23.08.2021

Ökonom Sustala: „Unserer Generation fallen viele Dinge nicht in den Schoß“

Lukas Sustala beschäftigt sich als Ökonom mit der wirtschaftlichen Situation junger Menschen, die vor ganz anderen Herausforderungen stehen, als noch ihre Eltern.
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Lukas Sustala © Lukas Fassl/Neos Lab
Lukas Sustala © Lukas Fassl/Neos Lab

Lukas Sustala ist Ökonom und Buchautor, er war lange Journalist, dann bei der neoliberalen Denkfabrik Agenda Austria und leitet jetzt die Parteiakademie der NEOS. In seiner Arbeit und seinem Buch beschäftigt er sich vor allem mit der wirtschaftlichen Situation junger Menschen. Gemeint sind damit nicht Kinder, sondern jene Generation, die in den 1980ern und 1990ern zur Welt kam und der er selbst angehört. Es geht um junge Menschen, die jetzt Karriere machen, Unternehmen gründen, Geld anlegen, Familien gründen und vielleicht Immobilien kaufen. Sie stehen dabei vor ganz anderen Herausforderungen als noch ihre Eltern.

Du hast ein Buch geschrieben: „Zu spät zur Party. Warum eine ganze Generation den Anschluss verpasst“. In welchen Bereichen haben junge Menschen genau den Anschluss verpasst?

Lukas Sustala: Zu der Zeit habe ich bei der Agenda Austria, einer liberalen Denkfabrik gearbeitet. Ich habe mir die Einkommensentwicklung angesehen, die Situation auf dem Arbeitsmarkt, wieviel Vermögen sich junge Menschen im Verhältnis zu ihren Eltern aufgebaut haben. Die Phase nach der globalen Finanzkrise 2007/08, als die Wirtschaft eingebrochen ist und das Wachstum deutlich niedriger ausgefallen ist, hat deutliche Narben hinterlassen. Ökonomen bezeichnen das wirklich als Narben: Das Pech zu haben, im falschen Jahr auf den Arbeitsmarkt zu kommen zum Beispiel.

Stell dir vor, du hast fertig studiert, bist bereit deine Karriere zu starten und plötzlich ist tiefe Rezession. Es gilt dann das Phänomen „last in, first out“ – diejenigen, die neu in ein Unternehmen gekommen sind, sind die ersten, die es verlassen müssen. Dann kam in Europa auch noch die Schuldenkrise ausgehend von Griechenland, Italien, dazu. Der Wirtschaft ging es im Schnitt nicht so gut und viele unserer Systeme auf dem Arbeitsmarkt oder im Pensionssystem, sind eher darauf ausgelegt gewesen, die ältere Bevölkerung finanziell zu schützen. Das ist oft zu Lasten der Jüngeren passiert.

Wenn man sich heute eine 45-Quadratmeter-Wohnung in Wien kauft, muss man dafür viel mehr Jahresgehälter bezahlen, als das noch vor 10 oder 15 Jahren der Fall war. Die Einkommen der Jungen sind aber nicht so stark gewachsen, als das noch bei älteren Kohorten der Fall war. Das ist mit „Zu spät zur Party kommen“ gemeint, dass man die Ziele, die man sich selbst steckt – also dass man mit 35 Jahren vielleicht eine Familie gründen will, eine Immobile besitzen will oder an einem bestimmten Karrierepunkt angelangt sein will – das geht sich nicht mehr so gut aus.

Leben junge Menschen in Österreich also in einer ganz eigenen Wirtschaftskrise?

Ich glaube nicht, dass das Wort Krise passt. Eine Krise bezeichnet immer einen Ausnahmezustand. Es ist eher ein Strukturwandel. Unserer Generation fallen viele Dinge nicht in den Schoß. Also müssen viele Entscheidungen, gerade finanzieller Natur, besser durchdacht sein und hartnäckiger verfolgt werden, um dieselben Ergebnisse zu haben, als das vielleicht vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Es ist eine Zeit, in der sich Unternehmertum mehr auszahlt, in der sich eigenverantwortlich zu handeln mehr auszahlt. Die Vollkasko-Angestelltensituation von früher geht sich nicht mehr aus, weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Es ist noch nie so leicht gewesen, zu gründen und Kapital für neue Ideen zu bekommen. Durch die Digitalisierung hat man einen globalen Markt vor sich und die Kosten für Equipment und Technik sind massiv gesunken.

Da hast du Recht, das sehen wir beim brutkasten täglich in unserer redaktionellen Arbeit. Gleichzeitig haben junge Menschen in Österreich haben allgemein einen sehr kritischen Blick auf die Wirtschaft und glauben nicht, dass Unternehmen einen positiven Einfluss haben. Zu diesem Ergebnis kam im Frühjahr eine Studie von Deloitte. Was denkst du, steckt da dahinter?

