10.03.2025
FINANZWISSEN

Neues Simulations-Spiel soll Angst vor Geldanlage nehmen – bereits 10.000 Mal gespielt

Banken und Finanzberater:innen beschäftigen sich schon lange damit, wie man das Interesse der nächsten Generation an den Kapitalmärkten weckt. Der neueste Versuch: Gamification. Im Auftrag der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und in Zusammenarbeit mit der Universität Graz hat der IT- und KI-Dienstleister Ascent die Börsensimulation fit2invest entwickelt.
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fit2invest
© Ascent - Christoph Platzer, Geschäftsführer der Ascent Digital Services AT GmbH.

Das Aktienbarometer 2024 von Industriellenvereinigung, Aktienforum und Wiener Börse zeigt, dass ein Fünftel der 16- bis 19-Jährigen bereits in Wertpapiere investiert. Rund zwei Drittel ohne Wertpapierbesitz in derselben Altersgruppe wollen Geld in Wertpapieren anlegen. Drei Viertel davon empfinden ihr Wissen über den Wertpapiermarkt aber als nicht ausreichend – und verzichten daher auf ein Investment. Zudem gibt es laut PISA-Studie eine große sozioökonomische Kluft, wonach Schüler:innen aus finanziell besser gestellten Familien über tendenziell mehr Finanzwissen verfügen.

fit2Invest als Börsensimulator gegen Unsicherheiten

Ähnliche Erfahrungen machten auch die Berater:innen der steirischen Raiffeisenbanken. Doch die Unsicherheit in puncto Wertpapiere sei nicht nur bei den Jungen, sondern in der gesamten Bevölkerung groß: Alleine in der Raiffeisen Bankengruppe Steiermark liegen zurzeit rund zehn Milliarden Euro auf Giro-Konten.

Speziell im Veranlagungs- und Wertpapierbereich fehle es oft noch an dem nötigen Wissen. Einige der Begründungen für den Verzicht anzulegen lauten: „Ich habe Angst, dass ich Geld verliere“ oder „ich kenne mich nicht aus“. Jedoch sei in vielen Beratungsgesprächen bemerkbar, dass es einen Bedarf an der Steigerung von Finanzkompetenzen seitens der Kund:innen gibt: „Wer sein Geld nur auf Girokonten geparkt hat, erleidet inflationsbedingt einen realen Wertverlust“, heißt es per Aussendung.

Um Finanzinteressierten die Welt der Wertpapiere näherzubringen, setzte Raiffeisen Steiermark neben persönlicher Beratung durch Finanzprofis seit Ende 2024 daher auch auf den Börsensimulator fit2invest. Umsetzungspartner waren der internationale IT- und Clouddienstleister Ascent mit Österreich-Hauptsitz in Graz für das technologische sowie die Universität Graz für das wissenschaftliche Fundament.

Zeitreise

Im Spiel können Finanzinteressierte ihr Wissen – auch ohne Kundenkonto – anhand von virtuellem Kapital testen: User:innen begeben sich in die Welt der Kapitalmärkte, präziser gesagt auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Im Zeitverlauf wird man nun mit historischen Ereignissen und realistischen Anlagesituationen seit 1972 konfrontiert. Es gilt, die grundlegende Strategie und das Verhältnis von Aktien und Anleihen festzulegen und in Folge Investmententscheidungen zu treffen, konkret zu welchem Zeitpunkt Wertpapiere gekauft bzw. verkauft werden. Wie auch im echten Leben lautet das Ziel, eine ansehnliche Gesamtrendite über einen vordefinierten Zeitraum zu erzielen. Am Ende eines Spiels folgen ein Feedback und eine Analyse der Ergebnisse.

Einmal durchgespielt, warten weitere Investment-Herausforderungen. Spiel für Spiel müssen Spieler:innen neue Anlagesituationen bewältigen. Im Trainingsbereich kann man mitverfolgen, ob sich die Investitionsstrategien verbessern. Mithilfe interaktiver Trainingsmodule soll sich das Wissen erweitern lassen und die eigenen Fähigkeiten geschärft werden, so das Ziel.

Bei der Entwicklung wurde besonders Wert auf das User Experience-Design für eine breite öffentliche Zielgruppe und – in Kooperation mit der Universität Graz – auf korrekte finanzmathematische Berechnungen gelegt. Nachdem es sich auch um eine öffentlich zugängliche Softwareapplikation der Bank handelt, waren strengste regulatorische Vorschriften und Sicherheitsaspekte einzuhalten.

fit2Invest: „Vermittlung wichtiger Anlagegrundsätze“

Das Ende 2024 gelaunchte fit2invest wird bislang gut angenommen. Stand heute wurden über 10.000 Investmentspiele absolviert. Über 1.000 User:innen nutzen den Trainingsbereich und haben dabei rund 140.000 Börsenjahre Erfahrung gesammelt.

