07.01.2026
DIGITALISIERUNG

Neue B2B-Plattform aus Graz soll beim Strukturieren komplexer Prozesse unterstützen

Das Grazer Startup Antemia hat nach drei Jahren Entwicklung seine neue B2B-Plattform memodya vorgestellt. Die Lösung soll Teams effizienter vernetzen.
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Das Gründerteam (l.n.r.): Stefan Kollegger, Philipp Kranabitl, Clemens Faustmann, Matthias Bajzek. | Foto: Antemia

Das Grazer Startup Antemia entwickelt Lösungen an der Schnittstelle von Technologie, Beratung und Training. 2022 wurde es von den Forschern und PhD-Absolventen der TU Graz Philipp Kranabitl, Stefan Kollegger, Clemens Faustmann und Matthias Bajzek gegründet. Antemia will Unternehmen mit verschiedenen Lösungen auf dem Weg zur digitalen Transformation unterstützen.

Effizient, dynamisch und menschlich

Nach drei Jahren Entwicklungsarbeit hat Antemia nun eine neue B2B-Softwareplattform vorgestellt. Memodya soll Teams besser vernetzen, Verantwortlichkeiten klar abbilden und Entwicklungsprozesse transparenter gestalten. „Im Zentrum der Plattform stehen Methoden (vereinfacht auch als Aktivitäten verstanden), die als Modelle erfasst werden und den Kern der Prozesslogik bilden“, erklärt Bajzek gegenüber brutkasten. Das Ziel: Unternehmen widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger machen, indem es „moderne, skalierbare und modellbasierte Arbeitsweisen in den Unternehmensalltag integriert“, führt er weiter aus.

„Lange bevor Antemia überhaupt gegründet wurde, hatten wir bereits eine gemeinsame Idee – eigentlich eher einen Glauben: dass es einen besseren Weg geben muss, wie Unternehmen ihre Arbeitsabläufe organisieren und erleben. Einen Weg, der effizienter ist, dynamischer und menschlicher“, sagt CEO Kranabitl.

Live-Zusammenarbeit im Unternehmen

Die Plattform basiert auf Methoden des Systems Engineerings und des Product Lifecycle Managements. „Eine besondere Stärke von memodya ist die konsequente Auslegung auf Multi-User-Real-Time-Collaboration“, so Bajzek.

Memodya ermögliche Teams nämlich gleichzeitig und ortsunabhängig zusammenzuarbeiten, Ergebnisse in Echtzeit zu liefern und Arbeitsprozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln. Fachkräfte, Werkzeuge und Methoden sollen dabei auf einer zentralen Basis zusammengeführt werden. Für Teamleiter:innen soll die Plattform Einblick in Zuständigkeiten und Fortschritte geben. Ingenieur:innen hingegen sollen ihre Arbeit leichter in übergeordnete Systeme integrieren und Abhängigkeiten sichtbar machen können. Auf Basis der modellbasierten Struktur lassen sich Daten laut Unternehmen gezielt analysieren und für Optimierungen nutzen.

Strategische Partnerschaften

Derzeit befindet sich memodya noch in der Early-Access-Phase und ist lediglich als Minimum Viable Product (MVP) verfügbar. Auf Basis des Feedbacks plane man aktuell zahlreiche neue
Funktionen, deren Veröffentlichung für Anfang 2026 vorgesehen seien, sagt Bajzek.

Das eigenfinanzierte Startup arbeitet außerdem mit Unternehmen aus Europa und den USA zusammen. Laut eigenen Angaben handle es sich hierbei unter anderem um die Siemens AG. Zudem werden strategische Partner wie die ECS Engineering Consulting & Solutions GmbH oder SnapLogic genannt.

„Gemeinsam mit starken Partnern und unserer technologischen Basis sehen wir uns in einer sehr guten Ausgangsposition, um in den kommenden Jahren zu einem Key Player im Bereich AI-gestütztes Engineering zu werden“, so Bajzek.

Digital Lifecycle Lab mit der TU Graz

Ein wichtiger Baustein der Produktentwicklung sei die Kooperation mit der TU Graz. Dadurch sollen aktuelle Forschungsergebnisse rasch in die Anwendung gelangen. Antemia wolle sich damit „an der Spitze der Innovation positionieren und Spitzenleistungen in den Bereichen Ingenieurwesen und Technologie vorantreiben“, heißt es aus dem Unternehmen.

