30.04.2025
PLANÄNDERUNG

NXAI: Doch kein 100-Millionen-Investment – und was die KTM-Pleite damit zu tun hat

KI-Pionier Sepp Hochreiter lieferte mit seinem Linzer Startup NXAI vor einem Jahr eine große Investment-Ansage - und musste letztlich umdisponieren.
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NXAI
Sepp Hochreiter im brutkasten-Studio | (c) brutkasten

Ziemlich genau ein Jahr ist es her. KI-Pionier Sepp Hochreiter und sein Co-Founder Albert Ortig waren wenige Monate zuvor mit dem Linzer Startup NXAI publik gegangen, dass nichts geringeres vorhat, als mit seinem Large Language Model Branchengrößen wie OpenAI herauszufordern. Groß – zumindest für österreichische Verhältnisse – war dann auch die Ansage im Mai 2024: Man wolle noch im selben Jahr 100 Millionen Euro Investment aufnehmen.

100-Millionen-Investment „kein Thema mehr“

Angebote aus Saudi Arabien und des chinesischen Huawei-Konzerns habe man bereits zu Beginn ausgeschlagen, man wolle primär europäische Investoren an Bord haben, hieß es damals. Doch daraus wurde – zumindest vorerst – nichts. Das sei nun „kein Thema mehr“, zitiert das Wirtschaftsmagazin Trend Hochreiter. Da man sehr forschungsintensiv unterwegs sei, sehe man sich aktuell nicht als VC-finanziertes Startup.

NXAI-Ausgründung Emmi AI holte 15 Millionen

Stattdessen wurde unter anderem mit Emmi AI ein auf Simulation spezialisiertes Startup ausgegründet. Wie brutkasten berichtete, holte sich dieses kürzlich 15 Millionen Euro Investment – unter anderem von 3VC und Speedinvest – und beansprucht für sich, damit die größte Frühphasenfinanzierung Österreichs aufgestellt zu haben.

Auch NXAI in Investment-Gesprächen

Doch auch wenn es dem Vernehmen nach eben keine 100 Millionen werden – auch bei NXAI ist das Thema Investment nicht vom Tisch. „Wir gehen auf Investoren zu, die auf privater Ebene angesiedelt sind. Aktuell gibt es fortgeschrittene Gespräche in Deutschland“, wird CEO Albert Ortig bei Trend zitiert.

Pierer investierte zweistelligen Millionenbetrag

Dass es bei NXAI in der Finanzierung zur Planänderung kam, hat auch mit der KTM-Pleite zu tun, die nach wie vor die Wirtschaftsberichterstattung im Land beschäftigt. Denn mit der Pierer Digital Holding war eine Gesellschaft von Ex-KTM-Chef Stefan Pierer vom Start weg Großinvestor beim KI-Startup und hält aktuell 37 Prozent der Anteile. „Die Familie Pierer hat insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag in NXAI investiert. Dadurch war es erstmals möglich, unser Modell zu veröffentlichen und die beeindruckenden Ergebnisse zu präsentieren. Dann haben wir unsere Strategie angepasst“, so Sepp Hochreiter im Trend.

Nach KTM-Pleite kein weiteres Pierer-Kapital

Nach der KTM-Pleite ist klarerweise kein weiteres Pierer-Kapital für NXAI da. „Die Situation war natürlich nicht geplant. Aber es gibt immer Entwicklungen, auf die man als Unternehmen entsprechend reagieren muss“, kommentiert Albert Ortig gegenüber Trend. Hochreiter legt dort jedenfalls die nächsten Schritte in der Produkt-Strategie aus: „In den Themen Zeitreihen, Vision-Anwendungen für Autos, Züge oder Drohnen steckt viel mehr Geld drin. Dort werden wir jetzt mit unserem NXAI-Geschäftsmodell ansetzen.“

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Das Verenas-Team mit Gründerin Verena Nairz-Kapferer (3. v.r.). © Verenas

Die Ursprungsidee für Verenas entstand krisenbedingt: Während des ersten Corona-Lockdowns 2020 entwickelte Verena Nairz-Kapferer im eigenen Innsbrucker Café haltbare Rezepturen, um den Betrieb abzusichern. Was als Initiative für Café-Gäste begann, wird nun zum eigenständigen Geschäftsmodell. Im November 2026 gründen Verena Nairz-Kapferer und Jürgen Nairz eine eigene GmbH, um das Produktangebot im B2B-Bereich überregional zu skalieren.

Prozesssicherheit statt Spezialzutaten

Im Zentrum der Vertriebsstrategie steht der Premium-Gastrogroßhandel, über den Hotels, Cafés und Restaurants flächendeckend beliefert werden sollen. Aus mehr als 60 praxiserprobten Rezepturen konzentriert sich das Unternehmen für Großküchen auf rund 20 Varianten. Der wirtschaftliche Hebel liegt laut dem Gründungsteam dabei nicht nur beim Wareneinsatz von 0,80 bis 1,20 Euro pro fertig gebackener Portion. Standardisierte Mischungen reduzieren insbesondere den Arbeits- und Lageraufwand für Betriebe, die keine eigenen Spezialzutaten vorhalten wollen.

„Für einen Gastronomiebetrieb zählt nicht nur, was eine Portion an Zutaten kostet. Entscheidend sind auch Arbeitszeit, Einfachheit, Prozesssicherheit und eine Qualität, die unabhängig davon funktioniert, wer den Kuchen gerade zubereitet“, erklärt Jürgen Nairz, der den Vertriebsaufbau verantwortet.

Getrennte Produktion für Glutenfrei-Zertifizierung

Verena Nairz-Kapferer arbeitete ursprünglich im sozialen Bereich und verkaufte samstags selbst gebackene Kuchen. © Verenas

Die Backmischungen sind rein pflanzlich sowie zu großen Teilen zusätzlich glutenfrei formuliert. „Ich wollte nie einen Kuchen entwickeln, bei dem jemand sagt: Für vegan oder glutenfrei schmeckt der aber gut“, betont Produktentwicklerin Verena Nairz-Kapferer.

Um die geforderten Qualitätsstandards im B2B-Geschäft sicherzustellen, trennt das Startup laut eigenen Angaben die Fertigung. Vegane Varianten sollen ab November 2026 in einem Partnerbetrieb nahe Graz abgefüllt werden. Die glutenfreien Mischungen verbleiben in einer separaten Innsbrucker Produktionsstätte, um Kreuzkontaminationen auszuschließen. Damit bereitet sich das Unternehmen auf die Zertifizierung mit dem Glutenfrei-Symbol vor.

Absatzziel: 40.000 Einheiten im Jahr 2027

Flankiert von einem B2C-Onlineshop mit vorerst sieben Sorten setzt das Unternehmen auf wiederkehrende B2B-Bestellungen. Für das Geschäftsjahr 2027 peilt Verenas ein Absatzvolumen von rund 40.000 Einheiten an. Gespräche mit weiteren Partnern im Gastrogroßhandel laufen laut den Gründer:innen bereits, um die Distribution im kommenden Jahr überregional auszubauen.

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