19.03.2025
HEALTH

Österreich und seine Medizin – ein Land am KI-Strome

Künstliche Intelligenz ist zwar in aller Munde, aber noch nicht in allen Praxen angekommen. Während bei manchen die zukünftige Gesundenuntersuchung wilde Science-Fiction-Vorfreude auslöst, herrscht bei anderen noch vorsichtige Skepsis – sowohl auf der Seite der Patient:innen als auch auf jener der Mediziner:innen. Eines jedoch ist nicht zu leugnen: Es tut sich was im Staate Österreich, die Medizin wandelt ihr Gesicht langsam, aber stetig. Ein Blick in die heimische Beziehung zwischen KI und Heilkunst.
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KI, KI in Medizin, Imagebiopsy Lab, KI Ambulanz, Symptoma
© Symptoma/ IBL - Nateqi, Founder Symptoma und Richard Ljuhar, Founder ImageBiopsy Lab.

Dieser Artikel erschien in der März-Ausgabe unseres Printmagazins. Ein Link zum Download der Digitalversion findet sich am Ende des Artikels.


„1277 221235, korrekt?“ Man nickt und bestätigt seinen Namen. Trotz der heftigen Schmerzen, die man verspürt, erinnert man sich an seine Sozialversicherungsnummer wie an die Geburtstage seiner Liebsten. In diesem Alter nicht verwunderlich, denkt man, denn ein Arztbesuch ist mittlerweile mehr wiederkehrender Alltag als ein Treffen mit manchen Freunden. „Bitte nehmen Sie Platz. Sie werden in neun Minuten 33 Sekunden bis neun Minuten 54 Sekunden aufgerufen“, sagt die künstliche Intelligenz, die in Form eines weiblichen Avatars am Empfang sitzt, tatsächlich Aida genannt wird und freundlich dreinblickt. Man fragt sich, ob man künstlichen Intelligenzen wirklich menschliche Namen geben sollte oder es doch lieber wie bei Hund und Katz hält – doch man verwirft den Gedanken schnell, denn der stechende Schmerz im Rücken zieht sich bis in den Oberschenkel hinab. Solche Fragen sollen andere klären!

Nach exakt neun Minuten und 39 Sekunden wird man in den Praxisraum gebeten, wo sich die Ärztin bereits alte Röntgenbilder, das letzte MRT und die aktuelle Diagnose auf einem riesigen Bildschirm ansieht. Sie scrollt weiter und findet Verletzungen aus den Teenagerjahren und sogar die eine Verstauchung aus Volksschulzeiten, die man beinahe vergessen hätte. Man stimmt erneut zu, diesmal dem Einsatz einer zweiten künstlichen Intelligenz, die den Körper von oben bis unten mit Sensoren scannt. Ein digitaler Zwilling wird in den Raum geworfen und die Ärztin zeigt auf genau jene Stelle, die die Pein in Rücken und Bein verursacht. Wenige Augenblicke vergehen und sie sagt: „Es sind die Bandscheiben.“

Zugegeben, wir reden hier von einer möglichen Zukunft eines Arztbesuchs, die noch Jahrzehnte entfernt sein könnte oder womöglich gar nicht derart eintritt. Doch solche Vorstellungen dürfen heutzutage erlaubt sein, sieht man sich die Entwicklung der künstlichen Intelligenz in den vergangenen Jahren an.

Univ. Prof. Dr. Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, hat am 5. November des Vorjahrs im Gesundheitsmagazin „MedMedia“ kompakt zusammengefasst, wie die „Mensch-Maschine-Interaktion auf Basis künstlicher Intelligenz“ die Medizin bereits heute verändert. Ihm zufolge hat die KI historisch ihre Wurzeln in der Naturwissenschaft und ebbte als Forschungsgegenstand nach einem kurzen Hoch in den 1940ern wieder ab. Erst 40 Jahre später hat man den Faden wieder aufgenommen und festgestellt, dass neuronale Netze (ein Ansatz im maschinellen Lernen) für die Lösung komplexer Aufgaben trainiert werden können.

Als die Verfügbarkeit von Datenmengen zunahm und die Worte „Deep Learning“ und „Big Data“ erstmals ins kollektive Bewusstsein Einzug hielten, gab es in diesem Bereich einen großen Fortschritt, was zu „schnellerer Rechenleistung und verbesserten Algorithmen“ führte. Dies geschah in den 2000er Jahren und bildet die Grundsteine für heutige KI-Entwicklungen, die teilweise seit dem Aufkommen von OpenAIs ChatGPT einen nahezu popkulturellen Status innerhalb der Gesellschaft erreicht haben.

