30.12.2021

Jahresrückblick: So viel haben Österreichs VCs 2021 in Startups investiert

Wieviel Geld haben Österreichs Risikokapital-Unternehmen 2021 investiert und wieviel davon floss in heimische Startups? Der brutkasten hat nachgefragt.
/artikel/oesterreichs-vc-2021-startups-report
VC, 2021, Risikokapital, Investoren

Mehr als 200 Millionen Euro haben Risikokapitalgeber aus Österreich 2021 in Startups investiert. Einen sehr großen Teil davon stemmte der größte in Österreich gegründete VC, Speedinvest, der insgesamt 103 Millionen Euro investiert hat und davon 4 Millionen Euro in österreichische Startups. Bei österreichischen Startups am aktivsten war – gemessen am Volumen – mit 16 Millionen Euro eQventure rund um Herbert Gartner, gefolgt von dem Corporate VC der Uniqa, Uniqa Ventures, der in Österreich 14,3 Millionen Euro investiert hat.

Zahlreiche Portfolio-Startups österreichischer VCs haben 2021 große Investments mit internationaler Beteiligung eingefahren und auch was Exits angeht, war es ein Rekordjahr – insofern zeigten sich die Investoren im Rückblick auf 2021 sehr zufrieden. Die zwei ersten Unicorns, die Österreich heuer hervorgebracht hat (Bitpanda und GoStudent), machen nicht nur Frühphasen-Investor:innen aus Österreich stolz, sie bringen der österreichischen Startup-Szene eine neue Sichtbarkeit bei internationalen Großinvestoren.

Neue Risikokapitalgeber in den Startlöchern

Auch 2022 verspricht spannend zu werden. Mit Austrian Growth Capital (RBI und C-Quadrat) gibt es einen neuen Fonds in Österreich, der sich der bisher hierzulande unterentwickelten Anschlussfinanzierung widmen will. Und in Tirol hat sich mit Onsight Ventures+ ein neuer Risikokapitalfonds in Stellung gebracht, der pro Runde bis zu zwei Millionen Euro in Startups in der Seed-Phase stecken will. Sie und alle anderen Risikokapital-Geber aus Österreich werden 2022 dank des Rekordjahrs 2021 voraussichtlich eine wachsende Zahl internationaler Co-Investoren für Investments in österreichische Startups finden.

Der brutkasten bedankt sich bei den teilnehmenden Kapitalgebern 3VC, APEX Ventures, aws Gründerfonds, Calm/Storm Ventures, Elevator Ventures, eQventure, European Super Angels Club, IST Cube, MAD Ventures, OÖ HightechFonds, PrimeCrowd, Push Ventures, SFG, Speedinvest, startup300, tecnet Equity und Uniqa Ventures, Venionaire – sie alle haben uns auch Einblicke in ihre Erwartungen für 2022 gegeben, die zu Jahresbeginn erscheinen. Wer schon vorab gesammelt alle Insights haben will, kann sich über das Formular den gesamten Report holen. Dein Risikokapitalunternehmen fehlt noch in dem Report? Dann melde dich gerne unter [email protected]

3VC

Peter Lasinger ist Founder und General Partner bei 3VC © 3VC
Peter Lasinger ist Founder und General Partner bei 3VC © 3VC

2021 investiert 

10 Millionen Euro
> 1 Milliarde Euro gemeinsam mit Co-Investor:innen 
davon 2 Millionen Euro in Österreich
8 Investmentrunden
2 neue Startups im Portfolio

 „Wir sind unglaublich stolz auf die außergewöhnlichen Unternehmerinnen und Unternehmer die wir begleiten und unterstützen dürfen. Bereits 3 unserer Portfoliounternehmen haben 2021 Unicorn-Status erreicht. Weitere sind am besten Weg dorthin. Insgesamt haben unsere Portfoliofirmen 2021 über eine Milliarde USD an Finanzierung eingesammelt. Wir waren dabei der einzige österreichische, manchmal sogar der einzige EU-Investor.“ Peter Lasinger, 3VC

