Skurrile NFTs abseits von Beeple und Co: Seelenverkauf, 933 Selfies und ein Schnitzel
Der NFT-Markt war Ende 2021 laut Daten von Chainalysis 41 Milliarden US-Dollar schwer. Tendenz steigend. Hier ein paar Beispiele bemerkenswerter Non-Fungible-Token-Ideen.
Es gibt sie da draußen zuhauf. Unzählige NFTs, die darauf warten, neue Besitzer zu finden. Während in der Branche berühmte Artisten erschienen sind – Beeple verkaufte sein „Everydays: the First 5000 Days“ für 69,35 Millionen US-Dollar; „The Merge“, ein fragmentiertes NFT-Werk von Pak, ging als Kollektion für 91,8 Millionen US-Dollar über die Ladentische -, gibt es auch noch etwas skurrilere und kreative Ideen in der Non-Fungible-Token-Welt.
Ein NFT für Seelenjäger
Stijn van Schaik (Stinus) etwa, ein 21-jähriger Student, hat kürzlich seine Seele als digitales Kunstwerk auf dem NFT-Marktplatz OpenSea angeboten. Auf einer eigens geschaffenen Website führt der gebürtige Holländer einen Seelenverkaufsvertrag, in dem exakte Verwendungszwecke aufgelistet sind.
Ursprünglich mit einem Mindestpreis von 0,1 ETH zur Auktion gestellt, wurde der Token Anfang April für 0,11 ETH (rund 277 Euro stand heute) verkauft. Aktuell ist das Werk mit einem Gebot von 1.040,25 ETH (2.889.866,51 Euro) gelistet.
(c) Soul of Stinus/Opensea – Stijn van Schaik verscherbelt seine Seele.
Millionär durch 933 Selfies
Ein weiterer NFT-Kandidat, der für erhobene Augenbrauen gesorgt hat, ist Sultan Gustaf Al Ghozali. Der 22-jährige indonesische Student hat während seiner Hochschul-Ausbildung jeden Tag ein Foto von sich gemacht. Seine Selfies wurden in einer Serie namens „Ghozali Everyday“ auf OpenSea zusammengestellt.
(c) Ghozali_Ghozalu/Opensea – Mit 933 Bildern, ähnlich diesem, wurde Al Ghozali zum Millionär.
Von 2017 bis 2021 schoss er seine alltäglichen Fotos und kreierte damit 933 Bilder (sitzend oder stehend vor dem PC), die er für drei US-Dollar pro Stück anbietet. Bis jetzt kamen insgesamt 399 ETH (rund 1.108.000 Euro) zusammen.
Remy der Hunde mit dem Holzstock
Ein weiterer Augenöffner kommt aus den USA und nennt sich „Twig„. Laut Selbstbeschreibung „ein einzigartiges, originelles Kunstwerk, kuratiert von einem Hund für Hunde“, handelt es sich schlussendlich schlicht um ein Bild eines Stocks, den ein Hund namens Remy in New York gefunden hat. Startpreis: 1.200 US-Dollar.
(c) between two naps/Opensea – Ein Stock aus New York als NFT.
Wiener Schnitzel als NFT
Wem all das allerdings zu viel Internationalität ist, der könnte an „Cryptodinner“ gefallen finden. Dieser User bietet NFTs der österreichischen Küche an. Darunter das Wiener Schnitzel oder Spätzle mit Wildschwein.
(c) Cryptodinner/Opensea – Für den virtuellen Hunger – das Wiener Schnitzel von Cryptodinner.
Der Kaufpreis der Speisen variiert zwischen 0,015 und 0,02 ETH (rund 41/55 Euro). Angebracht hat er bisher einen Token, der Frankfurter mit Erdäpfelsalat und Senf abbildet.
10 Jahre Global Incubator Network Austria: Ein Jahrzehnt internationaler Vernetzung – gefeiert im Herzen Wiens
Zehn Jahre, sechs Partnerregionen, 756 Startups: Beim Jubiläum von Global Incubator Network Austria (GIN) im Wien Museum wurde greifbar, wie aus einem Förderprogramm ein globales Netzwerk wurde. brutkasten war vor Ort.
10 Jahre Global Incubator Network Austria: Ein Jahrzehnt internationaler Vernetzung – gefeiert im Herzen Wiens
Zehn Jahre, sechs Partnerregionen, 756 Startups: Beim Jubiläum von Global Incubator Network Austria (GIN) im Wien Museum wurde greifbar, wie aus einem Förderprogramm ein globales Netzwerk wurde. brutkasten war vor Ort.
Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).
Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.
Foto: epilogy.photography
Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“
Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.
Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien
Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.
Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.
Foto: epilogy.photography
Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“
Panel: Local Roots, Global Reach
Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.
Foto: epilogy.photography
Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre
Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.
Foto: epilogy.photography
Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein
Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.
Foto: epilogy.photography
Eine Community feiert
Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“
Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.
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