10.03.2026
MODERNISIERUNG

Österreichs Verwaltung setzt auf KI: Regierung startet eigene Infrastruktur

Die österreichische Bundesregierung plant einen breiteren Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung. Eine neue Infrastruktur im Bundesrechenzentrum soll künftig KI-Anwendungen ermöglichen, die Prozesse beschleunigen und Bedienstete entlasten.
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Staatssekretär Alexander Pröll und Roland Ledinger, Geschätfsführer des Bundesrechenzentrums. | © BKA/Florian Schrötter

Die österreichische Bundesregierung will Künstliche Intelligenz künftig systematisch in der öffentlichen Verwaltung einsetzen. Nach einer Phase von Pilotprojekten soll nun der Übergang in den produktiven Einsatz beginnen. Eine zentrale technische Infrastruktur dafür ist bereits aufgebaut – nun sollen konkrete Anwendungen folgen.

„Die Infrastruktur ist geschaffen. Nun gilt es, die Anwendungen darauf aufzusetzen und sie mit Leben zu erfüllen“, sagte Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll bei einem Pressehintergrundgespräch im Bundeskanzleramt.

KI als nächster großer Modernisierungsschub

Für die Regierung ist der Einsatz von KI mehr als ein technisches Upgrade. Pröll spricht von einem möglichen Strukturwandel für den Staat. „Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die größte Modernisierung der Verwaltung seit der Digitalisierung auszulösen. Wenn wir sie richtig einsetzen, können Verfahren schneller werden und der Staat insgesamt leistungsfähiger.“

Der Hintergrund: Die Verwaltung steht unter zunehmendem Druck. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Dokumentation, Transparenz und Rechtssicherheit erhöhen die Belastung der Behörden. Gleichzeitig erwarten Bürger:innen und Unternehmen immer stärker digitale Services, die rund um die Uhr verfügbar sind.

Fachkräftemangel als Treiber

Ein wesentlicher Grund für den KI-Vorstoß ist die Personalsituation im öffentlichen Dienst. In den kommenden 13 Jahren gehen laut Regierung 44 Prozent der Bundesbediensteten in Pension. Parallel dazu plant die Bundesregierung, den allgemeinen Verwaltungsdienst durch natürliche Abgänge bis 2029 um rund sechs Prozent zu reduzieren. Das entspricht etwa 2.600 Vollzeitstellen. Effizienzgewinne durch Digitalisierung sollen die Lücke teilweise kompensieren.

„KI soll die Menschen in der Verwaltung entlasten – nicht ersetzen“, sagt Pröll. „Sie kann Routinearbeit abnehmen und den Bediensteten mehr Zeit für komplexe Entscheidungen und besseren Bürgerservice geben.“

Bis 2030 erwartet die Regierung dadurch Einsparungen von rund 540 Millionen Euro, danach jährlich etwa 250 Millionen Euro. 20 Prozent dieser Einsparungen sollen direkt wieder in Digitalisierungsprojekte investiert werden.

Interne Anwendung im Fokus

Viele Behörden hätten in den vergangenen Monaten bereits mit generativen KI-Tools experimentiert, erklärte Pröll. Nun beginne die nächste Phase. „Wir gehen von einzelnen Tests zu einem strukturierten und sicheren Einsatz von KI in der Verwaltung“, sagt er. 

Der Fokus liegt zunächst auf internen Anwendungen – etwa bei Recherche, Dokumentenzusammenfassungen, Übersetzungen oder der Unterstützung bei Verwaltungsakten. Langfristig sollen aber auch Services für Bürger:innen entstehen, etwa automatisierte Formularbefüllung oder digitale Assistenzsysteme.

KI-Infrastruktur im Bundesrechenzentrum

Technische Basis für diese Entwicklung ist eine neue KI-Plattform des Bundesrechenzentrums (BRZ). BRZ-CEO Roland Ledinger erklärte, dass die Plattform als zentrales „Large Language Model as a Service“ konzipiert ist. Damit können unterschiedliche KI-Modelle, etwa europäische Modelle wie Mistral, in einer gemeinsamen Infrastruktur genutzt werden. Der Vorteil: Behörden müssen nicht jeweils eigene KI-Systeme aufbauen.

