22.07.2025
NORMKI

NormKI: Linzer Installateur startet KI-Plattform zu Baumängel

Mit NormKI will ein Linzer Installateur den Umgang mit Bauschäden und Gebäudemängeln vereinfachen. Die Plattform liefert mithilfe künstlicher Intelligenz eine technische Ersteinschätzung.
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Das Team von NormKI (l.n.r.): Slavko Amic, Namik Hasanovic und Ahmed Mohammed.

„Ich wollte kein teures Gutachten – ich wollte ein Tool, das sagt: So sieht’s aus. Das ist die Norm. Und das kannst du tun“, sagt Namik Hasanovic. Der Linzer ist gelernter Installateur und kennt die Baustelle aus erster Hand: Mehr als zehn Jahre arbeitete er auf Großprojekten, in der Wasserschadensanierung und der Altbausanierung. Immer wieder stieß er auf das gleiche Problem: Statt klarer Einschätzungen gab es komplizierte Gutachten. Es fehle „ein digitales Werkzeug, das für Klarheit sorgt“, so Hasanovic.

Daraus entstand im März dieses Jahres NormKI – eine Plattform, die mithilfe von KI Schäden bewertet, Normen zitiert und Handlungsempfehlungen liefert. Damit will Hasanovic ein Tool gebaut haben, das auf jeder Baustelle zur Selbstverständlichkeit wird. Die Zielgruppe reicht von Bauprofis über Hausverwaltungen bis zu Bewohner:innen.

Ersteinschätzung in 30 Sekunden

Wie das in der Praxis üblicherweise aussieht, beschreibt Hasanovic so: „Da steht ein Mieter ratlos vor einem feuchten Eck. Ein Hausverwalter weiß nicht, ob’s ein Schaden ist oder nur ein optischer Mangel. Was dann passiert, kennt jeder vom Bau: Es wird herumtelefoniert, weitergereicht, diskutiert – und bis jemand eine klare Antwort gibt, sind oft Tage oder Wochen vergangen.“

Mit NormKI sollen solche Wartezeiten der Vergangenheit angehören. Nutzer:innen laden ein Foto hoch, beschreiben das Problem und innerhalb von 30 Sekunden soll die Plattform bereits eine Ersteinschätzung liefern. Die KI erstellt einen strukturierten Bericht samt technischem Befund, Normverweisen und konkreten Handlungsempfehlungen. Hasanovic betont, dass die Plattform nicht nur für Profis gedacht ist, sondern auch für Laien verständlich sein soll. Nutzer:innen können den Bericht direkt an Hausverwaltungen, Fachfirmen oder Versicherungen weiterleiten.

MVP-Phase

Derzeit läuft NormKI durch die MVP-Phase. Bei der Firma Wohlschlager & Redl wird die Plattform bereits im laufenden Betrieb erprobt. „Die Resonanz ist super, weil NormKI direkt im Alltag ansetzt und sofort Mehrwert liefert“, sagt Hasanovic. Parallel würden Gespräche mit weiteren Partnern laufen, um den Rollout vorzubereiten.

Bisher finanziert sich NormKI vollständig aus Eigenmitteln. Für die nächste Etappe – Produktentwicklung und Markteintritt – plant das Team eine Finanzierungsrunde von rund 550.000 Euro. Privatnutzer:innen sollen künftig pro Fall abrechnen, für Firmen sind Lizenzmodelle vorgesehen.

Eigene Erfahrung

Hasanovics Motivation kommt aus seiner eigenen Erfahrung heraus: „Was mir immer wieder auffiel: Auf Baustellen wussten viele gar nicht, was eigentlich Sache ist. Zu viele Anrufe, zu viele Mails, zu viele Zettel – aber am Ende keine klare Aussage. Ich habe lange genug in diesem Chaos gearbeitet. Irgendwann war klar: Das muss besser gehen.“

Die ersten Prototypen entwickelte er selbst, den entscheidenden Schub brachte die Zusammenarbeit mit Wohlschlager & Redl. „Als ich zur Firma kam, hat die Sache Fahrt aufgenommen“, erinnert er sich. Die Geschäftsführer wurden zu Mentoren, später stießen Co-Founder Slavko Amic, Projektleiter bei der ÖBB, und Ingenieur Ahmed Mohammed, der das KI-Modell weiterentwickelt, zum Team dazu.

