24.01.2025
STUDIE

Nur 15 Prozent der österreichischen Unternehmen setzen KI substanziell ein

In den letzten Jahren hatten österreichische Unternehmen mit zahlreichen wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen: Die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg, Rekordinflation und eine Wirtschaftsrezession setzten ihnen stark zu. Auch der Start ins neue Jahr fiel schwach aus, denn Österreichs Wirtschaft bleibt weiter im Abschwung.
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Bei vollständiger Nutzung aller KI-Potenziale wäre eine Erhöhung der Wertschöpfung um 18 Prozent möglich. © Unsplash

Inmitten des schwierigen Umfelds erweist sich die Digitalisierung als treibende Kraft des Wandels. Sie fördert die Innovationsfähigkeit von Unternehmen, steigert die Produktivität und kurbelt das Wirtschaftswachstum an. Das bestätigt auch die aktuelle Studie „Digitale Dividende“, die von Accenture in Zusammenarbeit mit der Industriellen Vereinigung (IV) und Economica erstellt wurde. Ihre Ergebnisse widerlegen die Annahme, dass die Digitalisierung in Österreich seit Corona stagniert. Im Gegenteil: Der Digitalisierungsgrad in österreichischen Unternehmen nehme kontinuierlich zu.

Digitalisierung führt zu mehr Wachstum und höhere Resilienz

In den vergangenen vier Jahren ist der Digitalisierungsreifegrad österreichischer Unternehmen deutlich angestiegen – über 40 Prozent weisen inzwischen einen mittleren bis hohen Digitalisierungsgrad auf. „Die digitale Dividende ist klar erkennbar: Unternehmen mit einem mittleren bis hohen Digitalisierungsgrad erzielen ein jährliches Wachstum, das um 2,2 Prozentpunkte höher liegt als das von Unternehmen mit niedrigem Digitalisierungsgrad“, erklärt Michael Zettel, Country Managing Director von Accenture Österreich. Einfach ausgedrückt bedeutet das: Ein höherer Digitalisierungsgrad führt zu einem stärkeren Umsatzwachstum. Zudem würden hochdigitalisierte Unternehmen auch „eine höhere Resilienz in einer Rezessionsphase“ aufweisen.

Der Fokus der digitalen Transformation liegt derzeit verstärkt auf Kernprozessen, insbesondere in der Produktionsplanung. In unterstützenden Prozessen hingegen wird die Digitalisierung weniger angetrieben – besonders schwach sei sie in der Geschäftsführung. „Dort sehen wir eben definitiv den größten Aufholbedarf. Man könnte sagen, hier ist noch relativ wenig passiert“, so Zettel.

Nur 8 Prozent der Unternehmen nutzen Generative KI-Modelle

Ein zentraler Faktor für die KI-Nutzung in Unternehmen ist die Akzeptanz. Laut der Studie stößt KI besonders auf Management-Ebene auf große Zustimmung: 64,5 Prozent der Führungskräfte stehen KI positiv gegenüber. Bei den Mitarbeitenden liegt die Akzeptanz mit 48,4 Prozent im mittleren Bereich. „Das ist eine klar positive Entwicklung“, sagt Michaela Zalesak, Researcher beim Economica Institut. „Das lässt darauf schließen, dass die bisherigen Erfahrungen mit KI durchwegs positiv waren“.

Trotzdem seien österreichische Unternehmen im Einsatz von KI weiterhin zurückhaltend. Laut Studie nutzen zwar rund 75 Prozent Datentechnologien, doch nur 15 Prozent setzen KI in substanzieller Form ein. Generative KI-Anwendungen werden sogar lediglich von acht Prozent der Unternehmen verwendet, so Christian Helmenstein, IV-Chefökonom. „Wir haben eine große Lücke zwischen der prinzipiellen Verfügbarkeit von Daten auf Unternehmensebene sowie der Hardware und Software einerseits und dem Einsatz von KI andererseits“.

Dabei bieten sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für KI innerhalb eines Unternehmens. „Die Anwendungsbereiche für Künstliche Intelligenz sind unternehmensweit und sind außerordentlich vielfältig“, sagt Philipp Krabb, Research Lead bei Accenture Österreich. Bisher werde KI vor allem für Recherchen und Analysen genutzt, wobei „das große Entwicklungspotenzial für Künstliche Intelligenz in der Spracherkennung und im Marketing“ liege.