Der Deloitte-Survey ist in einer Zeit im Feld gewesen, als wir gerade mitten in der Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen steckten. Die jungen Menschen in Österreich waren von den wirtschaftlichen Effekten der Pandemie besonders betroffen. Wir hatten in Österreich sehr lange, sehr harte Lockdowns. Die Arbeitslosigkeit jüngerer Menschen ist durch dieses „last in, first out“ stärker gestiegen. Deshalb verwundert es mich nicht, dass junge Menschen in dieser Umfrage so pessimistisch reagiert haben.

Es gibt ja dieses Vorurteil, dass junge Menschen heute im Wohlstand aufwachsen, weitgehend ohne große Krisen wie Kriege. Wenn man aber heute in die Zukunft blickt, sieht die alles andere als rosig aus: Pandemien, Umweltkatastrophen, Migration, Klimakrise. Was denkst du macht das mit jungen Menschen?

Wenn man zu problemorientiert ist, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und verliert den Blick für das Lösungsorientierte. Das hat man bei den jüngeren Menschen durchaus gesehen. Ich fürchte auch, dass da die Schulen manchmal zusätzlich Pessimismus hereinbringen. Hans Rosling hat das Buch Factfullness geschrieben, in dem es auch um einen Ignoranztest geht, den er in wohlhabenden Staaten immer wieder durchgeführt hatte. Junge Menschen haben darin die Welt oft viel negativer gesehen, als sie ist. Daran ist auch die Problemfokussierung schuld, die in der Bildung oft im Vordergrund steht. Auf der anderen Seite sind die Herausforderungen der Zukunft schon sehr groß und ein gewisser Rucksack, den wir als junge Generation tragen. So wie Generationen vor uns andere Rucksäcke getragen haben.


Das Interview als Podcast


„In der Wirtschaft geht es nur darum, Geld zu machen“. Dem stimmte in der Umfrage von Deloitte mehr als die Hälfte zu. Ist das wirklich ein Phänomen der Jugend, dass Geld machen irgendwie schmutzig klingt?

Da gibt es popkulturell sicher Unterschiede. „Making money“ hat in Amerika und oft auch in Großbritannien einen deutlich positiveren Klang als das in der Popkultur in Österreich und Deutschland der Fall war. Bei Nestroy wird man ja nur auf drei Arten reich: Man gewinnt im Lotto, man erbt oder man stiehlt. Man könnte also sagen, dass es in Österreich einen traditionellen Pessimismus in Richtung Geld gibt.

Bei Umfragen kommt es aber auch immer ein wenig darauf an, wie gefragt wird. Ich glaube, dass der Pessimismus, der in dieser Studie rüberkommt, das Bild ein wenig verzerrt, wie junge Menschen die Wirtschaft sehen. Wenn man sich globale Studien zum sozialen Aufstieg ansieht, sieht man, dass viele Ziele, die junge Menschen haben, gar nicht so anders sind als vor 30 oder 40 Jahren. Sie wollen finanziell unabhängig sein, sie wollen sich ein Eigenheim anschaffen können, sie wollen keine Sorgen vor Altersarmut haben. Wenn man aber seine Karriere vielleicht nicht so stabil planen kann, dann macht man auch andere Work-Life-Choices als ich es getan hätte, wenn ich meine Karriere vom ersten bis zum letzten Schritt verlässlich planen kann.

Du bist Teil dieser jungen Generation, über die du das Buch geschrieben hast. Vermögensaufbau funktioniert heute ganz anders – wie sieht das eigentlich bei dir aus?

Da hast du völlig recht, wir haben keine vier Prozent Zinsen auf 30-jährige Bundesanleihen, sondern Null Prozent. Wenn du dein Geld zur Seite legst, bekommst du jedes Jahr weniger Kaufkraft retour, weil die Inflation abgezogen werden muss und das macht etwas damit, wie man selbst Geld veranlagen muss. Ich bin ein großer Freund von passiven, langfristigen Aktieninvestments. Ich bin das sehr stark geprägt von meiner Zeit in einem studentischen Programm in Wien: Das Portfoliomanagement-Programm von Peter Pühringer. Dort konnten und können Studenten mit einer Million echtes Geld veranlagen und am Kapitalmarkt partizipieren. Da habe ich sehr viel über Aktien gelernt und welche Tradingstrategien funktionieren können. Ich war immer überzeugt, dass ich als Journalist schon aus Kompliancegründen nur breit in Märkte investieren kann und deshalb lege ich für mich und meine Kinder, das was ich spare und aus der Mitarbeitervorsorgekasse heraushole, in global gestreute Aktien-ETFs an. Das war die letzten 15 Jahre kein schlechtes Investment.

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Celum
© Christian Huber Fotografie - (l.) Michael Kräftner, Celum-Gründer, Chairman und Chief Vision Officer, Mark Kaslatter ist neuer Chief Executive Officer bei Celum.

