17.04.2026
RECHENZENTREN

Niederösterreich legt Rechenzentren-Strategie vor – Kritik von Branchenverband

Niederösterreich will den Ausbau von Rechenzentren künftig gezielt steuern. Während das Land von klaren Regeln und wirtschaftlichen Chancen spricht, sieht die Branche Nachbesserungsbedarf.
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(c) Brett Sayles via Pexels

Das Land Niederösterreich hat eine eigene Strategie für Rechenzentren vorgestellt. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bezeichnete das Thema als „eine der zentralen Standort- und Zukunftsfragen“. Ziel sei es, als erstes Bundesland „klare Regeln, klare Standorte und vor allem auch klare Prioritäten“ zu definieren.

Fokus auf Steuerung und Standortpolitik

Aktuell lägen Anfragen für Projekte mit rund 3.400 Megawatt Strombedarf vor – etwa doppelt so viel wie der gesamte Stromverbrauch des Bundeslands. Rechenzentren seien energie- und flächenintensiv, weshalb ohne Steuerung „Nutzungskonflikte“ entstehen könnten.

Die Strategie sieht neue Widmungskategorien mit gestaffelten Genehmigungserfordernissen vor. „Bis 0,5 Hektar sind Widmungen wie bisher im Betriebsgebiet und Industriegebiet möglich. Bis drei Hektar braucht es eine neue Kategorie Bauland-Sondergebiet-Rechenzentrum. Über drei Hektar braucht es eine Standortverordnung der Landesregierung und eine Widmung der Gemeinde“, so LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Wirtschaftliche Chancen

Neben der Steuerung betont das Land auch wirtschaftliche Effekte. Laut Mikl-Leitner könne der Bau eines Rechenzentrums mit 100 Megawatt Leistung eine Bruttowertschöpfung von rund 270 Millionen Euro generieren und etwa 2.800 Arbeitsplätze schaffen.

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf verwies zudem auf die Rolle von Rechenzentren für die digitale Transformation: „Wir haben nicht in der Hand, wie sich die KI entwickelt, wir haben aber in der Hand, wie wir Rechenzentren dafür entwickeln und wo wir sie platzieren.“

ADCA kritisiert regulatorischen Ansatz

Kritik kommt von der Austrian Datacenter Association (ADCA). Präsident Martin Madlo sieht im Entwurf vor allem zusätzliche Regulierung: „Der Gesetzesentwurf ist eine regulatorische Steuerung und keine Standortstrategie.“

Zwar sei es „sehr erfreulich“, dass Niederösterreich die Bedeutung von Rechenzentren erkannt habe, allerdings werde dies im Entwurf „nur zu einem geringen Teil“ berücksichtigt. Die ADCA kritisiert insbesondere zusätzliche Widmungserfordernisse und Sondergenehmigungen, die „die Verfahrenskomplexität erhöhen“ und zu Rechtsunsicherheit führen könnten.

Forderung nach klareren Rahmenbedingungen

Besonders kritisch bewertet der Verband die vorgesehenen Schwellenwerte von 0,5 und 3 Hektar, die Madlo als nicht sachgerecht einstuft. Aus Sicht der Austrian Datacenter Association würden professionelle Rechenzentren dadurch häufig in die Kategorie von Sondergenehmigungen fallen, was die Weiterentwicklung bestehender Standorte erschwere. Zudem würden größere Projekte insgesamt öfter strengeren Verfahren unterliegen, während die Übergangsregelungen laut Verband „nicht die Projektrealität widerspiegeln“.

Die ADCA fordert daher klare und transparente Kriterien, verbindliche Genehmigungsfristen sowie mehr Planungssicherheit für Betreiber. Gleichzeitig signalisiert der Verband Gesprächsbereitschaft und bietet an, „Erfahrung aus der Praxis einzubringen“, um gemeinsam eine tragfähige Strategie zu entwickeln.

Während das Land die Strategie als notwendigen Ordnungsrahmen positioniert, sieht die Branche darin derzeit vor allem zusätzlichen Regulierungsaufwand.

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v.l.n.r: Daniela Gassner (RLB), Steve Jeitler (Business Angel), Verena Kraßnig (RLB), Georg Lackner (SUPASO), Olivia Pinter (RLB), Fabian Gems (SUPASO), Jörg Schönbacher (FMMS) | (c) Supaso

Im Juli 2025 hatte Supaso am Rande des Business Angel Summit in Kitzbühel angekündigt, eine Finanzierungsrunde vorzubereiten (brutkasten berichtete). Diese Runde ist nun abgeschlossen: Angeführt wird sie von der Gerald Jeitler GmbH, beteiligt sind außerdem die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark und die FMMS Beteiligungs GmbH.

