21.08.2025
GASTRONOMIE

Nightscale: Feldkircher Startup unterstützt Gastronomie als „digitalen Geschäftsführer“

Aus einer simplen Bestell-App-Idee ist mit Nightscale ein datengetriebener "digitaler Geschäftsführer" für die Gastronomie entstanden. Das Vorarlberger Startup analysiert betriebsinterne und externe Daten und liefert konkrete Handlungsempfehlungen – von Personaleinsatz über Einkauf bis hin zur Umsatzsteigerung. Co-Founder und CEO Fabio Rudigier erklärt.
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Nightscale
© Nightscale/Canva - Das Nightscale-Team.

Nightscale entstand ursprünglich als Idee in einer Wiener WG, als der gebürtige Vorarlberger Fabio Rudigier für zwei Jahre in der Hauptstadt studierte. Er und Pius Martin verbrachten einst ihre Freizeit in einer überfüllten Bar – und bemerkten etwas. Getränkeholen dauerte extrem lange. Oder anders gesagt: Gästen ging Zeit und Effizienz verloren, weil Bestellungen ausschließlich am Tresen möglich waren.

Nightscale: Von Bestell-App zum Steuerungs-Tool

Die erste Vision der beiden war daher eine universelle Bestell-App zu entwickeln, die es Gästen erlaubt, Getränke von der Tanzfläche aus zu ordern und via Push-Benachrichtigung informiert zu werden, sobald die Bestellung abholbereit ist. Im frühen Austausch mit Gastronomen wurde jedoch schnell klar, dass eigentliche Herausforderungen der Branche weit tiefer liegen. Gastronomiebetriebe generieren eine enorme Menge an Daten, die bislang kaum für strategische Entscheidungen oder Prozessoptimierungen genutzt werden, so die Erkenntnis der beiden Founder.

Aus der ursprünglichen Bestell-App entwickelte sich daher, gemeinsam mit dem heutigen CTO Lukas Heim, Schritt für Schritt die Idee von Nightscale als interaktives Datenanalyse- und Steuerungstool. Heute versteht sich das Startup als eine Art „digitaler Geschäftsführer“, der durch intelligente Auswertung betriebsinterner und externer Daten Abläufe effizienter gestaltet, Kostenstellen transparent macht und neue Umsatzpotenziale aufzeigt, wie Rudigier erklärt. Ziel sei es nun, der Gastronomiebranche durch datengetriebene Entscheidungen mehr Wirtschaftlichkeit, Planungssicherheit und Effizienz zu verleihen.

Digitaler Co-Pilot

Dabei agiert Nightscale als digitaler Co-Pilot: „Die Software kommuniziert direkt mit dem bestehenden POS-System und analysiert die wichtigsten betrieblichen Kennzahlen in Echtzeit. Auf dieser Basis generiert Nightscale konkrete Handlungsempfehlungen – etwa zur besseren Personaleinsatzplanung, zur Optimierung von Einkaufs- und Lagerkosten oder zur Steigerung der Auslastung an schwächeren Tagen“, erklärt Rudigier.

Darüber hinaus werden von der Software externe Systeme nahtlos eingebunden, wie etwa Reservierungs- und Buchungstools, Personalmanagement-Software, Buchhaltungssysteme oder auch Datenquellen wie Wetterprognosen, Verkehr, Events oder Ferienkalender. Durch diese Integration entstehe ein 360-Grad-Datenökosystem, das einen ganzheitlichen Überblick über den Betrieb ermögliche.

„Nightscale verwandelt die enorme Datenmenge, die in jedem Betrieb ohnehin vorhanden ist, in klare, verständliche und praxisnahe Empfehlungen – und wird so zum digitalen Geschäftsführer, der neue Umsatzchancen sichtbar macht, Prozesse verschlankt und Kosten spart“, so Rudigier weiter.