APEX Ventures

Stefan Haubner und Gordon Euller von APEX Ventures © APEX
Stefan Haubner und Gordon Euller von APEX Ventures © APEX

2021 investiert

14 Millionen Euro
davon 6 Millionen Euro in Österreich
22 Investmentrunden
6 neue Startups im Portfolio

Jahreshighlight 2021 für APEX Ventures: Setup unseres dritten Fonds – APEX One Best in Class – der die Folgefinanzierung für unsere erfolgreichsten Portfoliounternehmen sicherstellt. Stefan Haubner, Founding Partner APEX Ventures

aws Gründerfonds

Christoph Haimberger ist Chef des aws Gründerfonds © Wolfgang Lehner
Dr. Christoph Haimberger, Geschäftsführer des aws Gründerfonds © Wolfgang Lehner

2021 investiert 

170 Millionen Euro gemeinsam mit Co-Investor:innen
100 Prozent in Österreich investiert
17 Investmentrunden
3 neue Startups im Portfolio

„Unser Highlight 2021 ist ganz klar der Start für ESG beim aws Gründerfonds. Unser Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und zu unserer Umwelt. Als Investor mit Weitblick haben wir ESG-Kriterien für zukünftige Investitionen entwickelt und bereits im ersten Due Diligence Prozess eingesetzt. Das Feedback des Start-ups war hervorragend. Zukünftig wird der aws Gründerfonds seine ESG-Kriterien jährlich evaluieren und ab 2022 in das reguläre Reporting aufnehmen“. Christoph Haimberger, aws Gründerfonds

Calm/Storm Ventures

Lucanus Polagnoli ist Co-Founder von Calm/Storm Ventures © butkasten
Lucanus Polagnoli ist Co-Founder von Calm/Storm Ventures © brutkasten

2021 investiert

3,7 Millionen Euro
davon 50.000 Euro in Österreich
43 Investmentrunden
23 neue Startups im Portfolio

„Von mehreren Tier-1-VCs werden wir mittlerweile als der ‚Most Prominent Early Stage Digital Health Fund in Europe‘ bezeichnet. Wir freuen uns sehr, dass uns internationale Funds wie zB Octopus Ventures einladen, gemeinsam mit ihnen in die besten Teams in Europa zu investieren bzw. Anschlussfinanzierungen für unsere Portfolio Companies anführen. Mehr als 50% der Portfolio Companies aus 2020 haben in weniger als 12 Monaten eine Anschlussfinanzierung erhalten. Unsere Investments in LVNDR (UK), Services for the LGTBQ+ community, Leda Health (USA), Help after Sexual Assault und HEYVIE (GER), Neurocentric Training, haben mit unter die höchste mediale Aufmerksamkeit erhalten“. Lucanus Polagnoli, Co-Founder & Managing Partner Calm/Storm Ventures.

Elevator Ventures (RBI)

Max Schausberger, Program Lead RBI Elevator Lab
(c) Haris Dervisevic: Max Schausberger, Program Lead RBI Elevator Lab

2021 investiert

ca 10 Millionen Euro
davon nur über Fonds in Österreich
6 Investmentrunden
1 neues Startup im Portfolio

„Wir hatten in diesem Jahr gleich mehrere Highlights. Die Übernahme von Twisto durch ZIP (australischer Buy Now Pay Later-Anbieter) markiert den ersten Exit in unserem Direktportfolio. Kurz darauf wurde kompany (Anbieter von RegTech-Lösungen) von Moody’s Analytics übernommen. Außerdem sind wir stolz darauf, dass Bitpanda, eine unserer Fund-of-Fund-Investitionen, die Bewertung eines Unicorns erreicht hat“. Maximilian Schausberger, Managing Director Elevator Ventures.

