22.04.2026
FINANZIERUNG

Neue Investoren und 500.000 Euro FFG-Förderung für Grazer Startup Must Visibility

Das steirische Startup MUST Visibility sichert sich Wolfgang Mraz, Kurt Gürtler und Markus Brillinger als neue Investoren. Parallel dazu erhält das Spin-off eine Förderung in der Höhe von einer halben Million Euro aus dem Basisprogramm der FFG. Das frische Kapital soll die Marktreife einer KI-gestützten Software beschleunigen, die kritische Zustände in Werkzeugmaschinen ohne zusätzliche Sensorik erkennt.
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Must-Visibility-Gründer Muaaz Abdul Hadi und Stefan Trabesinger (v. l.)

In der industriellen Fertigung gilt die Zerspanung als hochsensibler Prozess, bei dem Abweichungen oft erst am fertigen Werkstück erkannt werden. Das Grazer Startup Must Visibility hat eine Lösung entwickelt, um diese Prozesszustände bereits während der Bearbeitung messbar zu machen. Mit dem Einstieg von Wolfgang Mraz (Geschäftsführer von DCCS), Kurt Gürtler (Techsoft-Invest-Geschäftsführer) und dem Forscher Markus Brillinger sichert sich das Spin-off neue Gesellschafter sowie Branchen-Expertise. Zu Investmenthöhe und Anteilen wollte man sich auf Nachfrage nicht öffentlich äußern. In Kombination mit der 500.000 Euro schweren FFG-Förderung plant das Team, die Entwicklung vom Prototyp zum fertigen Marktprodukt zu vollziehen.

KI-Analyse über vorhandene Spindeldaten

Technologisch setzt das Unternehmen bei der Antriebsspindel der Werkzeugmaschine an. Anstatt neue, kostspielige Hardware zu verbauen, nutzt Must Visibility ein sogenanntes „Edge-Modul“, um vorhandene Daten aus der Maschinensteuerung abzugreifen.

Laut dem Startup können dadurch Fehler wie etwa Werkzeugverschleiß oder Materialinstabilitäten erkannt werden, bevor physischer Ausschuss entsteht. Durch die Analyse der Belastungsprofile während der Bearbeitung wolle man laut Mitgründer Muaaz Abdul Hadi nicht nur die Fertigungskosten senken, sondern über die damit verbundene Ressourcenersparnis auch den CO2-Ausstoß minimieren.

Strategischer Weg zur Marktreife 2027

Die Wurzeln des Unternehmens liegen in einer fünfjährigen Forschungsarbeit an der TU Graz, wo das Unternehmen als Spin-off von Pro2Future im August 2025 offiziell gegründet wurde. Seitdem befindet sich das System laut den Gründern aktuell in der Validierungsphase in realen Maschinenumgebungen.

„Wir haben jetzt einen funktionierenden Prototypen, der in realen Maschinenumgebungen läuft. Unser Ziel ist klar: Wir wollen noch im kommenden Jahr ein marktreifes Produkt präsentieren“, so Mitgründer Stefan Trabesinger.

Die Finanzierung dient primär dazu, diese nächste Phase der Produktentwicklung zu finanzieren. Nach Angaben des Gründer-Duos ermögliche das Kapital, die Entwicklungsschritte schneller umzusetzen, breiter zu testen und das Produkt deutlich früher zur Marktreife zu bringen.

Zielgruppen und Marktpotenzial

Das Startup adressiert mit seiner Lösung drei spezifische Marktsegmente:

  • Endanwender wie Gießereien, additive Fertiger und Zerspanungsbetriebe, die eine prozesssichere Fertigung benötigen,
  • Maschinenhersteller, die Anlagen mit Intelligenz aufwerten wollen, und
  • Steuerungshersteller, welche Steuerungsdaten für ihren Wettbewerbsvorteil nutzen möchten.

Unterstützt wird das Team zudem von Mentor Nikolaus Kawka (ex-CEO Zühlke Gruppe), der die nahtlose Integrationsfähigkeit des Systems als wesentlichen Hebel für die unter Kostendruck stehende Industrie hervorhebt. Aktuell präsentiert Must Visibility die Entwicklungen erstmals der Öffentlichkeit auf der Fachmesse „InterTool“ in Wels.

