10.01.2020

Drei Strategien, um alle Generationen in die Welt des „New Work“ zu integrieren

Beim Megatrend des "New Work" wird zuerst an die Bedürfnisse der jungen Generation gedacht. Doch auch ältere Arbeitnehmer möchten von den Vorteilen der neuen Arbeitswelt profitieren und können hier einen positiven Beitrag leisten, argumentiert Hannah Sturm, Co-Founderin der Unternehmensberatung pikestorm.
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(c) Jürgen Hammerschmid

Die zentralen Werte von New Work sind selbstständiges und sinnerfülltes Arbeiten, Teilhabe an der Gemeinschaft, sowie Freiheit und Verantwortungsbewusstsein. New Work ist demnach nicht das blinde Einführen von Home-Office und agilen Tools, sondern vielmehr eine Haltung, ein Mindset, dass gemeinsame – generationsübergreifende – Werte und Rahmenbedingungen in der Zusammenarbeit verankert.

Wie funktioniert New Work im Generationen-Mix?

Mit dem Megatrend werden neben der Digitalisierung vor allem die Anforderungen junger Generationen an die digitale Arbeitswelt in Verbindung gebracht. Allerdings befinden sich derzeit Menschen aus vier verschiedenen Generationen auf dem Arbeitsmarkt. Und die Praxis zeigt: Die Zusammenarbeit ist nicht immer einfach. Unterschiedliche Wertvorstellungen und Normen prallen aufeinander. Generationsübergreifende Zusammenarbeit bringt jedoch viele Chancen mit sich. Anhand von Austausch fördernden Maßnahmen kann dieses Potenzial entfacht werden.

Drei Initiativen, die generationsübergreifende Arbeit fördern

Daher möchte ich an dieser Stelle drei Maßnahmen und Herangehensweisen skizzieren, die eine generationsübergreifende Zusammenarbeit in der Welt des „New Work“ fördern.

  1. Eine gute Kommunikationsbasis legen

In gemeinsamen Workshops erarbeiten wir mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie sie zum einen selbst gerne arbeiten möchten und zum anderen im Team bestmöglich zusammenarbeiten können. Der Fokus liegt darauf zu erkennen, wie das Unternehmen altbewährte und moderne Arbeitsstile miteinander verknüpfen kann.

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Die „Drei Rs“ lauten dabei: Rahmenbedingungen, Regeln und Rollen.

  • Rahmenbedingungen: Wie sieht mein optimaler Arbeitsplatz aus? Was brauche ich/wir, um konzentriert oder kreativ zu arbeiten?
  • Regeln: Wie wollen wir uns begegnen? Wie agieren wir in Meetings? Welche Kommunikationsregeln (Respekt, Wertschätzung, etc.) möchten wir einhalten?
  • Rollen: Für was bin ich verantwortlich? Was kann ich im Team beitragen?

Häufig bemerken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits nach dem ersten Ansprechen der relevanten Themenbereiche, dass sie mehr gemeinsame Werte teilen als bisher angenommen. Dadurch wird das Verständnis füreinander und ein Wir-Gefühl gestärkt.

Das Team von Pikestorm.
Das Team von Pikestorm. (c) Maria Mamaeva
  1. Mit Reverse- und Group-Mentoring voneinander lernen

Erfahrungsschatz und Know-How werden beim klassischen Mentoring von einer erfahrenen Person („Senior“) an eine unerfahrene Person („Junior“) weitergeben. In den letzten 30 Jahren haben sich jedoch die digitalen Möglichkeiten und Kommunikationsformen so rasant entwickelt wie noch nie zuvor. Dadurch haben die Juniors – allein aufgrund der Art und Weise, wie sie aufgewachsen sind – einen maßgeblichen Wissensvorsprung in Bezug auf neue Technologien.

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Durch Reverse-Mentoring können Seniors von den Kenntnissen der Jungen profitieren, ihre digitale Fitness verbessern und mehr über die Lebensumstände und Herausforderungen der Digital Natives erfahren. Das hat sehr positive Auswirkungen auf das Unternehmen. Die Erkenntnisse sind enorm und ein Arbeiten auf Augenhöhe wird verstärkt.