eQventure

(c) Martin Wiesner: Herbert Gartner

2021 investiert

16 Millionen Euro (37 Mio. Euro inkl. Leverages)
100 Prozent davon in Österreich
20 Investmentrunden
3 neue Startups im Portfolio
2 neue Pro-Bono-Projekte

Die eQventure-Highlights 2021:

  • Der 8- bis 9-stellige Exit (abhängig vom Earn-Out) von Xaleon an Teamviewer,
  • die hohen Wachstumsraten bei vielen unserer Portfoliounternehmen wie z.B. Finmatics, ilvi, App Radar, Greenwood-Power, Fauna, etc.
  • Durchbruch bei unserem großen Pro-Bono-Projekt „Wildnisgebiet Lassingtal“ nach fast 10 Jahren Engagement,
  • tolle Neuinvestments wir z.B. die Material-Science-Firma Kape,
  • die $30m-Finanzierungsrunde bei USound zusammen mit der European Investment Bank und
  • die erfolgreiche zweite Spin-off Austria Konferenz mit fast 1.000 Teilnehmern

European Super Angels Club

Berthold Baurek-Karlic, Venionaire Capital | (c) Rene Wallentin

2021 investiert

25 Millionen Euro gemeinsam mit Co-Investor:innen
4,2 Millionen Euro durch den Syndikatsfonds des European Super Angel Clubs “EXF Alpha”
von diesen 4,2 Millionen Euro rund die Hälfte in Österreich
12 Investmentrunden
5 neue Startups im Portfolio

„Unser Highlight war sicherlich das unsere Startups endlich international die Beachtung bekamen, die sie verdienen. Der Exit von Kompany hat gezeigt, dass wir starke Firmen identifizieren und begleiten. Software und Technologie aus den Alpen darf man nicht unterschätzen, dass gilt nun auch für RegTech Firmen.

Wir haben auch gesehen, dass sich stark aufgestellte Firmen – bei uns im Portfolio z.B. Blockpit – international die besten Investoren aussuchen können. Das ist sehr gut für Startup-Österreich – insb. da man erwarten darf das dieser Trend eher noch stärker wird“. Berthold Baurek-Karlic, CEO Venionaire Capital

IST Cube

Alexander Schwartz ist Partner bei IST Cube © IST Cube
Alexander Schwartz ist Partner bei IST Cube © IST Austria

2021 investiert

rund 3,5 Millionen Euro
davon 100 Prozent in Österreich
5 Investmentrunden innerhalb des Portfolios
4 neue Startups im Portfolio

„2021 war ein ereignisreiches und gutes Jahr für IST cube und die Portfoliofirmen. Wir freuen uns, dass wir nach einem stark überzeichneten Final Closing des Fonds bei EUR 45 Millionen, jetzt unsere ganze Kraft auf die Investitionen in starke Teams und ihre Entwicklung fokussieren können. Dazu haben wir das IST cube Team auf 10 Personen erweitert und vervollständigt.

Natürlich freut uns sehr zu sehen, dass es den Firmen in unserem Portfolio trotz den nicht gerade einfachen Umständen gut geht. Dazu beigetragen haben einige wissenschaftlich-technische Durchbrüche wie auch die starke persönliche Entwicklung vieler Geschäftsführer und der Teams.

Ein schönes Kompliment für den Standort Österreich wie auch für unsere Arbeit war die Tatsache, dass wir ein Startup mit Wurzeln in Deutschland davon überzeugen konnten, seine Zelte in Wien aufzuschlagen. In eine ähnliche Kategorie fällt die sehr positive Erfahrung in unserem eigenen Team und den Teams in unseren Portfoliofirmen, wo es sich gezeigt hat, dass es gelingt, außergewöhnliche Talente aus den verschiedensten Fachrichtungen aus dem Ausland nach Österreich zu holen. (Der administrative Prozess dabei ist allerdings nicht immer ganz einfach.)“ Alexander Schwartz, Partner IST Cube

