23.01.2026
INSOLVENZ

Octrace: Unternehmen von Junggründerin Viktoria Izdebska insolvent

Mit 19 gründete Viktoria Izdebska ein Sales-Tech-Startup, nun ist Schluss: Über die Firma hinter Salesy und Octrace wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet.
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Viktoria Izdebska |(c)Lukas Ilgner

Das Wiener Sales-Tech-Startup hinter Salesy und Octrace muss Insolvenz anmelden. Die AST Advanced Sales Technologies GmbH, mit der die Jungunternehmerin Viktoria Izdebska im B2B-Vertrieb Fuß fassen wollte, kann ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen und hat deshalb ein Konkursverfahren gestellt. Das geht aus einer Meldung des Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) hervor.

Izdebska gründete das Startup 2022 im Alter von nur 19 Jahren. Ziel war es, mit einer datengetriebenen Plattform den B2B-Vertrieb effizienter zu machen und Sales-Teams bei der Identifikation relevanter Leads zu unterstützen (brutkasten berichtete).

Gespräche mit Investor:innen – Finanzierung kam nicht zustande

Im Gespräch mit trend schildert Izdebska offen die Gründe für das Scheitern. Zwar habe man intensive Investor:innen-Gespräche geführt, eine größere Finanzierungsrunde blieb jedoch aus. „In Europa waren viele Investoren aufgrund der schwierigen Lage der VCs zögerlich und wollten nicht einsteigen“, sagt Izdebska gegenüber trend. Eine angestrebte Runde in Höhe von rund fünf Millionen Dollar kam letztlich nicht zustande.

Zusätzlich hätten operative Herausforderungen das Unternehmen belastet. Der hohe manuelle Aufwand hinter der Datenaufbereitung habe sich laut Izdebska stärker auf Kosten und Skalierbarkeit ausgewirkt als ursprünglich geplant.

Ambitioniertes Sales-Tech-Modell

Advanced Sales Technologies entwickelte mit Salesy beziehungsweise später Octrace eine Software, die sich an B2B-Sales-Teams richtete. Kern des Produkts war eine umfangreiche Datenbank mit Unternehmens- und Kontaktdaten, die laufend aktualisiert und mit zusätzlichen Signalen angereichert werden sollte. Ziel war es, potenziell kaufbereite Unternehmen frühzeitig zu identifizieren und Vertriebsprozesse stärker zu automatisieren.

Unternehmerischer Lernprozess

Im Gespräch mit trend zeigt sich die Gründerin selbstkritisch und ordnet das Scheitern als Teil ihres unternehmerischen Lernprozesses ein. Langfristig wolle sie weiterhin unternehmerisch tätig bleiben, künftig jedoch mit einem veränderten Ansatz.

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Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

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