14.10.2022

nista.io entwickelt Energiespar-Tool für Privathaushalte & geht bei Finanzierung neue Wege

Mit dem Energy Coach möchte das Wiener Startup nista.io privaten Haushalten künftig helfen, ihren Energieverbrauch transparent zu tracken und regelmäßig zu senken. Für die Entwicklung des Tools greift das Startup nun auf eine neue Finanzierungsform zurück.
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(c) Nadia Bouroyen

Anmerkung der Redaktion (27.02.2025): „nista konzentriert sich mittlerweile vollständig auf den B2B-Sektor und die Industrie. Die B2C-App, der Energy Coach, wird nicht mehr angeboten.“


Die Energiekrise erfordert rasches Handeln, davon ist auch Anna Pölzl, Co-Founderin des Energy-Startups nista.io, überzeugt. Das Startup – zuvor gnista.io – hat eine Datenanalysesoftware entwickelt, die mithilfe von künstlicher Intelligenz und Sensordaten den Energieverbrauch von Betrieben analysiert und stetig optimiert. Bislang ist nista.io schon im B2B-Bereich aktiv und bietet für Unternehmen die Energieeffizienz-Software im Abo-Modell an. Aufgrund der aktuellen Energiekrise erhielt das Startup in den letzten Monaten immer mehr Anfragen, warum das Tool nicht auch für private Haushalte zur Verfügung gestellt wird, wie Pölzl erläutert. Kurzerhand entschloss sich das Startup, den Energy Coach zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine App, die Endverbraucher:innen dabei hilft, ihren Stromverbrauch in den eigenen vier Wänden zu tracken und zu senken.

nista.io startet “Corporate Kickstarter Kampagne”

Für den finalen Rollout des Energy Coaches benötigt das Startup jedoch zusätzliche Ressourcen. Die Gründerin beziffert den Betrag auf rund eine Million Euro. Zwar würde schon das Konzept stehen, für die Finalisierung bedarf es jedoch weiterer Mitarbeiter:innen. Im Zuge der Vorfinanzierung möchte das Startup nun einen neuen Weg einschlagen und setzte dafür eine Art Corporate Kickstarter Kampagne auf. Die Idee dahinter: Größere Unternehmen, wie Energie- oder Mobilfunkanbieter, erwerben Tickets in der Höhe von 70.000, 150.000 oder 500.000 Euro und können das Tool im Gegenzug über ein B2B2C-Modell ihren eigenen Endkund:innen anbieten.

Positionierung im Customer-Engagement

Zudem werden die Unternehmen im Rahmen ihrer Vorfinanzierung an der finalen Entwicklung des Energy Coach beteiligt und erhalten beispielsweise einen Sitz im Product-Advisory-Board. Darüber hinaus können sich die teilnehmenden Unternehmen im Bereich des Customer-Engagement positionieren. Dabei handelt es sich um einen Geschäftsbereich, für den größere Unternehmen jährlich bis zu sieben Prozent ihres Umsatzes ausgeben, wie Pölzl betont. 

Mit der neuen Form der Finanzierung wolle man zudem auch einen neuen Weg einschlagen, den es hierzulande noch nicht gibt – nämlich die Vorfinanzierung von Projekten durch Unternehmen. “Um unser B2B-Geschäft am Laufen zu halten, aber trotzdem den Energy Coach einzuführen, suchen wir daher First Mover, die sich uns jetzt anschließen”, so Pölzl. Interessierte Unternehmen können sich melden.

Launch soll noch vor Weihnachten erfolgen

Sofern alles nach Plan verläuft, soll der Energy Coach noch vor Weihnachten gelauncht werden. Das Tool funktioniert laut Pölzl wie ein Health-Tracker, nur halt für den eigenen Energieverbrauch. Über die App sollen Endnutzer:innen beispielsweise einen Überblick über den eigenen Energieverbrauch der angeschlossenen Geräte erhalten – angefangen von der Waschmaschine über den Geschirrspüler bis hin zum Kühlschrank. Zudem soll es auch eine Alarmfunktion geben, die auf Abweichungen und überdurchschnittlichen Energieverbrauch aufmerksam macht. Benchmarks wiederum sollen dabei helfen, den Energieverbrauch mit anderen zu vergleichen.


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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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