MAD Ventures

Wieland Alge von Swarm Analytics und MAD Ventures © Swarm Analytics
Wieland Alge von Swarm Analytics und MAD Ventures © Swarm Analytics

2021 investiert

rund 1,25 Millionen Euro
davon 100 Prozent in Österreich
3 Finanzierungsrunden

„Unser Highlight war der Umzug in ein neues Büro, in dem wir alle fünf Portfolio-Startups vereinen. Endlich alle täglich treffen zu können und Fortschritt zu erleben. Und die Kaffeemaschine. Wir verabscheuen zwar Kickertische, aber einem Startupklischee konnten wir uns nicht verschließen“. Wieland Alge, Co-Founder MAD Ventures.

OÖ HightechFonds

Thomas Meneder und Christian Matzinger leiten den OÖ HightechFonds © OÖ Hightechfonds
Thomas Meneder und Christian Matzinger leiten den OÖ HightechFonds © OÖ Hightechfonds

2021 investiert

1,7 Millionen Euro
davon 100 Prozent in Österreich
5 Investmentrunden
3 neue Startups im Portfolio

Highlight für den OÖ HightechFonds: Der Roomle-Exit.

PrimeCrowd

Markus Kainz über den Business Angel Summit
PrimeCrowd-Co-Founder Markus Kainz © Dominik Perlaki / brutkasten

2021 investiert

etwa 10 Millionen Euro
davon 2 Millionen Euro in Österreich
15 Investmentrunden
12 neue Startups im Portfolio

Highlight 2021 für PrimeCrowd-Gründer Markus Kainz: Series-A-Runden von Fairown und Idwell.

Push Ventures

Lukas Püspök und Laurenz Simbruner von Push Ventures © Push Ventures
Lukas Püspök und Laurenz Simbruner von Push Ventures © Push Ventures

2021 investiert

rund 1,6 Millionen Euro
davon rund 0,5 Millionen Euro in Österreich
7 Investmentrunden
3 neue Startups im Portfolio

Highlight 2021 für Laurenz Simbruner und Lukas Püspök von Push Ventures: der Allcyte-Exit.

SFG, Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Christoph Ludwig von der SFG © SFG/Kanizaj
Christoph Ludwig von der SFG © SFG/Kanizaj

2021 investiert

1,4 Millionen Euro gemeinsam mit Co-Investor:innen
davon 100 Prozent in der Steiermark
47 Millionen Euro für 3 neue Gründerzentren
2 neue Startups im Portfolio

„In diesem Jahr investierten wir gemeinsam mit weiteren privaten Risikokapitalgebern in Unternehmen aus den Bereichen Health-Tech in Verbindung mit Smart-Matching-Technologien und Machine Learning sowie App-Entwicklung und Publishing aus dem Bereich Education. Diese Unternehmen treiben spannende digitale Geschäftsmodelle mit einem vielversprechenden Skalierungspotenzial voran. Des Weiteren konnten wir zusätzliche 23 Mio. EU-Mittel für grüne Transformation in die Steiermark bringen. Im digitalen Bereich sind die Digitalstiftung, der Digi Hub Süd, Cyber-Security-Campus, Datahouse und die baldige Fertigstellung des ZWT II am Med-Campus zu nennen, also es sind tatsächlich einige Highlights gewesen. Nicht zuletzt hatten wir zwei erfolgreiche Buy-Backs von Startups“. Christoph Ludwig, Geschäftsführer SFG

Speedinvest

Oliver Holle
(c) Oliver Holle

2021 investiert

rund 103 Millionen Euro
davon rund 4 Millionen Euro in Österreich
55 Finanzierungsrunden mit bestehenden Portfolio-Startups
44 neue Startups im Portfolio

„10 years Speedinvest, gleichzeitig auch das Jahr, wo wir endlich zwei österreichische Unicorns präsentieren durften – beides für mich persönlich ein emotionaler und wichtiger Meilenstein“. Oliver Holle, Founder Speedinvest.