Datengewinn aus externen Faktoren

Ein konkretes Beispiel etwa ist die Personaleinsatzplanung: Nightscale erkennt anhand historischer POS-Daten und externer Faktoren wie viele Gäste an einem bestimmten Tag zu erwarten sind. „Daraus ergeben sich konkrete Empfehlungen für den Personaleinsatz – so lassen sich Überstunden vermeiden, Lohnkosten senken und gleichzeitig Engpässe verhindern“, sagt Rudigier.

Auch beim Wareneinsatz und der Lagerhaltung unterstützt das Startup. Die Software analysiert, welche Speisen und Getränke besonders stark nachgefragt werden, warnt bei überteuerten Produkten im Einkauf oder weist auf Artikel hin, die regelmäßig übrig bleiben. Das reduziere Food-Waste, optimiere Einkaufsmengen und steigere die Marge, so der Claim.

Darüber hinaus liefert Nightscale Ansätze zur Umsatzsteigerung durch Angebotssteuerung: So können etwa Happy Hours gezielt an schwächeren Wochentagen eingeführt werden, während bei hoher Nachfrage eine dynamische Preisgestaltung sinnvoll sei. Auch Menü-Optimierungen und Cross-Selling-Empfehlungen – wie Aperitif-Dessert-Kombinationen – oder tageszeitbasierte Angebote wie Business-Lunch-Pakete sollen dazu beitragen, den Umsatz zu steigern.

„Unser Co-Pilot ist von Anfang an mit dem Anspruch entstanden, Gastronomen eine intuitive und praxisnahe Unterstützung im Alltag zu bieten. Statt auf komplizierte Technik zu setzen, haben wir bewusst eine flexible Lösung geschaffen, die sich an die Bedürfnisse der Betriebe anpasst“, erklärt Rudigier. „Noch wichtiger ist aber, dass wir Nightscale nicht im Labor entwickeln, sondern direkt gemeinsam mit mehreren Dutzend Partnerbetrieben in ganz Österreich. Durch diese Pilottests stellen wir sicher, dass jede Funktion einen echten Mehrwert im täglichen Betrieb bringt und der Co-Pilot genau die Unterstützung liefert, die Gastronomen wirklich brauchen.“

Nightscale plant Pre-Seed

Das Startup befindet sich aktuell in der Finalisierung des MVP und in der laufenden Implementierungsphase bei ersten Pilotkunden. Der Fokus liegt derzeit bewusst nicht auf Umsatz, sondern auf der praxisnahen Weiterentwicklung des Produkts. „Gemeinsam mit mehreren Dutzend Partnerbetrieben in ganz Österreich testen wir Nightscale im Echtbetrieb und stellen so sicher, dass jede Funktion einen echten Mehrwert liefert. Diese enge Zusammenarbeit bildet die Basis, um nach dem offiziellen Rollout schnell zu skalieren und Umsätze nachhaltig aufzubauen“, so der Founder.

Bisher wurde Nightscale bewusst gebootstrapped, um maximale Unabhängigkeit und volle Kontrolle über die Produktentwicklung zu bewahren. Der nächste Schritt ist eine Pre-Seed-Runde, die das Gründungsteam zeitnah eröffnen möchte, sobald erste messbare Erfolge mit Pilotkunden vorweisbar sind.

„Unser langfristiges Ziel ist es, Nightscale als Standard für datengetriebene Entscheidungsfindung in der Gastronomie zu etablieren – zuerst im DACH-Raum, mittelfristig aber auch international. Wir wollen der Branche nicht nur ein Tool, sondern einen echten digitalen Partner zur Seite stellen, der Gastronomen hilft, ihr Geschäft zukunftssicher zu gestalten“, präzisiert Rudigier. „Wir sind überzeugt, dass die Gastronomiebranche in den kommenden Jahren unweigerlich eine tiefgreifende digitale Transformation durchlaufen wird – und Nightscale will dabei eine federführende Rolle übernehmen.“

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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