Mentorings können sowohl unter vier Augen als auch auf Gruppenebene stattfinden. Ein Beispiel: Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter überlegt sich, welches Wissen er oder sie gerne teilen möchte und ob es einen Mehrwert für die Kolleginnen und Kollegen bringt. Dadurch beschäftigen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren eigenen Stärken und Interessen und vertiefen ihre Expertise, indem sie eine Mentoring-Session für ihre Kolleginnen und Kollegen aufbereiten. Oft werden hier sogenannte Soft-Skills weitergeben, zum Beispiel  Verhandlungskunst, emotionale Intelligenz, Coaching, Präsentieren, etc. Aber auch „TikTok leicht erklärt“ oder „Einführung ins Programmieren“ wird gerne besucht. Der schöne Nebeneffekt: ein positives Feedback danach steigert das Selbstbewusstsein.

  1. Potenziale nutzen und Innovationsteams formen

Heterogene Teams übertreffen homogene Teams in fast allen Bereichen, aber vor allem wenn es um das Thema Innovation geht. Daher ist es besonders wichtig, die unterschiedlichen Erfahrungen und Meinungen im Unternehmen für Innovationen bestmöglich zu nutzen. Wenn in Innovationsprozessen neue Produkte oder digitale Geschäftsmodelle entwickelt werden, ist ein richtig zusammengestelltes diverses Team unerlässlich. Gleichzeitig können interne Organisationsprozesse anhand der langjährigen Erfahrung von älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie der frischen Ideen der Jungen neu gestaltet werden.

New Work ist für alle Generationen interessant

Richtig umgesetzt und begleitet, sehen wir in unserer Arbeit, wie diese Initiativen maßgeblich zu einer erfolgreichen generationsübergreifenden Zusammenarbeit im Unternehmen beitragen. Ich lade Sie ein, sich mit der Thematik näher zu beschäftigen und sich zu überlegen: Wäre der Arbeitsplatz nicht ein fruchtbarer Ort,..

…wenn die Freude an der Unterschiedlichkeit, die Diskrepanzen überragen würde?

…wenn individuelle Bedürfnisse ihren Raum bekommen, jedoch das Gruppenwohl für alle höhere Priorität hätte?

…wenn wir uns auf unsere Stärken fokussieren und voneinander lernen würden?

Egal in welchem Jahrgang man geboren wurde, mit den Werten von New Work können sich die meisten Menschen identifizieren. Aus diesem Grund halte ich es für kontraproduktiv, sich in Unternehmen sowie im öffentlichen Diskurs auf die Frage „Was brauchen die Jungen?“ zu beschränken. Die entscheidenden zwei Fragen sind: „Was brauchen die Menschen, um individuell und im Team besser arbeiten zu können?“ und „Welche Unternehmenskultur unterstützt die Bedürfnisse und Wünsche der Belegschaft?“. Das ist, worüber wir sprechen müssen.


Über die Autorin

Hannah Sturm ist Co-Founder der Unternehmensberatung pikestorm. Sie begleitet Unternehmen bei der Einführung und Umsetzung neuer Arbeitsweisen, indem sie die Fähigkeiten aller Generationen im Betrieb nutzt. Hannah ist Lektorin an der FH Krems und seit vielen Jahren in der Wiener Startup-Branche aktiv (ehemalig CONDA, Austrianstartups).


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Andreas Blumauer, bislang CEO von Semantic Web Company und nun SVP Growth bei Graphwise | (c) Graphwise
Andreas Blumauer | (c) Graphwise

Im Oktober 2024 fusionierte das Wiener Unternehmen Semantic Web Company (2004 von Andreas Blumauer und Martin Kaltenböck gegründet) mit Ontotext aus dem bulgarischen Sofia und wurde zu Graphwise. Blumauer, bis dato CEO von Semantic, wurde SVP Growth, Atanas Kiryakov, davor CEO von Ontotext, wurde Präsident. Details zum Deal wurden damals nicht genannt – brutkasten berichtete.

