19.10.2021

Neurolentech: Klosterneuburger HealthTech erhält Seed-Investment

Neurolentech wird vom IST cube, AWS, der "TESS Research Foundation" und der "Foundation for USP7-related diseases" im Kampf gegen schwere Hirnstörungen unterstützt. Und hat jetzt frisches Kapital zur Verfügung.
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Neurolentech
(c) Neurolentech - Das Neurolentech- und IST cube-Team (v.l.n.r.): Markus Wanko (IST cube), Christoph Bock (CeMM, MedUni Wien), Gaia Novarino (IST Austria), Carsten Pfeffer (Neurolentech), Alexander Schwartz (IST cube) und Florian Resch (IST cube).

Mehr als 100 Millionen Menschen weltweit sind von Entwicklungsstörungen des Gehirns wie Autismus-Spektrum-Störungen und Epilepsie betroffen. Für die meisten dieser Patienten sind medikamentöse Behandlungen nicht verfügbar und es werden neue Ansätze für die Medikamentenentwicklung benötigt. Daher generiert das Spin-off des IST Austria (Institute of Science and Technology Austria) Neurolentech aus Klosterneuburg Daten und Werkzeuge, um die Arzneimittelforschung zu unterstützen und neue Wirkstoffkandidaten für diese Erkrankungen zu validieren. Und hat nun dafür eine Seed-Förderung im mittleren sechsstelligen Bereich, erhalten.

Patienten-Kategorisierung

Gegründet wurde das Unternehmen 2020 mit finanzieller Unterstützung der Österreichischen Förderbank (AWS) und erschafft heute unter Verwendung von patientenspezifischen Störungsmodellen und fortgeschrittenen genetischen, physiologischen und bioinformatischen Analysen jene Werkzeuge und Daten, um Patienten zu kategorisieren. Und die Entwicklung von Medikamenten für bestimmte Patientengruppen zu beschleunigen.

Neurolentech wird das „IST cube“-Investment nutzen, um Prozesse zu automatisieren und seine Aktivitäten zu erweitern. Carsten Pfeffer, CEO und Mitbegründer erklärt: „Autismus und Epilepsie sind sehr unterschiedliche Krankheitsbilder mit großem ungedecktem medizinischen Bedarf. Diese Investition wird es uns ermöglichen, die Entwicklung unserer integrierten Plattform zu beschleunigen und neue Ansätze in der Medikamentenentwicklung voranzutreiben. Neurolentech freut sich über die Partnerschaft mit ‚IST cube‘, das unsere langfristige Vision teilt, neue Therapien für neurologische Entwicklungsstörungen zu entwickeln.“

Neurolentech mit Grundlagenforschung

Bei neurologischen Entwicklungsstörungen wie Autismus oder Epilepsie hat Neurolentech große Durchbrüche im Verständnis der spezifischen molekularen Pathologien erzielt. Gaia Novarino, Neurolentech-Mitbegründerin und Professorin für Neurowissenschaften am IST Austria dazu: „Die Generierung von störungsspezifischen Modellsystemen in größerem Maßstab wird die notwendigen Instrumente und Daten für neuartige Behandlungen dieser vielfältigen und komplexen Störungen liefern. Wir sind begeistert zu sehen, dass die Grundlagenforschung nun in vielversprechende Ansätze umgesetzt wird, um diesen Patienten zu helfen.“

Für Alexander Schwartz, Partner bei IST cube, ist Neurolentech ein Paradebeispiel dafür, wie Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in ein Unternehmen umgesetzt werden können. Er sagt: „Es ist großartig zu sehen, wie die Zusammenarbeit zwischen Forschern, akademischen Einrichtungen, Förderorganisationen und privaten Investoren Ausgründungen mit hohem Potenzial ermöglichen kann.“

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Feragen
© RVS - (v.l.n.r.) Bernhard Wimmer (Raiffeisen Salzburg), Thomas Heinzmann, Michael und Anja Geretschläger (alle Feragen), Bernhard Tomasi (Raiffeisen Salzburg).