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Autobesitzer:innen sollen künftig durch Find my Werkstatt wissen, wie sich die Preise für Reparaturen zusammensetzen. Das Unternehmen greift dabei u. a. auf technische Fahrzeugdaten und Wartungsvorgaben zurück. Aktuell befindet sich die Firma auf Investorensuche.
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CEO und Co-Founder Matthäus Offner | (c) Find my Werkstatt / Canva

So manche Autofahrer:innen hat wohl schon einmal der Schreck eingeholt, als die Rechnung für das letzte Service geschrieben wurde. Neben hohen Preisen ist es oft schwierig nachzuvollziehen, wie teuer die Reparatur sein darf. Das soll sich nun mit Find my Werkstatt ändern, denn das Wiener Unternehmen möchte Kosten sichtbar und transparent machen. Es stellt dafür digitale Fahrzeugberichte aus, die Autofahrer:innen zeigen, welche Arbeiten laut Wartungsplan vorgesehen sind, welche Ersatzteile benötigt werden und mit welchem Arbeitsaufwand zu rechnen ist.

„Wir machen Informationen zugänglich“

„Wer sein Auto zum Service bringt, weiß meistens nicht, was tatsächlich gemacht werden muss und wie sich die Rechnung zusammensetzt. Genau das wollen wir ändern. Wir machen Informationen zugänglich, die bisher vor allem Werkstätten zur Verfügung standen“, erklärt Matthäus Offner, Geschäftsführer von Find my Werkstatt. Ihm gehören 49 Prozent der Firma, Mehrheitseigentümer ist die pubbles FilmgesmbH.

Find my Werkstatt greift bei seinen Analysen auf technische Fahrzeugdaten, Wartungsvorgaben, Arbeitszeitwerte und aktuelle Ersatzteilpreise zurück. Laut dem Wiener Unternehmen würden die Service- und Reparaturkosten nach einem ähnlichen Prinzip berechnet werden, wie es auch in professionellen Werkstätten üblich sei. Find my Werkstatt betont aber, dass die berechneten Kosten als Orientierung dienen.

Ein Ersatzteil, zwei Preise

„Was mich immer wieder überrascht, sind die enormen Preisunterschiede bei Windschutzscheiben. Für ein und dasselbe Fahrzeug kann eine Windschutzscheibe bei einem Anbieter rund 300 Euro und bei einem anderen weit über 1.000 Euro kosten“, sagt Offner und ergänzt bezüglich der Arbeitskosten: „Der Stundensatz kann von Werkstatt zu Werkstatt um bis zum Dreifachen variieren. Viele Autofahrer wissen gar nicht, wie groß diese Unterschiede tatsächlich sein können.“ Durch Find my Werkstatt sollen Autofahrer:innen Angebote besser einschätzen können und informiertere Entscheidungen treffen.

Die Plattform würde auch beim Gebrauchtwagenkauf wichtige Informationen zur Verfügung stellen, wodurch Folgekosten besser berücksichtigt werden können. „Ein vermeintlich günstiges Auto kann schnell teuer werden, wenn kurz nach dem Kauf größere Wartungen oder Reparaturen anstehen. Wir wollen, dass man solche Kosten bereits vor dem Kauf besser einschätzen kann“, erklärt Offner.

Recherche nach der passenden Werkstatt

Grundsätzlich wurde Find my Werkstatt vor zwei Jahren gegründet, um eine passende Kfz-Werkstatt in der Nähe zu finden. Nutzer:innen können Betriebe anhand von Standort, angebotenen Leistungen und Bewertungen entdecken und direkt kontaktieren. Bisher habe die Firma 20.000 User:innen und mache laut eigenen Angaben heuer einen Umsatz von rund 100.000 Euro.

Vollständig gebootstrappt, jetzt beginnt Investorensuche

Werkstätte, die auf der Plattform aufgeführt werden möchten, zahlen eine Gebühr zwischen 109 Euro und 150 Euro. Je nach Preis ist eine einfache Listung bis hin zur Verfügungstellung einer Software, die den Prozess des Ersatzteilebesorgens vereinfacht, möglich. Aktuell seien rund 4.300 Werkstätten verzeichnet. Auf der anderen Seite bezahlen Autofahrer:innen pro Bericht zwischen 5,90 Euro und 19,90 Euro. Je nach Preis erhalten sie unterschiedlich ausführliche Informationen. Find my Werkstatt ist bisher eigenfinanziert, wobei man aktuell nach großen Investoren wie Versicherungen, Automarken etc. suche.

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