14.12.2021

Starker Anstieg: Österreich zuletzt in Europa-Top 10 bei Angel Investments

Aktuelle Zahlen des europäischen Business Angel-Netzwerks EBAN zeigen einen deutlichen Anstieg der Angel Investments in Österreich im vergangenen Jahr.
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Angel Investments - Österreich unter Europas Top 10
(c) Adobe Stock - rudall30

Das europaweite Business Angel-Netzwerk EBAN gab nun sein aktuelles Statistik-Kompendium zum europäischen Early Stage-Markt mit Zahlen für 2020 heraus. In diesem zeigt sich ein genereller Abwärtstrend von 2019 zum Krisenjahr 2020. Insgesamt wurden 7,67 Milliarden Euro an Angel Investments verzeichnet im Vergleich zu 8,04 Milliarden im Jahr davor. Einige Länder stechen jedoch positiv heraus, darunter auch Österreich.

Während etwa auch die europäischen Spitzenreiter UK (minus 7 Prozent) und Deutschland (minus 11 Prozent) jeweils einen Rückgang der Investmentvolumina verzeichneten, gab es – vorwiegend in kleineren Ländern – teils erhebliche Wachstumsquoten von 2019 auf 2020. Herausstechend sind hier Österreichs Nachbarländer Slowakei (plus 188 Prozent) und Ungarn (plus 135 Prozent), welche diese Statistik anführen. Doch auch Österreich weist mit einem Plus von 37 Prozent ein beachtliches Wachstum auf – vor allem in Anbetracht eines erheblich höheren Ausgangsniveaus.

27,48 Millionen Euro Angel Investments in Österreich 2020

Konkret wurden in Österreich 2020 laut EBAN 27,48 Millionen Euro in Form von Angel Investments in Startups investiert (generell war 2020 hierzulande ein Investment-Rekordjahr, das von diesem Jahr aber noch weit übertroffen wird). Damit landet das Land europaweit auf Platz zehn beim Gesamtvolumen, knapp vor Italien, Schweden und den Niederlanden. Angeführt wird diese Liste vom Vereinigten Königreich mit rund 142 Millionen Euro, deutlich vor Deutschland mit 72,4 Millionen Euro und Dänemark mit 49 Millionen Euro.

LandAnzahl InvestmentsDurchschn. Investment-Höhe 2020 in Mio. EuroSumme 2020 in Mio. EuroVeränder. Summe zu 2019
1UK9690,15142,1-7%
2Deutschland1330,5472,4-11%
3Dänemark3650,1349,047%
4Schweiz1490,2841,728%
5Spanien1030,3940,5-49%
6Russland990,3736,239%
7Finnland3210,1136,0-33%
8Frankreich3360,1136,0-16%
9Türkei1230,2732,754%
10Österreich470,5827,537%
Quelle: EBAN Statistics Compendium

In einem weiteren Ranking, in dem das Investment-Volumen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt ist, holt Österreich Platz 11 – eine gute Platzierung im Vergleich mit den stärkeren Volkswirtschaften des Kontinents: Deutschland liegt hier auf dem letzten Platz. Die Liste wird von Estland, Montenegro und Dänemark angeführt.

Am stärksten stach Österreich 2020 im Europa-Vergleich übrigens bei der durchschnittlichen Höhe der Angel Investments heraus. Laut EBAN-Statistik lag diese hierzulande 2020 bei 47 verzeichneten Finanzierungsrunden bei rund 585.000 Euro. Europaweit liegt hier nur Bulgarien vor Österreich mit durchschnittlich 643.000 Euro – allerdings bei nur zehn verzeichneten Runden. Auf Platz 3 landet hier Deutschland mit 544.000 Euro. Der Durchschnittswert für ganz Europa betrug 2020 mit rund 214.000 Euro etwas weniger als im Jahr davor (ca. 220.000 Euro).

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iDWELL-Gründer und CEO Alexander Roth mit COO Anna-Katharina Matzenberger | Foto: iDWELL

Das 2017 gegründete Wiener PropTech iDWELL hat sich frisches Kapital gesichert: Der US-Kapitalgeber Riverside Acceleration Capital (RAC) stellt dem Unternehmen einen siebenstelligen Euro-Betrag zur Verfügung. Anders als bei der Finanzierungsrunde im November 2024 handelt es sich diesmal aber um kein Investment im klassischen Sinn.

„Es handelt sich um eine nicht verwässernde Wachstumsfinanzierung. Die Eigentümerstruktur von iDWELL wird dadurch nicht verändert“, bestätigt Gründer und CEO Alexander Roth auf Anfrage von brutkasten. Zu Laufzeit, exakter Höhe und Rückzahlungsmodell will sich das Unternehmen nicht äußern: Mit RAC sei Stillschweigen vereinbart worden.

RAC verfolgt nach eigener Darstellung zwei Strategien: Minderheitsbeteiligungen über RAC Growth Equity und nicht verwässernde Wachstumsdarlehen über RAC Growth Lending. Nach eigenen Angaben hat der Kapitalgeber seit seiner Gründung 2016 mehr als 100 B2B-Softwareunternehmen unterstützt. RAC ist Teil von The Riverside Company.

Bestandsinvestoren: Unterstützung ja, Beteiligung offen

Im November 2024 hatte iDWELL rund zehn Millionen Euro in einer klassischen Runde aufgenommen (brutkasten berichtete). Lead-Investor war die Amsterdamer Investmentgesellschaft Knight Capital, auch die bestehenden Investoren Flashpoint Venture aus London und Wecken & Cie aus Basel beteiligten sich.

Warum diesmal Fremd- statt Eigenkapital, beantwortet Roth allgemein: „In der aktuellen Unternehmensphase war eine nicht verwässernde Finanzierung die passende Lösung.“ Seit der letzten Runde habe man den Umsatz „signifikant“ gesteigert. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Die langjährigen Bestandsinvestoren würden den eingeschlagenen Wachstumskurs „weiterhin voll“ unterstützen. Ob sie sich an der aktuellen Finanzierung beteiligt haben, lässt die Antwort offen.

Auch auf die Frage, wie stark der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) zuletzt gewachsen ist und ob iDWELL heute cash-flow-positiv arbeitet, gibt es keine Zahlen. Man verfüge über eine „solide langfristige Basis“, heißt es dazu.

Kapital fließt in KI-Produkte

Das Geld soll in den Ausbau der KI-gestützten Produktwelt fließen. Ein Schwerpunkt liegt auf „iDWELL Finance“, einer Lösung für automatisiertes Rechnungsmanagement. Sie stammt vom Wiener Startup domonda, an dessen Finanzsoftware sich iDWELL im Dezember 2025 die exklusiven Rechte für die Immobilienbranche gesichert hatte (brutkasten berichtete). Domonda hatte im Juni 2023 Insolvenz angemeldet und wurde zwei Monate später saniert. Nach Angaben von iDWELL setzten Ende 2025 rund 100 Immobilienunternehmen die Lösung ein.

Zweiter Baustein ist die hauseigene KI „Greta-AI“, die Verwaltungs-, Dokumentations- und Rechnungsprozesse automatisieren soll. Christian Stein, Senior Partner bei RAC, verweist auf die Positionierung im deutschsprachigen Raum und das Ökosystem an ERP-Integrationen, mit dem iDWELL die Digitalisierung der professionellen Immobilienverwaltung vorantreiben könne.

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