Stattdessen sollen Anwendungen auf einer gemeinsamen Plattform entstehen, die folgende zentrale Funktionen bereitstellt:

  • Sicherheitsregeln
  • Zugriffskontrollen
  • Qualitätskontrollen
  • Modellwechsel

Ein wichtiger Aspekt sei dabei digitale Souveränität, betonte Ledinger. Sensible Daten sollen möglichst innerhalb der staatlichen Infrastruktur verarbeitet werden. „Gerade beim Einsatz von KI im Staat ist digitale Souveränität entscheidend“, sagte auch Pröll. „Deshalb arbeiten wir an einer gemeinsamen Infrastruktur, die unsere Daten schützt und gleichzeitig Innovation ermöglicht.“

Erste Use Cases

Die Infrastruktur soll künftig von rund 18.000 Verwaltungsbediensteten genutzt werden können. Welche konkreten Anwendungen zuerst kommen, soll kommende Woche bei einem internen Strategie-Workshop der Bundesregierung festgelegt werden. Dabei sollen Ministerien gemeinsam mit Expert:innen mögliche Einsatzfelder priorisieren.

Zu den diskutierten Anwendungsbereichen zählen etwa:

  • Unterstützung bei parlamentarischen Anfragen
  • Reisekosten- und Verwaltungsabrechnungen
  • Wissenssuche in internen Dokumenten
  • Assistenzsysteme für Verwaltungsakten

Die Regierung will dabei bewusst mit breiten, skalierbaren Anwendungen beginnen, anstatt mit vielen kleinen Einzelprojekten.

Für den KI-Beirat der Bundesregierung sieht der Rektor der TU Graz, Horst Bischof, eine strategische Chance für Österreich. Während große Basismodelle meist von internationalen Tech-Konzernen entwickelt werden, könne Europa bei spezialisierten KI-Modellen punkten. Die Idee: Modelle werden mit kuratierten Daten trainiert und dann über staatliche Infrastruktur in Anwendungen integriert.

Verwaltung im Wandel

Der Einsatz von KI soll langfristig auch Verwaltungsprozesse selbst verändern. Ziel sei eine stärker proaktive Verwaltung, die Bürger:innen und Unternehmen automatisiert unterstützt. Pröll beschreibt die Vision so: eine Verwaltung, „die durch KI vorausschauender, schneller, sicherer und einfacher wird“.

Der Weg dorthin dürfte allerdings mehrere Jahre dauern. Denn neben Technologie müssen auch rechtliche Rahmenbedingungen, Schulungen für Bedienstete und neue Prozesse aufgebaut werden.

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Die Preisverleihung des 25. Riz up Genius Ideen- und Gründerpreises im Congress Center Baden. © NLK Khittl

25 Jahre Riz up Genius: Niederösterreichs Gründeragentur riz up hat am Montagabend im Congress Center Baden das Jubiläum ihres Ideen- und Gründerpreises gefeiert, brutkasten war vor Ort. Heuer wurden über 230 Geschäftsideen eingereicht, so viele wie nie zuvor, von der Bahnstrom-Versorgung bis zur „Smartwatch“ für Pferde. In den vier Kategorien innovativ genial, regional genial, digital genial und ökologisch genial waren jeweils sieben Projekte für das Finale nominiert. Die bestplatzierten Ideen erhielten zwischen 2.000 und 6.000 Euro Preisgeld, gesponsert von Industriellenvereinigung Niederösterreich, ecoplus, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Wirtschaftskammer Niederösterreich, Raiffeisen Niederösterreich-Wien, Land Niederösterreich, Flughafen Wien, EVN, Novomatic, Wiener Städtische, accent, dem RIZ Förderverein Süd sowie riz up selbst.

