28.07.2025
MEDTECH

Noxavis: Kärntner Startup digitalisiert Notfallmedizin – Kooperation mit ÖAMTC-Flugrettung

NoxAvis Tech Solutions ist ein 2025 gegründetes Startup mit Sitz in Klagenfurt am Wörthersee. Das Unternehmen entwickelt Software für die strukturierte Echtzeit-Dokumentation in der Notfallmedizin. Wir haben mit der Kärntner Gründerin Magdalena Druml über die Vision hinter NoxaAvis und ihre persönlichen Wurzeln im Rettungsdienst gesprochen.
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Marco Sonnberger und Magdalena Druml | (c) Noxavis

“Eine Notfallsituation ist eine hochgradig stressige Situation. Menschen schreien, es ist hektisch“, sagt Magdalena Druml. Während Healthcare Professionals um das Leben von Patient:innen kämpfen, sollen Notärzt:innen parallel dokumentieren. Oft geschieht diese Dokumentation erst später aus der Erinnerung – unvollständig, fehleranfällig. „Jede Maßnahme, jede Medikamentendosis, jeden Vitalwert – all das müssen sie sich merken, inmitten dieser fordernden Situationen.“ 

Genau dieses Spannungsfeld zwischen Leben retten und Protokoll schreiben hat Druml über Jahre im Rettungs- und Klinikalltag erlebt. In der Praxis bedeutet das: Dokumentation geschieht oft verspätet, handschriftlich, teils fragmentarisch. Auf der Intensivstation erhielt Druml regelmäßig schwer lesbare Einsatzprotokolle – mühsam herauszulesen, „welche Situation die Kolleg:innen vor Ort vorgefunden haben und welche Maßnahmen gesetzt wurden“.

Vom Studienprojekt zum Startup

Nach über einem Jahrzehnt in Rettungsdienst, Intensiv- und Anästhesiepflege sowie in einer Rettungsleitstelle schrieb sich Druml in den Masterstudiengang „Digital Healthcare“ an der FH St. Pölten ein. Dort digitalisierte sie – zunächst im Rahmen ihrer Masterarbeit – das papierbasierte Notarztprotokoll der Christophorus-Flugrettung. In der Usability-Testung war auch der COO der Flugrettung involviert, der Druml dazu ermutigte, das Projekt unternehmerisch weiterzuentwickeln.

(c) Noxavis

Aus Studienprojekt wird NoxAvis Tech Solutions

Aus einem Studienprojekt entstand 2025 das Startup NoxAvis Tech Solutions mit dem ersten Produkt “HeliDoc”. Das junge Unternehmen ist als Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo) eingetragen. Als Co-Founder holte Druml ihren ehemaligen Studienkollegen Marco Sonnberger an Bord, der heute CTO des Unternehmens ist. Was das Duo laut Druml verbindet, ist ein pragmatisches, solutions‑first Mindset: nicht nach Gründen suchen, warum etwas nicht geht, sondern im Sinn der Healthcare Professionals iterieren, bis es funktioniert.

HeliDoc digitalisiert laut Druml die Notarztdokumentation in der Flugrettung vollständig. Mithilfe einer KI-Sprachassistenz werden etwa Medikamentengaben während der Patient:innenversorgung automatisch erfasst; das System erstellt ein rechtssicheres Protokoll. Zusätzlich werden diese Daten per Live-Sream an das Zielkrankenhaus übermittelt: Über einen Code greift das Klinikteam browserbasiert zu und sieht den aktuellen Patient:innenzustand, noch bevor der Hubschrauber landet. Das Schockraumteam gewinnt so wertvolle Vorbereitungszeit. Durch die optimierte Versorgungskette steigt die Überlebenschance – wichtige Medikamente oder Spezialist:innen stehen bereit. “Denn in der Notfallmedizin können bereits Minuten über Leben oder Tod entscheiden”, beschreibt Druml.

Lösung auch für bodengebundene Notarzt‑ und Rettungsdienste

Die zugrunde liegende Technologie hinter HeliDoc überträgt NoxAvis nun auch auf bodengebundene Notarzt‑ und Rettungsdienste. „Wir haben bereits ein weiteres Produkt – MedicusDoc – für die bodengebundenen Notarztdienste“, sagt Druml. 

Mögliche Funklöcher sieht Druml nicht als Problem: „In Österreich sind diese nur punktuell. Sobald die Teams rausfliegen oder rausfahren, haben sie innerhalb von kürzester Zeit wieder eine Internetverbindung.” Daten werden lokal gepuffert und automatisch nachgesendet. Parallel arbeitet NoxAvis mit Forschungspartnern an Datenschutz und Cyber Security; denn die sichere Digitalisierung der Notfalldokumentation steht laut Gründerin im Zentrum.

