22.07.2020

OE Service: Vergleich vor Gericht – österreichisches Startup bezwingt Weltkonzern

Die österreichische Plattform OE Service, die Werkstätten beim Zugang zum digitalen Servicebuch unterstützt, kann nun nach monatelangen Verhandlungen mit Mercedes einen juristischen wichtigen Erfolg vermelden. Man konnte sich mit dem deutschen Autohersteller auf einen gerichtlichen Vergleich einigen.
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(c) OE Service - Janos Juvan, Gründer von OE Service

OE Service mit Gründer Janos Juvan widmet sich seit nicht ganz zwei Jahren einem Problem, das Auto-Werkstätten betrifft. „In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Auto-Hersteller auf vollelektronische Service-Bücher umgestiegen. Die derzeit 15 Marken, die das im deutschsprachigen Raum betrifft, bieten 15 unterschiedliche Systeme für aktuell rund 13 Millionen Fahrzeuge, in die von Werkstätten die Daten einer Reparatur eingegeben werden müssen. Das ist für sie unglaublich unübersichtlich und mühsam“, erklärte der Gründer in einem früheren Gespräch mit dem brutkasten.

OE Service: Eine SaaS-Plattform für Kfz-Werkstätten

Die Lösung von OE Service: Eine Online-Plattform zu schaffen, die Werkstätten beim Zugang zum digitalen Servicebuch unterstützt. Auf der Website von OE Service lassen sich nach einer Registrierung Serviceeinträge für alle Auto-Marken durchführen beziehunsgweise abfragen. Durchschnittlich benötigt eine Werkstatt für einen Eintrag auf der zentralen Plattform weniger als eine Minute. Das Unternehmen deckt damit die meisten dieser Hersteller-Systeme mit einer einheitlichen Eingabe-Oberfläche ab.

Dieses Geschäftsmodell erfordert allerdings einen Zugang zu den Servern der Automobilhersteller, womit die Daimler AG vor knapp einem Jahr ein Problem hatte.

Weigerung von Mercedes

Seit Geschäftsstart von OE Service lief alles gut. Über 500 freie Werkstätten konnten im ersten Jahr in Österreich als Kunden gewonnen und der Blick nach Deutschland gerichtet werden. Dann kam das Verbot vom Mercedes: „Bis letzte Woche hat sich die Daimler AG geweigert, dass Werkstätten die Plattform OE Service auch bei Autos der Marke Mercedes verwenden können“, erklärt Juvan.

Klage vor dem Kartellgericht

Obwohl es am Anfang keine Probleme gab. Zur Einordnung: Mit Beginn April 2019 prüfte Mercedes das Service des Startups und gab im Mai das „Ok“. Als mit dem Gang in den deutschen Markt erneut ein Prüfungsprozedere in Gang gebracht wurde, habe der Konzern „alles abgedreht und wollte nicht mehr reden“. Juvan klagte vor dem Kartellgericht um die Sache zu klären und kann sich nun über einen Erfolg freuen.

OE Service: „Vergleich wichtiges Zeichen“

„Nach monatelangen Verhandlungen vorm Kartellgericht Wien kam es Ende Juni zu einem Vergleich. Bereits Ende April wurde die Gesprächsbasis Schritt für Schritt besser. Schließlich konnten wir uns auf einen weltweiten Zugang einigen“, sagt er erfreut.

Und führt aus: „Mercedes hat eingesehen, dass unser Rechtsstand passt. Wir machen ja nichts anderes, als freie Werkstätten zu vertreten und in deren Namen zu handeln. Der Vergleich ist ein enorm wichtiges Zeichen.“

Mercedes-Sprecher Bernhard Bauer auf Anfrage des brutkasten zur Causa: „Der Grund, warum wir zu Beginn der Plattform OE Service bei unseren Autos den Zugang verwehrt haben war einerseits ein IT-sicherheitstechnischer und andererseits ein datenschutzrechtlicher. Datenschutz, Datensicherheit und die Integrität unserer Systeme haben für uns oberste Priorität. Nachdem das Unternehmen OE Service den Prozess nachgebessert hat und unsere Forderungen im Hinblick auf die Datenschutz- und IT-Sicherheit erfüllt hat, haben wir uns geeinigt.“

Ein Produkt aller Marken

Juvan nennt Mercedes einen wichtigen Player nicht nur im deutschsprachigen Raum und freut sich, dass der firmeneigene Leitspruch: „Ein Portal – Alle Marken“ wieder zur Gänze gilt.

