12.01.2026
ONLINE DATING

Österreichischer App-Entwickler investiert sechsstellig in Anti-Ghosting-Startup

Das Münchner Dating-Startup Diner Date von Mario Schlüter, Barbara Schuhbauer und Konrad Frey setzt auf Slow Dating, verifizierte Profile und ein Bewertungssystem für "Ehrlichkeit und Wertschätzung" – inklusive Anti-Ghosting-Mechanismen. Das brachte den Gründer:innen ein Investment vom heimischen Investor und deine.seite.at-Founder Paul Dyrek ein.
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Diner Date, Tinder, Alternative, Online Dating
© Diner Date - Mario Schlüter, Barbara Schuhbauer und Konrad Frey von Diner Date.

Mario Schlüter saß einmal mit einer Freundin an einer Bar. Er mit 1,70 Meter Körpergröße, seine Begleitung 190 Zentimeter groß. Man kam mit zwei anderen Besucherinnen ins Gespräch, die unverblümt die Frage stellten, ob dies ein Tinder-Date sei und Schlüter seine Größe falsch angegeben hätte. So wurde Online-Dating zum Gesprächsthema und der Wunsch der beiden Damen, Männer bewerten zu können, fiel dabei. Diese Idee ließ den Founder nicht los und Diner Date nahm seinen Ursprung.

Eine ElitePartner-Studie von 2025 mit über 4.000 Befragten in Deutschland zeigt, dass sich vier von zehn Paaren online finden. In Österreich sind es nach einer Untersuchung von Parship aus 2023 rund 20 Prozent. Gleichzeitig sprechen Studien von einem „Online-Dating-Burnout“: Nutzer:innen von Dating-Apps berichten hierbei zunehmend von psychischen Belastungen, depressiven Verstimmungen, Wut und Frust – nicht zuletzt wegen fragwürdiger Dating-Trends wie Ghosting oder Benching: der Kontakt wird reduziert, das Gegenüber immer wieder mit der Aussicht auf Treffen hingehalten (Benching) oder der Kontakt sang- und klanglos abgebrochen (Ghosting).

Schlüter schwebte deswegen eine ganz andere App vor – eine, die ein „ehrliches und auch tiefgehendes Kennenlernen ganz ohne toxische Verhaltensweisen“ ermöglicht. Nach dem besagten Abend in der Bar begann der Zahntechnikermeister seine Ideen auf bunte Post-its zu schreiben und seine Wohnungswände damit zu tapezieren. Bei Treffen mit Freunden sprach er immer wieder davon, eine Dating-App erfinden zu wollen.

„Jenseits von Oberflächenreizen“

„Anfangs dachten wir, er spinnt“, erinnert sich sein heutiger Co-Founder Konrad Frey. Im Mai 2022 erblickte Diner Date jedoch das Licht der Welt. Bis vor kurzem noch eigenfinanziert, stieg nun der heimische App-Entwickler Paul Dyrek (deineseite.at) mit einem sechsstelligen Betrag beim Startup ein.

DeineSeite.at,
(c) Astrid Bartl – Paul Dyrek, CEO von DeineSeite.at.

„Für mich bedeutet Diner Date weit mehr als eine weitere Dating-App“, sagt er. „Es ist die Chance, mich als Entwickler und Investor an einem Projekt zu beteiligen, das ehrliche Interaktion wieder in den Mittelpunkt stellt und Nutzern spielerisch zeigt, wie moderne Matching-Apps funktionieren können – jenseits reiner Oberflächenreize.“

Von den rund fünf Freunden, die anfangs an der App-Idee mitwirkten, blieben letztlich zwei übrig, die Diner Date vorantreiben: Konrad Frey, von Beruf Feuerwehrmann, ist für Social Media und Kooperationspartner zuständig; Barbara Schuhbauer, im sonstigen Leben Intensiv-Fachkrankenschwester, ist für SEO, PR und Marketing zuständig. „Ohne Barbaras Blickwinkel wäre die App nie so geworden, wie sie heute ist“, erzählt Schlüter.