„Fit2invest lässt sich ausgezeichnet in unsere Beratung integrieren. Das spielerische Konzept kommt bei unseren Kund:innen sehr gut an und unterstützt optimal bei der Vermittlung wichtiger Anlagegrundsätze“, sagt Roland Roitner, Veranlagungsexperte der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und Mitentwickler von fit2invest. „Der Simulator nimmt ihnen die Angst vor Wertpapieren. Kund:innen erleben im Spiel realitätsnah die Wertschwankungen, sind jedoch häufig überrascht, wie gut Wertpapiere langfristig im Vergleich zum Sparbuch abschneiden. Damit leistet fit2invest wichtige Aufklärungsarbeit, die durch persönliche Beratung ergänzt wird. Durch den Einsatz des Spiels ist tatsächlich auch die Abschlussquote im Wertpapier-Bereich gestiegen.“

Christoph Platzer, Geschäftsführer der Ascent Digital Services AT GmbH ergänzt: „Gamification kann dabei helfen, eine Brücke zu unnahbaren und komplexen Themen zu schlagen. Es war uns ein großes Anliegen, mit fit2invest eine Plattform zu schaffen, in der Finanz-Anfänger:innen wie Fortgeschrittene ihr Finanzwissen unter realistischen Bedingungen testen und trainieren können. In Verbindung mit professionellem Feedback können die Spieler:innen ein besseres Marktverständnis entwickeln. Indem Banken vor allem auch der Next Generation einen spielerischen und risikolosen Zugang zu den Kapitalmärkten ermöglichen, lässt sich Vertrauen aufbauen.“

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Gründer von Fiskaly: Patrick Gaubatz, Johannes Ferner, Simon Tragatschnig (v. l.) | (c) Fiskaly

Das Wiener Fintech fiskaly expandiert nach Tschechien. Mit seiner neuen Softwarelösung Sign CZ will das Unternehmen Händler und Kassensystemanbieter bei der Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben unterstützen. Ab 1. Jänner 2027 führt Tschechien die verpflichtende elektronische Umsatzerfassung, kurz EET 2.0, wieder ein. Diese betrifft insbesondere Unternehmen im Handel, in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor.

Software kann bereits getestet werden

Mit Sign CZ bietet fiskaly eine cloudbasierte Schnittstelle, über die Kassensysteme Umsätze elektronisch an die tschechische Finanzverwaltung übermitteln können. Die Lösung kommt ohne zusätzliche Hardware aus und soll Unternehmen die Einhaltung der neuen gesetzlichen Vorgaben erleichtern. Die Softwarelösung kann bereits vor der Einführung der neuen Registrierkassenpflicht integriert und getestet werden. Diese tritt am 1. Jänner 2027 in Kraft.

Für kleinere Unternehmen bietet die tschechische Finanzverwaltung ab Dezember zudem eine kostenlose Webanwendung namens Moje eet an. Diese ist allerdings auf Betriebe mit maximal zwei Erfassungseinheiten beschränkt. Fiskaly richtet sich mit seiner Lösung hingegen insbesondere an Kassensystemanbieter und Unternehmen, die die elektronische Umsatzerfassung in bestehende Systeme integrieren wollen.

Tschechien führt Registrierkassenpflicht erneut ein

Mit EET 2.0 führt Tschechien die elektronische Registrierkassenpflicht wieder ein. Die ursprüngliche Regelung wurde zunächst während der Corona-Pandemie ausgesetzt und Anfang 2023 schließlich abgeschafft. Die neue Version soll einfacher und weniger bürokratisch sein. So entfällt etwa die Pflicht, gedruckte Kassenbelege auszustellen.

Erfasst werden künftig grundsätzlich Zahlungen vor Ort, unabhängig davon, ob Kunden bar, mit Karte oder per QR-Code bezahlen. Reine Online-Zahlungen sind von der Regelung ausgenommen.

Mit der Wiedereinführung will die tschechische Regierung Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft eindämmen sowie für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen. Das Finanzministerium rechnet durch die Maßnahme mit zusätzlichen Staatseinnahmen von rund 560 Millionen Euro jährlich.

Fiskaly mittlerweile in neun europäischen Märkten aktiv

Mit dem Markteintritt in Tschechien setzt fiskaly seine europäische Expansion fort. Zu den bisherigen Expansionsschritten zählen unter anderem der Markteintritt in Spanien 2023 sowie die Übernahme des schwedischen Anbieters InfraSec im Dezember 2025. „Wir begrüßen Tschechiens Schritt hin zu einer modernen, digitalen Umsatzerfassung und einem faireren steuerlichen Umfeld“, sagt Johannes Ferner, Co-Founder und Co-CEO von fiskaly.

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