Die Supaso FlexCo aus Hartberg produziert Isolierverpackungen aus recyceltem Altpapier, die Styropor (EPS) in der temperaturgeführten Logistik ersetzen sollen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten ausbauen und international wachsen. Zur Höhe des Investments macht Supaso allerdings keine Angaben.

Transportkosten begrenzen den Lieferradius

„Das größte Problem bei Verpackung ist natürlich die Distanz“, sagt Mitgründer Fabian Gems im Gespräch mit brutkasten. Gut liefern lasse sich in einem Radius von 300 bis 400 Kilometern. „Alles, was darüber hinausgeht, geht meistens auf die eigene Marge, weil die Transportkosten einfach steigen.“

Gems nennt dazu Zahlen: Der Warenwert einer LKW-Ladung liege zwischen 6.000 und 8.000 Euro, die Transportkosten nach Madrid bei 3.500 Euro. Eine Zustellung in die Schweiz inklusive Verzollung kostete im Vorjahr 1.900 Euro, mittlerweile 2.700 Euro. Weitergeben lasse sich das nur bedingt, ohne näher gelegenen Wettbewerbern eine Chance zu geben.

Fünf Partner, erste Pilotanlage ab Q1

Supaso setzt deshalb auf ein Machine-as-a-Service-Modell, das unter dem Namen Modular Up Cycling Hub (MUCH) vorbereitet wird: Statt fertige Dämm-Inlays quer durch Europa zu transportieren, sollen Partnerbetriebe mit eigenem Papier- und Kartonabfall vor Ort produzieren. Das Kapital fließt laut Gems in die Serienreife der Produktionslinien und in erste Testpiloten im In- und Ausland.

Fünf Partner hat Supaso nach eigenen Angaben identifiziert, darunter ein Styroporhersteller, der selbst unter Druck steht. Der Start ist für das erste Quartal des kommenden Jahres geplant, zunächst mit einer Anlage. Zwei weitere sollen nach Möglichkeit folgen. Die Validierungsphase soll bis etwa 2028 laufen, danach ist die nächste Finanzierungsrunde vorgesehen. Als besonders dynamische Märkte nennt Gems Kroatien und Slowenien.

Wie abgerechnet wird, ist offen. Getestet werden Varianten von der Leasinganlage mit Lizenzgebühr bis zu Pay-per-Use. Eine eigene Großfabrik schließt Gems aus: „Davon bin ich absolut nicht überzeugt. Wir wollen uns direkt in die Wertschöpfungskette bei Verpackungs- und Kartonageherstellern und Papierfabriken einbauen.“

Bewusst österreichische Investoren

Seit dem Business Angel Summit in Kitzbühel im Vorjahr habe man mit vielen Kandidaten gesprochen und dabei eine Erkenntnis gewonnen, so Gems: „So ein ganz klarer VC-Fall sind wir nicht.“ Man sei erstens Hardware und zweitens relativ erklärungsbedürftig. Die Präferenz sei deshalb auf österreichisches Kapital mit langem Atem gefallen, einen Exit in zwei Jahren strebe man nicht an: „Wir wollen das jetzt wirklich groß machen.“

Die FMMS Beteiligungs GmbH mit Sitz in Frohnleiten wurde Ende 2024 im Firmenbuch eingetragen und gehört zur FMMS Holding GmbH, der Beteiligungsholding von Franz Mayr-Melnhof-Saurau. Zum Portfolio zählen die Mayr-Melnhof Holz Holding, der größte Privatforstbetrieb Österreichs und ewe Küchen, insgesamt rund 2.000 Mitarbeitende in vier Ländern. Als Schwerpunkte nennt die Holding unter anderem Ressourcenwirtschaft und Greentech.

Die RLB Steiermark bringt neben Kapital vor allem Know-how bei der Ausgestaltung der Abrechnungsmodelle ein, sagt Gems – ein Punkt, der bei einem noch offenen Machine-as-a-Service-Geschäftsmodell zwischen Leasing und Pay-per-Use nicht unerheblich ist. Die Landesbank, die als größte Regionalbank im Süden Österreichs auftritt, hat ihr Beteiligungsgeschäft zuletzt gezielt ausgebaut: Für Startups, Scaleups und KMU steht ein Beteiligungsvolumen von 100 Millionen Euro bereit, wovon bereits 40 Millionen Euro investiert sind. Nachhaltige und regionale Zukunftsbranchen zählen dabei explizit zu den Investitionsschwerpunkten der Bank

Supaso wurde 2021 gegründet. Im August 2023 zählte das Unternehmen 190 Kund:innen in neun Ländern (brutkasten berichtete), im Juli 2025 über 300 in zehn Ländern, aktuell sind es nach eigenen Angaben „Hunderte“ in zwölf europäischen Ländern. Die Nachfrage nach kreislauffähigen Verpackungen wird unter anderem durch die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) getrieben.

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