Durch KI können im Jahr 2,24 Milliarden Arbeitsstunden eingespart werden

Die vollständige Nutzung von Künstlicher Intelligenz eröffnet Unternehmen ein enormes Potenzial. „Mit einer entsprechenden KI-Nutzung könnte das Wohlstandsniveau Österreichs auf Sicht einer Dekade um 18 Prozent erhöht werden“, betont Helmenstein. Doch das ist noch nicht alles: Zudem könnten im Vergleich zu 2021 „2,24 Milliarden Arbeitsstunden eingespart werden. In Wertschöpfung übersetzt heißt das eine 18-prozentige Steigerung, die 70,9 Milliarden Euro entspricht“. Dieses zusätzliche Leistungsvolumen entspricht der Gesamtleistung in den Bundesländern Wien und Steiermark zusammen, wie brutkasten berichtete. Besonders in den Bereichen Beschaffung, Produktion und Administration ließe sich durch den konsequenten Einsatz von KI eine Zeitersparnis von 35 bis 40 Prozent erzielen.

Dieser Aspekt ist von wichtiger Bedeutung, da laut Helmenstein 98 Prozent des langfristigen Wohlstandes von Nationen auf Fortschritte bei der Arbeitsproduktivität zurückzuführen seien. „Das ist genau die Möglichkeit, wie wir uns eigentlich aus dieser Krise heraus investieren könnten“, sagt Helmenstein. Dafür müsse man aber die „bürokratischen Hürden abbauen und weiter an der Akzeptanz von Digitaltechnologien und KI arbeiten. Vor allem aber auch an den Fähigkeiten der Beschäftigten und der Bevölkerung arbeiten, sodass sie mit digitalen Technologien und KI-Tools tatsächlich umgehen kann“.

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© ioumi - Das ioumi-Team.

Das Vorarlberger Fintech-Startup ioumi von Gründer Christian Stockklauser (29) hat eigenen Angaben zufolge in unter drei Monaten die Marke von einer Million Euro an abgeschlossenem Vertragsvolumen geknackt, noch vor dem offiziellen Launch. Die Plattform läuft seit Ende Mai 2026 mit ausgewählten Kunden.

ioumi als drittes Projekt

Ioumi ist bereits das dritte unternehmerische Projekt des Riefensbergers. Sein erstes Unternehmen gründete Stockklauser mit 22 Jahren; daraus ging später die Agentur lab01 GmbH hervor. Gemeinsam mit dem deutschen Unternehmer Andreas Bäuerlein entwickelte er zudem die Software-Plattform Funnel King, die inzwischen mehr als 1.000 Nutzer:innen zählt. Die daraus erzielten Erlöse finanzierten die Entwicklung von ioumi über vier Jahre hinweg – ohne weitere Investor:innen. Der öffentliche Launch ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

„Lücke schließen“

Das Startup richtet sich an Coaches, Berater, Agenturen und digitale Dienstleister und fasst zusammen – wie es per Aussendung heißt – was bisher auf fünf Tools verteilt war. Der Weg vom Angebot bis zum Zahlungseingang läuft in der Regel oft über mehrere Tools – mit entsprechend viel manueller Arbeit. Die Vorarlberger bündeln diese Schritte in einer Plattform und bilden den gesamten Prozess in einem automatisierten Ablauf ab. Nutzer:innen können individuelle Angebote erstellen, Verträge digital unterzeichnen lassen, flexible Zahlungspläne hinterlegen und Rechnungen automatisch verschicken. Auch standardisierte Verkäufe lassen sich über Zahlungslinks abwickeln.

Die Idee entstand aus der praktischen Arbeit des Gründerteams mit Kunden, für die es solche Systeme zuvor individuell miteinander verknüpft hatte. Anders als viele Checkout-Plattformen tritt ioumi dabei nicht als Reseller auf, betont man beim Startup. Verträge und Rechnungen laufen direkt im Namen des Unternehmens und zu dessen eigenen Konditionen. Ioumi stellt lediglich die Infrastruktur im Hintergrund bereit – die Kundenbeziehung bleibt vollständig beim Unternehmen.

„Zwischen ‚Vertrag unterschrieben‘ und ‚Geld am Konto‘ liegen bei den meisten Dienstleistern Wochen, mehrere Tools und viel Handarbeit“, erklärt Stockklauser. „Genau diese Lücke schließen wir.“

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