23.05.2025
HANDWERK

NÖ-Startup bowaso: Einfache Terminfindung für Handwerker:innen

Die Therme ist kaputt oder die Waschmaschine läuft nicht mehr – Alltagsprobleme, die möglichst schnell behoben werden sollten, denn ohne warmes Wasser macht das Duschen eben doch nur halb so viel Spaß. Aber einen Termin bei einem:einer Handwerker:in zu finden, ist oft sehr mühsam. Mit bowaso wollen die Co-Founder:innen Michael Haug und Leonie Leodolter die Terminfindung einfacher gestalten. Mit ihrer Buchungsplattform bowaso könne man „schnell und unkompliziert“ Handwerker finden, so die Idee.
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Co-Founder:innen Michael Haug und Leonie Leodolter. (c) bowaso
Co-Founder:innen Michael Haug und Leonie Leodolter. (c) bowaso

„Gekommen ist uns die Idee während des ersten Corona Lockdowns: Bei uns im Haus sind gleich zwei Geräte gleichzeitig kaputtgegangen, und es war einfach total mühsam, einen Handwerker zu finden. Ich hab ganz klassisch gegoogelt, und die Hälfte der Handwerksbetriebe hat einfach nicht abgehoben oder die Nummer war nicht mehr verfügbar – man hat nicht mal gewusst, ob es den Betrieb überhaupt noch gibt“, erinnert sich Michael Haug, Gründer von bowaso. Daraus sei die Idee entstanden: Es müsse eine niederschwellige, unkomplizierte Plattform geben, über die man schnell an Handwerker:innen in der Umgebung kommt.

Dashboard für Handwerker:innen

Grundsätzlich können sich alle auf bowaso anmelden: Ein-Personen-Unternehmen genauso wie Betriebe mit mehreren Mitarbeiter:innen. „Wichtig ist uns nur, dass sich ausschließlich Handwerker:innen mit Gewerbeschein bei uns anmelden, da wir sehr auf Qualität achten“, so Haug. Auf bowaso habe man als Handwerker:in ein Dashbord, wo man eine Übersicht über alle Termine hat und sie entweder annehmen oder ablehnen kann. „Wir sind eine reine Vermittlungsplattform – wir nehmen auch keine Provision für die vergebenen Aufträge und haben keine Preisvorgaben“, so Haug im brutkasten-Gespräch.  

Das Startup finanziert sich über ein Abo-Geschäftsmodell: Es gibt ein Basic-Abo für 49,- im Monat sowie ein Service-Abo für 69,- im Monat, bei dem die komplette Profilverwaltung übernommen wird. „Bei diesen Preisen zahlt sich die App sehr schnell für die Betriebe aus“, meint Haug. Für Kund:innen, die eine Leistung buchen wollen, ist die Nutzung komplett kostenlos.

Bisher sind 250 Unternehmen auf der Plattform vertreten – die wurden allerdings von Haug selbst eingeladen und nutzen das Angebot jetzt ein Jahr gratis. „Wir möchten ihnen damit zeigen, dass sich die App auszahlt und hoffen natürlich, dass sie dann ein bezahltes Abo abschließen und ihre Mitgliedschaft verlängern“, so Haug.  

Chatbot für noch unkompliziertere Buchungen

Die Nachfrage sei definitiv da: Die Plattform gebe es schon seit 2020, und innerhalb kürzester Zeit hätte bowaso 500 Anfragen gehabt, so Haug. Jetzt steht ein großer Umschwung bevor: Denn bowaso soll noch niederschwelliger und noch einfacher in der Bedienung werden. Statt einer klassischen Startseite werde es noch mit Ende Mai/Mitte Juni einen Chatbot im Stil von ChatGPT und Co. geben, wenn man die Webseite aufruft. „Wir haben einfach gemerkt, dass Kund:innen noch einfacher und noch unkomplizierter ans Ziel kommen wollen. Wir haben darauf reagiert –jetzt können unsere Kund:innen einfach ihr Anliegen beschreiben. Und unser Chatbot schlägt dann drei bis fünf passende Unternehmen vor“, so der Founder.

Für den Launch dieses neuen Bots ist Haug jetzt auf der Suche nach Investor:innen und Förderungen. „Die Idee wird angenommen, die Markenbekanntheit jedoch fehlt. Mit unserem neuen KI-System glauben wir, dass wir für beide Seiten einen Mehrwert bieten können“, sagt er. Für diesen Schritt brauche es aber jetzt mehr Kapital.

Das bisher eigenfinanzierte Unternehmen möchte bis spätestens nach dem Sommer einen Partner an der Seite haben – das Investment würde fast zu 100 Prozent ins Marketing fließen, da die monatlichen Ausgaben so gering sind, dass sie selbst zu stemmen sind. „Wir rechnen mit ungefähr 100 bis 200.000 Euro, die wir brauchen werden“, so Haug.

Geplant ist auch eine Expansion in den Dachraum, mit Fokus auf die Ballungsräume. Auch das solle idealerweise bis Ende 2025 passieren, „aber das ist schon sehr ambitioniert“, fügt Haug dazu.  Vorerst stünde jetzt jedenfalls der Launch des Chatbots im Vordergrund.

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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