27.05.2025
INSOLVENZ

NÖ-BioTech-Startup Sarcura meldet nach Millioneninvestment Insolvenz an

2022 konnte sich das Startup noch ein Investment in Höhe von sieben Millionen Euro holen – jetzt kann Sarcura seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und meldet Insolvenz an.
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Daniela Buchmayr | (c) Sarcura

Das Klosterneuburger BioTech-Startup Sarcura hat beim Landesgericht Korneuburg einen Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens gestellt, wie die KSV 1870 am Dienstag ausschickt.

Sarcura hat sich auf die Entwicklung einer neuen Zelltherapie-Herstellungsplattform gegen Krebs spezialisiert. Der Zelltherapie-Ansatz gilt als große Hoffnung im Kampf gegen Krebserkrankungen. Neben Biotechnologie nutzte Sarcura auch Halbleiter-Technologie und wollte so eine neue Krebstherapie entwickeln. Für die Entwicklung dieser Plattform hat das Startup ein Investment von sieben Millionen Euro bekommen – brutkasten berichtete. Seit der Gründung 2019 konnte Sarcura insgesamt mehr als 13 Millionen Euro an Kapital aufstellen. Zu den Gesellschaftern gehören unter anderem IST Cube (11,14 Prozent), Lansdowne Investment Company Cyprus (10,09 Prozent) und Franz Josef Emminger (8,76 Prozent). Trotz der Investments meldet Sarcura jetzt Insolvenz an: Die Verschuldung beträgt laut KSV1870 insgesamt 2,4 Millionen Euro. Betroffen sind 35 Gläubiger und 22 Dienstnehmer:innen.

Weitere Kapitalaufnahme gescheitert

Der Grund der Insolvenz seien laut KSV1870 die hohen Entwicklungskosten des Prototyps. Der operative Betrieb konnte durch den Zuschuss von Investor:innen als auch durch erlangte Förderungen aufrechterhalten werden. „Es ist laut eigenen Angaben letztlich ein Verkauf von Unternehmensteilen (Assets) an Dritte gescheitert, im Zuge dessen neues Kapital hätte zugeführt werden sollen“, so heißt es in der Pressemitteilung von KSV1870.

Dass es schwierig sei, Gelder zu generieren, das hat Gründerin Daniela Buchmayr bereits in einem brutkasten-Interview 2024 angedeutet: „Es ist unglaublich schwer geworden, Gelder für frühe Phasen zu bekommen, in denen noch technisches Risiko besteht“. Zudem sei es schwierig, Investor:innen zu finden, die in ein interdisziplinäres Feld investieren, wie es Sarcura sei: Nämlich Zelltherapie und Halbleitertechnologie. Das ganze Interview gibt es hier nachzulesen.

Laut KSV1870 sei zum momentanen Zeitpunkt unklar, ob das Unternehmen im Rahmen des zu erwartenden Konkursverfahrens zumindest kurzfristig fortgeführt werden kann.


*Es wurde bei der Gründerin um ein Statement angefragt. Sobald dieses vorliegt, wird es im Artikel ergänzt.

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Der Prototyp auf dem PROTEAS-Forschungsgelände des Cyprus-Instituts in Zypern © Waldstein

„Ich habe erstmal aus Meerwasser destilliertes Wasser getrunken. Es schmeckte sehr gut“, berichtet Carl Albrecht Waldstein, Geschäftsführer der Wiener Seawater BV GmbH im brutkasten-Gespräch über die gelungene Inbetriebnahme der ersten solaren Meerwasser-Entsalzungsanlage des Desertgreener-Projekts in Limassol, Zypern.

Mit einer Kombination aus Parabolspiegeln und energetischem Recycling will man dem weltweiten Wassermangel, der aktuell über 2 Milliarden Menschen betreffe, begegnen. Was vor zwei Jahrzehnten an einer verdorrenden spanischen Küste als kühnes Gedankenspiel begann, soll nun globale Wucht entfalten.

Die Vision: Wasser für eine wachsende Welt

„Wir saßen am Ufer des Meeres an der spanischen Mittelmeerküste. Vor uns unendlich viel Meer und hinter uns trocknete alles aus. Also haben wir gesagt, das kann nicht sein, dass das Wasser vor uns die Probleme hinter uns nicht löst“, erinnert sich der Geschäftsführer an die Anfänge der Lösung eines der herausforderndsten Probleme unserer Zeit.

Die Technologie soll Süßwasser so günstig verfügbar machen, dass nicht nur Trinkwasser gesichert wird, sondern auch die wasserintensivere Landwirtschaft, Industrie und der Bergbau versorgt werden können. Bereiche, die klassische Entsalzung aus Kostengründen kaum bedient. Das Potenzial reicht laut Waldstein von der Rettung versalzter Agrarflächen über die Begrünung von Wüstenregionen bis zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und Ammoniak als Dünger- und Treibstoffalternative.

Perspektivisch positioniert sich Desertgreener damit als Anbieter einer Basisinfrastruktur, die – wenn sie im großen Maßstab umsetzbar ist – wasserarmen Regionen weltweit neue wirtschaftliche und ökologische Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen könnte.

Wasserkreislauf der Natur als Vorbild

Statt auf energieintensive Umkehrosmose zu setzen, soll die Anlage im Kleinen kopieren, was die Natur im Wasserkreislauf im Großen macht: Sonne verdampft Meerwasser, der Dampf kondensiert wieder zu Süßwasser. Bewegliche, der Sonne nachgeführte Spiegel bündeln dafür die Sonnenstrahlen direkt auf einen mit Meerwasser gefüllten Behälter und bringen es zum Kochen. Laut Unternehmen werden so über 90 Prozent der Sonnenenergie direkt genutzt.

Der entstehende, salzfreie Dampf wird von einer Turbine abgesaugt und in ein Röhrensystem gepresst. Dabei kondensiert er sofort wieder zu Wasser und gibt seine Wärme an das noch kochende Meerwasser zurück. „Wir schicken 83 Prozent der Energie ständig im Kreis“, erklärt Waldstein. Dadurch lasse sich mit derselben Menge Sonnenenergie ein Vielfaches an Wasser verdampfen, statt sie nach einmaliger Nutzung zu verlieren.

Finanzierung über Utility-Token

Um die kapitalintensive Serienproduktion nun vorzubereiten, meidet die Seawater BV GmbH bewusst Banken und Venture Capital. Man wolle unabhängig bleiben: „Wir wissen, wir stören auch viele“, so Waldstein. Stattdessen gelangt man über den Verkauf des eigenen „DGRX“ Utility-Tokens bereits an über zehn Millionen Euro, wie der Gründer im Interview erwähnt.

Verkauft wird der Token über die DGRX Sales GmbH, welche daraus wiederum schrittweise Anteile an der Seawater BV GmbH erwirbt (bis zu 24%). Weitere sechs Millionen Euro sollen nun über die Token-Finanzierung folgen, um die Serienproduktion voranzutreiben.

1,8-Milliarden-Bewertung von „Big Four“-Prüfungsgesellschaft

Zu den anvisierten Kunden zählen Regierungen, Kommunen sowie große Agrar- und Bergbaukonzerne. „Um den Markt mache ich mir null Sorgen. Wo ich hintippe, schreien die Leute, wann könnt ihr liefern“, kommentiert Waldstein die Nachfrage. Laut ihm bewertete eine „Big Four“-Prüfungsgesellschaft die Firma Ende 2025 mit 1,8 Milliarden US-Dollar. Mit der aktiven Pilotanlage steige der Wert laut Waldstein kalkulatorisch auf 2,9 Milliarden Dollar.

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