Der Tinder-Effekt

Das Trio möchte vorrangig dem sogenannten „Tinder-Effekt“ etwas entgegensetzen. Dabei handelt es sich um eine süchtig machende Belohnungsspirale des Swipens – also des Weiterwischens der Profile. Das Gehirn schüttet hierbei ähnlich wie beim Glücksspiel bei jedem neuen Match und jedem Profil, das gefällt, Dopamin aus – und will dadurch weiterswipen. Das Interesse an näherem Kennenlernen schwindet dabei. Diner Date setzt deshalb auf „Slow Dating“: „Man muss sich schon ein bisschen mit den Menschen auseinandersetzen“, erklärt Schlüter.

Die User:innen sehen auf einen Blick alle in Frage kommenden Profile, die sie via Filter vorauswählen können – etwa nach Geschlecht, Region und Alter. Erst wenn sie das jeweilige Profil genauer angeschaut und gelesen haben, kommt am Ende der Matching-Button. „Das verhindert, dass man binnen Sekunden das Profil wegklickt und in den oberflächlichen ‚Swipe-Modus‘ verfällt. Die User:innen bewerten die Profile, den Chat und die Dates – und zwar nach Wertschätzung und Ehrlichkeit. Bewertet werden können die Responsivität beim Chatten, die Authentizität bei den Fotos und die Gesprächsatmosphäre beim Date. Aussehen oder Persönlichkeit können nicht bewertet werden, das wäre zu subjektiv“, stellt Schlüter klar.

Diner Date zwingt User:innen zur Aktualität

Die Fotos des eigenen Profils müssen via Selfies per Frontkamera verifiziert und alle sechs Monate aktualisiert werden – so möchte die App nicht nur Enttäuschungen beim ersten Treffen verhindern, sondern auch gegen Fake-Profile vorgehen.

Ein weiteres Mittel für angenehmere Online-Dating-Erfahrungen ist die „Anti-Ghosting-Strategie“ bei Diner Date: „Antwortet ein User oder eine Userin während des Chattens nicht mehr oder löst das Match auf, wird er von der App aufgefordert, eine abschließende Nachricht zu schreiben“, erzählt Schlüter. Entscheidet sich die Person fürs Ghosten und bleibt weiterhin stumm, wird die Person nach sieben Tagen mit einer 30-minütigen Zeitstrafe appseitig sanktioniert – und mit einer Abstufung bei der Sternebewertung.

Gleich und gleich…

Das bedeutet: weniger Zugang zum Dating-Markt auf der App. Wer weniger Sterne hat, kann nur Dates mit genauso vielen oder einem Stern mehr matchen. Ein Buddy-System ermöglicht auch, die Freunde des ghostenden Users auf dessen Ghosting aufmerksam zu machen: „Sie können ihn dann darauf ansprechen, ein bisschen sozialer Druck gegen respektloses Verhalten“, so der Gründer weiter.

Die User:innen werden auch nicht dazu gedrängt, möglichst schnell ihr Profil fertigzustellen, sondern immer wieder nebenbei nach Interessen und ihren Meinungen zu bestimmten Themen befragt. Hier eröffnet Diner Date auch regionalen und digitalen Kooperationspartnern eine Möglichkeit, ihre Zielgruppen besser kennenzulernen: „Wir möchten in der nächsten Ausbaustufe auch Anbieter wie Reiseveranstalter, Thermen, Mindfulness-Apps, Beziehungscoaches oder Styling-Plattformen einbinden“, präzisiert Schlüter.

Separée-Räume

Abseits davon gibt es bei der App digitale Separée-Räume, in denen sich User:innen zu bestimmten Themen austauschen können. „Auch unsere Kooperationspartner, beispielsweise Beziehungsexpertinnen oder Dating-Coaches, könnten dort Sprechstunden abhalten und Tipps geben“, so der Founder. Die App ist seit kurzem für Android im Google Play Store erhältlich – ab Mitte 2026 soll sie voraussichtlich auch im Apple Store zum Download bereitstehen.

