25.06.2025
HOLE-IN-ONE

Österreichischer Co-Founder in Belgien entwickelt Golf-Set für Kinder

Das in Antwerpen ansässige Startup Woow Golf – mitbegründet vom Österreicher Ferdinand Witt-Dörring – macht Golf kindgerecht. Mit Equipment, das von Grund auf für Kleinkinder gedacht und entwickelt wurde.
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© Woow Golf/Screenshot

Heutzutage denkt man bei Golf an ältere Männer, die das Eisen schwingen und dazwischen Deals aushandeln. Manche assoziieren damit sogar einen Präsidenten und blicken nach Übersee. Was aber die Wenigsten tun, ist Golf mit Kindern in Verbindung zu bringen. Nicht so das belgische Startup Woow Golf, das in Antwerpen sitzt.

Woow Golf: Equipment in „richtiger Größe“

Der österreichische Co-Founder Ferdinand Witt-Dörring wollte seinem zweijährigen Sohn die Outdoor-Sportart näherbringen, fand aber an Equipment nur billige Ware aus Plastik. So rief er seinen Mitgründer und Produktentwickler Roel Heyninck an und die Arbeit begann.

Sechs Monate lang tüftelte man am Prototyp, testete und entwarf. Das Ergebnis: ein kindergerechtes Golf-Set: „Wir wollten, dass unsere Kinder Golf mit richtigem Equipment erleben können, nur eben in ihrer Größe“, erklärt der Founder. „Golf ist so viel mehr als nur ein Spiel. Es lehrt Kinder Geduld, Konzentration und schenkt ihnen Freude an Bewegung und Natur.“

Das Set besteht aus einem Putter, einer Puzzlematte, einem interaktiven Ziel-Loch und Archie, einer kleinen Figur, um die sich eine ganze Geschichte spinnt. Der Putter „sieht aus wie ein ‚echter‘ Golfschläger im Miniaturformat – weil es ein echter Schläger ist,“ betont Heyninck.

Angel-Runde Anfang des Jahres

Anfang 2025 sammelte Woow Golf 130.000 Euro in einer Angel-Finanzierungsrunde ein. Unter anderem von Investoren aus der Golfbranche. Dieses Kapital floss in die Produktentwicklung und die ersten Prototypen.

Die weltweite Auslieferung ist für Anfang 2026 geplant, die Produktion erfolgt in Europa. „Golf wird immer populärer in Europa, aber beim Nachwuchs hakt es. Wir fangen daher ganz früh an“, erklärt Witt-Dörring. „Woow Golf kann ein spielerischer Einstieg sein, bevor es mit fünf oder sechs Jahren in den ersten Club geht.“

Perspektivisch plant das Team auch Kooperationen mit Golfclubs, etwa in Form von Schnupperstunden, Trainingscamps und einer eigenen Turnierserie.

Seriengründer Witt-Dörring

Ferdinand Witt-Dörring ist kein Unbekannter in der Startup-Welt: Vor Woow gründete er u. a. Dealrally sowie das Architektursoftware-Startup Compa, das mehrere Millionen Euro Risikokapital einsammelte, unter anderem von renommierten Investoren wie Atlantic Labs und LocalGlobe. Roel Heyninck indes ist der kreative Kopf hinter dem belgischen Tech-Startup Mygrid. Für seine innovativen Produktdesigns wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Red Dot Design Award, dem Henry van de Velde Award sowie dem European Design Award.


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Vlnr: Mag. Markus Manz (CEO SCCH Innovations GmbH) und die Gründer*innen von LUML, Nikita Gonchar, Oleh Kostromin und Iryna Kondrashchenko | (c) SCCH

Das Software Competence Center Hagenberg forscht als COMET-Zentrum seit Jahren für Industriepartner wie Siemens, Bosch oder Fronius. Mit der SCCH Innovations GmbH will das oberösterreichische Forschungszentrum seine Ergebnisse zusätzlich auch selbst in Unternehmen überführen, statt sie ausschließlich an Auftraggeber weiterzugeben. „Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse unserer Forschung nicht mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts enden, sondern ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung finden“, sagt Markus Manz, CEO der SCCH Innovations GmbH.