Angewandte Bildgebung bereits KI geneigt

Richard Ljuhar, Gründer des österreichischen KI-Medtechs ImageBiopsy Lab, sieht unterschiedliche Anwendungsbereiche der künstlichen Intelligenz in der heimischen Ärzteschaft: der Pathologie etwa. „Bei uns sprechen wir aber bei KI in der Medizin von angewandter Bildgebung“, sagt er. „Da hat sich in letzter Zeit viel getan. 2018 war die künstliche Intelligenz in den Anfangsstadien und bereits in der Radiologie etabliert. Radiologen sind technisch affin und haben großes Interesse, den Workflow optimal zu gestalten; bei gleichzeitiger Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit. Es war Standard. Jetzt ist KI auch außerhalb dieses Bereichs omnipräsent und beginnt zu wachsen. Orthopäden etwa, wo die KI immer wichtiger wird, sind jetzt dort, wo Radiologen vor einigen Jahren waren. Wir sind an dem Punkt angekommen, wo die Akzeptanz bereits da ist.“

Eine Akzeptanz-Einschätzung, die Jama Nateqi, Founder des Healthtech-Startups Symptoma, durchaus teilt. Er sieht die Anwendungsbereiche von künstlicher Intelligenz in der umfassenden Unterstützung von administrativen und klinischen Prozessen im Krankenhaus und in den Arztpraxen – und startete mit dem Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol ein Projekt, um die „erste KI gestützte Ambulanz Europas“ ins Leben zu rufen.

„Dies zeigt wunderbar, wie KI in der Medizin helfen kann“, sagt Nateqi. „Dabei steht jeweils unsere Kerntechnologie, an der wir seit 19 Jahren arbeiten, im Mittelpunkt – nämlich die Einschätzung von Krankheitswahrscheinlichkeiten. Das geht auch in Arztpraxen. Wir werden sehr bald eine komplette Transformation sehen.“

Diese zwei Einschätzungen beider Founder decken sich mit den Aussagen von MedUni Rektor Markus Müller, der im Vorjahr ähnliche Entwicklungen erkannt hat: „Aktuell sehen wir noch einen Großteil der KI-Anwendungen im Bereich der Administration und bei wiederkehrenden Prozessen – vor allem, wenn es um die Mustererkennung geht. Die große Domäne in der Medizin ist aktuell die Diagnostik, und hier vor allem die Radiologie, die Dermatologie, die Augenheilkunde oder die Pathologie sowie die Labormedizin“, wird er in „MedMedia“ zitiert.

Das KI-Repertoire der Republik

In Österreich entdecken heute KI-Algorithmen bereits Läsionen, schätzen Krebsrisiken ein, helfen bei der Diagnose von Erkrankungen mit komplexen Erscheinungsbildern oder dienen der Frühwarnung. Auch die Identifizierung von Krankheitsmerkmalen in Bildern, die man – ohne explizit danach zu suchen – gar nicht sehen würde, gehört zum aktuellen Repertoire. Nateqi weiß in diesem Sinne, dass hierzulande Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte ein großes Versprechen in KI sehen, nämlich jenes, dass ihnen die enorme administrative Last abgenommen wird. „Die brennen darauf, das umzusetzen“, sagt er.

Ljuhar nach hätten Medizinerinnen und Mediziner mittlerweile auch verstanden, dass die KI niemanden ersetzen werde, sondern dabei unterstützen soll, Kranke und Verletzte richtig zu diagnostizieren. „ChatGPT hat dabei sehr geholfen“, meint der Founder. „Ein bekannter US Radiologe hat 2016 gemeint, in zehn Jahren werde es keine Radiologen geben, die KI nicht als Standard einsetzen. Jene, die sich nicht darauf einließen, würden vom Markt verschwinden. Heute sind wir in Österreich schon ein Jahr früher dort.“

Dazu betont der ImageBiopsy-Founder, dass speziell Radiologie-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter den Drang hätten, noch genauer zu werden, ebenso effizienter und zudem noch „gute Rechner“ seien: Sie würden KI als Teil der Infrastrukturkosten sehen und von Natur aus mit „sündhaft teuren“ Geräten arbeiten. „Wenn die sagen, ‚KI ergibt Sinn‘, dann sind wir an dem Punkt angekommen, wo künstliche Intelligenz Standard ist“, sagt er – und umreißt die allgemeine Richtung, in die wir uns bewegen.

