08.10.2025
EY INNOVATION INDEX

Österreichs Großkonzerne setzen trotz Umsatzrückgang auf F&E

Die F&E-Ausgaben gingen zuletzt bei Österreichs Top-30 börsennotierten Unternehmen zwar leicht zurück, aber deutlich weniger als Umsätze und Gewinne. Das zeigt der EY Innovation Index 2025.
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Symbolbild F&E-Ausgaben
© UX Indonesia via Unsplash

Im Durchschnitt sieben Prozent Umsatzrückgang und sogar 22 Prozent Rückgang beim EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) – das sind die wenig erfreulichen Durchschnittswerte der Top-30 börsennotierten Unternehmen Österreichs für das Geschäftsjahr 2024. Die Einbußen halten die Großkonzerne aber nicht allzu sehr von Investitionen in Forschung und Entwicklung ab. Diese gingen zuletzt nur um zwei Prozent zurück, wie der EY Innovation Index 2025 zeigt.

Im Schnitt 4,3 Prozent F&E-Ausgaben – deutlich hinter internationalen Spitzenreitern

Demnach investierten die analysierten Unternehmen 2024 im Schnitt 4,3 Prozent ihres Umsatzes in Innovation. Im internationalen Vergleich liegen die heimischen Top-Unternehmen damit allerdings deutlich hinter ihren Pendants in den Spitzenreiter-Nationen Niederlande (10 Prozent), USA (7,7 Prozent), Schweiz (7,1 Prozent) und Deutschland (5,5 Prozent).

ams-OSRAM führt nationales Ranking klar an, Kontron und Pierer Mobility auf den Plätzen

Auch innerhalb der Top-30-Unternehmen gibt es eklatante teils branchenspezifische Unterschiede. Angeführt wird das nationale Ranking von ams-OSRAM mit 419 Millionen Euro F&E-Ausgaben im Vorjahr, wenngleich diese im Vergleich zu 2023 um 13 Prozent sanken. Es folgen Kontron mit 237 Millionen Euro (plus 21 Prozent) und die KTM-Mutter Pierer Mobility mit 235 Millionen Euro (minus 4 Prozent) sowie Voestalpine mit 219 Millionen Euro (plus 2 Prozent). Die Andritz AG hielt ihre Investitionen mit 140 Millionen Euro auf Vorjahresniveau, während AT&S 137 Millionen Euro investierte (minus 12 Prozent).

Die genannten sechs Unternehmen befinden sich auch allesamt unter den globalen Top-500 bei F&E-Investitionen – ams-OSRAM kommt als heimischer Spitzenreiter auf Platz 310. In dieser globalen Top-500-Gruppe stiegen die F&E-Ausgaben übrigens von 2023 auf 2024 im Schnitt um sechs Prozent, bei den europäischen Vertretern immerhin um fünf Prozent.

IT-Branche in Österreich klar vorne bei F&E-Investitionen

Bei den Branchen führen global die Pharmaindustrie (16,5 Prozent) und IT-Branche (9,5 Prozent). In Österreich kommt die IT-Branche sogar auf 14 Prozent F&E-Ausgaben und liegt damit hierzulande an der Spitze. Industrie und Automobilindustrie kommen immerhin auf 3,5  Prozent, Branchen wie Energie und Konsumgüter kommen dagegen auf unter einen Prozent.

Dabei zeige sich bei den heimischen Konzernen auch ein klarer Zusammenhang zwischen F&E-Ausgaben und Profitabilität, heißt es von EY. In der IT-Branche erreichten Unternehmen mit überdurchschnittlicher F&E-Intensität etwa eine durchschnittliche EBIT-Marge von rund 8,5 Prozent, während Unternehmen mit unterdurchschnittlicher F&E-Intensität in derselben Branche sogar in den Negativbereich rutschten (minus ein Prozent). Auch in der Industrie (z. B. Metall, Maschinenbau) und bei Bau- und Rohstoffkonzernen zeige sich dieser Effekt: Hier lagen die EBIT-Margen bei innovationsstarken Unternehmen durchwegs höher bei 7,5 Prozent – im Vergleich zu 4,4 Prozent bei unterdurchschnittlicher Intensität.

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Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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