20.08.2024
HEALTH TECH

nyra health: Größte deutsche Krankenkasse übernimmt Leistungen von Wiener KI-Health-Startup

25.000 Menschen erleiden hierzulande jährlich einen Schlaganfall. In Deutschland sind es über zehn Mal so viele - nämlich 270.000. Dagegen will das Wiener KI-Health-Startup nyra health vorgehen - und verpartnert sich dafür mit der deutschen Techniker Krankenkasse.
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nyra health, seed
Das nyra health Gründerteam Mario Zusag, Philipp Schöllauf und Moritz Schöllauf (c) nyra health

Erst im vergangenen Juni gab es nicht unbeachtliche Neuigkeiten rund um das Wiener HealthTech-Startup nyra health: Damals feierte man den Abschluss einer 4,5 Millionen Euro Seed-Finanzierungsrunde.

Die Kapitalspritze sollte dem Wiener Startup, ehemals unter dem Namen myReha bekannt, helfen, dessen digitale Therapieplattform für Patient:innen mit neurologischen Erkrankungen auszubauen. Angeführt wurde die Runde von MassMutual Ventures (MMV) und Wellington Partners – brutkasten berichtete. Nun soll es das Angebot des HealthTechs für 11,3 Millionen Versicherte kostenlos geben.

nyra health bietet App zur individuellen Therapie

Das Kernstück des Startups ist die Therapie-App myReha, die personalisierte Therapiepläne anbietet. Bereits im November 2021 erhielt man dafür ein 2,2 Millionen Euro Investment.

Gegründet wurde das in Wien sitzende Jungunternehmen mit KI-Fokus im Jahr 2020. Das Team umfasst Expert:innen aus den Bereichen Neurologie, Machine Learning und Regulatorik.

Die Lösung von nyra health richtet sich indes an Patient:innen mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz, Parkinson oder Multiple Sklerose (MS). Betroffene sind nämlich häufig in den Bereichen Sprache, Gedächtnis und Alltagsfähigkeit eingeschränkt.

KI erstellt 35.000 Übungen

Gegen genau diese Alltags-Einschränkungen und zur Rehabilitation soll die selbst entwickelte myReha-App von nyra health helfen: Als CE-zertifiziertes Medizinprodukt bietet die Applikation über 50 „evidenzbasierte Übungskategorien“ mit über 35.000 interaktiven Übungen, heißt es vonseiten des Startups.

Der Clue daran: Dank KI-Algorithmen erstellt die App personalisierte Therapiepläne, die sich an die individuellen Fähigkeiten und Fortschritte der Nutzer:innen anpassen.

Das Startup integriert dafür eine machine-learning gestützte Sprachanalyse, die pathologische Sprachmuster erkennen und dazu detailliertes Feedback geben kann. Durch die Analyse können Therapieinhalte gezielt angepasst werden, um sprachliche Defizite effektiv zu trainieren.

myReha-App für TK-Versicherte ab sofort kostenlos

Das Angebot von nyra health scheint revolutionär in puncto neurologischer Therapiemöglichkeiten. Unterstützt wird die KI-Lösung deshalb auch ab sofort von der deutschen Techniker Krankenkasse (TK). Diese stellt ihren Versicherten mit neurologischen Erkrankungen die myReha App von nyra health kostenlos zur Verfügung.

Mit dem kostenfreien Zugang will man Betroffenen die Möglichkeit bieten, individualisierte Therapie auch von zu Hause durchführen zu können und damit ihr eigenes „Rehabilitationspotenzial auszuschöpfen“.

App schon in 75 Reha-Kliniken im Einsatz

Die Kooperation mit der Techniker Krankenkasse ist nicht der erste Meilenstein in puncto Markttauglichkeit des Produkts. Denn die Klinikversion von myReha wird bereits in über 75 Reha-Kliniken im deutschsprachigen Raum eingesetzt.