Das Geschäftsmodell 

“Unsere Kund:innen sind Rettungsorganisationen. Abgerechnet wird mit einem Pay‑per‑Use‑Modell – also pro Einsatz”, so Druml. Krankenhäuser zahlen lediglich für Schnittstellen, wenn Daten direkt in deren Informationssysteme integriert werden sollen. Der Livezugriff bleibt kostenfrei, um Schockraumteams eine optimale Vorbereitung zu ermöglichen. Frühphasige Mittel kamen über die „aws Preseed – Innovative Solutions“-Förderung; ergänzend unterstützt der Kärntner Wirtschaftsfonds (KWF) die Entwicklung der KI-Sprachassistenz in Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut.

Nach ersten Piloten in Österreich möchte NoxAvis die Erfahrungen bündeln und Partner im DACH‑Raum ansprechen; auch Rettungsorganisationen außerhalb Europas stehen langfristig ebenfalls auf der Agenda. 

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Am Wochenende wurde Europas Weltraumgeschichte um ein Stück reicher. Mit Isar Aerospace, das u. a. den Transport von kleinen und mittelgroßen Satelliten anbietet, beförderte erstmals ein europäisches Raumfahrtunternehmen erfolgreich Satelliten vom europäischen Festland aus in den Orbit. Es war der zweite Flug der Trägerrakete „Spectrum“, die am Samstag Kundennutzlasten, darunter fünf CubeSats und eine experimentelle Mission, ins All beförderte. Eine entscheidende Rolle in der gesamten Mission spielt der gebürtige Österreicher Daniel Metzler, CEO und Mitgründer von Isar Aerospace.

„Wir haben innerhalb weniger Jahre erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie Jahrzehnte gebraucht hatte. Europa hat nun souveränen Zugang zum Weltraum. Wir haben ein neues Kapitel für die europäische Raumfahrt aufgeschlagen“, sagte Metzler, der am Samstag weiter ergänzte: „Der Start ist nach wie vor der größte Engpass für die globale Raumfahrtindustrie, und ab heute gibt es eine echte Alternative für kommerzielle und institutionelle Kunden.“ Diese Kunden verfügen laut Isar Aerospace nun über eine unabhängige Startoption.

Die Auswirkungen für Europa

Für Europa bedeutet der erfolgreiche Start vor allem eines: mehr Unabhängigkeit. „Die Mission markiert einen wichtigen Schritt für Europas autonomen Zugang zum Weltraum“, heißt es von der Generaldirektion für Verteidigungsindustrie und Weltraum, einer Fachabteilung der Europäischen Kommission, die weiter ergänzt: “ Ein autonomer, resilienter und wettbewerbsfähiger Zugang zum Weltraum ist ein strategischer Faktor für Europas Wirtschaft und Sicherheit und bildet die Grundlage für Anwendungen wie Navigation, Telekommunikation und Erdbeobachtung, auf die Bürger und Unternehmen täglich angewiesen sind.“ Bei Isar Aerospace ist man der Meinung, dass der Start “ Europas strategische, wirtschaftliche und technologische Zukunft prägen wird“.

Der erste Flug: 30 Sekunden

Im März 2025 flog die „Spectrum“-Trägerrakete ihren ersten Testflug, nach 30 Sekunden war dieser aber auch schon wieder vorbei. „Unser erster Testflug hat alle unsere Erwartungen erfüllt und war ein voller Erfolg. Wir hatten einen reibungslosen Start, 30 Sekunden Flugzeit und konnten sogar unser Flugabbruchsystem validieren“, erklärte Metzler damals kurz nach dem Test. Finanzielle Unterstützung erhielt Isar Aerospace u. a. von der Europäischen Weltraumorganisation ESA durch das Boost!-Programm.

Die CubeSat Mission der TU Wien

Am Samstag schaffte es mit der Sepctrum-Rakete auch ein Mini-Satellit der TU Wien, ein sogenannter CubeSat, ins All. Das Space Team der Hochschule arbeitete seit 2020 an der CubeSat Mission. Ziel war es, einen Satelliten für Ausbildungszwecke zu entwickeln und nun im Orbit zu betreiben. Dadurch sollen Schüler:innen aus AHS und BHS die Möglichkeit haben, selbst entwickelte Software auf dem Satelliten auszuführen.

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