„Bisher hatten wir bei diesem Satz immer ein Sternchen dran hängen müssen, das immer den Zusatz mitschwingen ließ: ’na ja, fast alle Marken‘. Es handelt sich in unsere Branche um ein ‚Hundert-oder-Null-Geschäft‘. Ohne einen Hersteller wie Mercedes war das nur eine Halblösung“, sagt Juvan, der noch auf einen essentiellen Punkt in der ganzen Sache hinweisen möchte: „Allgemein muss ich sagen, dass dieser Vergleich für den freien KFZ-Markt ein wichtiges Signal ist. Der Erfolg zeigt, dass eine andere Rechtsmeinung auch gegenüber einem Global Player durchsetzbar ist und Einigungen möglich sind.“

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Mario Derntl, Ausbildungsexperte und CEO Talents&Company © Athenas

Es war ein seltener Moment der Unverblümtheit, als mich Lukas Zitz, der stellvertretende österreichische Wirtschaftsdelegierte in New York, vor einigen Monaten kontaktierte: „Mario, we have to talk.“ Seine Botschaft aus dem Epizentrum der globalen Wirtschaft: In den USA geht gerade richtig die Post ab, und zwar bei einem Thema, das man dort bis vor kurzem kaum buchstabieren konnte: Apprenticeships. Der klassischen, praxisnahen Berufsausbildung nach europäischem Vorbild.

Während wir in Österreich und Europa seit Jahrzehnten ein Narrativ pflegen, das möglichst jeden Jugendlichen in die Hörsäle der Universitäten treibt, vollzieht die größte Wirtschaftsmacht der Welt eine radikale Kehrtwende. Im April 2025 unterzeichnete US-Präsident Trump eine weitreichende Executive Order mit dem vielsagenden Titel „Preparing Americans for High-Paying Skilled Trade Jobs of the Future“. Das Ziel ist brutal ambitioniert: Die Zahl der registrierten Lehrlinge soll auf eine Million hochgeschraubt werden. Angetrieben von einer Reindustrialisierungsstrategie, die Fabriken aus Asien zurückholt, und getragen von den größten Playern der Tech- und Finanzwelt. Weniger „College for All“, heißt das neue Motto in Washington.

Der Irrtum der akademischen Elite

Wir haben uns in Europa schlichtweg kaputt studiert. Wir haben Generationen eingeredet, dass Wohlstand und gesellschaftlicher Status nur über einen akademischen Titel führen. Das Ergebnis? Ein dramatischer Überschuss an Absolventen in Fächern, die der Markt in dieser Dichte schlicht nicht braucht, während uns an allen Ecken und Enden die Praktiker fehlen.

Die Quittung liefert der heimische Arbeitsmarkt unmissverständlich. Auswertungen der Agenda Austria auf Basis von AMS-Daten zeigen: Die Arbeitslosigkeit unter Akademikern steigt zuletzt deutlich an, während Menschen mit einer klassischen Lehrausbildung zu den krisenfestesten Gruppen auf dem Arbeitsmarkt zählen. Mehr noch: Das alte Vorurteil, dass sich nur ein Studium finanziell lohnt, gerät zunehmend ins Wanken. In Deutschland etwa verdienen Beschäftigte mit Meister-, Techniker- oder Fachschulabschluss laut Statistischem Bundesamt (Verdiensterhebung, April 2025) im Schnitt 5.405 Euro brutto im Monat und damit mehr als Bachelor-Absolventen mit 5.289 Euro.

Gleichzeitig offenbart eine großangelegte Unternehmensbefragung des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) aus dem Jahr 2023 das ganze Dilemma unserer Wirtschaft: Satte 60,9 Prozent aller Betriebe klagen über massive Schwierigkeiten, Stellen mit Lehrabschluss zu besetzen. Universitätsabsolventen werden dagegen nur noch von mageren 8,1 Prozent der Unternehmen dringend gesucht. Wir bilden am Bedarf vorbei. Dabei ist die Lehre die beste Medizin gegen soziale Krisen: Daten des ibw („Lehrlingsausbildung im Überblick“, 2023) belegen, dass jene Bundesländer mit einer hohen Lehranfängerquote wie Oberösterreich, Salzburg oder Tirol die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aufweisen, während das akademisierte Wien mit fast 12 Prozent Jugendarbeitslosigkeit das Schlusslicht bildet.