„25 Jahre Riz up Genius-Preis, einfach eine Sensation, wo viele Erfolgsgeschichten bereits geschrieben worden sind und wo wir jetzt neue Erfolgsgeschichten schreiben“, so Mikl-Leitner im Rahmen der Preisverleihung. „Und ich bin unglaublich stolz auf so viel Innovationsgeist.“

Die Gewinner

Kategorie: innovativ genial

In der Kategorie innovativ genial ging der erste Platz an Cybershell Technologies aus Mödling. Das von Mario Curvelo Carvalho eingereichte Projekt ist eine modulare physische Safety-Architektur für industrielle humanoide Roboter. Während Plattformhersteller KI und Antrieb optimieren, setzt Cybershell bei mechanischer Robustheit, CE-Operationalisierung und Versicherbarkeit an und will so eine standardisierbare Schutzschicht für den europäischen Markt schaffen (5.000 Euro, Industriellenvereinigung Niederösterreich).

Platz zwei belegte ein Team aus Neunkirchen um Gerald Höllinger, Alexandra Bernegger und Sebastian Nowak, das BNCT-Anlagen zur Krebstherapie entwickeln will. Ein Linearbeschleuniger ersetzt dabei den Kernreaktor, die Behandlungszeiten sollen unter zehn Minuten liegen (4.000 Euro, Wiener Städtische). Den dritten Platz holte sich EquiShape aus Baden (Janine Rybin), eine Art „Smartwatch für Pferde“: Sensor-Gamaschen, eine App mit Dashboards und ein KI-Trainingsassistent sollen das Training fairer, gesünder und transparenter machen (2.000 Euro, riz up).

Cybershell Technologies aus Mödling holte mit einer modularen Safety-Architektur für industrielle humanoide Roboter den ersten Platz in der Kategorie innovativ genial. © NLK Khittl

Kategorie: regional genial

In der Kategorie regional genial gewann die Norphluchs GmbH aus Mödling mit ihrer Plattform für DSGVO-konforme Backgroundchecks. Das Unternehmen von Stephanie und Christoph Böhm bündelt Personenrecherchen aus offenen Quellen und offiziellen Registern für HR- und Sicherheitsabteilungen. Dafür gab es 6.000 Euro von der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Platz zwei ging an die electrify smart energy GmbH aus Mistelbach (Dominik Kohl), die auf KI-gesteuerte Schwarmspeicher für die Energiewende setzt (4.000 Euro, EVN). Den dritten Platz teilen sich zwei Projekte. neuSTADTPILZE aus Wiener Neustadt (Joachim Hintenberger) lässt Frischpilze in einem vormals leerstehenden Kellergewölbe aus dem Mittelalter wachsen, ohne Befeuchtung und Klimatisierung. MoveOn aus Wiener Neustadt Land (Carina Polly, Dominik Lerch, Laurin Levai) bietet Eltern von Kindern und Jugendlichen, die vom Schulbesuch befreit oder dauerhaft krankgeschrieben sind, mobilen Unterricht zu Hause, psychosoziale Begleitung und die Koordination von Hilfskräften. Ziel ist, Schulabbrüche zu vermeiden. Beide erhielten je 2.000 Euro vom RIZ Förderverein Süd.

Die Norphluchs GmbH aus Mödling gewann mit ihrer Plattform für DSGVO-konforme Backgroundchecks die Kategorie regional genial. © NLK Khittl

Kategorie: digital genial

In der Kategorie digital genial siegte die METUSAN FUTURE GmbH aus Mistelbach (Michael Fischer, Sascha Hassa, Günther Unger) mit WOLTRONIC SNM. Das Sensor-Netzwerkmodul überwacht die Bahnstromversorgung und zentrale Teile der Bahninfrastruktur in Echtzeit, Störungen sollen sich damit punktgenau erkennen lassen (6.000 Euro, ecoplus).