Zunächst liegt der Fokus auf dem österreichischen Markt. Doch schon jetzt denkt Hasanovic an die nächsten Schritte: „Danach ist die Skalierung für die DACH-Region geplant – Schritt für Schritt.“

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Christian Mentin, Head of Research Unit System-Level Integration Technologies bei Silicon Austria Labs | (c) Peter Drechsler / SAL

Das österreichische Forschungszentrum Silicon Austria Labs (SAL) hat nach eigenen Angaben das weltweit dünnste bidirektionale 11-Kilowatt-Bordladegerät für Elektroautos entwickelt. Die sogenannte „Tiny Power Box 2.0“ ist nur fünf Zentimeter hoch und soll Autoherstellern neue Möglichkeiten beim Einbau bieten. Entwickelt wurde der Prototyp von Forschungsteams in Villach und Graz gemeinsam mit den Industriepartnern Infineon, AVL, TDK, Fronius und MetaSystem. Das Forschungsprojekt hatte ein Volumen von 7,2 Millionen Euro.

Laden und Strom zurückspeisen

Jedes Elektroauto verfügt über einen sogenannten On-Board-Charger. Dieser wandelt den Wechselstrom aus der Steckdose oder Wallbox in Gleichstrom um, den die Fahrzeugbatterie speichern kann. Die Tiny Power Box 2.0 übernimmt dabei gleich drei Funktionen: Sie lädt die Batterie mit bis zu elf Kilowatt, kann Strom aus dem Fahrzeug zurück ins Haus oder öffentliche Netz speisen und versorgt über einen integrierten Wandler auch das 12-Volt-Bordnetz. Darüber werden unter anderem Beleuchtung, Steuergeräte und Infotainment betrieben. Dafür ist bislang häufig ein separates Bauteil notwendig.

Durch die bidirektionale Funktion könnte ein geparktes Elektroauto künftig auch als Stromspeicher dienen. Beispielsweise ließe sich tagsüber erzeugter Solarstrom in der Fahrzeugbatterie speichern und bei Bedarf wieder im Haushalt nutzen.

Mehr Leistung auf weniger Raum

Die größte Herausforderung bei der Entwicklung sei die Wärme gewesen, die beim Umwandeln des Stroms entsteht, heißt es von SAL. Je kompakter das Ladegerät, desto schwieriger wird es, diese abzuführen.

„Bei 50 Millimetern Bauhöhe liegt die eigentliche Herausforderung in der Wärmeentwicklung, die auf sehr kleinem Raum abgeführt werden muss. Wir haben Kühlung, magnetische Komponenten und Isolation deshalb in kombinierten Designprozessen als ein gemeinsames Gesamtsystem simuliert und entwickelt. Nur so lassen sich 11 Kilowatt bidirektional auf engstem Bauraum umsetzen“, erklärt Christian Mentin, Head of Research Unit System-Level Integration Technologies bei Silicon Austria Labs.

Die Entwicklung baut auf einem Vorgängerprojekt aus dem Jahr 2022 auf. Damals hatte SAL bereits ein kompaktes Ladegerät mit sieben Kilowatt Leistung entwickelt. Die neue Generation erreicht elf Kilowatt und kommt dabei mit einer deutlich geringeren Bauhöhe aus.

Forschungsergebnisse für weitere Anwendungen

Nach dreieinhalb Jahren Forschung liegt die Tiny Power Box 2.0 nun als Prototyp vor. Mit fast allen beteiligten Industriepartnern laufen bereits Folgeprojekte. Dabei sollen die entwickelten Technologien auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen, etwa in der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, in industriellen Gleichstromnetzen oder bei der Stromversorgung von Rechenzentren.

Ob und wann die Tiny Power Box 2.0 selbst in Serienfahrzeugen eingesetzt werden könnte, ist derzeit offen. Interesse gibt es laut SAL aber bereits von europäischen und internationalen Autoherstellern.

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