05.03.2025
NEUE SCHWERPUNKTE

NFTs tot?: Wie ein NÖ-Impact-Startup Token als Kundenbindung nutzt

Anja Grundböck hat ihr St. Pöltner Startup New World Guardians im März 2022 gestartet und hatte sehr schnell ein großes Team beisammen. Parallel dazu brach jedoch der Krypto- und NFT-Markt ein und stellte sie vor Schwierigkeiten. Sie startete bereits im Vorjahr eine Neukonzeptionierung und eröffnete heuer, passend zur neuen Strategie, einen Marktplatz, über den auch andere Brands verkaufen können. Die Gründerin erklärt ihre neue Schwerpunktsetzung.
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New World Guardians, Miss Slovakia NFT
(c) NWG - Miss Slovakia Frederika Kurtulikova war das erste NFT-Model für New World Guardians.

Man hört es immer wieder. In einer gesellschaftlich konsensualen Übereinkunft schallt es von allen Seiten her: NFTs sind tot. War der NFT-Markt Ende 2021 laut Daten von Chainalysis 41 Milliarden US-Dollar schwer, kam in den Jahren danach der Einbruch. Längst zur Geschichte zählen der Verkauf von Beeples digitalem Werk Everydays: The First 5000 Days um 69,35 Millionen US-Dollar, die verdiente Million von Sultan Gustaf Al Ghozali, der mit 933 Selfies reich wurde oder das einfache Bild eines Stocks namens „Twig“, der 1.200 US-Dollar wert war. Von Bored-Ape- oder dem Crypto-Punks-Hype gar nicht zu reden.

Klimt, Kahlo und Meta

Im Mai 2022 gab es hierzulande einen Preisverfall der Klimt-NFTs um 87 Prozent; im November des gleichen Jahres wurden nur vier von 10.000 Non-Fungible Tokens eines Frida-Kahlos-Gemäldes verkauft. Und Meta, das anfänglich noch euphorisch auf den NFT-Zug aufgesprungen war, stellte 2023 seine Funktion für NFTs ein.

Die New World Guardians-Gründerin Anja Grundböck gesteht, dass sie, wie viele andere, vor einer bestimmten Erkenntnis in einer „Bubble“ gefangen war. In einer, vergleichbar mit der Goldgräberzeit, wo es nur darum ging, schnell Geld zu machen. „Das war eine Herausforderung für mich“, sagt sie. „Sieht man sich heute noch erfolgreiche Projekte an (Anm.: Hugo Boss Membership-Programm XP), so weiß man, dass NFTs mit ‚real life assets‘ verbunden werden müssen.“

Sie hat daher, wie bereits im Vorjahr angedeutet, neue Schwerpunkte gesetzt, um ihre Vision von positivem Impact auf die Welt weiterzuverfolgen. Konkret einen Marktplatz, über den (anfangs gab es „nur“ eine eigene Kollektion von New World Guardians) auch andere Brands verkaufen können. Die angebotenen Produkte unterliegen dabei mehreren Kriterien. Sie müssen vegan und tierleidfrei sein; die Unternehmen müssen dabei nachhaltig arbeiten. Wie etwa zwei Firmen aus Polen, die Schuhe und Taschen aus Oliven- und Weintrauben-, Kaktus-, Korn- oder Apfelleder produzieren. In Frankreich und Portugal gibt es noch Partner, die Sneakers aus Hanf herstellen. Zudem hat man eine eigene New World Guardians-Kollektion gemeinsam mit Stanley/Stella entwickelt.

New World Guardians: „Nicht wie andere Marktplätze“

Das Ziel von Grundböck ist es, über die nächsten Jahre 100 Brands auf den Marktplatz zu bringen. „Aber wir wollen nicht wie andere Marktplätze werden, wo alles sehr unübersichtlich ist“, sagt sie. „Selbst bei nachhaltigen weiß man nicht immer, ob alles auch ‚wirklich nachhaltig‘ ist. Viele haben mehrere Kriterien und oft reicht es dort aus, wenn man zwei erfüllt und schon darf man auf den Marktplatz rein. Wir wollen die vegane, vegetarische Zielgruppe ansprechen, ohne dass sie verwirrt werden. Ein Shop sein, wo man weiß, dass alles mit den eigenen Werten übereinstimmt.“

Die NFTs dienen New World Guardian nun primär als Kundenbindungsprogramm. Im Besitz eines Tokens hat man die Möglichkeit, sich beim Checkout mit der Wallet zu verbinden und Rabatte zu erhalten. Künftig sollen auch exklusive Kollektion für NFT-Besitzer:innen folgen. Jene können sich über eine eigene Metaverse-Galerie vernetzen.

(c) NWG – Die Metaverse-Galerie für NFT-Besitzer:innen.

Der Switch von NFTs zum Kundenbindungstool liegt darin begründet, dass die Idee mittels Token-Verkauf Hilfsprojekte zu unterstützen, nicht den Anklang gefunden hat, wie erhofft. „Dies wurde nicht so geschätzt, wie ich es mir gedacht habe“, gesteht Grundböck, die fünf bis zehn Prozent ihres Umsatzes an bisher sechs Organisationen spendet. „Die Vision ist es, und das war der Ur-Gedanke, damit etwas zu bewegen.“ Der Fokus liegt dabei, kleine und unterrepräsentierte Hilfsprojekte zu unterstützen.

(c) NWG – New World Guardians-Gründerin Anja Grundböck mit Jessica, dem erstes Patenkind, das über das Hilfsprojekt „One Heart Umonuho“ unterstützt wurde.

Denn: „Bei den großen NGOs fließt viel Geld in die Verwaltung“, weiß Grundböck. „Bei unseren Projekten kenne ich die Gründer persönlich und weiß, wohin das Geld geht. Sie haben kein Budget für Marketing und brauchen jemanden, der sie unterstützt.“

New World Guardians, NFT, Cesar Sampson, Miss Slovakia
(c) NWG – Cesár Sampson (Mitte) und Miss Slovakia Frederika Kurtulikova bei einem der Hilfsprojekte (RespekTurtle) von New World Guardians.

New World Guardians selbst erhält auch prominente Unterstützung: Musiker Cesár Sampson, der 2018 für Österreich den dritten Platz beim Eurovision Song Contest erreichte und seine Frau Frederika Kurtulikova (Miss Slovakia 2019 und erstes New-World-Guardian-NFT-Model) teilen die Vision der Gründerin einer nachhaltigen und tierleidfreien Welt.

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07.10.2026

Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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