Nun hat das britische Private-Equity-Haus Oakley Capital die Mehrheit an Graphwise übernommen. Auch hier wurden die Höhe der Summe und der verkauften Anteile nicht aktiv kommuniziert, Gründer Blumauer erklärte dem brutkasten jedoch, dass man sich nun weltweit gesehen in den Top 3 – was die Evaluation von KI-Infrastrukturunternehmen betrifft – befände.

Graphwise: Ein Meilenstein in Bulgariens IT-Historie

„Durch den Merger hat die Firma eine besondere Konstellation mit Standorten bzw. Strukturen in Wien, Sofia und den USA geschaffen“, sagt Blumauer. „Die Bewertung basiert wesentlich auf dem ARR. Das heurige Jahr ist dabei zäher als die Jahre zuvor, dennoch ist es uns gelungen, uns im Markt zu behaupten und einen Multiple über dem 2026er Marktdurchschnitt zu erzielen. Daher liegt die Bewertung im neunstelligen Bereich und ist damit signifikant. Für Bulgarien bedeutet das sogar, dass es sich nun um die dritthöchste Bewertung eines IT-Unternehmens in der Geschichte des Landes handelt.“

Auf die Frage, wie es zu diesem Deal kam, war für Blumauer die Marktdynamik ganz entscheidend. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich KI in Unternehmen zunehmend langsam in den operativen Einsatz entwickelt. Es gibt zwar immer wieder pointierte Erfolgsmeldungen, gleichzeitig besteht weiterhin Unsicherheit darüber, welche LLM-Ansätze sich tatsächlich durchsetzen werden. Gerade bei Multi-Agentic- und autonomen Systemen ist ein breiter Roll-out noch meilenweit entfernt“, erklärt er.

Kontakt über Messen in London

Umso wichtiger seien deswegen Referenzkunden, bei denen sich anhand konkreter Anwendungen demonstrieren lässt, wie KI vertrauenswürdiger und in bestehende Unternehmensstrukturen integriert werden kann. „Das lässt sich auch mit Company Rules verknüpfen: Ein wesentlicher Teil der Story ist die Frage, wie KI in Unternehmen kontrolliert und gleichzeitig hochskalierbar ausgerollt werden kann“, führt er aus. „Das hat auch Oakley erkannt und verstanden. Über Messen in London kam der Kontakt zustande, woraufhin unser Business genauer analysiert und das Potenzial erkannt wurde. Begleitet wurde die Entwicklung unter anderem von Deloitte, EY und Bain, die bestätigen konnten, dass Graphwise eine zentrale Rolle in diesem Umfeld spielen kann.“

Heute wird die Graphwise-Technologie von Banken und großen Pharmakonzernen in Europa eingesetzt, darunter beispielsweise Roche und weitere prominente Unternehmen in Österreich, die nicht genannt werden wollen: „Gleichzeitig gibt es gute Statements und Bewertungen aus dem Markt“, führt Blumauer weiter aus. „Mit der Entwicklung der Sprachmodelle und insbesondere GraphRAG (Anm.: Retrieval-Augmented Generation mit Graphen) stehen nach dem Merger sehr zentrale Komponenten zur Verfügung, um die nächste Entwicklungsstufe von KI in Unternehmen abzubilden. Das zeigt sich auch in unseren operativen Kennzahlen: Der ARR wächst organisch um rund 30 Prozent, bei inzwischen mehr als 200 Blue-Chip-Kunden. Damit verfügen wir über eine relevante Kundenbasis und konkrete Referenzen, die die technologische Positionierung und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells untermauern.“