startup300

Bernhard Lehner von Startup300 © Lehner
Bernhard Lehner von Startup300 © Lehner

2021 investiert

rund 650.000 Euro
8 Investmentrunden
3 neue Startups aus Österreich im Portfolio

„Für mich sind die schönen Finanzierungsrunden und nun auch Exits von Startups Jahreshighlight, die, wenn sie auch nicht immer “österreichische” Startups sind, so zumindest ein Verbindungsglied zur heimischen Szene haben. Ich freue mich immer riesig für die beteiligen Personen, weil ich weiss, welcher Kraftakt dahintersteckt und wie viel gutes Timing und auch Glück notwendig ist. Davon wird das Ökosystem profitieren, weil die Erfahrung und auch Kapital zurückfließt. Ob es reicht, um im internationalen Kontext relevanter zu werden, bleibt natürlich dahingestellt, solange sich die regulatorischen Rahmenbedingungen nicht signifikant ändern.“ Bernhard Lehner, Co-Founder startup300.

tecnet Equity

Doris Agneter ist Geschäftsführerin von tecnet equity © tecnet
Doris Agneter ist Geschäftsführerin von tecnet equity © tecnet

2021 investiert

2,5 Millionen Euro
davon 100 Prozent in Österreich
6 Investmentrunden
3 neue Startups im Portfolio

„Unser Highlight war die auf SEO/SEA-Automatisierung im e-commerce Umfeld spezialisierte Firma Boomerank. Diese hat einen beeindruckenden Pivot vom Dienstleistungs- zum Produktunternehmen hingelegt und ist seitdem schnell als Firma und am Markt gewachsen. Die Gründer schaffen es, das Marktmomentum perfekt auszunutzen. Bei Boomerank freuen wir uns ganz besonders auf die weitere Entwicklung“. Doris Agneter, CEO tecnet Equity.

Uniqa Ventures

UNIQA Ventures CEO Andreas Nemeth über HealthTech und Wien
(c) der brutkasten/Marko’s Photography: UNIQA Ventures CEO Andreas Nemeth

2021 investiert

27,7 Millionen Euro
davon 14,3 Millionen Euro
17 Investmentrunden
3 Exits, 2 weitere in Arbeit
8 neue Startups im Portfolio

„2021 war das mit Abstand erfolgreichste Jahr im 5-jährigen Bestehen von UNIQA Ventures: Das erste Unicorn im Portfolio (Bitpanda) und das nächste wird bald kommen, Verdoppelung unseres Investitionsrahmens von 75 Mio. auf nunmehr 150 Mio. EUR. Rang 2 unter den Top 10 Venture Capital Fonds in Österreich und dann noch im Jahresendspurt 3 top Exits bei Playbrush, Twisto und Kompany. Was uns mit einer Rendite von >25% (IRR) ins obersten Quartil der internationalen VC Fonds brachte. Was will man mehr“. Andreas Nemeth, CEO Uniqa Ventures.

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03.07.2026

Warum die internationalen Krypto-Player in Wien bei Manuel Gahns Lumia landen

Vor drei Jahren mit dem Startup House gestartet betreibt Manuel Gahn mit Lumia mittlerweile zwei Standorte, mehrere Geschäftszweige und einen besonderen Fokus auf internationale Krypto-Unternehmen. Im Interview erzählte er uns mehr dazu.
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Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia
Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia

Eine ganze Reihe internationaler Krypto-Anbieter baut bekanntlich seine EU-Hauptquartiere in Wien auf. Während Player wie Bybit EU, KuCoin EU oder zuletzt WhiteBit EU dank Erhalt der MiCAR-Lizenz bereits offiziell die Arbeit aufgenommen haben, müssen andere vorerst unter dem Radar bleiben.Nicht weniger als fünf dieser Player, KuCoin EU, WhiteBit EU und drei weitere, die noch nicht genannt werden dürfen, haben sich an den beiden Standorten des Wiener Office-Space-Unternehmens Lumia angesiedelt. Das wiederum befindet sich aktuell in der nächsten Expansionsphase, nachdem nach dem Start mit dem Startup House vor drei Jahren bereits 2024 ein zweiter Standort eröffnet wurde.