Die USA bauen die „neue Elite“ mit unserem Modell

Ein Blick nach Übersee zeigt, wie blind Europa für die eigenen Stärken geworden ist. Bei einer Delegationsreise von Advantage Austria durch Chicago und Atlanta konnte ich mit österreichischen Vorzeigebetrieben wie Palfinger, KNAPP, Inteco oder STIWA sprechen, die vor Ort produzieren. Sie alle stehen vor derselben Herkulesaufgabe: Workforce Development.

Doch die Dynamik in den USA hat sich komplett verändert. Für den aktuellen KI-Boom, für den Bau und Betrieb gigantischer Rechenzentren und hochautomatisierter Logistikzentren braucht es keine Menschen, die auf niedrigstem Niveau stupide Handgriffe wiederholen. Und es braucht dafür überraschenderweise auch keine Master-Absolventen, die komplexe Systeme nur aus dem Lehrbuch kennen. Für moderne Wartung (Maintenance), Automation und Mechatronik braucht es Fachkräfte, die in der Lage sind, hochkomplexe, reale Probleme direkt an der Maschine zu lösen. Köpfe, die mit den Händen denken.

Bisher hinken die USA beim Fachpersonal im internationalen Vergleich zwar hinterher: rund 700.000 Apprentices auf 340 Millionen Einwohner, verglichen mit 1,2 Millionen Azubis im deutlich kleineren Deutschland. Genau dieser Unterschied erklärt, warum amerikanische Unternehmen derzeit so intensiv nach Vorbildern aus Österreich, Deutschland oder der Schweiz suchen. Das Problem für uns: Die Amerikaner holen im Eiltempo auf. Seit Beginn der aktuellen US-Administration wurden laut US-Arbeitsministerium bereits über 386.000 neue Apprentices registriert. Das entspricht einem gewaltigen Zwischenspurt.

Ein Weckruf für Europa: Es ist eins vor zwölf

Österreich hat rund 100.000 Lehrlinge, ein historisches Pfund, um das uns die Amerikaner beneiden. Doch während die USA die bürokratischen Hürden für Betriebe radikal abbauen, Qualifikationen wie Micro-Credentials anerkennen und das System mit Milliarden professionalisieren, verwalten wir in Europa den Mangel und klammern uns an den kollektiven Titel-Wahn.

Wir müssen aufhören, die Lehrlingsausbildung als gesellschaftliche „Notlösung“ abzutun. Es ist für Europa nicht mehr fünf vor zwölf, es ist eins vor zwölf. Während wir uns in endlosen Debatten über Vier-Tage-Wochen und akademische Befindlichkeiten verlieren, zieht die größte Wirtschaftsmacht der Welt mit unserem eigenen Modell im Sprint an uns vorbei.

Wo bleibt unser großer Aufbruch? Wo bleibt das laute, stolze Begehren für das Handwerk? Wir müssen uns in Europa endlich zusammenreißen, den akademischen Hochmut ablegen und die Macher wieder zu den echten Helden unserer Wirtschaft machen. Wenn wir das System jetzt nicht radikal modernisieren und aufwerten, stehen wir bald mit einer Million theoretischer Master-Arbeiten da, aber ohne eine einzige Hand, die die Welt von morgen überhaupt noch bauen oder warten kann.

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AI Summaries

OE Service: Vergleich vor Gericht – österreichisches Startup bezwingt Weltkonzern

  • OE Service mit Gründer Janos Juvan widmet sich seit nicht ganz zwei Jahren einem Problem, das Auto-Werkstätten betrifft.
  • Die derzeit 15 Unternehmen, die das in Österreich betrifft, bieten 15 unterschiedliche Systeme, in die von Werkstätten die Daten einer Reparatur eingegeben werden müssen.
  • Die Lösung von OE Service: Eine Online-Plattform zu schaffen, die Werkstätten beim Zugang zum digitalen Servicebuch unterstützt.
  • „Bis letzte Woche hat sich die Daimler AG geweigert, dass Werkstätten die Plattform OE Service auch bei Autos der Marke Mercedes verwenden können“, erklärt Juvan.
  • Nun kam es vor Gericht zu einem Verleich.

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