Im Februar des Vorjahres übernahm Christian Jüngling die Position des Chief Financial Officer (CFO) bei Celum, um neue Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu setzen – brutkasten berichtete. Zudem bestellte das Management mit Bojan Bozic die neu geschaffene Position des Chief Services Officer (CSO). Nun gibt es auf höchster Ebene eine weitere Änderung.

Celum: Fokus auf Stärkung des Vertriebs

Mark Kaslatter übernimmt die Position des CEO und damit die Führung des Unternehmens. Sein Fokus soll auf der Stärkung des Vertriebs, des Partnerchannels und der weiteren nationalen und internationalen Expansion liegen. Celum-Gründer Michael J. Kräftner bleibt dem Unternehmen als „Chief Vision Officer“ erhalten und konzentriert sich künftig verstärkt auf die langfristige strategische Produktentwicklung.

Der gebürtige Tiroler Kaslatter verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Führungskraft in der Technologiebranche. 2004 gründete er etwa das auf CRM-Lösungen spezialisierte Unternehmen k.section, baute es ohne externe Investoren auf und verkaufte es später an die an der Euronext notierten Emakina Group.

Von 2019 bis 2022 war Kaslatter Managing Director von Emakina Central & Eastern Europe und wechselte danach ins Advisory Board der Belgier. Anschließend war er gemeinsam mit Benjamin Ruschin Mitgründer und Managing Partner von Big Cheese Ventures, einem Beratungs- und M&A-Unternehmen für Tech-Startups. Er studierte Software-Engineering am Campus Hagenberg der Fachhochschule Oberösterreich und absolvierte einen MBA in General Management an der Universität für Weiterbildung Krems.

„Celum verfügt über eine starke technologische Basis, langjährige Kundenbeziehungen und großes Potenzial im internationalen Markt. Jetzt geht es darum, diese Stärken noch konsequenter in nachhaltiges und skalierbares Wachstum zu übersetzen“, sagt Kaslatter. „Der Wechsel zu Celum ist für mich mehr als eine neue Aufgabe – er ist zugleich die Rückkehr ans Steuer eines Softwareunternehmens. Die Beratung von Startups war eine spannende und bereichernde Zeit. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mir das unmittelbare Gestalten, das operative Doing und die umfassende unternehmerische Verantwortung gefehlt haben.“

Und weiter: „Besonders vermisst habe ich das hohe Innovationstempo und den intensiven Austausch mit Entwickler:innen. Sie schaffen mit ihren Ideen nicht nur neue Produkte, Unternehmen und Geschäftsmodelle, sondern gestalten zunehmend auch unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Genau dieses Umfeld, diese Denkweise und die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen, begeistern mich an meiner neuen Aufgabe bei Celum.“

„Everybody is in Sales“

Kaslatters Leitgedanke lautet: „Everybody is in Sales.“ Damit sei jedoch nicht gemeint, dass jede und jeder im klassischen Sinne im Vertrieb tätig sein muss. Vielmehr trage jede Funktion im Unternehmen dazu bei, Mehrwert für die Kundinnen und Kunden zu schaffen. Diese gemeinsame Verantwortung für den Kundenerfolg und eine konsequente Marktorientierung möchte er bei Celum weiter stärken. Deshalb sollen die Bereiche Vertrieb, Marketing, Customer Success, Produktentwicklung und Organisation künftig noch enger auf die gemeinsamen Wachstumsziele ausgerichtet werden.

„Mark Kaslatter verbindet tiefes Technologieverständnis mit ausgeprägter Vertriebskompetenz und echter unternehmerischer Erfahrung“, kommentiert Michael J. Kräftner, Gründer von Celum, die neue Personalie. „Mit Mark gewinnt Celum einen CEO, der die Verantwortung mit einem klaren Fokus auf Kunden und Markt übernimmt. Die neue Rollenverteilung ermöglicht es mir gleichzeitig, noch stärker in den Bereichen Produktstrategie und technologische Innovation aktiv zu werden. Es war für mich immer klar, dass Celum ab einer bestimmten Größe jemanden als CEO haben wird, der viel mehr auf Wachstum und Organisation wirken kann als ich. So holen wir also zusätzliche unternehmerische und vertriebliche Expertise in die Führung und verbinden Kontinuität mit frischem unternehmerischem Drive.“

Knapp 20 Mio.-Euro Umsatz

Als Chief Vision Officer soll Kräftner die langfristige Produktvision weiter vorantreiben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Weiterentwicklung des Produktportfolios vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen durch Künstliche Intelligenz, neue Formen der Content-Nutzung und zunehmend automatisierte Content-Prozesse.

Das seit seiner Gründung eigenfinanzierte und unabhängige Softwareunternehmen steigerte seinen Umsatz von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 19,8 Millionen Euro im Jahr 2025. Heute beschäftigt Celum rund 130 Mitarbeitende aus 23 Nationen an den Standorten Linz, Wien und München.

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