07.05.2025
MANGEL AN PFLEGEKRÄFTEN

NurseTrail: Wiener Startup will indisches Personal nach Österreich holen

Pflegekräfte fehlen, der demografische Druck wächst. Das Startup NurseTrail will Fachpersonal den Weg nach Österreich erleichtern.
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Colin Fuchs-Robetin, Co-Founder von NurseTrail
Colin Fuchs-Robetin, Co-Founder von NurseTrail | Foto: NurseTrail

Colin Fuchs-Robetin hat schon einmal bewiesen, dass er aus einer Idee eine funktionierende Struktur bauen kann. Mit der Austrian College Sports League (ACSL) brachte er das US-Modell des College-Sports nach Österreich – heute ist die Liga bei Studierenden fest verankert, auch wenn sie längst nicht mehr als Startup gilt. Fuchs-Robetin hat sich inzwischen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, ist nur noch im Board aktiv und hält Anteile. Mit NurseTrail startet er nun ein neues Vorhaben – diesmal im Gesundheitsbereich: eine Initiative gegen den akuten Pflegekräftemangel in Österreich.

Von Indien nach Österreich

Das Projekt setzt auf internationale Rekrutierung als pragmatischen Lösungsansatz. Das Unternehmen vermittelt ausgebildete Pflegekräfte aus Indien nach Österreich – in ein System, das laut Prognosen des Sozialministeriums im Zeitraum von 2030 bis 2050 jährlich 7.000 neue Pflege- und Betreuungspersonen braucht.

Und Indien bildet mehr Pflegekräfte aus, als das eigene Gesundheitssystem derzeit aufnehmen kann. Der Jobmangel liegt aber nicht im Fehlen von Bedarf, sondern an schwacher Infrastruktur, geringen Löhnen und schlechten Bedingungen. Viele Pflegekräfte wollen arbeiten – aber nicht unter den gegebenen Voraussetzungen im Inland.

NurseTrail hat erste Bewerber:innen

„Wir verfolgen da die Grundsätze des ethischen Recruitings: dass man Pflegekräfte oder Fachpersonal nicht an Orten abwirbt, wo das größere oder negative Auswirkungen haben kann“, sagt Fuchs-Robetin im Gespräch mit brutkasten. Das NurseTrail-Angebot weckt in Indien jedenfalls Interesse. An einer Universität in Chennai hätten sich bereits einige potenzielle Bewerberinnen und Bewerber gemeldet.

Das Recruiting hat also bereits begonnen. Jetzt muss nur noch das Business starten. Die notwendige GmbH gründet er demnächst mit einem Co-Founder aus Indien, das Startup wird seinen Firmensitz in Wien haben. In Österreich will das Gründungsteam auch seine ersten Kund:innen finden: Pflegeeinrichtungen, die über eine Vermittlungsprovision auch für die spezielle Ausbildung der Fachkräfte aufkommen sollen.

Kulturelle Unterschiede

Das Konzept: In Indien besuchen die Pflegekräfte Deutschkurse, die sie speziell im medizinischen Bereich auf ein gutes Sprachniveau bringen sollen. „Uns geht es auch sehr stark darum, Menschen kulturell darauf vorzubereiten, was in Österreich auf sie zukommt – denn das sind große Unterschiede. Genau diese Vorbereitung wird entscheidend dafür sein, ob Pflegekräfte hier langfristig erfolgreich sind – beruflich, aber auch privat und sozial“, erzählt Fuchs-Robetin.

Die Arbeit von NurseTrail soll deswegen nicht mit der Ankunft am Flughafen enden. Wer aus Indien nach Österreich kommt, soll nicht allein vor Formularen, Wohnungsfragen oder Heimweh stehen. Geplant ist ein Community Management mit Vertrauenspersonen vor Ort – möglichst in der Muttersprache –, die beim Ankommen helfen und auch dann da sind, wenn es schwierig wird.

Bei der Finanzierung setzt Fuchs-Robetin vorerst auf Bootstrapping – zumindest bis der Proof of Concept erbracht ist. „Es gibt Investoren, die sehr interessiert sind. Aber mein Ansatz ist: erst mal schlank starten, ein Gefühl dafür bekommen, ob das Ganze wirklich funktioniert – und ob die Nachfrage wirklich so groß ist, wie wir gerade vermuten“, sagt der Gründer.

Herausforderungen im Pflegesektor

Mit der Idee, Pflegekräfte aus Indien zu holen, ist NurseTrail nicht allein. Erste Bundesländer rekrutieren bereits, und indische Fachkräfte kommen auch auf eigene Initiative nach Europa – das zeigen Berichte von ORF und Kurier. Am Bedarf ändert das wenig: Der Mangel in Österreich ist tief verwurzelt.