Die App bietet gezielte Übungen, die Patient:innen bei der Rückkehr in den beruflichen und sozialen Alltag helfen sollen. Regelmäßige Fortschrittanalysen und Feedback geben Versicherten die Möglichkeit, ihren Therapieerfolg selbstständig mitzuverfolgen.

11,3 Millionen Versicherte

Die Kooperation mit der Techniker Krankenkasse sei ein großer Schritt, um die Standards in der neurologischen Rehabilitation mit KI-basierten Analysen von Sprach- und Gedächtnisfähigkeiten zu heben. Damit könne man nun eine viel größere Zahl an Betroffenen erreichen, heißt es vonseiten des nyra health Gründerteams. Die Techniker Krankenkasse zählt nämlich 11,3 Millionen Versicherte und ist damit die größte Krankenkasse Deutschlands.

Moritz Schöllauf, Co-Founder von nyra health, spricht indes von der Vision des Startups, „neurologischen Patient:innen die bestmögliche Therapie zu bieten, damit sie ihre Rehabilitationsziele selbstständig erreichen und schnellstmöglich in den Alltag zurückkehren können.“

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vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Es ist wieder soweit: Die halbjährliche Trilogie der EY-Reports zur Startup-Finanzierung in Österreich wird mit der gewohnten Hiobsbotschaft komplettiert. Während die allgemeine Investment-Statistik Zyklen unterliegt, die sich in der langfristigen Betrachtung durchaus aufwärts bewegen, zeigt sich beim Female Startup Funding Index, den EY gemeinsam mit Female Founders und Fund F herausbringt, immer das gleiche Bild: Verbesserungen und Verschlechterungen passieren im Prozentpunkt-Bereich auf konstantem Keller-Niveau.

94,9 Prozent des Kapitals an rein männliche Teams

Die konkreten aktuellen Zahlen: Von den statistisch erfassten 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Startups im ersten Halbjahr 2026 flossen 94,9 Prozent an rein männliche Founding-Teams, gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals und rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent; der Frauenanteil unter den Gründer:innen von Startups mit Investment im ersten Halbjahr liegt bei nur 13 Prozent; nur drei der 95 für den Index analysierten Startups mit Finanzierung haben ein ausschließlich weibliches Founding-Team; und bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro gibt es kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung.

Fassl: „Der Aufschwung hat ein Geschlecht“

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Startups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, kommentiert Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, habe mehrere Gründe, analysieren die Studienautor:innen: Große Finanzierungsrunden würden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgriffen. Gleichzeitig zeige sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen hätten jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals. „Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, kommentiert Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Fürst: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ“

Wie oben erwähnt, liegt der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Startups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, bei rund 13 Prozent (31 von insgesamt 248 Gründer:innen). Eine weitere Aufschlüsselung: Von den insgesamt 95 erfassten Startups mit Investment im ersten Halbjahr, deren Gründungsteam bekannt ist, haben 72 ein ausschließlich männliches Founding-Team (76 Prozent), weitere 20 ein gemischtes Team (21 Prozent) und lediglich drei ein rein weibliches Gründungsteam (3 Prozent). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Natascha Fürst, CEO von Female Founders, leitet daraus ab: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt.“ Die Studie zeige kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. „Und das lässt sich nicht wegdiskutieren“, so Fürst.

Lisa-Marie Fassl legt nach: „Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr.“

Keine Frau in Gründungsteams mit Investments über 10 Mio. Euro

Konkret lag bei Startups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 Prozent). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden“, analysiert Florian Haas.

Health-Sektor sticht positiv heraus

Deutliche Unterschiede beim Gender Investment Gap zeigen sich übrigens auch im Branchenvergleich: Hier sticht vor allem der Health-Sektor heraus, in dem insgesamt 17 Startups eine Finanzierung erhielten. Dort lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen. Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keine einzige Gründerin unter den finanzierten Startups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, kommentiert Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

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