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Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Innovationsminister Peter Hanke (Archivbild) | (c) BKA/Paul Gruber
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Sie wird regelmäßig als möglicher Hebel genannt, um Startups abseits von klassischen Förderungen staatlich zu unterstützen: die öffentliche Beschaffung. Gleichzeitig wird kritisiert, dass diese oft nicht die kommunizierten Zielsetzungen, etwa in der Stärkung der heimischen Innovationslandschaft, widerspiegelt. Das will die österreichische Bundesregierung nun mit einem „nationalen Aktionsplan Strategische Öffentliche Beschaffung“ ändern, der bis Jahresende unter Federführung von Wirtschafts- und Innovationsministerium ausgearbeitet werden soll.

Öffentliche Auftraggeber stärker als Erst- und Referenzkunden für Startups etablieren

Der Aktionsplan soll „als Handlungsleitfaden für den Bund, seine Beteiligungen sowie weitere öffentliche Auftraggeber dienen“. Ziel sei es, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und europäische Wertschöpfung stärker in Beschaffungsprozessen zu verankern. Ein besonderer Schwerpunkt liege darauf, öffentliche Auftraggeber stärker als Erst- und Referenzkunden für innovative Unternehmen und Startups zu etablieren. Damit sollen „neue Technologien schneller zur Marktreife gelangen und zusätzliche Impulse für Wachstum und privates Kapital entstehen“.

Hanke: „Das Billigstbieterprinzip ist in dieser Form nicht mehr zeitgemäß“

Innovationsminister Peter Hanke führt aus: „Mit rund 70 Milliarden Euro jährlich verfügt der Staat über enorme Gestaltungskraft. Diese wollen wir künftig gezielt einsetzen, um Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts zu stärken und europäische Souveränität auszubauen.“

Hier gelte es neue Wege zu gehen: „Das Billigstbieterprinzip ist in dieser Form nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen eine Beschaffung, die europäische Souveränität und Innovationskraft in den Vordergrund stellt“, so Hanke. Der Staat soll dabei „als Ankerkunde vorangehen“ und innovativen Unternehmen die Möglichkeit geben, ihre Lösungen erstmals im Markt einzusetzen. „Das stärkt unsere Startups, schafft heimische Wertschöpfung und macht Österreich technologisch unabhängiger“, meint der Minister. Bundesbeteiligungen wie die ÖBB und ASFINAG seien dabei bereits Vorreiter. Ziel sei es, dass die Republik ihre Rolle als Eigentümer konsequenter ausbaue.

Und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ergänzt: „Der Staat soll nicht nur einkaufen, sondern Innovationen den Weg in den Markt ebnen. Wenn die öffentliche Hand als Erst- und Referenzkunde vorangeht, schaffen wir Marktchancen für heimische Unternehmen, stärken europäische Wertschöpfung und machen aus Innovation schneller wirtschaftlichen Erfolg. Genau diesen Paradigmenwechsel treiben wir jetzt voran.“

Spinoff-Gründungen als konkrete KPI für „Austrian Quantum Cluster“

Zeitgleich geben die beiden Minister per Aussendung auch ein Update zu weiteren Maßnahmen im Bereich der in der Industriestrategie 2035 (brutkasten berichtete) definierten Schlüsseltechnologien. In der AI Factory Austria seien demnach 53 von insgesamt 80 Millionen Euro Projektkosten als Investition in einen Supercomputer vorgesehen, der kommendes Jahr in Wien in Betrieb gehen soll.

Zudem nennen die Ministerien einige KPIs für den „Austrian Quantum Cluster“, in den heuer 30 Millionen Euro aus dem Fonds Zukunft Österreich fließen (brutkasten berichtete). Demnach soll der „erste Megacluster Österreichs“ unter der Ägide von aws (Austria Wirtschaftsservice), FFG (Forschungsförderungsgesellschaft), CDG (Christian Doppler Forschungsgesellschaft) und FWF (Wissenschaftsfonds) etwa mindestens fünf Spinoffs hervorbringen und mindestens acht Millionen Euro Folgeinvestitionen für Startups bzw. Scaleups hebeln. „Wir wollen Quantentechnologie nicht nur erforschen, sondern in Österreich entwickeln, produzieren und vermarkten. Unser Ziel ist klar: Aus Spitzenforschung soll Spitzenindustrie werden“, kommentiert Hattmannsdorfer. Dabei setze man auf „Fokus statt Gießkanne“.

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