Fuchs-Robetin sagt, dass NurseTrail deswegen auch nur ein Teil der Lösung sein könne. Die strukturellen Belastungen im heimischen Pflegesektor – wie hohe Arbeitsdichte und unattraktive Rahmenbedingungen – ließen sich allein durch internationale Rekrutierung nicht beheben. Das Projekt verstehe sich daher als ein ergänzender Baustein in einer Diskussion, die gesellschaftlich und politisch weitergeführt werden müsse. Die Ausbildung der ersten indischen Pflegekräfte soll in wenigen Monaten starten.

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Forschende in der SAL Reinraum Villach. (c) Sarina Dobernig

Der Quantencomputer gilt als die nächste Schlüsseltechnologie, was die Quantenforschung zu einer der gefragtesten unserer Zeit macht. Ein zentraler Punkt sind dabei die Ionenfallen-Chips, die das Funktionieren von Quantencomputern ermöglichen. Die USA und China investieren bereits Milliarden in diese Forschung, nun startet Europas erste Pilotinitiative zur industriellen Herstellung der Chips, und das in Österreich.

Vom raumfüllenden Labor zum winzigen Chip

Sogenannte Ionenfallen gelten als einer der vielversprechendsten Ansätze für zukünftige Quantencomputer. Das Prinzip dahinter: Einzelne geladene Atome werden mithilfe elektromagnetischer Felder „eingesperrt“ und dann durch Laserstrahlen gesteuert.

Aktuell füllt diese komplexe Technik im Labor noch einen kompletten Raum. Für eine praktische Nutzung muss der gesamte Aufbau auf einen winzigen Chip schrumpfen – und zwar so, dass er zuverlässig, reproduzierbar und in großen Stückzahlen industriell gefertigt werden kann. Hier setzt die Pilotinitiative von Silicon Austria Labs an, denn sie hat das Ziel, eine industrielle Herstellung von Ionenfallen-Chips in Österreich zu etablieren.

„Unsere Industriestrategie 2035 hat einen klaren Anspruch. Wir wollen Schlüsseltechnologien nicht anderswo entstehen sehen, sondern hier in Österreich mitgestalten. Dass Silicon Austria Labs bei Europas erster Fertigung von Ionenfallen-Chips die Führung übernimmt, zeigt, dass dieser Kurs greift. So wird aus Spitzenforschung industrielle Wertschöpfung im eigenen Land“, kommentiert Innovationsminister Peter Hanke das Projekt.

Innovationsminister Peter Hanke bei einem Besuch in den Silicon Labs Austria. (c) Tobias Holzer

30 Mio. Euro für Österreich

Insgesamt stehen für das Projekt 50 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Fördermittel kommen vom „Chips Joint Undertaking“ der Europäischen Union, das die Entwicklung und Einführung von nanoelektronischen Chip-Technologien vorantreibt, sowie den teilnehmenden Mitgliedstaaten. Der größte Teil von diesem Geld – über 30 Millionen Euro – fließt direkt an die österreichischen Partner.

Das Geld wird laut SAL in erster Linie für den Ausbau der Produktionsanlagen, die Ausbildung neuer Fachkräfte und in offene Servicestrukturen investiert.

Gebündelte österreichische Expertise

An dem Großprojekt sind 21 Organisationen aus sechs verschiedenen Ländern beteiligt. Das Netzwerk besteht aus Forschungseinrichtungen, Universitäten, Startups, KMU und Industrieunternehmen.

Neben Silicon Austria Labs als Projektkoordinator sind weitere heimische Akteure dabei. ParityQC, das mit dem Bau eines Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium erst für Schlagzeilen sorgte, liefert die Quantensoftware-Architektur. Infineon Technologies Austria bringt als industrieller Kernpartner das Wissen zur Fertigung der Chips ein. Alpine Quantum Technologies steuert die Systemperspektive bei, und die Universität Innsbruck fungiert als europäisches Ideenlabor für Ionenfallen.

Europas Quanten-Vorreiter

Die Silicon Austria Labs GmbH (SAL) ist ein 2018 gegründetes, österreichweites Forschungszentrum für elektronik- und softwarebasierte Systeme. An den Standorten Graz, Villach und Linz vernetzt SAL Wissenschaft und Industrie, um innovative Ideen in wirtschaftlich nutzbare Technologien zu verwandeln. Der Forschungsfokus liegt auf Mikrosystemen, Sensorik, Leistungselektronik, intelligenten drahtlosen Systemen und Embedded Systems. Neben CHAMP-ION ist SAL an drei weiteren europäischen Quanten-Pilotlinien beteiligt. Diese Breite habe in Europa kaum ein anderes Forschungszentrum, heißt es in einer Aussendung.

„Wir sind stolz darauf, CHAMP-ION als wahrhaft europäische Initiative zu koordinieren, die führende Expertise aus dem gesamten Kontinent zusammenbringt, um Europas technologische Souveränität im Bereich der Quantentechnologien zu stärken. Durch den Aufbau eines offenen und skalierbaren Ionenfallen-Ökosystems schaffen wir das Fundament für Quantenexzellenz auf Weltklasseniveau, made in Europe“, sagt Christina Hirschl, CEO von Silicon Austria Labs.

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