Bei der Blutuntersuchung würde sich die Wartezeit auf den Befund drastisch verkürze (von Wochen auf Sekunden), Radiolog:innen würden sich nur noch ausgewiesene Werte außerhalb der Norm ansehen, Orthopäd:innen könnten Fehlstellungen schneller erfassen; in der Lungendiagnostik könnte die KI nach einem Scan auf mögliche Lungenherde hinweisen – mit der Bitte um genauere Betrachtung der Stelle. Ljuhar ist überzeugt, dass die KI in der medizinischen Bildgebung „der Standard“ werden wird: „Die Ärzte, die diese Technologie nicht wollen, werden verdrängt werden.“

Während seiner Erfahrung nach vor zwei bis drei Jahren kaum Interesse an KI bestand, habe sich das bei Ärzt:innen geändert. Die Akzeptanz würde dort „im Laufschritt mit dem Reifegrad der Software“ stark zunehmen – eine Stärke allerdings, die sich unter den Patient:innen erst noch herausbilden muss, wie man nicht nur zwischen den Zeilen beider Experten heraushört.

Für Nateqi muss die Entscheidung zum Einsatz von KI bei den Patient:innen bleiben. Er weiß, dass der wichtigste Vorbehalt die sensible Frage der Souveränität des Menschen (Datenschutz) ist – und sieht es als ethische Verantwortung, die technologische und finanzielle Herausforderung zu meistern, um die Gesundheit der Menschen zu verbessern, ohne ihre Souveränität anzutasten.

Daher verfolgt er mit seinem Unternehmen den Ansatz, dass Daten beim Leistungserbringer verbleiben und lokal verarbeitet werden. Hierzu muss jeweils in eine eigene KI-Infrastruktur investiert werden. „Bald wird es als Kunstfehler gelten, wenn man KI nicht einsetzt“, ist der Symptoma-Gründer überzeugt.

Die „einfache“ Lösung wäre, die Daten einfach in eine Cloud zu schieben und dort zentral mit KI verarbeiten zu lassen. „Ich warne jedoch davor, von US-Firmen Cloud-Lösungen anzunehmen, auch wenn sie hybrid sind. Cloud ist Cloud und Daten sollten erst gar nicht rausgehen“, sagt Nateqi. Ljuhar indes hat neben der großen Frage des Schutzes eigener Daten etwas anderes bemerkt: Patient:innen seien in letzter Zeit viel „selbstbewusster“ geworden und forderten bei der orthopädischen Bildgebung den Einsatz von KI aktiv ein, sobald sie sie einmal gesehen hätten.

Explainable AI

„Sie werden schon sehr wohl aufmerksam“, präzisiert er, „aber es wird noch eine Weile dauern, bis es flächendeckend ausgerollt wird.“ Wir seien noch nicht in der Phase, es als Verantwortung von Patientinnen und Patienten zu sehen, sondern man müsse Medizinerinnen und Medizinern die Tools in die Hand geben, um Patienten und Patientinnen in die neuen Möglichkeiten einzubinden.

Heutzutage gebe es Befunde mit lateinischen Begriffen, die Betroffene nicht verstehen. Da könnte eine „explainable AI“ die Lösung sein. „Im Augenblick kämpft man mit mancher Skepsis, aber wir befinden uns auf einem guten Weg“, so Ljuhar. Er wirft Anreize für Patientinnen und Patienten ins Feld und spricht von einer „Infrastruktur, die man bieten müsse, um den Menschen die Sorge Stück für Stück zu nehmen“. „Der Gesetzgeber hat auch verstanden, dass etwas gemacht werden muss, um ‚explainable AI‘ zum Patienten zu bringen. Man muss ‚Anbieter mit Ärzten mit Patienten‘ verbinden. Es braucht den Willen. Die Jungen fragen alle bereits danach.“

In diesem Sinne schlägt Nateqi in eine ähnliche Kerbe, was die nächsten Schritte betrifft: „Man sollte vonseiten der Politik die Sorgen und Bedenken der Menschen ernst nehmen und Datenschutz priorisieren – und nicht KI langsamer, sondern nachhaltiger gestalten. Ansonsten wird man auf Widerstand in der Bevölkerung treffen.“

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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