später dann aus einem Portfolio genau die Drohnen aussuchen, die sie gerade brauchen. Wir haben schon einige Ideen, was man machen kann.”

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