Dabei setzt man nicht nur auf internationale Krypto-Unternehmen. Kürzlich hat Lumia-Gründer Manuel Gahn mit Lena Manzenreiter als neue Head of Ecosystem & EUHQ eine Verantwortliche für diese internationalen Ansiedlungen an Bord geholt, die auch als Ansprechpartnerin für Partnerorganisationen wie Wirtschaftsagentur Wien, FFG, GIN, WKO, und DAAA fungiert. Im Interview erzählte uns Gahn über die besondere Position von Lumia im Krypto-Bereich, die Anforderungen, die man dafür erfüllt und die Strategie, die dahinterliegt.


brutkasten: Wie hat sich Lumia seit dem Start mit dem Startup House vor einigen Jahren entwickelt? Wo steht ihr gerade?

Manuel Gahn: Mit dem Startup House haben wir vor gut drei Jahren angefangen. Wir sind wirklich zu diesem physischen Ankerpunkt der Wiener Startup-Szene geworden, vor allem auch als Community Place. Etwas unbeabsichtigt hat sich ja auch das hocherfolgreiche Geschäftsmodell der Event-Venues entwickelt, wobei wir hier mit Loft und Prisma zwei Standorte haben. All das ist im Lumia-Ökosystem gebündelt. Wir haben zudem gemerkt, dass es sich bei unseren Coworkern mittlerweile auch über das Startup-Segment hinaus entwickelt hat. Mit unseren Serviced Offices ziehen wir auch größere Firmen an – beispielsweise Dyson und Uber.

Prisma fungiert bei Lumia als Event-Venue | (c) Lumia

Hat sich das auch auf euer Angebot ausgewirkt?

Ja, wir haben gemerkt, dass wir in Premium Serviced Offices expandieren können. Vor gut eineinhalb Jahren kam dann die Ansiedlung von KuCoin Europe, die dann den Prozess begonnen haben, sich für die MiCAR-Lizenz zu bewerben. Das war für uns eine neue Herausforderung, aber auch sehr spannend. Mit dem chinesischen Markt war ich davor schon ein bisschen in Berührung, weil ich in Hongkong studiert habe. Auch mit dem chinesischen Eigentümern konnte ich dementsprechend etwas besser umgehen als vielleicht andere Spaces in Wien.

Und mittlerweile seid ihr im Krypto-Segment aber noch deutlich weiter gewachsen…

Ja, wir sind wieder in der Expansion, weil wir mittlerweile so viel Nachfrage und volle Büros haben. Insbesondere mit dem Fokus auf zukünftige sogenannte CASPs, also Crypto Asset Service Providers. Das sind jetzt nicht nur Krypto-Player und Krypto-Börsen selbst, sondern auch zum Beispiel Stablecoin-Unternehmen, die sehr strenge regulatorische Vorschriften und Vorgaben für die Office Compliance haben, mit der Finanzmarktaufsicht als sehr kompetenter Regulatorin. Die Fragen für die Büro-Requirements sind zwar komplex, aber für alle die gleichen und die haben wir mittlerweile am besten ausgearbeitet. Zwei unserer Unternehmen haben diesen Prozess bereits geschafft und weitere drei sind aktuell dabei.

