23.01.2026
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Nexl: Österreichischer Founder gründet 100-Mio.-Startup in Sydney – zieht nach New York

Das KI-gestützte Growth-Startup Nexl erhielt im Oktober 2025 eine Finanzierung in Höhe von 23 Millionen US-Dollar. Founder Philipp Thurner hat in Australien gegründet, dann aber aufgrund des Erfolgs eine Niederlassung in den USA geschaffen. Und, um korrekt zu bleiben, dort eine 100-Mio-Bewertung erreicht.
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Nexl
(c) zVg - Philipp Thurner von Nexl.

Business Development in Anwaltskanzleien ist fragmentiert und ineffizient – das ist die Erfahrung, die Philipp Thurner gemacht hat. Aus diesem Grund hat er Nexl 2018 als Solo-Founder in Sydney gegründet, eine KI-gestützte Growth- und Relationship-Plattform, an der bis zur letzten Finanzierung auch dessen Cousin und Podcaster Martin Kaswurm beteiligt war.

Nexl: USA als größter Markt

„Viele Systeme sind reine Datenablagen, werden schlecht genutzt und helfen Anwälten im Alltag kaum. Nexl wurde geschaffen, um genau das zu ändern: weg vom klassischen CRM, hin zu einem System, das tatsächlich täglich genutzt wird und Wachstum messbar unterstützt“, erzählt er gegenüber brutkasten. „Wir helfen Kanzleien dabei, Geschäftsentwicklung, Marketing und Mandantenarbeit besser zu koordinieren und datenbasiert zu steuern.“

Nexl hat seinen Hauptsitz weiterhin in Australien, ist aber von Anfang an schnell international gewachsen. „Der US-Markt ist heute unser größter Markt, weshalb wir vor rund zwei Jahren entschieden haben, unseren strategischen Fokus primär auf die USA zu legen. Ich bin dafür nach New York City gezogen, wo ich aktuell lebe“, erklärt Thurner. „Das hat uns ermöglicht, unsere Series B mit US-Investoren abzuschließen und näher an unseren wichtigsten Kunden zu sein. New York ist das globale Zentrum der Rechtsbranche. Gleichzeitig bauen wir hier unser Leadership- und Go-to-Market-Team weiter aus. Produkt und Engineering sind und bleiben in Australien angesiedelt.“

Series B im Oktober 2025

Die Series-B-Runde in Höhe von 23 Millionen US-Dollar (bei einer über 100-Millionen-US-Dollar-Bewertung) wurde von Tidemark Capital angeführt, einem der führenden Growth-Investoren und Thought Leader im Bereich Vertical SaaS. Dave Yuan, Gründer von Tidemark und ehemaliger Partner bei TCV, leitete die Runde persönlich und ist dem Board von Nexl beigetreten.

„Nexl steht für einen grundlegenden Wandel im Legal-CRM – von Grund auf dafür entwickelt, die spezifischen Herausforderungen von Kanzleien zu lösen“, kommentiert Yuan seine Entscheidung beizutreten. „Durch die Verbindung von Beziehungsintelligenz und CRM haben sie eine reichhaltige Nutzererfahrung geschaffen, die einen echten Kontrollpunkt in der Branche einnimmt.“

Das Kapital wird gezielt in drei strategische Bereiche investiert: In die Weiterentwicklung der KI- und Datenplattform, den Ausbau des US-Geschäfts im Enterprise-Segment und in die Stärkung der Präsenz in EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika), inklusive Teamaufbau und Markterschließung, insbesondere im deutschsprachigen Raum.

Nexl: Fokus auf DACH

Nexl verfügt heute über 90 Mitarbeitende weltweit, mit Teams in Australien, den USA und EMEA. Insgesamt bedient das Startup global mehr als 150 Kanzleien — darunter führende Kanzleien der AmLaw 100.

„Wir sehen aktuell starkes Momentum in Europa – mit Fokus auf den DACH-Raum – und bauen diesen Markt bewusst aus“, erklärt Thurner die nächsten Schritte. „Langfristig ist das Ziel klar. Nexl soll der globale Standard für Growth, Relationship-Intelligence und KI-gestützte Geschäftsentwicklung in Kanzleien werden und neu definieren, wie Kanzleien weltweit wachsen und zusammenarbeiten.“

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Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives: Der erste Flug ihres modularen Satelliten ist für Q1 2029 geplant. | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Wer heute im All etwas anderes vorhat als Erdbeobachtung oder Kommunikation, stößt schnell an eine Wand. „Wenn du irgendetwas im All machen willst, egal ob Experimente, Manufacturing, Datenspeicherung oder eine Plattform für Quantenkommunikation, dann hast du keine Infrastruktur“, sagt Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives. „Es gibt kaum Plattformanbieter.“ Bisher führe der Weg für solche Missionen im Wesentlichen über die ISS. Deren Betrieb soll 2030 enden, kommerzielle Nachfolgestationen sind in Entwicklung, aber noch keine im Regelbetrieb.

In diese Lücke will das Tullner Startup. Der Ausgangspunkt war das Ergänzungsstudium Extended Studies on Innovation am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien, wo Eichinger die Idee entwickelte. Kunst und Philosophie hatte sie vor ihrem Physik- und Architekturstudium in Wien studiert.