Rund 30 Unternehmen als Ziel

Im Gespräch mit brutkasten formuliert Manz ein ambitioniertes Zielbild: Rund 30 Beteiligungen sollen bis 2030 und darüber hinaus realisiert bzw. aufgebaut  werden. Die Vision beschreibt er als Unendlichsymbol (∞), welches das Forschungs- und das Gründerökosystem iterativ verbindet. Tiefe Technologien aus der angewandten Forschung sollen in Unternehmensgründungen überführt werden, die Rückflüsse daraus wiederum die Forschung speisen. Es gehe dabei nicht darum, eine App zu entwickeln, betont Manz, sondern darum, tiefe Technologien aus der eigenen Forschung mit Industriepartnern und Universitäten in Unternehmensgründungen zu bringen. Ein vergleichbares Modell, bei dem ein angewandtes Forschungszentrum eine eigene Beteiligungsgesellschaft betreibt, kenne er aus seiner Recherche nicht.

Die Gesellschaft soll zu Beginn mit rund 500.000 Euro kapitalisiert werden. Große Einzelinvestments sind damit nicht geplant: Die Ticketgröße für Erstinvestments liegt laut Manz bei maximal 100.000 Euro. Das Startkapital soll Gründer:innen helfen, die erste Phase zu überbrücken, Förderungen einzureichen und das Produkt weiterzuentwickeln. Noch heuer sind drei weitere Beteiligungen geplant, zwei davon im Deep-Tech-Bereich und eine im Dienstleistungsbereich, um schneller rekapitalisieren zu können.

Die Wege in den Markt

Die SCCH Innovations GmbH verfolgt mehrere Beteiligungsmodelle. Bei klassischen Spinoffs aus Forschungsprojekten setzt das Forschungszentrum bewusst auf externe, erfahrene Gründer:innen statt auf die eigenen Forscher:innen. Diese erhalten die Mehrheit der Anteile, während sich das SCCH einen bis zu einem vereinbarten Unternehmenswert nicht verwässerbaren Minderheitsanteil sichert. Dazu kommen Joint Ventures mit Unternehmenspartnern, etwa die gemeinsam mit TÜV AUSTRIA gegründete TRUSTIFAI, der österreichische Prüf- und Zertifizierungshub für KI-Systeme, sowie strategische Beteiligungen ohne Kapitalfluss.

Das vierte Modell heißt Research for Equity: Das SCCH bringt Forschungs- und Entwicklungsleistungen in ein Startup ein und erhält dafür, ganz oder teilweise anstelle einer klassischen Vergütung, Unternehmensanteile. „Mit diesen unterschiedlichen Modellen schafft die SCCH Innovations GmbH neue Möglichkeiten für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft“, so Manz.

Erste Beteiligungen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die erste Beteiligung der neuen Gesellschaft. Oleh Kostromin, Data Scientist am SCCH, hat gemeinsam mit Iryna Kondrashchenko und Nikita Gonchar die LUML FlexCo gegründet. Die entwickelte Plattform soll Data Scientists helfen, Machine-Learning-Modelle schneller in die Praxis zu bringen, und ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass Menschen und KI-Agenten gemeinsam an ML-Projekten arbeiten. „LUML läuft auf der Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Die Daten und Modelle verlassen die Unternehmensumgebung nicht“, sagt Kostromin.

An LUML hält die SCCH Innovations GmbH auf brutkasten-Nachfrage fünf Prozent, als reine strategische Beteiligung ohne Kapitalfluss. Laut Manz bringt das SCCH dafür vor allem Zugang zu seinem Industrienetzwerk, eine gemeinsame Vermarktungskampagne und Mitarbeiterstunden ein und setzt die Plattform in eigenen Forschungsprojekten ein. Zusätzliches Kapital habe das Startup nicht benötigt, weil das Produkt bereits fertig entwickelt war. Der bewusst niedrige Anteil soll LUML für spätere Investoren attraktiv halten. Das Wachstum soll vorerst gebootstrapped erfolgen, je nach Entwicklung sind laut SCCH aber auch eigene Finanzierungsrunden denkbar.

Das SCCH gehört als Mitglied des UAR Innovation Network zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH und beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jänner hatte sich das Forschungszentrum am KI-Spin-off Responsible Annotation Services beteiligt (brutkasten berichtete) und hält weitere Beteiligungen, die zukünftig auf die SCCH Innovations GmbH übertragen werden sollen.

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