Du hast KuCoin EU schon erwähnt. Die zweiten, die diesen Prozess geschafft haben, darfst du auch nennen…

Ja, KuCoinEU ist an unserem zweiten Standort in der Tribüne, wo auch das Prisma als Konferenzzentrum läuft. Im Startup House ist im Frühjahr Whitebit EU eingezogen und hat letzte Woche die MiCAR-Lizenz bekommen. Die drei weiteren Unternehmen darf ich noch nicht nennen, weil sie gerade im Lizenz-Prozess sind. Aber auch die sind bereits in Office-Größen von 5 bis 20 Leuten und arbeiten sehr stark an ihrer Compliance, um die Lizenzen zu bekommen. Da wird es in den nächsten paar Wochen noch neue Announcements geben.

Mit was überzeugt ihr die Krypto-Unternehmen? Warum kommen alle zu euch?

Es sind nicht alle bei uns. Bybit EU, die wohl größte Wette auf Österreich, etwa nicht. Ich weiß von sieben oder acht, die diese Prozesse haben, und fünf davon sind hier. Natürlich ist es die starke Flexibilität, anfangs ein kleines Team zu haben und bei uns wachsen zu können. Lumia zieht außerdem Wiens engagierteste Personen und Firmen an – viele davon jung und Expats. Im Krypto-Bereich liegt das auch an der Nähe zu Bitpanda. Viele Leute, die in diesen in MiCAR-Lizenzierungsprozessen steckenden Firmen angestellt sind, sind ehemalige Pandas und schätzen den Business Hub rund um die Krieau.

Die Bitpanda-Zentrale ist direkt gegenüber vom Startup House…

Ja. Und der größte Hebel ist letztlich das Netzwerk. Angefangen hat es bei KuCoin Europe mit Oliver Stauber, Christian Niedermüller, Christian Derler und so weiter. Keiner von denen ist jetzt noch dort und sie haben alle neue Arbeitgeber, die auch in diesen Lizenzprozessen sind. Sie alle sind bei uns geblieben.

Und so trifft sich dann das gesamte ehemalige Team bei euch wieder?

Lustigerweise ja. Sonst würde man sagen, wir sind im B2B-Business, also Lumia macht Office Business, aber eigentlich, nachdem wir einfach die besten Arbeitsplätze Österreichs anbieten, ist es ein bisschen ein B2C-Business. Vielleicht verändern sich die Arbeitgeber:innen von den Personen, aber die Personen wollen bei uns bleiben.

Du hast auch von regulatorischen Hürden gesprochen. Bei jenen davon, die das Office angehen, seid ihr am Zug. Kannst du mir da mehr erzählen?

Ja, die Office-Compliance hat sich als Quick Win für MiCAR-Applicants herauskristallisiert. Da geht es etwa darum, dass laut Vorschriften drei voneinander getrennte Bereiche für eine Krypto-Company nötig sind. Holding, Compliance-Team, Anti-Money-Laundering Officer, Anti-Terrorism-Financing und so weiter. Wie wird die Hot Wallet gestored? Wie sind die Access Logs? Wie gehen wir mit Umsatzsteuerschädlingen um? Wie werden Besucher:innen registriert? Gibt es ein High-Security-Zutrittskontrollsystem? Das ist das, was wir jetzt auch gerade wieder aufrüsten und nochmal verbessern. Wir brauchen etwa verstärkte Sicherheitstüren und Fenster mit einbruchsicheren Sichtschutzfolien. Es ist schon wirklich ein Aufwand, sich da zu spezialisieren. Die ersten ein, zwei Male waren nicht lustig, aber jetzt haben wir das perfektioniert.

Lumia stellt für seine Mieter spezielle Zugangssysteme bereit | (c) Lumia

Damit wissen mittlerweile auch die Regulatoren, wenn sie für den sogenannten Office Visit “wiedermal” bei uns vorbeikommen, dass wir wissen, was zu tun ist. Ich will damit nicht sagen, dass es die Unternehmen leichter haben, die Lizenz zu bekommen und Office Compliance ist auch wirklich nur ein ganz kleiner Teil. Es sind genau dieselben strengen Regeln, die sie in anderen Immobilien auch haben. Nur wir können dabei unterstützen, weil wir in diesem konkreten Thema vermutlich europaweit am meisten Erfahrung haben.

