14.09.2021

Das sind die neuen Jobs im GreenTech-Bereich

Welche neuen Jobs im GreenTech-Bereich gibt es? Antworten darauf hat uns Gründer und CEO von Talent Tree Julian von Blücher geliefert. Die Personalberatung unterstützt Impact Scaleups dabei, Expert:innen und Führungskräfte für das schnelle Wachstum zu finden.
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GreenTech
(c) Adobestock

Wir stehen mit der Energiewende vor der größten Herausforderung unserer Zeit. Hier sind nicht nur Pionier:innen gefragt, die sich unternehmerisch austoben, sondern auch unzählige Held:innen des Alltags. Denn eins ist sicher: eine grünere Wirtschaft ist eine wesentliche Voraussetzung, um den Klimawandel noch rechtzeitig aufzuhalten. Als Vorreiter in der Wirtschaft, deren Ideen Konzerne zu einem späteren Zeitpunkt oftmals aufgreifen, spielen Startups und Scale-ups eine entscheidende Rolle. Hier werden nicht nur immer mehr Stellen geschaffen, es entstehen zum Teil auch neue und interessante Berufsbilder.

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Die Jobs im GreenTech-Bereich im Überblick

1. Carbon Accountant /Analyst

In diesem Beruf geht es in erster Linie darum, CO2-Quellen im Unternehmen ausfindig zu machen, also das Kohlendioxid zu messen, die Daten zu analysieren und schließlich Bericht darüber zu erstatten, gemäß dem Motto: “If you can’t measure it, you can’t manage it”.

Außerdem seid ihr in dieser Position dafür zuständig, Empfehlungen auszusprechen, wo ein Unternehmen Emissionen einsparen kann und aufzuzeigen, welche Auswirkungen das freigesetzte CO2 auf die Umwelt hat. So lässt sich der CO2-Fußabdruck von ganzen Organisationen, einzelnen Produkten oder auch Veranstaltungen bestimmen. 

Um in einer solchen Position zu brillieren, solltet ihr also mit Zahlen umgehen können und gleichzeitig kommunikationsstark sein, um beispielsweise mit dem Management, den Kund:innen und anderen Stakeholdern über mögliche Maßnahmen zu sprechen und auch Ownership für deren Umsetzung zu übernehmen. Für dieses Berufsbild eignen sich Studiengänge wie BWL oder Umweltmanagement, es gibt allerdings auch Berufseinsteiger:innen mit einem Background als Wirtschaftsingenieur:in oder mit anderen interdisziplinären Studiengängen. Entsprechende Stellen gibt es zum Beispiel bei Klimaschutz-Beratungen und Startups, die mittels Software CO2-Einsparpotentiale identifizieren und ausgleichen (wie Climatepartner oder First Climate) oder auch in Climatetech-Startups, die entsprechende Software bauen (wie Plan A oder Planetly).

2. Solarteur:in

Solateur:innen sind nicht nur handwerkliche Multitalente, sondern auch echte Expert:innen für Erneuerbare Energien. In diesem Handwerksberuf seid ihr von der Auslegung und Planung, über die Installation, bis hin zur Abnahme von Solarprojekten verantwortlich. Je nach Kundentyp und Größenordnung kann auch die Installation von Wärmepumpen oder Wallboxen dazu kommen (zum Beispiel in Einfamilienhäusern) oder auch flächendeckende Solaranlagen von Gewerbeparks.

Eine Neugierde für neue Themen ist in diesem Beruf Voraussetzung, denn auch hier halten Technologien wie Simulationstechnologie, Augmented Reality und Virtual Reality Einzug. In den nächsten Jahren werden neue Standards entstehen. Der Weg hin zu diesem Beruf ist in Deutschland und Österreich etwas unterschiedlich, in Österreich berät euch aber zum Beispiel das BIC (ein Onlineportal für Berufswegplanung). 

3. Data Engineers und Data Specialists

In unserer datengetriebenen Welt entwickelst du den digitalen Zwilling (ein digitales Abbild der Realität), der es Unternehmen ermöglicht, ihre Treibhausgas-Emissionen zu schätzen und auszugleichen. Dazu gehört auch das Abstrahieren von Datenquellen aus verschiedenen Branchen in einem Data Warehouse, die Berechnung zum Vergleich und zur Vorhersage eines Carbon Footprints. Du arbeitest eng mit anderen Disziplinen, wie Software Entwickler:innen oder Produkt-Spezialist:innen, zusammen, um Lösungen für komplexe Probleme zu finden, die skalierbar, robust, zuverlässig und wartbar sind. 

