01.04.2026

nobile: Wiener Energy-Scaleup wird zum hybriden Energieversorger

Das Wiener Energy-Tech-Scaleup nobile bündelt ab sofort lokale Energiegemeinschaften mit ergänzenden Stromlieferungen in einem hybriden Gesamtsystem. Welche große Vision hinter diesem strategischen Schritt steckt und wie das Unternehmen den klassischen Strommarkt umkrempeln will, hat uns Gründerin Lorena Skiljan im Gespräch über die Hintergründe verraten.
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Peter Gönitzer und Lorena Skiljan | (c) Nobile

Der österreichische Strommarkt wird nach wie vor stark von etablierten Großversorgern dominiert. Wer als Endkunde eigenen Strom – etwa über eine Photovoltaikanlage – produziert, Teil einer lokalen Energiegemeinschaft ist und zusätzlich Reststrom benötigt, muss dies derzeit oft über separate Verträge mit unterschiedlichen Anbietern abwickeln. Das Wiener Unternehmen nobile, das bislang primär als Dienstleister für den Aufbau von Energiegemeinschaften aktiv war, weitet in diesem Umfeld nun sein Geschäftsmodell aus.

Mit 1. April 2026 tritt das Scaleup selbst als Stromlieferant auf. Unter dem selbstgewählten Begriff des „hybriden Energieversorgers“ will nobile künftig eine Lösung bieten, die diese verschiedenen Stromquellen in einem Tarif bündelt. Dabei soll, laut Unternehmensangaben, die lokale Stromerzeugung vorrangig genutzt und der Zukauf von konventionellem Reststrom aus dem Netz reduziert werden.

Bisherige Projekte und Finanzierung

In der Vergangenheit hat nobile bereits Erfahrung bei der Umsetzung komplexer Versorgungsstrukturen gesammelt. Wie brutkasten berichtete, vernetzte das Startup dabei nicht nur lokale Nachbarschaften, sondern realisierte auch größere Projekte, wie etwa eine Energiegemeinschaft für das Kärntner Skigebiet Nassfeld.

Für das Unternehmen ist die Ausweitung der Geschäftstätigkeit eine folgerichtige Konsequenz. „Das war für uns der nächste logische Schritt, der schon immer auf unserer Roadmap war“, erklärt Gründerin Lorena Skiljan gegenüber brutkasten. Durch die Arbeit mit Energiegemeinschaften habe man die Entwicklung hin zu mehr Dezentralität beobachtet. Gleichzeitig blieb der Zukauf vom konventionellen Markt oft von der lokalen Erzeugung getrennt. „Das bedeutet: mehrere Anbieter, mehrere Systeme, wenig Transparenz. Und genau diese Lücke wollten wir schließen“, so Skiljan. „Wenn wir wirklich einen Unterschied machen wollen, müssen wir nicht nur organisieren, sondern auch ergänzen.“

Priorisierung von Eigen- und Regionalstrom

Das Versorgungsmodell von nobile basiert auf einer strikten Priorisierung der Energiequellen: „Eigenstrom zuerst. Regionalstrom danach. Reststrom zuletzt“, so die Co-Founderin. Zunächst wird Strom aus kundeneigenen Anlagen wie Photovoltaik genutzt, gefolgt von lokaler Energie. Erst bei weiterem Bedarf wird konventioneller Reststrom geliefert.

Darin sieht Skiljan den wesentlichen Unterschied zu etablierten Marktteilnehmern: „Klassische Energieversorger optimieren darauf, möglichst viel Energie aus dem Markt zu liefern. Wir machen das Gegenteil. Unser Ziel ist es, den Anteil aus dem Markt so klein wie möglich zu halten.“ Das Unternehmen positioniert sich dabei als sogenannter Enabler, der durch digitale Prozesse mehr Autarkie und langfristige Preisstabilität ermöglichen soll.

Neue Tarife und langfristige Ziele

Für die operative Umsetzung führt nobile zwei neue Tarife ein: „nobile GO“ richtet sich an Kunden, die in die kooperierende Bürgerenergiegemeinschaft PTTP einsteigen möchten. „nobile LOCAL“ ist für die Nutzung in bereits bestehenden Energiegemeinschaften konzipiert. Die Steuerung der Tarife sowie die Überwachung von Erzeugung und Verbrauch erfolgen über die unternehmenseigene Plattform und App „nobile:connected“.

Langfristig verfolgt das Unternehmen das Ziel einer tiefgreifenden Marktveränderung. „Im besten Fall sprechen wir in fünf Jahren nicht mehr darüber, ob jemand Stromanbieter ist oder nicht. Sondern darüber, wie gut Energie organisiert ist“, skizziert Skiljan die Vision des Unternehmens. Wenn es selbstverständlich werde, dass Energie aus verschiedenen Quellen intelligent kombiniert und der Markt nur noch für das absolute Minimum benötigt werde, habe man den Strommarkt laut der Gründerin nachhaltig neu strukturiert.

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(v.l.n.r.) Thomas Blaguss, Daniel Packenius, Barbara Novak, Hans-Jürgen Salmhofer, Paul Blaguss | (c) Mila Eder / Superberg

Die Elektromobilität wird nicht nur im Privatbereich weiter ausgebaut. FlixBus und Blaguss setzen nun den nächsten Schritt in Richtung emissionsarmes Reisen. Zwischen Wien und Bratislava wird die erste grenzüberschreitende, überwiegend elektrisch betriebene Linie eröffnet. Den operativen Betrieb der Linie übernimmt das Wiener Unternehmen Blaguss über seine slowakische Gesellschaft Blaguss Slovakia.

„Die Zukunft des Busverkehrs muss klimafreundlich sein und Elektromobilität wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Gemeinsam mit FlixBus bringen wir sie jetzt auch im grenzüberschreitenden Reiseverkehr konsequent in den Mobilitätsalltag“, sagt Paul Blaguss, Geschäftsführer der Blaguss-Gruppe.

Acht E-Busse, 66 Kursfahrten

Insgesamt kommen acht E-Bussen auf der Strecke zum Einsatz, wobei die Linie 66 mal pro Tag gefahren wird. 90 Prozent davon sind elektrisch, der Rest wird mit herkömmlichen Dieselbussen abgedeckt. Laut Blaguss spart die Umstellung von Diesel auf Elektroantrieb rund 66 Kilogramm CO₂ pro 100 Kilometer. „Mit einer der ersten grenzüberschreitenden E-Bus-Linien Europas arbeiten wir daran, Reisen zwischen Hauptstädten emissionsärmer zu machen“, sagt Daniel Packenius, Geschäftsführer FlixBus Zentraleuropa, und ergänzt: „Die Linie zeigt: Elektromobilität im Fernverkehr funktioniert heute schon zuverlässig unter den richtigen Umständen.“

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