Gemeinsam mit der TU Graz betreibt Antemia zudem das Digital Lifecycle Lab (DLL). Das Labor bietet spezialisierte Arbeitsplätze für verschiedene technische Disziplinen und dient als Umgebung, um Systems Engineering, modellbasiertes Arbeiten und Produktlebenszyklusmanagement praktisch zu erproben. Die Infrastruktur sei laut Unternehmen so ausgelegt, dass sie interdisziplinäre Zusammenarbeit und effiziente Entwicklungsprozesse unterstützt.

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

Im November 2024 habe ich hier geschrieben, dass wir bei KI in der Bildung an einem Wendepunkt stehen. Die entscheidende Frage war damals, ob wir KI nutzen, um Lernen zu verbessern, oder nur, um es zu beschleunigen. Zwei Jahre später haben wir die Antwort, zumindest für die Schule: Die Kinder beschleunigen. Verbessert wird wenig.

Ich sage es direkt: Die Debatte über KI an Schulen läuft in die falsche Richtung. Wir reden über Tablets, Apps und Prompt-Kurse. Dabei fehlt vielen Jugendlichen die Voraussetzung, um mit KI überhaupt etwas Sinnvolles anzufangen.

Was die Zahlen zeigen

Für den GoStudent Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 haben wir in sechs europäischen Ländern 3.001 Eltern, ihre Kinder zwischen 8 und 16 Jahren und 300 Lehrkräfte befragt, in Österreich 500 Familien.

  • 65 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler, die KI für die Schule nutzen, haben nach eigenen Angaben schon KI-Inhalte als eigene Arbeit abgegeben.
  • 43 Prozent wurden noch nie im Umgang mit KI unterrichtet. Nur 15 Prozent hatten eine strukturierte Stunde dazu.
  • Nur 24 Prozent der Eltern meinen, die Regierung tue genug für klare KI-Regeln an Schulen. Das ist der niedrigste Wert aller sechs Länder.
  • Nur 36 Prozent sehen ihr Kind gut auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Auch das ist der niedrigste Wert.

Die Kinder nutzen KI also längst. Die Schule bringt ihnen nicht bei, wie man es richtig macht. Und sie sichert immer seltener das, was man dafür braucht.

Wer nicht lesen kann, kann keine KI prüfen

Eine KI schreibt in Sekunden einen Aufsatz, löst eine Textaufgabe, fasst ein Buch zusammen. Ob das Ergebnis stimmt, erkennt nur, wer selbst genau lesen kann, ein Ergebnis im Kopf überschlagen kann und einen eigenen Gedanken zu Papier bringt. Der größte Teil von KI-Kompetenz ist schlicht Grundkompetenz.

Genau dort verlieren wir gerade. Bei PISA 2025 liegt Österreich in Lesen und Mathematik auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung. Die Hälfte der von uns befragten Lehrkräfte sagt, das Leseverständnis ihrer Schülerinnen und Schüler sei in den letzten fünf Jahren schlechter geworden, 42 Prozent sehen einen Rückgang in Mathematik.

Ein Jugendlicher, der einen Text nicht versteht, wird durch KI nicht klüger. Er wird nur schneller darin, Dinge abzugeben, die er nicht versteht. Deshalb ist mein erster Punkt nicht technisch: Lesen, Schreiben und Rechnen zuerst. Jeden Tag, auch in der Oberstufe.

Handys gehören nicht in die Schule

Ich bin persönlich dafür, dass private Smartphones an allen Schulen tabu sind, nicht nur bis zur achten Schulstufe, sondern bis zur Matura. Frankreich hat sein Verbot im September auf die Oberstufe ausgeweitet. Österreich sollte nachziehen.

Die Gründe stehen in unseren Daten. Fast zwei Drittel der befragten Lehrkräfte sagen, ihre Schülerinnen und Schüler können sich schlechter konzentrieren als vor fünf Jahren. Mehr als die Hälfte der österreichischen Eltern ist ohnehin für ein vollständiges Handyverbot.

