07.08.2025
DIGITAL SOUVEREIGNTY INDEX

Österreich bei „digitaler Souveränität“ im Mittelfeld

Mit dem Digital Sovereignty Index versucht das Open-Source-Unternehmen Nextcloud die digitale Souveränität von rund 50 Ländern zu vergleichen.
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Digital Sovereignty Index von Nextcloud abgebildet auf einer Karte
Österreich schneidet im Digital Sovereignty Index von Nextcloud mittelmäßig ab | Screenshot: https://dsi.nextcloud.com/

Sie wird vor allem im gesamteuropäischen Kontext immer wieder als großes Ziel genannt: die digitale Souveränität. Während sich die Definition in diesem Fall auf die Unabhängigkeit Europas von außereuropäischen Software-Riesen, insbesondere aus den USA und China, bezieht, kann man den Begriff durchaus noch deutlich enger definieren. Das tut das Open-Source-Unternehmen Nextcloud in seinem Digital Sovereignty Index (DSI).

DSI: Nutzung lokal gehosteter Lösungen als Indikator

Für diesen wurde die Nutzung lokal gehosteter Productivity- und Collaboration-Tools in rund 50 Ländern analysiert und verglichen. Um einen hohen Indexwert zu erreichen, reicht es also nicht, wenn Unternehmen auf Cloud-Anbieter aus dem Inland oder überhaupt einem anderen europäischen Land zurückgreifen. Sie müssen die Tools, in denen vielfach sensible Daten verschickt und verarbeitet werden, selbst hosten.

Unschärfe in der Messung

Dabei räumt man seitens Nextcloud ein, dass die Messung nicht exakt ist. Die Analyse, die mit dem Internet-Scanner shodan.io durchgeführt wird, könne etwa aufgrund von Cybersecurity-Maßnahmen nicht alle Server erfassen und auch keine konkrete Aussage treffen, ob das lokale Hosting tatsächlich einem lokalen Unternehmen zuzuordnen ist. Man sehe den Digital Sovereignty Index in der aktuellen Form als „einen Startpunkt“, heißt es vom Unternehmen.

Konkret misst der DSI die Anzahl an selbstgehosteten Productivity- und Collaboration-Tools pro 100.000 Einwohner:innen, abgebildet auf einer Skala von 0 bis 100, um die Vergleichbarkeit zu erleichtern. Die Ergebnisse einzelner Länder sind dabei denkbar unterschiedlich.

Finnland und Deutschland an der Spitze, Österreich im Mittelfeld

Spitzenreiter mit relativ großem Abstand ist Finnland mit einem DSI von 64,5. Ein interessantes Detail: Alle anderen skandinavischen Länder liegen unter dem EU-Durchschnitt von 16,31. Norwegen (6,36) und Dänemark (6,48) zählen gar zu den absoluten Schlusslichtern in Europa. Auch Großbritannien (9,21), Belgien (7,15), Italien (6,5) und Spanien (7,01) schneiden schwach ab.

Auf dem zweiten Platz landet Österreichs großer Nachbar Deutschland mit 53,85, gefolgt von den Niederlanden (36,32). Österreich landet mit einem Indexwert von 20,23 über dem EU-Durchschnitt, kommt aber nicht über das Mittelfeld hinaus. Dass es beim Digital Sovereignty Index eben nicht um die gesamtstaatliche Unabhängigkeit geht, sondern um jene einzelner Unternehmen, wird übrigens spätestens mit dem Index-Wert der Vereinigten Staaten klar: Dieser liegt mit 14,88 sogar unter dem EU-Schnitt.

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Majourny
© Majourny - Severin Bergsmann und Fabian Pischinger.

Es begann mit einer App, die KI zur automatischen Routenerstellung nutzte. Basierend auf ihren Interessen bekamen Nutzer:innen Empfehlungen für Hotels, Restaurants und Aktivitäten in der ausgewählten Stadt. Die Routen konnten dann in einem Feed geteilt werden, um Vertrauen zu schaffen und die App von rein algorithmischen Planern zu unterscheiden. Das Ziel der beiden Gründer Fabian Pischinger und Severin Bergsmann war es, als B2C-Reiseplaner Endkund:innen zu erreichen. Doch dann sprach man mit den Hotels.

Majourny-Founder: „Haben nicht im Office überlegt“

„Je mehr wir mit Hotels gesprochen haben, desto klarer wurde: Die Gäste sind längst digital, die Betriebe dahinter oft noch nicht. Dort geht jeden Tag enorm viel Zeit für Telefonate, Zettel und Nachfragen verloren“, sagt Pischinger. Also pivotierte man und versteht sich jetzt als B2B-Plattform für Hotels. Das Wissen über die Erwartungen digitaler Gäste nahm das Team mit. „Die Gen Z will ihre Anliegen digital erledigen, zu jeder Uhrzeit. Gleichzeitig hat das Personal schlicht keine Kapazität mehr, alles händisch abzufangen.“

Seit Ende 2025 entsteht die Software direkt im Hotelalltag, gemeinsam mit dem Stift Schlägl und dem Boutiquehotel Königswieserhof im Bezirk Freistadt. Als dritter Pilotbetrieb kamen die ARVE Chalets auf der Turracher Höhe dazu.

„Wir haben nicht im Büro überlegt, was Hotels brauchen könnten. Wir waren im Betrieb und haben gesehen, wo jeden Tag Zeit verloren geht“, ergänzt Pischinger. Unterstützt wird die Entwicklung durch ein FFG-Kleinprojekt, das Projektvolumen beläuft sich auf 150.000 €. Das Ziel des Projektes ist es, Hotels autonomer zu gestalten und Abläufe mittels KI-Agenten zu vereinfachen.

Daten automatisch ins System

Majourny wird an das bestehende Property-Management-System (PMS) des Hotels angebunden. Anreisen, Zimmernummern und Aufenthaltsdaten fließen somit automatisch ins System, eine zusätzliche Insellösung entstehe nicht. Der TeamHub bündelt Aufgaben, Übergaben und Kommunikation zwischen Rezeption, Housekeeping, Haustechnik und Küche. Eine KI-Wissensdatenbank soll auch neuen oder saisonalen Mitarbeiter:innen Antworten zum Haus liefern, und über einen digitalen Concierge erreichen Gäste das Hotel rund um die Uhr.

Zielgruppe sind der Aussendung zufolge Boutiquehotels, inhabergeführte Hotels und Chalets, also Betriebe, in denen wenige Menschen viele Rollen übernehmen und für eine eigene IT-Abteilung kein Platz ist.

Mit Version 1.0 startete im September auch der Vertrieb. Langfristig sollen KI-Agenten einen großen Teil der Back-Office-Arbeit in Hotels selbstständig erledigen. Die Verantwortung bleibe dabei beim Menschen: Entscheidungen über Preise, Kulanz oder Beschwerden treffe weiterhin das Hotel. „Die KI soll niemanden ersetzen“, so die Founder. „Sie soll die Arbeit übernehmen, die keiner gerne macht, damit wieder mehr Zeit für die Gäste bleibt.“

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