4. Chief of Staff | Head of People & Culture

Für Climatetech-Scaleups ist diese Rolle essentiell. Zum einen organisiert man in dieser Position das Personalwachstum mittels speziellen Prozessen, Augenmaß und Hingabe, zum anderen agiert man als Hüter:in der Kultur und trägt damit wesentlich Verantwortung für die passende Auswahl der zukünftigen Mitarbeiter:innen. Auch stärkt man den Gründer:innen und dem Management den Rücken und prägt maßgeblich die Karrierepfade und Weiterentwicklung der Mitarbeiter:innen. Diese Rolle ist, nach den Gründer:innen, die wichtigste Rolle für ein nachhaltiges und gesundes Wachstum in der ersten Professionalisierung, sie hält das Team nach innen und außen zusammen

5. Analysten und Engineers bei VCs

Life-Cycle-Analysten unterstützen Impact VCs dabei, Investmententscheidungen zu treffen und vor allem auch währenddessen die ursprüngliche Mission nicht aus den Augen zu verlieren. Talent Tree beobachtet auch, dass VCs sich auf vielen Ebenen Know-how intern aufbauen, insbesondere mit Ingenieuren im Bereich Leistungselektronik, Embedded-Software-Entwicklung, um sicherzustellen, dass klimapositive Hardware durch Software effizienter gemacht wird.

6. Berufe, die auch in Tech-Startups relevant sind

Doch auch wenn ihr keinen dieser speziellen Berufe ergreifen möchtet, könnt ihr im Impact-Bereich tätig werden. Hier werden derzeit auch all die Berufe stark nachgefragt, die ihr auch in anderen Tech-Startups findet: Cloud Engineers, Marketing-Spezialist:innen, DevOps Engineers, UX Designer:innen etc. Diese Berufe eint, dass ihr ein technisches Verständnis mitbringen solltet, Neugierde und den Drang, euch in der schnellen Startups- und Scale-up-Welt immer wieder in neue Themen einzuarbeiten. Suchmaschinen, um Impact-Jobs zu recherchieren, gibt es mittlerweile mehrere. Mögliche Anlaufstellen für Österreich und Deutschland sind ClimateTechJobs, Goodjobs und JobVerde.

Tipps für Jobs im GreenTech-Bereich

Egal bei welchem Job, in einem Startup oder Scale-up ist folgender Tipp aus der Sicht von Julian von Blücher wichtig: „Ihr und das Unternehmen, bei dem Ihr euch bewerbt, sollten neben eurer Qualifikationen auch kulturell gut zusammenpassen. Denn in vielen Positionen beeinflusst ihr den Geschäftserfolg eines Jungunternehmens wesentlich.“

Zusätzlich kann sich die Verantwortung der Rolle mit dem Wachstum der Firma verändern, teilweise innerhalb von Monaten. Das macht die Aufgaben abwechslungsreich und spannend, setzt aber auch eine geistige Flexibilität sowie den Willen und die Lernbereitschaft voraus, sich stetig weiter zu entwickeln. Wenn ihr diese Voraussetzungen erfüllt und es euch mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit ernst ist, steht einer entsprechenden Karriere grundsätzlich nichts mehr im Wege.


Über Talent Tree und Gründer Julian von Blücher

Julian von Blücher ist CEO und Gründer des Headhunting-Unternehmens Talent Tree. Die Personalberatung hat sich auf Impact-Scale-ups spezialisiert. Sie unterstützt Unternehmen dabei, die am besten geeigneten, im Markt verfügbaren Expert:innen und Führungskräfte für schnelles Wachstum zu finden und die passenden Personalprozesse einzuführen

Als studierter Wirtschaftsingenieur ist er ein erfolgreicher Quereinsteiger, der mittlerweile über mehr als acht Jahre Recruiting-Erfahrung verfügt. Er setzt sein Know-how und seine Kontakte bevorzugt dafür ein, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmen mit Führungskräften zu versorgen. Seine Diplomarbeit schrieb Julian über den CO2-Handel und er war Teil des Gründungsteams des Ecosummit.net, einer Netzwerk-Veranstaltungsreihe für Climatetech-Startups.

Julian verbindet sein Faible für grüne Themen auch mit Abenteuerlust: Er nahm im Rahmen einer Expedition zum Nordpol bereits Eisdickenmessungen vor. Eine starke Hands-on-Mentalität und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft treiben ihn an. 

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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