Das Salzburger Genetik-Startup Feragen sorgte Anfang 2025 für Aufsehen, als es eine Kooperation mit Nestlé Purina verkündete – siehe hier. Nun beteiligt sich die Raiffeisen Salzburg Start-Up eGen am Unternehmen. Die Genossenschaft zur finanziellen und strukturellen Förderung junger und innovativer Unternehmen in Salzburg steigt mit einem sechsstelligen Betrag ein.

Feragen: Ursprung bereits 2012

Feragen geht auf die Forschung der Molekularbiologin Anja Geretschläger an der Universität Salzburg zurück, die damit bereits 2012 begann. 2017 wurde daraus ein Unternehmen. Heute führen Anja und Michael Geretschläger gemeinsam die Geschäfte. Während die Founderin die Bereiche Forschung und Entwicklung verantwortet, liegt der Fokus von Michael Geretschläger auf Vertrieb und Marketing. Aus dem universitären Spinoff ist ein international tätiges Diagnostiklabor mit Kundinnen und Kunden in zahlreichen europäischen Ländern geworden, heißt es per Aussendung.

Die Raiffeisen Salzburg Start-Up-Experten Bernhard Wimmer, Bernhard Tomasi und Herbert Stelzinger kommentieren die Beteiligung wie folgt: „Feragen zeigt, wie aus universitärer Forschung ein international erfolgreiches Unternehmen entstehen kann. Besonders beeindruckt haben uns die wissenschaftliche Tiefe, die klare Wachstumsstrategie und die konsequente Verbindung von Diagnostik und Digitalisierung. Das Unternehmen adressiert einen wachsenden Markt mit hoher gesellschaftlicher Relevanz und passt damit hervorragend zu unserer Beteiligungsstrategie. Wir freuen uns darauf, das Team auf dem weiteren Wachstumskurs zu begleiten.“

Über 10.000 User:innen

Ein zentraler Baustein der Wachstumsstrategie der Salzburger ist die digitale Plattform „myFERAGEN“. Durch sie verwalten Züchter, Zuchtverbände und Tierärzte genetische Daten und Analyseergebnisse. Aktuell nutzen eigenen Angaben zufolge rund 10.500 Anwender:innen die Plattform, auf der 38.000 Hunde erfasst sind. Mit dem integrierten Werkzeug DogMatching lasse sich bereits vor einer geplanten Paarung prüfen, wie gut zwei Tiere genetisch zusammenpassen. Dadurch können Risiken minimiert und die langfristige genetische Gesundheit von Populationen verbessert werden, so der Claim.

Mit der Beteiligung der Raiffeisen Salzburg Start-Up eGen sollen digitale Angebote weiter ausgebaut und zusätzliche internationale Märkte erschlossen werden. „Ein Investor, der versteht, dass hinter unseren Analysen Forschung steht und kein schnelles Produkt, ist selten. Mit Raiffeisen haben wir genau diesen Partner gefunden – und das direkt vor unserer eigenen Haustür. Das Vertrauen, das uns hier entgegengebracht wird, ist Rückenwind und Verpflichtung zugleich. Wir gehen diesen Weg mit derselben wissenschaftlichen Konsequenz weiter, mit der wir ihn begonnen haben“, sagt Anja Geretschläger.

„Uns hat nicht nur das Kapital überzeugt“

Auch Michael Geretschläger schlägt in eine ähnliche Kerbe, wenn er sagt: „Uns hat nicht nur das Kapital überzeugt, sondern die Haltung dahinter: Die Raiffeisen Salzburg Start-Up eGen denkt regional und investiert langfristig – das passt exakt zu uns. Mit diesem Rückhalt können wir die nächsten Schritte deutlich schneller gehen: internationale Expansion und eine Plattform, die mitwächst. Dass aus Österreich ein Weltmarktführer im Pet-Bereich kommen kann, ist bewiesen. Wir haben vor zu zeigen, dass das auch aus Salzburg geht.“

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