Zwei Projekte landeten auf Platz zwei: Legal Rankings AI von Law Business aus St. Pölten (Alexander und Sophie Dillinger) automatisiert die aufwendigen Einreichungen von Anwaltskanzleien bei Kanzlei-Rankings. Laut den Einreicher:innen sind 98 Prozent der Kanzleien weltweit bisher nicht gerankt (4.000 Euro, accent). Die Soxware Interactive GmbH aus Amstetten (Peter Soxberger) entwickelt eine schweißbeständige VR-Brille für den professionellen Dauerbetrieb, die Mehrspieler-Tracking auf bis zu 1.200 Quadratmetern Spielfläche ermöglichen soll (4.000 Euro, Novomatic).

Die METUSAN FUTURE GmbH aus Mistelbach siegte mit dem Sensor-Netzwerkmodul WOLTRONIC SNM in der Kategorie digital genial. © NLK Khittl

Kategorie: ökologisch genial

In der Kategorie ökologisch genial wurden gleich zwei Projekte mit einem ersten Platz und je 6.000 Euro ausgezeichnet. Roadeye von Christoph Pasching aus Melk ist nach eigenen Angaben der weltweit erste serienreife, patentierte Straßenleitpflock, der als energieautarker, KI-gestützter Sensor Straßen- und Umweltzustände erfasst und die Daten in Echtzeit nutzbar macht. Der Sensor ersetzt die schwarze Kappe auf den bestehenden weißen Leitpflöcken und lässt sich per Plug and Play nachrüsten (Sponsor: Land Niederösterreich).

Christoph Pasching aus Melk wurde mit Roadeye, dem smarten Straßenleitpflock, in der Kategorie ökologisch genial mit einem ersten Platz ausgezeichnet. © NLK Khittl

Die Zellhofer Engineering GmbH aus Gänserndorf (Sebastian und Tobias Zellhofer) gewann mit Solarpellet, einer mobilen, automatisierten Anlage, die überschüssigen Photovoltaik-Strom vor Ort in Holzpellets umwandelt und Solarenergie damit biologisch speichert (Sponsor: Raiffeisen).

Platz zwei ging an die IceEx GmbH aus Amstetten (Johannes Üblacker) mit einer mobilen Solemischanlage für den Winterdienst, mit der sich Salzsole mit einem Gefrierpunkt von minus 19 Grad herstellen lässt (4.000 Euro, Flughafen Wien).

Die Zellhofer Engineering GmbH aus Gänserndorf erhielt für Solarpellet ebenfalls einen ersten Platz in der Kategorie ökologisch genial. © NLK Khittl

Mikl-Leitner: „Ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur“

Auf die Frage, was die Entbürokratisierung konkret für Gründer:innen bedeutet, antwortet die Landeshauptfrau gegenüber brutkasten zunächst grundsätzlich: „Gerade in so herausfordernden Zeiten sollten wir daran denken, was uns stark gemacht hat in diesem Land. Und das ist eben Leistung, vor allem auch Eigenverantwortung und Hausverstand.“ Gepaart mit Innovationsgeist und dem Abbau von Regulatorik bringe das Niederösterreich weiter. Man habe im Rahmen der groß angelegten Verwaltungsreform bereits jedes sechste Landesgesetz entbürokratisiert und vor allem die Bauordnung vereinfacht. „Das heißt, Bauen und Sanieren wird effizienter und vor allem auch billiger“, so Mikl-Leitner. Mit der neuen Initiative Taskforce Wirtschaft soll es zudem eine eigene Plattform geben: „Unternehmerinnen und Unternehmer, wenn sie mit Bürokratie ein Problem haben, als auch mit Genehmigungen, dann ist dort die richtige Stelle, um eben komplexe Dinge auch ordentlich und anständig bearbeiten zu können.“

Bei der Verleihung hatte Mikl-Leitner zudem die Idee eines „Tag der Fehlerkultur“ ins Spiel gebracht. In Finnland werde ein solcher Tag groß gefeiert, sagt sie gegenüber brutkasten. „Aus Fehlern kann man lernen. Fehler sind nicht zu verurteilen.“ Vielmehr solle man sie als Motivation für den Weg nach vorne nehmen. Wenn es nach ihr geht, soll der Tag schon 2027 starten: „Das heißt, ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur.“

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