Gründer bleiben im Management

Für den Founder ist der neue Eigentümer ein Investor mit einem langfristigen und klar auf Wertschöpfung ausgerichteten Ansatz: „Oakley, mit Gründer Peter Dubens, hat unter anderem in die Sigmund Freud Privat-Universität investiert und Dubens selbst war mehrfacher Startup-Gründer. Er hat sich immer wieder gefragt, warum sich klassische VCs teilweise so wenig mit den Gründern selbst auseinandersetzen. Für ihn geht es letztlich darum, Ideen zur Welt zu bringen und Unternehmen langfristig aufzubauen. Martin Kaltenböck und ich verstehen uns weiterhin klar als Gründer. Wir sind nach wie vor im Management-Board aktiv und bringen damit unsere Erfahrung und unsere ursprüngliche Gründerperspektive weiterhin unmittelbar in die Entwicklung des Unternehmens ein. Das ist ausdrücklich so gewünscht und Teil der langfristigen Konstellation.“

Oakley baut auf Graphwise auf

„Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft mit Oakley, da ihr Team sowohl unsere Technologie als auch unsere Ambitionen versteht. Oakley hat eine herausragende Erfolgsbilanz darin, gründergeführte Software-Unternehmen zu Unicorns zu machen. Mit Oakley als paneuropäischem Investor im Rücken sind wir besser denn je positioniert, um global als KI-Enabling-Plattform aufzutreten und Unternehmen dabei zu unterstützen, souveräne und vertrauenswürdige KI in großem Maßstab zu implementieren“, sagt Kiryakov.

KI-Souveränität im Fokus

In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend unabhängig von einzelnen großen Tech-Plattformen agieren wollen, gewinnt das Thema „KI-Souveränität“ an Bedeutung. Der Einstieg von Oakley als paneuropäischer Investor sei deswegen ein starkes Signal für den europäischen Technologie-Standort und stärke die Rolle von Graphwise als unabhängige KI-Plattform.

„Der Wert von Künstlicher Intelligenz hängt direkt von der Qualität und Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten ab. Large Language Models (LLMs) sind extrem leistungsfähig bei der Sprachverarbeitung, haben aber entscheidende Schwächen: Sie neigen zu faktischen Fehlern („Halluzinationen“) und können oft nicht nachvollziehbar erklären, wie sie zu einem Ergebnis gekommen sind“, liest man in der Aussendung.

Graphwise mit Rückgrat

Graphwise löst dieses Problem durch den Aufbau eines sogenannten „Semantic Backbone“ (semantisches Rückgrat) in Form eines Knowledge Graphs. Diese Wissensgraphen verknüpfen isolierte Unternehmensdaten, geben ihnen Kontext und stellen großen KI-Modellen eine Faktenbasis zur Verfügung. Das Ergebnis: Die KI soll nicht mehr halluzinieren, Ergebnisse würden revisionssicher und die Token-Kosten drastisch sinken, so der Claim. Dies sei besonders in regulierten und datenintensiven Branchen wie Finanzdienstleistungen, im Gesundheitswesen (Life Sciences) und im öffentlichen Sektor unverzichtbar.

Dubens, Gründer und Managing Partner von Oakley Capital, dazu: „KI verändert die Art und Weise, wie jede Organisation arbeitet. Das macht vertrauenswürdige, gut verwaltete Daten heute wichtiger denn je.“

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Die zentralen Werte von New Work sind selbstständiges und sinnerfülltes Arbeiten, Teilhabe an der Gemeinschaft, sowie Freiheit und Verantwortungsbewusstsein. New Work ist nicht das blinde Einführen von Home-Office und agilen Tools, sondern vielmehr eine Haltung, ein Mindset, dass gemeinsame – generationsübergreifende – Werte und Rahmenbedingungen in der Zusammenarbeit verankert. In gemeinsamen Workshops erarbeiten wir mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie sie zum einen selbst gerne arbeiten möchten und zum anderen im Team bestmöglich zusammenarbeiten können. Richtig umgesetzt und begleitet, sehen wir in unserer Arbeit, wie diese Initiativen maßgeblich zu einer erfolgreichen generationsübergreifenden Zusammenarbeit im Unternehmen beitragen.

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Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

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