Der Leporello-Satellit

Das Produkt ist ein flacher Satellit, der aus einzelnen Einheiten besteht: den Tiles, jede fünf Zentimeter hoch und etwa so groß wie eine Pizzaschachtel. „Es sieht aus wie Kacheln, im Grunde wie Solarpaneele, die sich im Orbit entfalten“, sagt sie. „Aber es sind keine Solarpaneele. Es sind voll funktionsfähige Satelliten.“

Der Kniff steckt im Scharnier. Die Einheiten sind verbunden und übereinander gestapelt, ähnlich einem Leporello. Gestapelt passen sie in einen handelsüblichen CubeSat-Dispenser, was die Startkosten drückt. Im Orbit entfalten sie sich zu einer langen Kette: „Wir nennen sie Mosaics Satellites.“

Ein Mosaic von Satellives | (c) Satellives

Der technische Kernclaim betrifft Energie. Pro Einheit könne man bei gleichem Gewicht viermal so viel Energie speichern wie ein durchschnittlicher CubeSat, sagt Eichinger. Der Wert beruht auf eigenen Berechnungen und ist im Flug nicht demonstriert. „Das Einzige, was es im All unbegrenzt gibt, ist Energie.“ Nur lasse sie sich kaum nutzen: Bei CubeSats sei nicht das Einsammeln das Problem, sondern der fehlende Platz für Batterien. Wer energiehungrige Missionen fliegen wolle, habe deshalb nur schlechte Optionen. „Entweder du baust einen 50-Millionen-Dollar-Satelliten, was fast niemand kann, oder du kannst es nicht.“

Dazu kommt Modularität. „Die meisten Satelliten sind One-Trick-Ponys“, sagt Eichinger. An die Plattform lassen sich dagegen Produktionsboxen andocken. Zwei Tiles würden nach ihrer Rechnung reichen, um einen kleinen 3D-Drucker dauerhaft zu versorgen und gleichzeitig als Plattform für Quantenkommunikation oder Datenspeicherung zu dienen.

Flache Satelliten an sich sind nicht neu, das räumt Eichinger ein: Starlink stapelt sie längst, weil sich so Startkosten sparen lassen. Neu sei die Kombination aus flachem Formfaktor und echter Modularität. Das Patent dafür ist nach ihren Angaben bei der WIPO und in Österreich angemeldet, zunächst bewusst auf ihren Namen und nicht auf die Gesellschaft. Ende Juli wurde es an die Gesellschaft übertragen. Ab einem gewissen Punkt, sagt sie, mache staatsnahe oder fremdgehaltene IP ein Unternehmen für Investor:innen unattraktiv.

Gegen den Hype

Rechenzentren im Orbit sind für Satellives selbst ein Zielmarkt. Beim Hype darum bremst Eichinger trotzdem. „Alle sagen: Bringt die Datenspeicher ins All, dort ist es kalt. So funktioniert das nicht.“ Kühlung sei auch oben nötig. Wäre das der einzige Punkt, sagt sie, bräuchte es den Orbit gar nicht: „Warum bringt man die Daten dann nicht in die Arktis? Dort kann man sie kühlen.“ Der größte Engpass sei das Wärmemanagement: Im Vakuum lasse sich ein Rechenzentrum nur schwer kühlen. Dazu kämen Verarbeitung und Downlink per Laserkommunikation, beides brauche kontinuierlich hohe Energie. Ein riesiges und künftig sehr relevantes Geschäftsfeld sei es dennoch.

Satellives-Gründerin Lilly Eichinger im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Verglühen lassen will sie nichts. „Wir planen, zu 100 Prozent nachhaltig zu operieren.“ Der übliche Wiedereintritt am Missionsende erzeuge giftige Gase. „Okay, nicht ein einzelner CubeSat. Aber wenn es eine Million sind oder zehntausend im Jahr, dann summiert sich das.“ Beschädigte Tiles sollen stattdessen über einen Reentry-Service zurückkommen und recycelt werden.

Kapitalbedarf

Firmensitz ist Tulln, weil Satellives über das AplusB-Scale-up-Programm vom accent Inkubator begleitet wird, bis Ende Januar 2027. Das Headquarter soll langfristig in Wien liegen. Das Kernteam umfasst laut Website vier Personen: neben Eichinger als CEO ein Technical Co-Founder, ein Operations Co-Founder und eine weitere Person im Bereich Operations.

Der Kapitalbedarf: rund 1,6 Millionen Euro für 18 Monate. Die Hälfte davon soll aus Förderungen und von Business Angels kommen. „Wir arbeiten da gerade wirklich zehn Stunden am Tag dran“, sagt Eichinger. Erst mit dem Geld könne man Ingenieur:innen einstellen und vom Prototyping in den echten Bau wechseln. Dazu sucht das Startup 25.000 bis 50.000 Euro für die Patentanmeldung in weiteren Ländern.

Das Ziel: zwei Einheiten, erste On-Orbit-Demonstration in Q1 2029, die bereits Pilotkund:innen bedienen soll. Das Fernziel formuliert sie größer. „Österreich kann für Space das werden, was Estland für die Digitalisierung ist. Es ist ein kleines Land, niemand hätte erwartet, dass Estland zum digitalen Hub wird. Aber sie sind es geworden, und sie rocken es.“

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