Das ist kein Widerspruch zu mehr KI im Unterricht. KI gehört in die Schule, gezielt, angeleitet und auf Schulgeräten. Der private Feed mit TikTok und Messenger gehört nicht in die Klasse. Wer beides gleichsetzt, verwechselt ein Werkzeug mit einer Ablenkung.

Warum das eine Standortfrage ist

Jedes Unternehmen, mit dem ich spreche, baut Prozesse gerade um KI herum neu: Angebote, Kundenservice, Buchhaltung, Software. Gesucht werden nicht Menschen, die KI bedienen können. Bedienen kann jeder. Gesucht werden Menschen, die eine KI-Antwort prüfen, verbessern und dafür geradestehen. Das ist dieselbe Fähigkeit wie vor hundert Jahren: lesen, verstehen, rechnen, urteilen.

Die Politik antwortet darauf mit einem neuen Fach: „Informatik und KI“ in der AHS-Oberstufe ab 2027/28. Ich halte das für die falsche Antwort. Ich hatte in meiner Schulzeit selbst Informatik als Fach. Es war ein Witz, und an diesem Muster ändert ein neuer Name wenig. KI-Kompetenz entsteht nicht in einer Stunde pro Woche mit eigenem Lehrplan. Sie entsteht in jeder Deutschstunde, in der ein Text wirklich verstanden wird, und in jeder Mathestunde, in der ein Kind ein Ergebnis selbst überschlagen kann. Wer gut lesen, schreiben und rechnen kann, lernt den Umgang mit KI in wenigen Wochen. Wer es nicht kann, lernt ihn auch in einem eigenen Fach nicht.

Was Schulen morgen tun können, ohne Verordnung

1. Grundlagen täglich trainieren. Zwanzig Minuten Lesen pro Tag, Kopfrechnen, Texte mit der Hand schreiben. Unspektakulär, aber die Basis für alles andere.

2. Bei der Hausübung den Weg bewerten. KI ist erlaubt, aber mit drei Beilagen: der Prompt, die ursprüngliche KI-Antwort und drei Sätze dazu, was das Kind geändert hat und warum. Dazu fünf Minuten mündliche Nachfrage in der nächsten Stunde.

3. Mehr mündlich prüfen. 44 Prozent der befragten Lehrkräfte halten Präsentationen und Prüfungsgespräche inzwischen für die wirksamste Form der Leistungsbewertung. Einen Aufsatz schreibt ChatGPT in Sekunden. Spontane Rückfragen beantwortet er nicht für das Kind.

4. KI als Fehlersuche unterrichten. Die Klasse lässt die KI eine Mathematikaufgabe lösen und sucht den Fehler. Die KI fasst einen Zeitungsartikel zusammen, die Schüler prüfen jede Aussage gegen das Original. So trainiert KI genau die Grundkompetenzen, die sie sonst ersetzt.

5. Die Lehre mitdenken. 42 Prozent der österreichischen Eltern mit klarer Präferenz wünschen sich zuerst eine Lehre für ihr Kind, nur 34 Prozent ein Studium. Dann gehört KI auch in die Berufsschule: der Elektriker-Lehrling, der ein Angebot mit KI vorbereitet und jede Position selbst nachrechnet.

Was wir selbst gelernt haben

Bei GoStudent setzen wir KI im Unterricht ein, für Zusammenfassungen und Übungsfragen nach jeder Stunde. Unsere Erfahrung: KI macht gute Lehrpersonen wirksamer, ersetzt sie aber nicht. Nur 1 Prozent der befragten Lehrkräfte glaubt, dass KI sie ersetzen könnte. Ich glaube das auch nicht.

Handy raus, Grundlagen rein, KI mit Anleitung. Dafür braucht es kein neues Fach und kein zusätzliches Budget, nur Entscheidungen der Direktionen und den Mut der Politik.

Methodik: Der GoStudent Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 basiert auf einer Erhebung von Censuswide unter 3.001 Eltern und ihren Kindern (8 bis 16 Jahre) sowie 300 Lehrkräften in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich (Juni/Juli 2026). Der vollständige Bericht: gostudent.org/de-at/education-report/2026

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