Und ich nehme jetzt an, der Prüfer, der zum fünften Mal wegen der fünften Firma zu euch kommt, weiß dann schon, dass eure Fenster bruchsicher sind…

Zum Beispiel. Sie wissen auch, dass wir die WLAN-Netzwerke voneinander trennen, es komplett sichere Storage Archives gibt, die Zutrittskontrollen on-premise laufen und es Security-Kameras gibt. Zum Beispiel müssen alle Besucher:innen getrackt werden. Da gibt es dann eine Registrierung über unsere Rezeption. Die checkt sie ein und aus, prüft die IDs und teilt Visitor-Badges aus. Das haben wir wirklich zur Perfektion getrieben.

Jetzt Anfang Juli ist ein großes Thema natürlich, dass die MiCAR-Regelungen endgültig schlagend werden. Wie nimmst du das von deiner Position aus wahr?

Wir kriegen das gar nicht so viel mit, weil wir nicht im Tagesgeschäft involviert sind. Eine neue Firma hat morgen diesen Office Visit. Heute stellen wir auch gerade nochmal sicher, dass alle Systeme laufen, damit alles funktioniert. Nachdem es einmal aufgesetzt wurde, muss es dann ja immer funktionieren. Es ist schon auch lustig, wenn dann viele internationale Gäste hier sind.

Aber die Firmen siedeln sich unter anderem deswegen bei uns an, weil sie auch noch nicht wissen, was passiert, wenn sie abgelehnt werden. Da kann man keinen Fünf-Jahres-Vertrag mit vielleicht 400 Quadratmetern unterschreiben, wenn man nach sechs Monaten abgelehnt wird und keine Lizenz bekommt. Da sind Flex-Office-Lösungen eine sehr gute Lösung.

Ich stelle zum Ende nochmal eine klassische Ausblicksfrage: Du hast am Anfang des Interviews anklingen lassen, dass ihr weiter in der Expansionsphase seid. Und du hast gesagt, dass sich auch internationale Unternehmen abseits der Krypto-Branche wegen eines EU-Headquarters bei euch umsehen.

Wir sind jetzt gerade dabei, weitere 500 bis 1.500 Quadratmeter dazu zu mieten – das ist noch nicht ganz fix. Je nach Arbeitsplätzen und Conference Center kann das noch variieren oder auch noch viel mehr werden, falls noch mehr von diesen Firmen kommen. Was wir gemerkt haben: Es gibt zum Beispiel dank „Go Austria“ von GIN und FFG ziemlich viel Zuzug nach Wien als Basis für einen Markteintritt in Europa. Flexible Premium-Arbeitsplätze können hier natürlich auch von Wirtschaftsagentur Wien und ABA gut positioniert werden. Diese Firmen brauchen anfangs mal ein Virtual Office und expandieren dann womöglich auch auf Arbeitsplätze. Die wissen oft noch gar nicht, was genau deren Europe Entry Strategy sein wird.

Deswegen haben wir auch diese Marke „EUHQ by Lumia“ erfunden. Das können Finanzdienstleister oder Crypto Asset Service Provider sein, auf die wir aktuell unseren Fokus legen, weil es eben sehr schwer ist, denen zu genügen, und wir da den perfekten Product-Market-Fit gefunden haben. Aber es gibt auch andere, die in unserem Tech-Expat-Hub gerne einziehen würden.

Unsere Mitarbeiterin Lena Manzenreiter leitet die Expansion in dieses Geschäftsfeld. Sie wird viel im Ökosystem, mit der DAAA und mit der Wirtschaftsagentur Wien an neuen Initiativen arbeiten, um mit diesen internationalen White-Collar-Jobs neue Akzente zu setzen – um Wien als wichtigen Tech-Standort und Expansions Hub für Europa weiter zu etablieren.

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